1892 – 1904: Gründung und erste Erfolge

Am 07. Juni 1892 schlossen sich der „Deutsche Verein für natürliche Lebensweise“, der „Deutsche Verein für harmonische Lebensweise“ und einige andere Lokalvereine zum VEBU zusammen. Die Gründung fand in dem Leipziger Gasthaus Pomona statt, da damals ausschließlich in Sachsen ein Verein als juristische Person galt.

Zum ersten Vorsitzenden wurde der Lehrer Ernst Hering gewählt, der dieses Amt für zwölf Jahre innehielt. Über 400 Mitglieder konnte der VEBU bereits in seinem Gründungsjahr gewinnen, bis zu Herings Abtritt 1904 stiegen die Zahlen sogar auf über 1500.

Während dieser Zeit wurde auch die Mitgliedszeitschrift „Vegetarische Rundschau“ ins Leben gerufen. Später wurde sie in „Vegetarische Warte“ umbenannt und gilt als Vorgänger der heutigen VEBU Magazin.

1905 – 1909: Professionalisierung und internationale Vernetzung

Nach dem Abgang von Ernst Hering wurde Dr. med. Gustav Selß neuer Vorsitzender des VEBU. Unter seiner Leitung kam es zu einer zunehmenden Professionalisierung. Der Vorstand und der Verwaltungsrat wurden vergrößert und zahlreiche Ausschüsse wurden gegründet.

In der Geschäftsstelle in Frankfurt am Main wurden zudem drei hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. 1908 fand in Dresden der erste internationale Vegetarierkongress statt, bei dem die International Vegetarian Union gegründet wurde.

1910 – 1928: Unstimmigkeiten und Entzweiung

Ab 1910 kam es beim VEBU vermehrt zu Auseinandersetzungen, woraufhin zahlreiche Mitglieder den Verein verließen. Diverse Ableger, wie der „Verein der vegetarischen Frauen“ oder die „Vegetarische Gesellschaft“ wurden gegründet.

Der Schriftsteller und Tierrechtler Magnus Schwantje versuchte in der „Gesellschaft zur Förderung des Tierschutzes und verwandter Bestrebungen“ wieder alle ethischen Bestrebungen zu vereinen. Doch nach dem ersten Weltkrieg gründeten sich weitere Vereine wie der „Bund für radikale Ethik“ oder der „Internationale Sozialistische Kampfbund“.

1929 – 1933: inhaltliche Neuausrichtung

Durch die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre sanken die Mitgliedszahlen weiter. Ab 1929 wurde die „vegetarische Warte“ nur noch unregelmäßig gedruckt und 1933 schließlich komplett eingestellt.

1931 wurde der Studienrat Bruno Wolff zum neuen und somit dritten Vorsitzenden des VEBU gewählt. Unter ihm wurde der „neue zukunftsweisende Hochvegetarismus“ gefordert. Dieses Konzept beinhaltete nicht mehr nur noch Fleischfrei zu leben, sondern frei von jeglicher Art von tierischen Produkten. Der heute dafür verwendete Begriff „vegan“ wurde erst 1944 von dem Engländer Donald Watson eingeführt.

1933 – 1935: Auflösung in der NS-Zeit

Mit der Machtübernahme der Nazis brachen auch für den VEBU schwere Zeiten an. Zwar wurde der angebliche Vegetarier Adolf Hilter gerne als Tierfreund dargestellt, die Vegetarierverbände waren jedoch unerwünscht. Sie wurden verdächtigt den Pazifismus zu fördern, weswegen sie mit negativer Berichterstattung und bürokratischen Hürden zu kämpfen hatten.

1935 sollten alle Vegetarierverbände in die von der NSDAP geleitete „Deutschen Gesellschaft für Lebensreform“ überführt werden. Der VEBU beschloss am 18.02.1935 seine Auflösung, um diesem Schritt zu entgehen. Viele andere Verbände folgten diesem Beispiel.

1946 – 1972: Neugründungen als VUD

Am 29.05.1946 wurde in Sontra bei Kassel die VUD (Vegetarier-Union Deutschland) gegründet. Aus besatzungsrechtlichen Gründen wurde in der französischen Zone die VU (Deutsche Vegetarier-Union) ins Leben gerufen, welche bis Mitte der 1970er Jahre existierte.

Ab 1956 wurde mit „Der Vegetarier“ von der VUD wieder eine Zeitschrift herausgegeben. Ebenfalls 1956 wurde der „Rat der Deutschen Vegetarier Bewegung, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Vegetarierverbände „ gegründet, welcher sich später in „Deutscher-Vegetarier-Rat“ umbenannte.

Unter diesem Dachverband konnten sich neben der VUD und VU vielen lokalen Verbände und Organisationen vernetzen. Als eins der wichtigsten Ergebnisse dieses Rats gilt die Verabschiedung der Rehburger Formel 1963:

Der Vegetarismus ist die Lehre, dass der Mensch aus ethischen und biologischen Gründen ausschließlich zum Pflanzenesser bestimmt ist. Sein stärkstes Motiv ist die Überzeugung, dass möglichst kein Tier für die menschliche Existenz getötet oder geschädigt werden soll.

1973 – 1995: Zusammenschluss und Umbenennung

1973 schlossen sich der VUD und der Freundeskreis der deutschen Reformjugend unter dem Namen „Bund für Lebenserneuerung. Vereinigung für ethische Lebensgestaltung, Vegetarismus und Lebensreform“ zusammen. 1985 wurde dieser Bezeichnung der Name „Vegetarierbund Deutschland“ voran gestellt, welcher heute wieder der alleinige Name der Organisation ist.

1996 – Heute: Modernisierung und Veggie-Boom

1996 wurde Thomas Schönberger zum neuen Vorsitzenden des VEBU gewählt, welcher dieses Amt bis heute innehat. 1999 wurde der Vereinszeitschrift ein neues Konzept und ein neuer Name gegeben. Seit 2015 heißt das Magazin „VEBU Magazin“.

In den folgenden Jahren wurden zudem zahlreiche Projekte entwickelt und durchgeführt und die Kommunikationsstrategie modernisiert. 2008 feiert die IVU in ihrem Gründungsort Dresden ihren 100. Geburtstag.

Im gleichen Jahr fingen die Mitgliedszahlen an deutlich zu wachsen. Von damals 2500 Mitgliedern stieg die Anzahl bis heute auf über 13000.

2012 schloss sich die Vegetarische Gesellschaft Stuttgart (VGS) dem VEBU an. Die Mitglieder engagieren sich heute in über 130 Regionalgruppen in ganz Deutschland und unterstützen die zahlreichen hauptamtlichen Mitarbeiter in der Geschäftsstelle im Herzen Berlins.

Die Zukunft isst pflanzlich

Nach über 120 Jahren mit vielen Erfolgen, aber auch einigen Rückschlägen ist der VEBU so gut aufgestellt wie nie zuvor. Mit den Projekten des VEBU werden Träume, Ziele und Konzepte von vor über hundert Jahren heute Realität und verbreiten so die Idee eines tierleidfreien Lebens.

Die Erfolge sprechen für sich. Meinungsforschungsinstitute ermittelten für Deutschland eine Anzahl von 7,8 Mio. Vegetariern und 900.000 Veganern. Täglich kommen schätzungsweise 2000 Menschen hinzu.

Renate Brucker und Lucas Christoffer


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