Schweinemast: Schweine in der Schweinehaltung

Schweinemast: Schweine in der Schweinehaltung Bildquelle: shutterstock.com / talseN

Fast 60 Millionen Schweine werden jedes Jahr in Deutschland gezüchtet, gemästet und geschlachtet. Gleichzeitig bleibt das Leben und Sterben der Schweine für die Konsumenten unsichtbar. Der VEBU wirft einen Blick hinter die Mauern der Mastanlagen.

Schweine sind soziale Tiere

Der natürliche Lebensraum von Schweinen ist der Wald. Weibliche Tiere und ihre Jungen bilden Sozialverbände von bis zu 30 Tieren, mit einer Hierarchie, die das friedliche Zusammenleben sicherstellt. Die Gruppe lebt in einem festen Revier und wird von der ältesten und erfahrensten Sau geleitet.

Am liebsten führen Schweine alle Aktivitäten gemeinsam mit der Gruppe aus. Die sozialen Tiere kommunizieren dabei auf vielfältige Weise miteinander – bisher konnten 20 verschiedene Laute entschlüsselt werden. Bis zu 8 Stunden am Tag verbringen Schweine mit der Nahrungssuche und legen dabei rund 30 Kilometer zurück. Schweine sind Allesfresser, bevorzugen allerdings Wurzeln, Obst und Gemüse. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei etwa 15 Jahren.

Schweine gehen lebenslange Freundschaften ein

Jedes Schwein hat einen eigenen ausgeprägten Charakter. Schweine gehen lebenslange Freundschaften ein: Abends bauen sie Schlafnester und legen sich in Paaren oder kleinen Gruppen Schnauze an Schnauze oder auch Kopf an Schwanz dicht neben ihren besten Freund. Der Tierethiker und gelernte Landwirt Dr. Herwig Grimm hat das Sozialleben von Schweinen studiert und bezeichnet es als „faszinierend, wie groß ihr Verhaltensrepertoire und wie spannend ihr Sozialverhalten ist“.

Schweine sind neugierig

Schweine sind sehr an ihrer Umwelt interessiert. Mit der Rüsselscheibe und den Zähnen erkunden sie Unbekanntes. Der afrikanische Biologe und Verhaltensforscher Lyall Watson schreibt in seinem Buch „The Whole Hog“: „Ich kenne kein anderes Tier, das ständig derart neugierig ist, neue Erfahrungen machen möchte und bereit ist, der Welt mit so unerschütterlichem Enthusiasmus entgegenzutreten.“

Schweine kümmern sich liebevoll um ihre Kinder

Sauen sind äußerst liebevolle und vorsichtige Mütter. Gegen Ende der knapp 4-monatigen Schwangerschaft baut eine Sau für die Geburt ihrer Kinder mit verschiedenen Materialien ein Nest. Dort verbringt sie die erste Zeit mit den Ferkeln allein, bevor sie nach etwa 10 Tagen gemeinsam zur Gruppe zurückkehren. Die Mutter säugt ihre Ferkel für gut 4 Monate, dabei einigen sich die Ferkel sofort auf eine feste „Saugordnung“ und wählen bei jedem Säugen ausschließlich die ihnen zugeteilte Zitze.

Mutterschweine sind sehr aufmerksam und bereit, ihren Nachwuchs zu verteidigen. Auch wenn die Ferkel ihren Aktionsradius erweitern, bleibt die Mutter stets über Rufe mit ihnen in Kontakt. Ferkel spielen oft und ausgiebig. Ein Verhalten, das auch bei erwachsenen Schweinen noch beobachtet werden kann.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Schweine können 50 Kilometer pro Stunde laufen und würden den schnellsten Menschen der Welt abhängen!

Grundbedürfnisse von Schweinen

Schweine sind extrem reinlich und legen streng voneinander getrennte Schlaf-, Fress- und Kotbereiche an. Die Körperpflege nimmt einen wichtigen Stellenwert ein: Da Schweine mit ihren Extremitäten nur wenige Körperstellen erreichen, nutzen sie geeignete Gegenstände wie beispielsweise Baumstämme, um sich an ihnen zu scheuern und betreiben auch gegenseitige Körperpflege.

Schweine können nicht schwitzen und fühlen sich bei Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad am wohlsten. Bei wärmeren Temperaturen schwimmen sie gern oder kühlen sich beim Suhlen im Schlamm ab. Der Schlamm dient außerdem dem Schutz vor Sonnenbrand und vor Insekten.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Schweine haben ein sehr gutes Gehör und einen stärker ausgeprägten Geruchssinn als Hunde. Im Auftrag der Polizei haben sie bereits mehrmals erfolgreich Rauschgift und Sprengstoff aufgespürt.

Intelligenz von Schweinen

„Ein Schwein lernt in 20 Minuten, wofür ich mit einem Hund eine Woche üben muss“, verrät Joanne Kostiuk, Tiertrainerin für den Film „Ein Schweinchen namens Babe“. Dies bestätigt Sandra Düpjan, Verhaltensforscherin am Leibniz-Institut für Nutztiere: „Man geht davon aus, dass Schweine mehr Kommandos lernen können als Hunde.“ Schweine gehören neben Schimpansen, Elefanten und Delfinen zu den intelligentesten Tieren der Welt und gelten als mindestens so klug wie 3-jährige Kinder.

In wissenschaftlichen Versuchsanordnungen haben Schweine schon Kinder und Schimpansen beim Computerspielen besiegt. Professor Stanley Curtis von der Pennsylvania State University, der die Versuche durchführte, stellt fest: „Es geht bei Schweinen viel mehr Denken und Beobachten vonstatten, als wir jemals angenommen hätten.“ Seine Kollegin Dr. Sarah Boysen erklärt: „Schweine sind imstande, sich mit einer Intensität zu konzentrieren, die ich nie bei einem Schimpansen gesehen habe.“

Darüber hinaus haben Schweine bereits bewiesen, dass sie sich selbst im Spiegel erkennen, eine Form von Ich-Bewusstsein haben, die Fähigkeit der abstrakten Repräsentation besitzen, Gelerntes über Jahre behalten, im Team arbeiten, in der Lage sind, andere gezielt zu täuschen und Mitgefühl empfinden. Neurowissenschaftler attestieren Schweinen dieselben grundlegenden emotionalen Verhaltensmuster wie Menschen sowie analoge Gehirnstrukturen.

Schweine als Lebensretter

Mehrere Berichte belegen, dass Schweine bereits Menschen und anderen Tieren das Leben gerettet haben. So zog beispielsweise die Sau Pru eine Frau aus einem Sumpf, Priscilla rettete einen ertrinkenden Jungen, Spammy half seinem besten Freund, einem Kalb, aus einem brennenden Stall und Lulu hielt ein vorbeifahrendes Auto an, um einem Menschen zu helfen, der einen Herzinfarkt erlitten hatte.

Karnismus erkennen

Karnismus erkennen

Die meisten Menschen betrachten den Verzehr von Tieren und tierischen Produkten als eine Selbstverständlichkeit und nicht als etwas, dass sie vor eine Wahl stellt. Karnismus bezeichnet das unsichtbare Glaubenssystem, das Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tierarten zu essen.

Schweinemast in Deutschland

Fast 60 Millionen Schweine werden jedes Jahr in Deutschland gezüchtet, gemästet und geschlachtet – damit ist Deutschland der größte Schweineerzeuger Europas. Im weltweiten Vergleich schlachtet Deutschland nach den USA und China die meisten Schweine. Insgesamt gibt es in Deutschland knapp 27.000 Schweinehaltungsbetriebe, die vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angesiedelt sind. Etwa die Hälfte aller Mastschweine lebt in Betrieben mit 1.000 bis über 5.000 Schweinen.

Haltungsbedingungen in der Schweinemast

Für die Mast werden männliche und weibliche Schweine genutzt. Innerhalb von 6 Monaten werden die Schweine auf ein „Schlachtgewicht“ von 110 bis 125 kg gemästet. Mastschweine nehmen bis zu 1 kg Körpergewicht pro Tag zu. Diese hohen Zunahmen werden durch nicht vorhandene Bewegungsmöglichkeiten, die Fütterung mit energiereichem Kraftfutter und gezielte Zucht auf Hochleistung erreicht.

Ein Schwein muss sein Leben auf einer Fläche von 0,75 bis maximal 1 m² verbringen. Die Tiere leben auf sogenannten Vollspaltenböden, das heißt Betonböden, die mit Spalten als Durchlass für Kot und Harn versehen sind. Als Futter kommt hauptsächlich Sojaextraktionsschrot – meist aus Übersee – zum Einsatz.

Zucht von Mastschweinen

Während der Besamungsphase werden die Sauen für mindestens 1 Monat einzeln in sogenannten Kastenständen gehalten. Diese sind mit Maßen von 0,55–0,7 m Breite und 1,6–1,9 m Länge kaum größer als die Sau selbst. Danach kommen die Sauen in Gruppen, können jedoch durch Ausnahmeregelungen auch weiter in Einzelhaltung bleiben.

Schweinemast: Schweine in Kastenständen

1 Woche vor der „Abferkelung“ (Geburt der Ferkel) werden die Sauen in die sogenannte Abferkelbucht verlegt. Auch dieser Metallkäfig ermöglicht den Tieren mit einer Breite von 0,65–0,75 m nicht einmal, sich umzudrehen. Direkt neben einer Muttersau werden ihre bis zu 13 Ferkel so gehalten, dass sie gerade einmal die Zitzen zum Säugen erreichen. Diese Lebensphase in der meist einstreulosen „Abferkelbucht“ dauert etwa 4 Wochen. Die Sau kommt nach der Wegnahme der Ferkel sofort in den Kastenstand zurück, wo sie nach etwa 5 Tagen wieder besamt wird.

Gängige Eingriffe direkt nach der Geburt

In ihren ersten Lebenstagen werden die Ferkel an die Haltungsbedingungen angepasst. Die Standard-Prozeduren Kastration, Schwanzkürzen und Abschleifen der Zähne finden ohne Betäubung oder anschließende Schmerzmittelgabe statt.

Kastration bei Schweinen

Das Fleisch von männlichen Schweinen (Ebern) entwickelt in unter 10 % der Fälle einen unangenehmen Geruch. Um dies zu verhindern, werden alle männlichen Ferkel kurz nach der Geburt kastriert.

Schwanzkürzen bei Schweinen

Die charakteristischen Ringelschwänze werden den Ferkeln vor ihrem vierten Lebenstag abgeschnitten (kupiert). Dieser Eingriff soll das gegenseitige Abbeißen der Schwänze – eine Form des Kannibalismus, die aus den Haltungsbedingungen resultiert – verhindern.

Abschleifen der Eckzähne bei Schweinen

Das betäubungslose Abschleifen der Eckzähne von unter 8 Tage alten Ferkeln soll Verletzungen der Mutterzitzen durch die Ferkelzähne verhindern. Diese können entstehen, weil die in der „Abferkelbucht“ fixierte Muttersau ihr Gesäuge den Jungtieren nicht entziehen kann.

Gesundheitsgefährdung durch Schweinemast

Die Schweinemast ist, genau wie andere Intensivtierhaltungsformen auch, aufgrund des hohen Antibiotikaeinsatzes für das Hervorbringen multiresistener Keime bekannt. Diese bedeuten eine Gefahr für die Menschen.

Biohaltung von Schweinen

Der Anteil des biologisch erzeugten Schweinefleisches liegt in Deutschland bei unter 1 %. Ein EG-Öko-Schwein bekommt 1,5 m2 Innenfläche zugesprochen, zusätzlich stehen ihm 1,2 m2 Außenfläche (meist mit wenig Stroh auf Beton) zur Verfügung.

Schlachtung von Schweinen

Nach 18-wöchiger Mast und im Alter von nur knapp 200 Tagen werden die Schweine zum Schlachthof transportiert. Dort liegt die sogenannte Schlachtleistung bei bis zu 750 Schweinen pro Stunde.

Die Betäubung von Schweinen geschieht durch Vergasen oder Elektroschock. Nach Angaben der Bundesregierung kommt es beim Elektroschock bei bis zu 12,5 % der Schweine zu Fehlbetäubungen. In diesem Fall sind die Tiere während des Durchschneidens der Schlagadern und der Entblutung bei Bewusstsein. Bis zu 1 % der Tiere (fast 600.000 jährlich) sind noch nach dem Entbluten empfindungsfähig und erleben das anschließende Eintauchen in das etwa 60 Grad heiße Wasser der Brühanlage bewusst mit.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Jeder Bundesbürger isst in seinem Leben durchschnittlich 46 Schweine.

Subvention und Überproduktion

In Deutschland landet jedes Jahr nach der Schlachtung ein Drittel des Fleisches eines Schweins im Müll. Zuerst wird das Fleisch subventioniert, dann landet es in der Mülltonne. Eine milliardenschwere Lebensmittelverschwendung mit der Folge, dass rund 20 Millionen Schweine in Deutschland pro Jahr völlig umsonst gezüchtet, gemästet und geschlachtet werden.

Was jeder Einzelne tun kann, um Schweinen zu helfen

Der beste Weg, das Leiden der Schweine zu verhindern, ist, kein Schweinefleisch, oder Produkte, die Bestandteile von Schweinen enthalten, zu konsumieren.

Fazit

Gegenüber Schweinen gibt es eine Vielzahl von falschen Vorurteilen, die sich auch in unserer Sprache widerspiegeln (zum Beispiel „dummes Schwein“, „schwitzen wie ein Schwein“, „Sauerei“, „saudreckig“, „versaut“). In Wahrheit gehören Schweine aber zu den intelligentesten Tieren der Welt, gehen komplexe soziale Beziehungen ein, sind neugierig, fröhlich, verspielt und extrem reinlich.

Die gängigen Haltungsbedingungen, ob konventionell oder biologisch, werden diesen hochintelligenten Tieren nicht ansatzweise gerecht. Zudem leiden Schweine unter züchterischen Manipulationen und sind zum Zeitpunkt ihrer Schlachtung, im Alter von 6 Monaten, nicht einmal ausgewachsen.

Johanne Heinz

Autorin

Johanne Heinz