Lebensmittelverschwendung: Essen für die Abfalltonne

Lebensmittelverschwendung: Essen für die Abfalltonne Bildquelle: Lorna Roberts / shutterstock.com

Allein in Deutschland werden 346 Millionen Kilogramm Fleisch jährlich weggeworfen. Eine vegetarisch-vegane Ernährung kann eine entscheidende Schlüsselfunktion im Kampf gegen den Welthunger einnehmen.

Spätestens seit dem Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von Valentin Thurn im Jahr 2011 wird die Problematik der Lebensmittelverschwendung auch auf politischer Ebene diskutiert. Deutschlandweite Aufklärungskampagnen folgten. Seitdem wissen wir: Das Essen, das wir in Europa wegwerfen, würde 2-mal reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren. Das Augenmerk lag hier in erster Linie auf pflanzlichen Lebensmitteln, da mengenmäßig betrachtet vor allem Obst, Gemüse oder Brot im Abfall landen.

Umgang mit Fleisch ist erschreckend

Wie unser Umgang mit Fleisch aussieht, deckt nun der aktuelle Fleischatlas zum Thema „Abfall und Verschwendung“ auf. Die erschreckende Erkenntnis: Nur etwa die Hälfte eines zur Schlachtung vorgesehenen Tieres landet als Fleisch und Wurst auf den Tellern der Verbraucher. Es ist aber keineswegs nur das Fleisch, das nach dem Einkauf im Müll landet. Spezielle Konsumvorlieben der Verbraucher wie etwa die Nachfrage nach Putenbrust oder Schweinelende spielen dabei eine entscheidende Rolle. Waren wie Blutwurst, Hirn, Zunge oder Leber werden von den meisten Konsumenten verschmäht und finden keinen Absatz. Diese unausgeglichene Nachfrage fördert die Lebensmittelverschwendung enorm.

Lebensmittelverschwendung Fleisch und Wurst für die Abfalltonne

Massentierhaltung fördert Krankheiten

Auch der hohe Anteil der kranken Tiere, welche die Mast nicht überleben, fließen in die Rechnung mit ein. So werden mehr als 20 Prozent aller Schweine krankheitsbedingt entsorgt, da sie nicht mehr zum Verzehr für den Menschen geeignet sind. Das entspricht laut Grafik über 4 Millionen Schweine jährlich. Diese Zahlen sind der heutigen Massentierhaltung geschuldet, in der man den Tieren jegliche Bewegungsmöglichkeit raubt. Diese Beengtheit liefert dann die wesentliche Grundlage für die Erkrankungen.

Tiere sterben für den Abfall

Aus den genannten Gründen landen jährlich 346 Millionen Kilogramm Fleisch allein in Deutschland im Müll. Dass diese Tiere lediglich sterben, um auf dem Abfall zu landen, ist nicht nur aus ethischer Sicht problematisch. Es bedeutet auch eine gigantische Ressourcenverschwendung. Unzählige Liter Wasser, weite Landflächen und Tonnen an Soja werden für die Fleischproduktion verbraucht. Nur 2 Prozent der weltweiten Sojaernte werden direkt als Lebensmittel verzehrt zum Beispiel in Form von Tofu oder Sojamilch. Fast vier Fünftel werden in der Tiermast als Tierfutter verwendet. Eine weitere Verschwendung, da man die nährstoffreiche Bohne auch direkt verwenden könnte.

Ineffiziente Nutzung von Rohstoffen fördert Welthunger

Die weltweite Ernte erzeugt sogar ein Drittel mehr, als zur Versorgung der gesamten Menschheit notwendig wäre. Durch Verfütterung wertvoller Rohstoffe an die sogenannten Nutztiere entstehen am Ende jedoch deutlich weniger Lebensmittel, denn zur Produktion 1 tierischen Kalorie werden je nach Tierart 5-30 pflanzliche Kalorien verfüttert. Eine völlig ineffiziente Nutzung von Rohstoffen, wenn man bedenkt, dass bis zum Jahr 2050 die Weltbevölkerung auf 10 Milliarden Menschen ansteigen soll.

Lebensmittelverschwendung Zwischen Schlachtung und Verzehr

Mehr Soja im Rindfleisch- als im Veggie-Burger

Studenten der Hochschule Fulda haben mit ihrem Projekt „Sojabohne – Lebensmittel oder Tierfutter“ aus dem Jahr 2013 darauf aufmerksam gemacht, wie hoch der Ressourcenverbrauch im direkten Vergleich zwischen tierischen und pflanzlichen Lebensmittel ist. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass in einem klassischen Fleischburger mehr Soja enthalten ist als in einem veganen Sojaburger. Der indirekte Verbrauch an Sojaschrot für einen Rindfleischburger liegt insgesamt bei etwa 58,5 g Soja pro Burger. Das rein pflanzliche Pendant aus Soja kommt lediglich auf 16 g.

Vegetarisch-vegane Ernährung nimmt Schlüsselfunktion ein

Zweifelsohne nehmen eine vegetarisch-vegane Ernährung und ein schonender Umgang mit Nahrungsmitteln eine wesentliche Schlüsselfunktion im Kampf gegen Hunger und Umweltzerstörung ein. Wer als Basis seiner Ernährung gering verarbeitete, pflanzliche Lebensmittel aus regionaler und ökologischer Erzeugung wählt, schont Umwelt, Klima und Tiere und tut darüber hinaus seiner Gesundheit etwas Gutes. Auf der Fläche, die man für die Erzeugung von 1 Kilogramm Fleisch benötigt, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten. Harvard-Ernährungswissenschaftler Jean Mayer schätzt, dass durch eine Reduktion der Fleischproduktion um 10 Prozent so viel Getreide eingespart werden könnte, wie zur Versorgung von 60 Millionen Menschen notwendig ist. An diesen Fakten erkennt man, dass Ernährung nicht länger eine Privatsache ist, sondern weitreichende Folgen hat.

Lebensmittel wertschätzen statt wegwerfen

Weiterhin sollte vor dem Einkauf überprüft werden, was sich noch im Kühl- und Vorratsschrank befindet. So werden überflüssige Einkäufe vermieden, die auf dem Abfall landen könnten. Auch beim Kochen ist es wichtig zu wissen, wie viel tatsächlich gegessen wird. Und sollte doch etwas übrig bleiben, können die Reste portionsweise eingefroren oder am nächsten Tag mit zur Arbeit genommen werden. Der erste Schritt ist es, die Lebensmittel wieder wertzuschätzen anstatt sie wegzuwerfen und umweltfreundliche Alternativen auszuprobieren.

Anna-Lena Klapp BSc. Ernährungswissenschaftlerin

Autorin

Anna-Lena Klapp BSc. Ernährungswissenschaftlerin

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