Ernährungstrend Pegan: Paleo trifft vegan

Pegan Paleo und Vegan

Zwei boomende Ernährungsstile, die unterschiedlicher kaum sein könnten, verbinden sich zu einer neuen Food-Bewegung. Da stellt sich die Frage, wie das kulinarische Zusammenspiel von veganer und Paleo-Ernährung gelingt. Im folgenden Beitrag werden die wichtigsten Fakten zur peganen Ernährung genannt und der Sinn dieses Trends hinterfragt.

Die pegane Ernährung ist auf den amerikanischen Arzt Dr. Mark Hyman zurückzuführen, der die Ähnlichkeiten beider Trends betont. Beide Food-Bewegungen, die vegane und die Paleo-Ernährung (auch „Steinzeiternährung“ genannt), setzen auf einen Mix aus möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln, den Verzicht auf raffinierte Kohlenhydrate sowie Zusatzstoffe und auf viel frisches Gemüse. Da laut Hyman beide Philosophien auch den gesundheitlichen Aspekt fokussieren, war es sein Ziel, die jeweiligen Vorzüge beider Konzepte zu einer neuen Ernährungsform zu vereinen. Allerdings kann diese Fusion nach Hyman für vegan und vegetarisch lebende Menschen keine sinnvolle Alternative sein, da der Konsum von Fleisch lediglich reduziert wird.1

Der pegane Speiseplan

Mittlerweile gibt es neuere Pegan-Modelle, die komplett auf pflanzliche Nahrungsmittel in unverarbeiteter Form setzen. Während das Sammeln von Nüssen, Früchten und Co. fortgeführt wird, entfällt das Jagen der Steinzeit. Das Sammeln gilt als evolutionäre Grundlage der Steinzeiternährung. Autorinnen wie Jenna Zoe oder Ellen Jaffe Jones zeigen in ihren Kochbüchern, dass peganes Essen weder langweilig noch eintönig, sondern vielseitig, nährstoffreich und genussvoll sein kann. Probieren Sie doch einfach einmal die Grüne Energie-Suppe oder die Blumenkohl-Pizzettis.

Vorteile der Steinzeiternährung

Da unverarbeitete, frische Zutaten wie Obst, Gemüse, Nüsse und Samen im Vordergrund stehen, handelt es sich bei der peganen Kostform um eine natürliche, umweltgerechte und nährstoffreiche Ernährung mit saisonaler Basis. Darüber hinaus ist auch die Empfehlung sinnvoll, Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index zu fokussieren und so unter anderem zu einem gesunden Körpergewicht beizutragen.2

Fertigprodukte, die nicht nur wegen des industriellen Aufwands, sondern auch im Hinblick auf bedenkliche Zusatzstoffe sowie Nährstoffverluste als kritisch einzustufen sind3, fallen weg. Gleiches gilt für Zucker, Softgetränke, Alkohol, Kaffee, Milch- und Weißmehlprodukte. Insbesondere glutenhaltiges Getreide wie Weizen soll laut Hyman bedenklich sein1, wobei dieser Aspekt aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bisher nur für Personen mit einer Glutenunverträglichkeit nachvollziehbar ist.4 Im Gegensatz zur Raw-Food-Bewegung dürfen Gemüse und Co. bei peganer Ernährung erhitzt werden.

Kritik an der peganen Kost

Während die zahlreichen Pluspunkte einer naturbelassenen, frischen Kost klar für sich sprechen, könnte der pegane Speiseplan so manchen veganen Feinschmecker allerdings mit der einen oder anderen Herausforderung konfrontieren. Wer sich strikt an die Regeln hält, muss auf verarbeitete Produkte wie Tofu, Soja-Joghurt und weitere pflanzliche Milchalternativen sowie auf Fleischalternativen als Proteinlieferanten verzichten. Während diese Vorgaben auch positive Aspekte besitzen und dazu anregen, seine Mandelmilch beispielsweise selbst herzustellen und auf natürliche Eiweißquellen zu setzen, sind andere Empfehlungen fragwürdig.

Da zur Steinzeit kein Ackerbau betrieben wurde, gilt es, auch Reis, Kartoffeln, Nudeln und Brot – selbst in der ernährungsphysiologisch sinnvollen Vollkorn-Variante – vom Speiseplan zu streichen. Selbst pflanzliche Öle (außer Olivenöl) und Hülsenfrüchte werden gemieden. Dabei liefern diese Lebensmittel einen wertvollen Mix aus Ballaststoffen, ungesättigten Fettsäuren, essentiellen Aminosäuren und weiteren Mikronährstoffen.5 Insgesamt wird an einer Paleo-Ernährung und ihren verschiedenen Formen auch kritisiert, dass heutzutage kaum noch ein Lebensmittel dem gleicht, was vor 20.000 Jahren existierte.6

Fazit: Die goldene Mitte wählen

Während die Empfehlungen der peganen Ernährung, den Fokus auf unverarbeitete Lebensmittel und Gemüse zu setzen und Zusatzstoffe zu meiden, sicher als Pluspunkte einzustufen sind, bedeutet der Verzicht beziehungsweise die Reduktion von Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ein deutliches Manko. Da Essen darüber hinaus mehr als eine reine Zufuhr an Nährstoffen ist, sollte es im Hinblick auf Genuss durchaus vertretbar sein, seinen Speiseplan facettenreich zu gestalten – auch einmal mit einem Seitanschnitzel und einem Riegel veganer Schokolade.

Beke Enderstein

Autorin

Beke Enderstein

Diplom-Oecotrophologin

Quellen

1 Hyman, M. (2014): Why I am a Pegan – or Paleo-Vegan – and Why You Should Be Too! Online unter http://drhyman.com/blog/2014/11/07/pegan-paleo-vegan/ [10.04.2017].

2 Buyken, A. (2003): Glykämischer Index: Revolution oder Sturm im Wasserglas? In: UGB-Forum 4/2003, S. 201-204. Online unter https://www.ugb.de/glykaemischer-index/glykaemischer-index-tabelle/ [10.04.2017].

3 Donner, S.(2008): Fertiggerichte: Ungesunde Schnellküche? In: UGB-Forum 6/2008, S. 296-299. Online unter https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/fertiggerichte-ungesunde-schnellkueche/ [10.04.2017].

4 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2013): Essen und Trinken bei Zöliakie. Online unter https://www.dge.de/presse/pm/essen-und-trinken-bei-zoeliakie/ [10.04.2017].

5 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2016): Ein Hoch auf Hülsenfrüchte. Online unter https://www.dge.de/presse/pm/ein-hoch-auf-huelsenfruechte/ [10.04.2017].

6 Weimer, S. (2014): Was bringt die Steinzeit-Ernährung? Online unter https://www.welt.de/gesundheit/article126401093/Was-bringt-die-Steinzeit-Ernaehrung.html [10.04.2017].