Waldrodung und Artensterben durch Massentierhaltung

Wald- & Artensterben Bildquelle: Rich Carey / shutterstock.com

Die Massentierhaltung verursacht zu einem großen Teil den Rückgang der globalen Artenvielfalt. Die Abholzung der Regenwälder, der Anbau von Futtermitteln in Monokulturen unter hohem Pestizideinsatz sowie die tierischen Ausscheidungen belasten die Ökosysteme.

Der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten ist eine wesentliche Ursache für das globale Artensterben. Die Abholzung von Regenwald für Viehweiden, die Ausscheidungen der „Nutztiere“ sowie der Anbau von Futtermitteln in Monokulturen unter hohem Pestizideinsatz bedrohen viele Tier- und Pflanzenarten und tragen zur Zerstörung etlicher Ökosysteme bei. Die industrielle Landwirtschaft ist heutzutage ein Hauptgrund für das Waldsterben und bedroht darüber hinaus das Überleben der Bienen.

Der Mensch verursacht Massensterben

Derzeit findet das sechste große Massensterben in der Erdgeschichte statt. Dieses Mal ist der Mensch die Ursache – der global zunehmende Fleischkonsum steht dabei als Haupttreiber an erster Stelle. Denn Viehweiden und Äcker für Futtermittel sind in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in den Regionen entstanden, in denen besonders viele Tier- und Pflanzenarten vorkommen wie den tropischen Regenwäldern. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach tierischen Produkten werden immer mehr ursprüngliche Landschaften umgewandelt und Lebensräume zerstört.

Auch die Tierbestände der Meere wie bestimmte Thunfisch- und Schildkrötenarten sind bedroht durch die hochindustrialisierten Fangflotten und zerstörerischen Praktiken der Fischereiwirtschaft. Die Fischerei lässt global wie auch in deutschen Gewässern vielen Arten zu wenig Zeit und Raum zur Bestandserholung. Sie zerstört oder schädigt durch rabiate Fangmethoden marine Ökosysteme und bedroht zahlreiche auch wirtschaftlich ungenutzte Arten, die als Beifang verenden oder selbst nicht mehr genügend Nahrung finden.

Nicht zuletzt trägt die Tierhaltung laut “Food and Agriculture Organization of the United Nations” (FAO, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) mit etwa 15 % als einer der Hauptverursacher des Klimawandels durch die globale Erwärmung maßgeblich zum Sterben der Wälder und zum Aussterben etlicher Tier- und Pflanzenarten bei. Etliche Arten können sich nicht schnell genug an die geänderten Lebensbedingungen anpassen, werden verdrängt und sind in ihrem Überleben bedroht.

Die Artenvielfalt nimmt durch die Fleisch- und Milchproduktion rasant ab

Die Artenvielfalt verringert sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Das Tempo, in dem Arten für immer verschwinden, hat in den vergangenen Jahrzehnten exponentiell zugenommen und sich gegenüber der vormenschlichen Zeit inzwischen vertausendfacht. Während über Jahrmillionen etwa eine Art pro Jahr ausstarb, hat sich der Zeitraum in den vergangenen Jahrzehnten auf weniger als eine Stunde verkürzt. Dadurch gehen rund 10.000 Arten jedes Jahr für immer verloren.

Man geht davon aus, dass in Folge des Aussterbens jeder Pflanzenart mindestens 30 Tierarten ebenfalls aussterben. Von den rund 5.500 bekannten Säugetierarten gilt ein Viertel oder mehr als bedroht. Etliche Arten wie der Chinesische Flussdelfin sind bereits ausgestorben. Von geschätzten 100 Millionen ein- und mehrzelligen Arten ist bislang vielleicht erst ein Zehntel bekannt. Viele Arten werden daher verschwinden, ohne dass wir jemals von ihrer Existenz wussten, darunter wahrscheinlich auch viele Pflanzen, die diverse Krankheiten heilen könnten. Der Konsum tierischer Produkte trägt durch seinen hohen Ressourcenverbrauch und andere umweltbelastende Folgen erheblich zum Artenschwund bei.

Abholzung der Regenwälder für die Milch- und Fleischproduktion

Der Großteil der bedrohten Arten bei Säugetieren und Vögeln ist gefährdet, weil die Wälder als ihr Lebensraum zerstört sind oder sich nicht mehr in ihrem ursprünglichen, artenreichen Zustand befinden. Seit der letzten Eiszeit sind vier Fünftel aller Wälder vernichtet oder nicht mehr intakt. Abholzung, Brandrodung und andere Eingriffe zerstören unsere Wälder. Zu den wesentlichsten Ursachen zählt die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln.

Besonders kritisch sind die Zustände der Regenwälder. Sie bedecken nur 7 % der Erdoberfläche, beherbergen aber möglicherweise die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten. Der Amazonas-Regenwald ist mit 6 Millionen Quadratkilometern der größte Regenwald und macht rund die Hälfte der noch verbliebenen tropischen Waldflächen der Erde aus. Allerdings ist auch er schon zu 20 % zerstört und zu weiteren 20 % geschädigt. Laut WWF beheimatet der Amazonas-Regenwald 10 % aller Arten, darunter über 400 Säugetiere, rund 1.300 Vögel, 4.000 Fische, zehntausende Pflanzen und über eine Millionen Insektenarten. Dabei sind viele Gegenden noch gänzlich unerforscht geblieben.

Im Amazonas-Gebiet sind fast zwei Drittel der entwaldeten Gebiete Viehweiden, wie Satellitenaufnahmen zeigen, und die Rinderzucht breitet sich weiterhin rasant aus. Obwohl die Abholzung des Regenwaldes oftmals illegal ist, geht die Zerstörung weiter. Auch die steigende Nachfrage von Soja als Tierfutter fördert die Zerstörung des Amazonas-Gebiets, besonders, weil sie Viehweiden in die Regenwald-Gebiete verdrängt.

„Waldsterben“ in Deutschland durch Massentierhaltung

Nicht nur die tropischen Regenwälder, sondern auch heimische Wälder und die Artenvielfalt in Deutschland leiden unter der Massentierhaltung. Hierzulande sind es besonders die Stickstoffüberschüsse, die als Luftschadstoff Ammoniak und nach Umwandlung als wasserlösliches Ammonium Ökosystemen an Land und im Wasser durch Versauerung und Nährstoffüberversorgung erheblich zusetzen. Sie zählen zu den größten Luftschadstoffen. Ihre Umweltfolgen sind kaum oder nur über lange Zeiträume zu beheben.

Die Landwirtschaft ist in Deutschland mit 95 % Hauptverursacher von Ammoniak, mehr als vier Fünftel stammen aus der Haltung von Rindern, Schweinen und Geflügel. Den größten Anteil daran hat die Rinderhaltung. Das Ammoniak entsteht aus der Gülle und dem Mist der „Nutztiere“, wenn sich der Harnstoff und die Eiweiße aus ihren Exkrementen zersetzen.

Die Folgen von Ammoniak aus der Massentierhaltung

Hohe Luftkonzentrationen von Ammoniak aus der Massentierhaltung schädigen die Pflanzen in der Umgebung direkt. Das Gas wandelt sich darüber hinaus in andere umweltschädigende Stickstoffverbindungen um und verschlechtert durch Bildung von Feinstaub und Ozon die Atemluft. Außerdem beeinträchtigt es als Nitrat die Wasserqualität und trägt als Lachgas zum Klimawandel bei. 1 Kilogramm Lachgas entspricht rund 300 Kilogramm CO2. Die Ammoniumsalze wiederum schädigen als „Saurer Regen“ Bäume und andere Pflanzen sowie Böden und Gewässer.

Auch wenn der Wald hierzulande nicht stirbt, wie einst befürchtet, haben die Waldschäden zugenommen. Der Klimawandel verschärft die Situation weiter. Immerhin zwei Drittel der deutschen Waldbäume sind geschädigt und damit auch anfälliger für Stürme und Parasiten. Die Folgen der Waldzerstörung sind nicht nur problematisch für das lokale und globale Klima. Naturkatastrophen wie Erdrutsche häufen sich in Gegenden mit geschädigten Wäldern oder fallen verheerender aus.

Intensivtierhaltung verursacht Artensterben

Die Massentierhaltung beschleunigt das Artensterben unter anderem durch die Abholzung des Regenwaldes oder durch das Ausbringen von Gülle. Außerdem lassen Monokulturen Wildtieren und -pflanzen wenig (Über-)Lebensräume. Viele artenreiche Grünflächen sind durch Überdüngung in artenarmes, intensiv bewirtschaftetes Grünland umgewandelt worden, um maximale Erträge für die Rinderfütterung zu ermöglichen, wodurch wiederum die Bodenfruchtbarkeit leidet.

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Der Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft ist zudem eine große Gefahr für die Bestände von Insekten, Vögeln und Kleintieren. Vor allem Bienen machen die Nervengifte das Überleben schwer. Sie leiden ohnehin schon an der durch Monokulturen verursachten Armut an Nahrungsquellen. Als Bestäuber zahlreicher Kultur- und Wildpflanzen sind Bienen sowohl für die biologische Vielfalt als auch für die Ernteerträge von großer Bedeutung. Somit gefährden wir auch durch die Massentierhaltung ganz unmittelbar unsere Lebensgrundlagen.

Andreas Grabolle

Autor

Andreas Grabolle

Wissenschaftsjournalist und Autor von „Kein Fleisch macht glücklich“