Benennung von Veggie-Produkten: VEBU stellt Antrag an Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission

[16.03.17] Der VEBU hat einen Antrag bei der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) zur Benennung veganer und vegetarischer Lebensmittel eingereicht. Der konkrete Formulierungsvorschlag soll Sicherheit und Orientierung für Verbraucher und Hersteller gewährleisten.

Der VEBU spricht sich für den Erhalt der sinnvollen Benennungspraxis aus

Die Frage, wie Veggie-Produkte bezeichnet werden dürfen, ist nach wie vor eine rechtliche Grauzone. Ein Fachausschuss der DLMBK erarbeitet zurzeit einen Leitsatz zur Benennung veganer und vegetarischer Lebensmittel. Till Strecker, Leitung VEBU-Politik, ist als Sachkundiger dabei.

Der VEBU hat mittels eines Antrags einen konkreten Formulierungsvorschlag eingereicht, der eine sinnvolle und pragmatische Diskussionsgrundlage bietet. Er basiert auf der aktuellen, unproblematischen Benennungspraxis: Vegane und vegetarische Alternativprodukte werden häufig mit Begriffen gekennzeichnet, die herkömmlich für Lebensmittel mit tierischen Zutaten verwendet werden. Diese Vorgehensweise ist für Verbraucher sinnvoll, da dadurch viele Eigenschaften eines Produktes auf einen Blick erfassbar sind. Die Abweichung vom tierischen Produkt wird deutlich kommuniziert, am häufigsten durch die Angabe „vegan“ oder „vegetarisch“. Die beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angesiedelte DLMBK beschreibt in ihren Leitsätzen die Beschaffenheit von Lebensmitteln. Ihre Beschlüsse sind in Deutschland von großer Bedeutung.

„Fleischbegriffe“ führen nicht zu Fehlkäufen

Eine repräsentative Umfrage durch den Verbraucherzentrale Bundesverband zeigt, dass sich nur 4 % der Befragten jemals vergriffen haben, also schon einmal versehentlich statt eines tierischen oder fleischhaltigen Lebensmittels ein vegetarisches oder veganes Produkt gekauft haben – oder umgekehrt.1 Die gängige Praxis, vegane und vegetarische Alternativprodukte mit Begriffen, die herkömmlich für tierische Produkte genutzt werden, zu kennzeichnen, führt also nicht zu Fehlkäufen oder Irreführungen. Auch das BMEL kann keine Belege für eine Irreführung vorweisen. Bundesminister Christian Schmidt hatte Ende vergangenen Jahres medienwirksam gefordert, wegen angeblicher Irreführung und Verunsicherung „Fleischbegriffe“ wie beispielsweise „Schnitzel“ und „Wurst“ für Vegetarisches zu verbieten.2 Bereits damals hatte der VEBU darauf reagiert und Schmidts Aussagen kritisiert.

Die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Alternativprodukten stieg in den vergangenen Jahren stark an. Da für die Benennung dieser Produkte bislang keine verbindlichen Regelungen existieren, steht die Kennzeichnung von Fleischalternativen und weiteren Veggie-Produkten in der Diskussion.

Konkrete Anforderungen an den Leitsatz

Damit die Nutzung von Begriffen, die herkömmlich für Lebensmittel mit tierischen Zutaten verwendet werden, logisch und sinnvoll für Verbraucher ist, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen sollte das Produkt eine hinreichende Ähnlichkeit mit dem „Original“ aufweisen, beispielsweise hinsichtlich Aussehen, Geschmack und Verwendung. Zum anderen soll die Abweichung durch die deutliche Angabe der Eigenschaft „vegan“ oder „vegetarisch“ erkennbar gemacht werden. In der Praxis ist eine entsprechende Kennzeichnung seit Langem üblich. Dies in einem Leitsatz der DLMBK zu beschreiben, verbessert auch die Rechtssicherheit für Hersteller und Händler.

Auch Hersteller wollen liberale Regelung

Die Hersteller veganer und vegetarischer Alternativprodukte teilen unsere Sicht. Im Dezember 2016 wurden auf einer vom VEBU ausgerichteten Tagung in Frankfurt am Main von zahlreichen Lebensmittelherstellern klare Forderungen erhoben: Vegetarische und vegane Fleischalternativen sollen auch weiterhin ansprechend und informativ benannt werden können. Probleme mit der bisherigen Benennungspraxis seien nicht bekannt. Ihre Position verabschiedeten der VEBU und die beteiligten Unternehmen in einem gemeinsamen Papier.

Den VEBU-Antrag an die DLMBK finden Sie hier [PDF].

Felix Domke

Autor

Felix Domke

ProVeg-Politik

Quellen

[1] Verbraucherzentrale Bundesverband (2017): Umfrage zur Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Lebensmitteln. Forsa im Auftrag des vzbv vom Juni 2015. Online unter http://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/2017/02/15/meinungen_zur_kennzeichnung_von_lebensmitteln_080615.pdf [16.03.2017].

[2] Tagesspiegel (2016): Kampf gegen die Pseudo-Wurst. Ernährungsminister will Fleischnamen für Veggie-Produkte verbieten. Online unter http://www.tagesspiegel.de/politik/kampf-gegen-die-pseudo-wurst-ernaehrungsminister-will-fleischnamen-fuer-veggie-produkte-verbieten/19183488.html [16.03.2017].