Zirkustiere: Wie Tiere im Zirkus leiden

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Die Haltung und Dressur von Zirkustieren ist grausam. Ein Verbot von Tieren im Zirkus ist schon längst überfällig. Menschen können ein Zeichen setzen, indem sie Zirkusse meiden, die Tiere vorführen.

Zirkustiere sind zur Belustigung der Zuschauer da. Elefanten, Tiger und Co. finden es aber alles andere als lustig, vorgeführt zu werden! Die Tiere im Zirkus leiden unvorstellbar darunter, dass sie ein Leben wie im Gefängnis führen müssen. Vielen Menschen ist das mittlerweile bewusst, darum meiden sie Zirkusse, die Tiere zur Schau stellen.

Miserable Haltungsbedingungen von Zirkustieren

Die Haltungsbedingungen im Zirkus sind grundsätzlich nicht „artgerecht“. In kleinen Käfigen vegetieren die Wildtiere vor sich hin und haben kaum Bewegungsfreiheit – dort verbringen sie aber aufgrund langer Transportwege den größten Teil ihres Lebens. Artspezifisches Verhalten wie Laufen, Schwimmen oder Klettern kann in der Zirkustierhaltung nicht ausgelebt werden. Mitunter kommt es sogar vor, dass Zirkustiere während der Winterpause in LKWs gehalten werden. Kontakt mit Artgenossen ist oft gar nicht vorhanden. In der Manege werden die Zirkustiere dann dazu gezwungen, auf unnatürliche und teilweise schmerzhafte Weise Kunststücke vorzuführen.

Verhaltensstörungen und hohe Sterberate bei Zirkustieren

Der aus den Haltungsbedingungen entstehende psychische und physische Stress führt bei den Zirkustieren zu schweren Verhaltensstörungen. Erkennbare Störungen sind sich wiederholende, gleichbleibende Bewegungen, die artfremd sind, wie das kontinuierliche Hin- und Herschaukeln des Kopfes bei Elefanten oder das Hin- und Herlaufen von Tigern und Löwen. Man spricht hier auch von Stereotypien. Aus der nicht „artgerechten“ Haltung von Zirkustieren resultiert neben Verhaltensauffälligkeiten auch eine erhöhte Sterblichkeit – meist sind es die besonders sensiblen Elefanten, die vorzeitig sterben.

Hoher Leidensdruck durch brutale Dressur von Zirkustieren

Zur qualvollen Haltung der Wildtiere reiht sich die Dressur. Zirkustiere werden häufig auf brutale Art und Weise dressiert, denn freiwillig springt kein Löwe durch einen brennenden Reifen! Mittel zum Zweck sind hierbei Futterentzug sowie mentale oder körperliche Misshandlungen. Manchen Tieren werden sogar Medikamente verabreicht, um sie gefügiger zu machen. Oft werden auch Elektroschocker eingesetzt. Der immense Leidensdruck der Tiere führt zu erhöhtem Stress, manchmal auch zu einer unterschwelligen Aggressivität, die in der Vergangenheit schon zu Attacken auf Menschen geführt hat. Tiere, die unter Zwang und Schmerzen Kunststücke im Zirkus vollführen müssen, geben ein trauriges und unwürdiges Bild ab.

Schlechtes Vorbild für Kinder

Tiere im Zirkus legen ein artfremdes Verhalten zu Tage, sind oft völlig apathisch. Dies vermittelt vor allem Kindern ein völlig falsches Bild von Wildtieren. Sie lernen in Zirkussen, dass es anscheinend normal ist, Tiere zu etwas zu zwingen und sie zu erniedrigen. Da das Bewusstsein für eine tiergerechte Behandlung aller Tiere aber schon in jungen Jahren existent ist und hier auch viel Bildungsarbeit geleistet wird, gibt es immer mehr Kinder, die sich von Zirkussen mit Tieren abwenden.

Brotlose Kunst zu Lasten der Zirkustiere

Tiere im Zirkus zur Schau zu stellen, ist eigentlich schon längst überholt. Das Betreiben von Wanderzirkussen gilt vielerorts als völlig brotlose Kunst. Dies kommt nicht von ungefähr: In Deutschland gibt es etwas 350 Zirkusse, die größtenteils unter chronischer Geldnot leiden. Viele von ihnen müssen Betteln gehen, um sich über Wasser zu halten. Die Versorgung mit Futtermitteln und ausreichend frischem Trinkwasser ist oft eingeschränkt und geht zu Lasten der Tiere. Eine Untersuchung von 25 Zirkussen in Deutschland zeigt, dass nur ein geringer Anteil von Zirkustieren freien Zugang zu Trinkwasser hat. Auch kommt es vor, dass das Pflegen der Tiere und das Reinigen der Käfige als Sparmaßnahme gänzlich unterlassen wird, was das Leiden der Wildtiere stark erhöht – dabei gehört die eigene Körperpflege ja zum arttypischen Verhalten der Tiere.

Bundesratsinitiative vom zuständigen Ministerium blockiert

Bereits 2003 hat der Bundesrat mit großer Mehrheit für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gestimmt. Leider blockiert das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) diese Initiative bis heute und setzt den Beschluss nicht um. Zirkusstiere müssen also weiterhin leiden. Außerdem hat eine Änderung des Tierschutzgesetzes 2013 eher eine Verschlechterung erwirkt: Wildtierhaltung im Zirkus wird zwar eingeschränkt, ein Eingriff soll aber nur erfolgen, wenn Haltung und Transport zu erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden der Tiere führen.

Das Schicksal ausgedienter Zirkustiere

Sind gravierende Haltungsmängel feststellbar, können Zirkustiere theoretisch beschlagnahmt werden. Jedoch scheuen viele Behörden den Kosten- und Arbeitsaufwand und warten lieber darauf, dass der Zirkus weiterzieht, sodass sie sich der Verantwortung entziehen können. Angesichts der wenigen Wildtierauffangstationen stellt sich auch die Frage: Wohin mit den malträtierten Zirkustieren? Nur wenige Zoos sind dazu bereit, beschlagnahmte Tiere aus dem Zirkus aufzunehmen, denn diese sind meist alt und krank.

Haben die Tiere im Zirkus erst einmal ausgedient, verbleiben sie dauerhaft im Käfig oder werden beispielsweise an Versuchslabors verkauft. In bestimmten Ländern landen ausgediente Tiere auch in privaten Jagdfarmen – dort werden sie grausam gejagt und erschossen. Das Leben eines Zirkustiers endet also meist genauso unwürdig wie es angefangen hat.

Verbot von Zirkustieren

Das Halten bestimmter Wildtierarten erfordert sehr hohe Ansprüche im Hinblick auf Gehege, Transport, Ausbruchsicherheit und Sozialverhalten. Dies kann von Wanderzirkussen nicht gewährleistet werden. In Europa haben daher bereits 18 Länder sämtliche Zirkustiere oder spezielle Tierarten im Zirkus verboten. Dazu gehören unter anderem Österreich, Dänemark, Schweden und Ungarn. Auch viele deutsche Städte engagieren sich gegen das Vorführen von Tieren im Zirkus: Heidelberg, Worms, Potsdam und Co. geben Zirkussen, die bestimmte Wildtiere zur Schau stellen, keine öffentlichen Flächen mehr. Jetzt sollte zum Wohl der Tiere endlich auch bundesweit oder gleich EU-weit ein Beschluss gefasst werden!

Gute Unterhaltung ohne Zirkustiere möglich

Ein Zirkus braucht keine Tiere! Mittlerweile gibt es zahlreiche Zirkusse, wie Zirkus Krawalli, Circus Flic Flac, der Chinesische Staatszirkus oder Cirque du Soleil, die auch ohne den qualvollen Einsatz von Tieren erfolgreich sind. Werden auch Sie aktiv, indem Sie Zirkusse mit Tierdarbietungen meiden und setzen Sie so ein Zeichen gegen die grausame Ausbeutung von Zirkustieren.

Lisa Mair, M.A.

Autorin

Lisa Mair, M.A.

Medien- und Nachhaltigkeitsmanagerin