Anbau von Soja: Verschwendung an die Futtermittelindustrie

Anbau von Soja Bildquelle: Alf Ribeiro / shutterstock.com

Die vielseitige und eiweißreiche Sojabohne kann eigentlich zur Bodenfruchtbarkeit beitragen, aber meist wächst die für die Futtermittelindustrie gentechnisch veränderte Pflanze in riesigen industriell bewirtschafteten Monokulturen und benötigt große Mengen an Pestiziden. Der Flächenanspruch für den Sojaanbau geht zulasten des tropischen Regenwaldes und anderer wertvoller Ökosysteme.

Sojabohnen gehören zu den Hülsenfrüchten und sind eigentlich ökologisch vorteilhaft. Als Leguminosen binden sie Stickstoff aus der Luft und können ihn mithilfe von Bakterien in den Boden bringen. Dadurch ist der Bedarf an zusätzlicher Düngung gering. Allerdings ist der Wasserbedarf hoch, was an trockenen Standorten eine Bewässerung notwendig macht. Der hohe Gehalt an Eiweiß (Protein) macht die Bohnen vor allem für die Tierfütterung besonders interessant.

Die Gründe des Soja-Booms

Die meisten Sojabohnen werden zu 80 % Sojaschrot beziehungsweise -mehl und knapp 20 % Sojaöl verarbeitet. Der proteinreiche Schrot wird fast ausschließlich als Tierfutter verwendet. Nur 2 % des Schrotes dienen direkt der menschlichen Ernährung, etwa als Backzutat oder für vegan-vegetarische Fleischalternativen. Sojaschrot als Futtermittel hat somit nicht nur mengenmäßig den größeren Anteil an der Bohne, sondern mit bis zu 75 % auch an ihrem Wert. Das Öl ist längst nur noch das Nebenprodukt des Futtermittelanbaus.

Sojaöl ist als Speiseöl weltweit noch immer sehr nachgefragt, wenngleich nicht in Deutschland. Hierzulande findet es sich aber in diversen Speisefetten und als Lecithin in industriell hergestellten Lebensmitteln. Zudem landet es im Agrosprit wie sogenanntem „Biodiesel“. Die Sojapreise reagieren daher anders als bei anderen Ölpflanzen (wie Ölpalmen und Raps) weniger auf die veränderte Nachfrage nach Ölen und Fetten. Der Soja-Boom liegt vor allem an der weltweit steigenden Nachfrage nach Fleisch und Milch.

Soja in der menschlichen Ernährung

In der Ernährung des Menschen spielt Soja traditionell in Ostasien eine große Rolle. In Deutschland und anderen Industrienationen erfreuen sich Sojaprodukte nicht nur bei vegetarisch und vegan lebenden Menschen zunehmender Beliebtheit. Tofu, Sojawurst und Sojamilch geraten jedoch häufig in Verdacht, für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich zu sein. Ein bisweilen mit Häme gegenüber Veganern vorgetragener Vorwurf. Dass in Wirklichkeit Fleisch, Milch und Eier die „Übeltäter“ sind, ist den wenigsten Menschen klar. Tatsächlich werden an Kühe in etwa so viele Sojabohnen je Liter Kuhmilch verfüttert wie man für 1 Liter Sojamilch benötigt. Bei der “Produktion” von Kuhmilch werden zudem auch noch weitere Futtermittel benötigt – nicht zu sprechen von den umweltbelastenden Emissionen, die dabei anfallen.

Soja als Tierfutter

Rinder bräuchten als Graser eigentlich gar kein Kraftfutter. Jedoch sind gerade die für die Milchindustrie auf Höchstleistungen gezüchteten Tiere auf die Zufütterung mit eiweißreichem Kraftfutter angewiesen. Die Bohne hat nicht zuletzt durch das Fütterungsverbot mit Tiermehlen nach dem BSE-Skandal an Bedeutung als proteinreiches Futtermittel gewonnen. Das Futter von Schweinen enthält je nach Alter bis zu 25 % Sojaschrot. Für 1 Kilogramm Schweinefleisch werden neben anderen Futtermitteln 500–600 Gramm Sojaschrot eingesetzt.

Gentechnisch verändertes Soja als Tierfutter

In Nord- und Südamerika sind über 90 % der Sojapflanzen gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Aus diesen Regionen wir das meiste Soja nach Deutschland importiert – so kommt GVO-Soja als Futtermittel in deutsche Ställe. Gentechnisch veränderte Lebensmittel oder deren Zutaten müssen in der EU gekennzeichnet sein. Anders sieht es jedoch bei Fleisch und anderen Produkten von Tieren aus, die mit genetisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden. Hier gibt es noch immer keine Kennzeichnungspflicht.

Die in Deutschland angebotenen Sojaprodukte sind hingegen fast ausschließlich gentechnikfrei und häufig aus biologischer Landwirtschaft. Das Soja hierfür stammt aus der EU selbst, etwa aus Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich sowie aus Kanada und China.

Deutschland importiert Futtermittel

Nach China ist die EU der größte Importeur von Soja. Aufgrund seiner riesigen Bestände an „Nutztieren“ ist auch Deutschland auf den Import eiweißreicher Futtermittel wie Soja angewiesen. Aus der eigenen Landwirtschaft kann die EU nur die zur Fütterung verwendeten Mengen an Getreide, Gras, Silage und Heu selbst aufbringen. Aber nur mit diesem Aufkommen ist die derzeitige Produktion der Masse an tierischen Lebensmitteln nicht möglich.

Obwohl schon 60 % des in Deutschland angebauten Getreides und 70 % seiner Ölsaaten in der Tierfütterung landen, muss hierzulande zusätzlich ein knappes Drittel der Eiweißfuttermittel importiert werden. Brasilien ist der größte Exporteur von Futtermittel-Soja nach Deutschland. Beim Import von Sojaschrot spielt auch Argentinien eine große Rolle.

„Import“ von Fläche

Weltweit werden Sojabohnen auf über 120 Millionen Hektar angebaut. Das ist mehr als die dreifache Gesamtfläche der Bundesrepublik. Für die 6–7 Millionen Tonnen an importiertem Soja nutzt Deutschland fast 3 Millionen Hektar Fläche im Ausland, mehr als die Hälfte davon in Brasilien.

Ökologische Katastrophe in Südamerika

Sojafelder zerstören wertvolle und artenreiche Wald- und Savannenflächen. So zum Beispiel die brasilianischen Cerrados, die Heimat von Nandus und Tapiren sowie etlicher Arten, die ausschließlich in dieser 2 Millionen Quadratkilometer großen Savannenlandschaft vorkommen. Diese Artenvielfalt ist durch die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen bedroht – insbesondere wegen des Sojaanbaus. Bereits zwei Drittel der Cerrados sind durch Eingriffe des Menschen stark verändert oder der Landwirtschaft zum Opfer gefallen.

In Brasilien wird Soja nicht so sehr direkt im Amazonas-Gebiet angebaut. Allerdings ist der Anbau so gewinnbringend, dass woanders landwirtschaftliche Produktionen in die Regenwald-Gebiete verlagert werden, um Platz zu schaffen für noch mehr Sojaflächen. Das betrifft vor allem Weideflächen, die für den Sojaanbau erst noch umgebrochen werden müssen. Schon allein die Umwandlung von Weiden in Ackerland verursacht Treibhausgasemissionen und geht auf Kosten der Artenvielfalt.

Die Zerstörung des Regenwaldes durch Soja

Der ökologische Schaden geht noch weit über den Umbruch von Grünland hinaus. Die extensive Weidewirtschaft wird in Regenwaldgebiete verlagert. Für die Weideflächen wird Regenwald abgeholzt, was die Lebensgrundlagen zahlreicher Tier- und Pflanzenarten sowie der indigenen Einwohner dort bedroht.

Südamerikas Soja hat eine schlechte Klimabilanz

Die Treibhausgasemissionen durch direkte Landnutzungsänderungen sind in Paraguay mit Abstand die höchsten. Denn dort erfolgt die Ausweitung des Sojaanbaus häufig auf neuen Flächen und es wird auch vergleichsweise viel Regenwald dafür abgeholzt. Die Emissionen von Soja entstehen in erster Linie durch die damit verbundenen Landnutzungsänderungen. So fallen je Kilogramm Sojaschrot aus Südamerika im Durchschnitt Treibhausgasemissionen an, die rund 4 Kilogramm CO2 entsprechen. Anbau, Verarbeitung und Transport nach Deutschland tragen nur mit etwa 600 Gramm dazu bei.

Belastung von Menschen, Böden und Gewässern

Wenn die ursprüngliche Vegetation in Wäldern und Savannen zu Ackerland für den Sojaanbau umgewandelt wird, müssen die nährstoffarmen Böden gedüngt werden. Überdüngung kann zu weiteren Schäden an der umliegenden Flora und Fauna führen. Da Soja überwiegend in agrarindustriellen Monokulturen angebaut wird, werden Pestizide und schwere Landmaschinen eingesetzt. Die Bodenqualität wird dadurch weiter verschlechtert und die Gewässer mit Nitraten und Pestiziden belastet. Die Umweltbelastungen führen auch zu gesundheitlichen Problemen wie Krebs und Fehlbildungen bei der Bevölkerung vor Ort.

Ebenso der Anbau von Palmöl verursacht massive ökologische Probleme und die Menschen, die die Palmölfelder bewirtschaften leiden unter den gesundheitsgefährdenden Pestiziden und schlechten Arbeitsbedingungen. Zudem fördert der Palmölanbau auch das Artensterben – stark gefährdete Arten wie der Borneo-Orang-Utan sowie die Sumatra-Orang-Utans, Borneo-Zwergelefanten und Sumatra-Tiger sind bedroht.

Konflikte um Landnutzungsrechte

2 % der Unternehmen verfügen in Argentinien inzwischen über mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Unter dem Soja-Boom leiden besonders Kleinbauern, die nicht so viel Pacht wie die großen Unternehmen, Großgrundbesitzer und Investoren bezahlen können. Dabei spielen sie für die lokale Lebensmittelproduktion eine wesentliche Rolle. Aufgrund des Ausbaus seiner Anbauflächen für Soja muss beispielsweise Argentinien inzwischen große Mengen an Lebensmitteln importieren.

Probleme für den Stickstoffkreislauf

Da das Futter aus Südamerika in den Trögen von Tieren in anderen Erdteilen landet, fehlt es vor Ort an genügend Gülle und Mist zur Düngung im Ackerbau, sodass große Mengen an in der Herstellung energieaufwändigem Mineraldünger eingesetzt werden. Die Sojafütterung in Europa verschärft auch in Deutschland ökologische Probleme. Das sehr stickstoffreiche Kraftfutter aus Soja erhöht über die Ausscheidungen der Tiere in Deutschland die ohnehin schon hohen Stickstoffeinträge in die Umwelt.

Sojaanbau in Deutschland und Europa

Teile der Politik, des Lebensmitteleinzelhandels und der Konsumenten wünschen sich gentechnikfreies Soja auch als Futtermittel und plädieren für die Umstellung auf heimische Eiweißfuttermittel. Immerhin boomt inzwischen der Sojaanbau auch in einigen Regionen Deutschlands. Die Anbaufläche für Sojabohnen hat sich von 2012 bis 2015 von 5.000 auf über 17.000 Hektar mehr als verdreifacht. Zudem gibt es weitere heimische Alternativen zu den proteinreichen Bohnen wie Luzerne, Ackerbohne, Erbse, Raps und Lupine. Sinnvoller wäre es aber auch hier, diese Hülsenfrüchte gar nicht erst an Tiere zu verfüttern, sondern direkt für den menschlichen Konsum zu nutzen. 1850 wurden in Deutschland noch rund 20 Kilogramm Hülsenfrüchte pro Kopf im Jahr gegessen. Derzeit sind es nur 0,5 Kilogramm. Soja und andere Hülsenfrüchte sollten aus ökologischen, gesundheitlichen und ethischen Gründen also besser direkt verzehrt werden, anstatt Fleisch und andere tierischen Produkte zu essen.

Andreas Grabolle

Autor

Andreas Grabolle

Wissenschaftsjournalist und Autor von „Kein Fleisch macht glücklich“