Industrielle Tierhaltung fördert Ressourcenverschwendung

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Die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Lebensmitteln hat viele negative Auswirkungen auf die Umwelt. Immenser Flächenverbrauch, gravierende Bodenschäden und Wasserverschmutzung sind nur ein paar der Probleme der industriellen Tierhaltung. Hier ist ein Umdenken erforderlich.

Der Großteil unserer globalen Landflächen wird durch die Produktion von tierischen Nahrungsmitteln beansprucht. Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage nach Fleisch und Milch wird zunehmend mehr Fläche in Weiden und Ackerland umgewandelt – vor allem auf Kosten der Wälder. Eine Ernährung mit reichlich Fleisch, Fisch, Milch und Eiern verbraucht zudem unnötig viel Wasser, Energie und fruchtbaren Boden.

Die meisten Landflächen sind Weiden

Bereits über 70 % der Landfläche sind Weideland. Ertragssteigerungen sind auf vielen dieser Flächen kaum mehr möglich. Viele sind übernutzt, was zu ernsten ökologischen Problemen auf diesen Flächen führt. Aber auch die Umwandlung der Weideflächen in Äcker wäre meist wenig sinnvoll und in ökologischer Hinsicht keine Verbesserung. Sie eignen sich oft nicht für den Ackerbau aufgrund der Lage oder Bodenbeschaffenheit. Zudem führt die Umwandlung von Grünland in Äcker zu Treibhausgasemissionen.

Tierfutter beansprucht riesige Ackerflächen

Es ist gar nicht entscheidend, wie viele der heutigen Weiden überhaupt als Ackerland geeignet sind. Denn der Anteil der weltweiten Ackerfläche, auf der Futtermittel wachsen, ist mit rund 50 % sehr hoch. 40 % der Felder beansprucht der Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel. Der Rest wird für die Industrie sowie zur Energie- und Kraftstofferzeugung genutzt. Durch Verschlechterung und Erosion der Böden geht zudem immer mehr Ackerland unwiederbringlich verloren. Eine nachhaltigere und effizientere Nutzung der vorhandenen Ackerflächen ist daher unabdingbar.

Nahrungsmittelverschwendung durch Veredelungsverluste

Trotz aller leistungssteigernden Qualzuchten in der Massentierhaltung ist der Großteil der Produktion tierischer Nahrungsmittel ineffizient. Die wenigsten „Nutztiere“ leben allein von Gras oder anderen für den Menschen nicht nutzbaren Nahrungsquellen. Meist erhalten Kühe, Schweine und Hühner eiweißreiche Futtermittel wie Soja, Mais oder anderem Getreide, welche die Menschen auch direkt essen könnten.

Nahrungsmittel an sogenannte Nutztiere zu verfüttern, heißt beschönigend „Veredelung“. Diese Verschwendung von Eiweiß (Protein) und Energie ist je nach Tierart, Futtermittel und Fütterungsmethode unterschiedlich groß und kann bei Rindern leicht das Zehnfache der eingesetzten Kalorien betragen. Bei der Mast von Schweinen gehen rund 80 % der Futtermittelenergie und etwa 90 % der eingesetzten Proteine verloren. Die Tiere nutzen die Energie und Nährstoffe aus dem Futter in erster Linie für ihren Stoffwechsel. Nur ein geringer Anteil davon ist als Fleisch, Milch oder Eier für die menschliche Ernährung nutzbar.

Große Umweltprobleme durch Fischzucht in Aquakulturen

Anders als häufig vermutet, trägt auch die Aquakultur zur Verschwendung natürlicher Ressourcen bei. Viele Zuchtfischarten werden mit tierischen Proteinen in Form von Fischmehl gefüttert, darunter die in Deutschland am häufigsten verzehrten Speisefische wie Thunfisch, Lachs, Forelle, Dorade oder Wolfsbarsch. Fischmehl wiederum stammt aus gefangenen Wildfischen. Allein Zuchtlachse benötigen für jedes Kilogramm Fisch die drei- bis sechsfache Menge an Futterfischen. Aquakultur verschärft daher in vielen Fällen das Problem der Überfischung von Meeren und anderen Gewässern. Zudem haben Fäkalien, Pestizide, Medikamente und gentechnisch veränderter Tiere aus der Aquakultur viele weitere nachteilige Folgen für die Umwelt. Die häufig ungeklärten Abwässer der Fischzuchten bedrohen vor allem in Asien wichtige Trinkwasserquellen der Bevölkerung.

Tierhaltung verschmutzt Wasser

Die Verschmutzung von Trinkwasser sowohl durch Aquakulturen als auch durch Viehhaltung ist erheblich und meist noch problematischer als deren direkter Wasserverbrauch. Riesige Mengen Gülle aus der Massentierhaltung landen auf Äckern – zusammen mit Antibiotika und teils gefährlichen Krankheitserregern wie Salmonellen, EHEC und Listerien. Besonders der Stickstoff aus der Gülle ist in Form von Nitrat ein Problem für unser Trinkwasser, das hierzulande vornehmlich aus dem Grundwasser stammt. Gerade in Gegenden mit vielen tierhaltenden Betrieben sind die Messwerte oft alarmierend. Im Körper kann Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden und Krebs verursachen.

Beeinträchtigung der Wasserqualität und Fischsterben durch Überdüngung

An den Küsten und in anderen wasserreichen Biotopen bedroht Gülle darüber hinaus die Artenvielfalt. Der übermäßige Nährstoffeintrag durch Nitrate lässt Algen sprießen. Diese entziehen dem Wasser Sauerstoff und können ein Fischsterben auslösen. Zudem produzieren einige Algen auch für den Menschen gefährliche Giftstoffe.

Hoher Wasserverbrauch für Rinder

Beim direkten Verbrauch von Wasser schneiden Rindfleisch und Milchprodukte besonders schlecht ab. Sie benötigen rund die Hälfte des in der Tierproduktion verbrauchten Wassers. Der direkte Verbrauch ist weniger auf die benötigten Mengen für Kühlung, Hygiene, Schlachtung oder das Tränken der Tiere zurückzuführen – das Wasser für den Anbau der Futtermittel ist der entscheidende Faktor. Für 1 Kilogramm Rindfleisch sind rund 15.500 Liter Wasser oder mehr erforderlich und zwar hauptsächlich für die Bewässerung der Futterpflanzen. Zum Vergleich: Für 1 Kilogramm Käse braucht man über 3.000 Liter Wasser, für 1 Kilogramm Kohl nur rund 200 Liter Wasser.

Die global wachsende Nachfrage nach tierischen Produkten führt zu einem weiteren Anstieg des Wasserverbrauchs. Auch wenn Wasser im globalen Wasserkreislauf nicht grundsätzlich verloren geht, ist der hohe Verbrauch in Gegenden mit hohem Wasserbedarf oder geringer Verfügbarkeit sozial und ökologisch äußerst bedenklich. Jahrtausende alte Grundwasserquellen leeren sich und einst wasserreiche Landstriche trocknen aus. Es kann im wahrsten Sinne zur Verwüstung kommen. Pflanzliche Lebensmittel ohne den Umweg über Tiere zu erzeugen, wäre auch hier der schonendere Weg.

„Import“ von Flächen für unser Essen

Deutschland nutzt für die Ernährung seiner Bevölkerung deutlich mehr Land, als es selbst an landwirtschaftlichen Flächen hat. Die Bundesbürger belegen hierfür rund ein Fünftel an Flächen, die im Ausland liegen. Auch hierbei spielen Anbauflächen für Futtermittel aus Soja eine große Rolle. Die riesigen Felder in der Hand großer Konzerne in Südamerika gehen zulasten der Landwirtschaft dort ansässiger Kleinbauern oder zerstören den Regenwald.

Bodenschäden als Folge intensiver Landwirtschaft

Monokulturen sowie der Einsatz von Pestiziden und riesigen Landmaschinen schädigen die Böden dauerhaft. Dabei sind fruchtbare Böden jetzt schon Mangelware – weltweit wie auch in Deutschland. Schwere Maschinen verdichten den Boden, Überdüngung und Pflanzengifte schädigen die Bodenorganismen und beschleunigen die Erosion der Böden. Wertvoller Humus, der über Jahrzehnte entstanden ist, kann mit einem starken Regen einfach weggeschwemmt werden. Je pflanzlicher sich eine Bevölkerung ernährt, desto mehr Böden können geschont werden.

Mehr Energie für tierische Lebensmittel

Die Erzeugung von Lebensmitteln benötigt jede Menge Energie, die meist noch aus fossilen Quellen stammt – mit den entsprechenden Folgen für die Umwelt. Landwirtschaft, Transport, Weiterverarbeitung, Verpackung, Lagerung, Handel und zuletzt auch die Zubereitung und Entsorgung kosten Energie und andere Ressourcen. Der Energieaufwand für tierische Produkte ist in der Regel viel höher als für pflanzliche. Bestimmte energieaufwändige Prozesse wie etwa die Schlachtung fallen nur bei der Tierhaltung an. Entscheidend ist aber der weitaus höhere Energieaufwand für Fleisch, Milch und Eier aufgrund der „Veredelungsverluste“. Tierische Lebensmittel verbrauchen weitaus mehr Ressourcen aller Art und produzieren mehr Abfall.

Andreas Grabolle

Autor

Andreas Grabolle

Wissenschaftsjournalist und Autor von „Kein Fleisch macht glücklich“