Klimawandel: Industrielle Landwirtschaft als Ursache

Klimawandel CO2 Bildquelle: FloridaStock / shutterstock.com

Unser Essverhalten ist eine wesentliche Ursache des Klimawandels. Die Ernährung trägt erheblich zum Gesamtausstoß an Treibhausgasen und damit zur Erderwärmung bei. Eine Reduktion von tierischen Produkten ist daher ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz.

Schätzungen machen den Ernährungsbereich in der EU für bis zu 40 % ihrer gesamten Emissionen verantwortlich. Den größten Anteil daran hat die Landwirtschaft. Die Menge der vom Menschen weltweit verursachten Treibhausgase beträgt jährlich 45–50 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente, davon ist etwa ein Viertel auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Das Umweltbundesamt schätzt, dass die Landwirtschaft sogar mit rund 30 % zum globalen Treibhauseffekt beiträgt.

Um die Klimawirkung der verschiedenen Treibhausgase einfacher vergleichen zu können, rechnen Fachleute zum Beispiel die Methan- und Lachgas-Emissionen in CO2-Äquivalente um. Diese haben dann (über einen festgelegten Zeitraum) das gleiche Treibhausgaspotenzial wie die entsprechende Menge an Kohlendioxid. 1 Kilogramm Methan entspricht je nach Berechnung der Wirkung von etwa 25 Kilogramm CO2 und 1 Kilogramm Lachgas entspricht rund 300 Kilogramm CO2.

Hauptursachen des Klimawandels

Lachgas und Methan sind wesentlich an der direkten Erzeugung von Treibhausgasen in der Landwirtschaft verantwortlich. Durch Düngung und Beweidung gelangen diese Gase in die Atmosphäre. Des Weiteren fördert die Landwirtschaft den Treibhauseffekt, indem sie natürliche Lebensräume etwa durch Entwaldung vernichtet. Da tierische Kalorien in der Regel viel aufwändiger zu erzeugen sind als pflanzliche, trägt die Tierhaltung einschließlich Futtermittelproduktion wesentlich mehr zur globalen Erwärmung bei als der Pflanzenbau. Bereits heute wird laut dem Umweltbundesamt fast die Hälfte der weltweiten Ackerflächen zur Futtermittelproduktion verwendet.

Methan aus der Tierhaltung – klimaschädlicher als CO2

Die Methan-Emissionen der Landwirtschaft entstehen größtenteils durch die Verdauung von Wiederkäuern. Rinder und Schafe produzieren große Mengen Methan in ihren Vormägen, welches sie dann beim Wiederkäuen oder bei der Ausscheidung in die Umwelt emittieren. Hierbei verursachen Milchkühe die meisten Methan-Emissionen. Auch beim Ausbringen von Gülle und Mist auf die Äcker und bei deren Lagerung entweicht Methan. Es ist rund 25-mal so klimaschädlich wie CO2.

Lachgas aus der Tierhaltung fördert den Klimawandel

Genauso bedeutsam für den Klimawandel sind die Lachgas-Emissionen (Distickstoffoxid) aus der Landwirtschaft. Lachgas wird vor allem bei der Düngung mit Gülle und Mist sowie beim Einsatz von Mineraldünger freigesetzt – besonders wenn mehr Stickstoff aus organischen oder mineralischen Düngemitteln auf Acker- und Grünland ausgebracht wird, als die Pflanzen aufnehmen können. Die Klimaschädlichkeit von Lachgas entspricht je nach Berechnung dem bis zu über 300-fachen von Kohlendioxid.

Weitere Treibhausgasquellen

Im Einzelnen deutlich geringere Treibhausgasquellen der Landwirtschaft sind der Nassreisanbau, das Verbrennen von Pflanzenresten und der Energieverbrauch zur Produktion von Dünger und Pestiziden sowie zum Betrieb von Landmaschinen und zur Bewässerung. Insgesamt erreichen diese Emissionen die gleiche Größenordnung wie die Emissionen aus Düngung oder Verdauung. All diese direkten Quellen zusammen verursachen mit jährlich fast 7 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten rund die Hälfte der landwirtschaftlich bedingten Treibhausgas-Emissionen.

Landnutzungsänderungen fördern den Klimawandel

Die andere Hälfte der Treibhausgase aus der Landwirtschaft stammt aus indirekten Emissionen, die in Folge von massiven Eingriffen in die Landschaft entstehen. Das klassische Beispiel: Die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes – bereits ein Fünftel ist zerstört, ebenso viel geschädigt. Der Erhalt dieses Naturgebietes ist jedoch wesentlich für die Stabilisierung des Klimas, denn es stellt einen wichtigen Kohlenstoff-Speicher dar. Die fortschreitende Zerstörung des tropischen Regenwaldes kann ab einem gewissen Punkt zu einem völligen Zusammenbrechen des gesamten Amazonas-Ökosystems führen, mit gravierenden Folgen für das weltweite Klima.

Schwerwiegende Folgen durch Entwaldung

Die Abholzung von Wäldern dient meist dazu, landwirtschaftliche Nutzflächen wie Plantagen oder Weiden zu gewinnen. Entwaldung ist weltweit eine der größten CO2-Emissionsquellen und hat einen entscheidenden Anteil an der Vernichtung der Artenvielfalt. Wälder erfüllen zudem wichtige Funktionen für das lokale Klima und die Wasserversorgung. Die Entwässerung von Mooren setzt ebenfalls große Mengen Kohlendioxid frei, die über Jahrhunderte dort gebunden waren. Und auch der Umbruch von Grünland oder Savannen zu Ackerflächen führt zu beachtlichen Emissionen von Kohlendioxid.

Für bis zu 80 % der Treibhausgas-Emissionen durch Entwaldung und andere Landnutzungsänderungen ist die Landwirtschaft verantwortlich. An allen vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen hat die Zerstörung von Wäldern, Mooren und Grünland für landwirtschaftliche Zwecke insgesamt einen Anteil von mindestens 10 %.

Verlust von Boden

Entwaldung, das Trockenlegen von Mooren und eine nicht nachhaltige Bodenbewirtschaftung setzen wertvolle Böden aus Humus oder Torf der Erosion aus. Diese wertvollen Ressourcen wachsen in menschlichen Zeiträumen nicht nach. Die Böden werden durch schwere Landmaschinen, Überdüngung, Gifte und bodenauslaugende Monokulturen geschädigt und von Wind und Regen fortgetragen. Die Verschlechterung der Böden verringert wiederum die Ernten. In Folge kommt es zu weiteren Umbrüchen natürlicher Flächen.

Fruchtbare Böden sind nicht nur für die Ernährungssicherung von großer Bedeutung. Sie schützen auch das Grundwasser und sind zudem riesige Kohlenstoffspeicher. In ihnen ist drei- bis viermal mehr Kohlenstoff gespeichert als in der Pflanzendecke. Ihre Zerstörung heizt somit direkt auch das Klima weiter an.

Konsum tierischer Nahrungsmittel fördert Treibhauseffekt

Der Konsum tierischer Nahrungsmittel in Deutschland verursacht einen weitaus größeren Ausstoß an Treibhausgasen als die Ernährung mit pflanzlichen Produkten. Allein bei den direkten Emissionen von Methan und Lachgas für die Ernährung in Deutschland stammen über zwei Drittel aus der Erzeugung tierischer Produkte einschließlich Futtermittel.

CO2-Fußabdruck von Produkten

Am CO2-Fußabdruck eines Produktes lässt sich erkennen, wie sehr die Erzeugung, Nutzung und Entsorgung des Produktes das Klima belastet. Für Lebensmittel wird der Fußabdruck üblicherweise in CO2-Äquivalenten je Kilogramm angegeben. Fleisch sowie Milchprodukte mit hohem Fettgehalt verursachen über ihren Lebenszyklus hinweg viele Treibhausgas-Emissionen, bei Gemüse und Teigwaren ist der verursachte Ausstoß in der Regel viel geringer.

Die Produktion von 1 Kilogramm Rindfleisch ist je nach Berechnung für die Emission von 7–28 Kilogramm CO2-Äquivalenten verantwortlich. Der CO2-Fußabdruck anderer häufig verzehrter tierischer Lebensmittel wie Wurst und Käse liegt meist ebenfalls bei mehreren Kilogramm. Pflanzliche Produkte wie Kartoffeln, Obst und Gemüse liegen hingegen meist bei nur wenigen Hundert Gramm an CO2-Äquivalenten. Auch Seitan, Tofu und Sojagranulat haben einen viel geringeren CO2-Fußabdruck als Fleisch: Würde man in Deutschland lediglich Hackfleisch durch Sojafleisch ersetzen, könnte so viel CO2 vermieden werden, wie 4–7 Millionen Autos im Jahr verursachen.

Fleisch schädigt das Klima am meisten

Berücksichtigt man die in Deutschland verzehrten Mengen der einzelnen Lebensmittelgruppen, fällt Fleisch mit rund 40 % Anteil an den verursachten Treibhausgas-Emissionen am stärksten ins Gewicht. Auch Milchprodukte haben mit weit über 20 % einen bedeutenden Anteil. Insgesamt entfallen mehr als zwei Drittel der ernährungsbedingten direkten Treibhausgas-Emissionen in Deutschland auf den Konsum tierischer Produkte. Dieser Anteil wird viel zu oft unterschätzt. Der Transport von Lebensmitteln wird in seiner Wirkung auf das Klima hingegen meist weit überschätzt. Er verursacht in Deutschland lediglich einen geringen Anteil an den Emissionen im Bereich Ernährung, nämlich 3–8 %. Der Großteil von über 90 % entfällt auf die Produktion und Verarbeitung vor allem von tierischen Produkten.

Diverse Studien kommen zu einem Ergebnis: Der Konsum tierischer Produkte sollte drastisch reduziert werden

Die direkten Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft sind relativ gut bekannt, für die indirekten wie aus Landnutzungsänderungen gibt es hingegen nur grobe Schätzungen, die zum Teil deutlich voneinander abweichen. Große Unsicherheiten gibt es auch in den Berechnungen der Prozesse im Bereich Ernährung, die der landwirtschaftlichen Produktion nachgelagert sind, also Lagerung, Verpackung, Transport, Handel, Zubereitung und Entsorgung.

Viele Studien unterscheiden sich in ihren Annahmen und Methoden sowie darin, welche Faktoren sie überhaupt berücksichtigen. Daher fallen die CO2-Bilanzen einzelner Lebensmittelgruppen zum Teil höchst unterschiedlich aus. Einig sind sich aber die meisten Untersuchungen in ihrer Einschätzung, dass tierische Lebensmittel in aller Regel weitaus mehr zum Klimawandel beitragen als pflanzliche.

Andreas Grabolle

Autor

Andreas Grabolle

Wissenschaftsjournalist und Autor von „Kein Fleisch macht glücklich“