Schafe – Wolle aus Schafhaltung

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Die meisten Menschen teilen den Irrglauben, Schafe zu scheren sei notwendig, da die Tiere sonst unter zu viel Wolle litten. Dass der Grund für dieses übermäßige Wollwachstum der Mensch ist, genauer gesagt vom Menschen initiierte Qualzüchtungen, wissen hingegen die wenigsten.

Obwohl Schafe intelligente und fühlende Lebewesen sind, kaufen viele Menschen Kleidung aus Wolle und unterstützen damit das Leiden dieser sensiblen Tiere. Dass die konventionelle Schafhaltung und das Scheren für ein Schaf die reinste Folter sind, offenbart ein Blick hinter die Kulissen der Wollindustrie.

Schafe sind intelligent

Dr. Keith Kendrick und seinen Kollegen vom Babraham Institute in Großbritannien gelang es, mithilfe von Gesichtserkennungsübungen zu beweisen, dass ein Schaf in der Lage ist, sich über 50 Gesichter seiner Artgenossen und sogar die Gesichter ihm vertrauter Menschen zu merken – auch noch 2 Jahre nach dem Versuchsbeginn! Die Studie belegt außerdem, dass Schafe Gefühle haben und auf ihre Umgebung in vielerlei Hinsicht genauso reagieren wie Menschen.

Schafe sind gesellig und verspielt

Schafe verfügen über ein komplexes Sozialleben und verkümmern, wenn sie isoliert gehalten werden. In der Natur verbringen sie ihr gesamtes Leben in ihrer Herde, bestehend aus 10 bis 30 Tieren. Sie sind einerseits scheu, andererseits aber auch verspielt und neugierig. Genau wie Hunde wedeln Schafe mit dem Schwanz, wenn sie sich freuen.

In den Herden bilden sich regelrechte „Lämmer-Kindergärten“, in denen sich die Kleinen gegenseitig jagen und spielerisch miteinander kämpfen. Dabei lassen die Schafmütter ihre Kinder nie aus den Augen und rufen nach ihnen, wenn sie sich zu weit entfernen. Wer die jungen Tiere einmal beim ausgelassenen Herumtollen beobachtet hat, weiß, wie viel Lebenslust in ihnen steckt. Doch dieses fröhliche Gemüt wird in der konventionellen Schafhaltung im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten.

Bedingungen in der Schafhaltung

Nur wenige Wochen nach ihrer Geburt werden den Lämmern die Ohren mit Ohrmarken durchlöchert und die Schwänze abgeschnitten. Außerdem werden die männlichen Tiere kastriert, indem man ihnen mehrere Wochen lang einen Gummiring um den Hodensack klemmt, der die Blutzufuhr unterbindet. So sterben die Hoden langsam ab. Diese Form der Kastration ist eine der schmerzhaftesten Methoden, die es gibt. All diese Eingriffe werden ohne den Einsatz von Betäubungs- oder Schmerzmitteln vorgenommen.

In Australien werden 30 % der weltweiten Wolle produziert. Aber nicht nur dort, sondern auch in Deutschland werden die Schafe oft in Herden gehalten, die aus mehr als 1.000 Tieren bestehen. Bei solchen Herdengrößen sind systematische Vernachlässigung und Mangelversorgung einzelner Schafe vorprogrammiert. So sterben Jahr für Jahr Hunderte ausgewachsener Schafe an Krankheiten und an den Folgen fehlender Unterstände oder anderer problematischer Haltungsbedingungen. Die alljährliche Todesrate bei Lämmern, die aufgrund von Witterungsbedingungen sterben oder verhungern, liegt selbst in Deutschland bei bis zu 13 %. Aber anstatt Maßnahmen zu ergreifen, um all diese vermeidbaren Todesfälle zu reduzieren, werden die Verlustraten durch die Zucht neuer Lämmer kompensiert.

Scheren – die reinste Tortur für ein Schaf

Das Scheren der Schafe findet im Frühjahr statt, nachdem sie ihre Lämmer bekommen haben, – also zu der Zeit, in der sie normalerweise ihr Winterfell abwerfen würden. Das richtige Timing ist hier entscheidend: Schert man zu spät, verliert man Wolle. In dieser Eile wird häufig zu früh geschoren. Da geschorene Schafe aber sehr kälteempfindlich sind, gibt es jedes Jahr hohe Raten an Erfrierungstoden. Hinzu kommt noch, dass Schafe panische Angst bekommen, wenn sich ihnen jemand nähert und sie festhält. Aufgerissene Augen, ein rasender Herzschlag sowie eine schnelle Atmung lassen die Todesangst erahnen, die Schafe beim Schurvorgang erleiden.

Wolle – Produktion ethisch nicht vertretbar

Nicht nur in die Anzahl der Nachkommen, sondern auch in das Wollwachstum greifen die Züchter ein. Die meisten Menschen denken, Schafe zu scheren, sei gut für die Tiere, die andernfalls unter zu viel Wolle litten. Nichtdomestizierte Schafe haben jedoch nur so viel Wolle am Leib, wie sie benötigen, um sich vor extremer Witterung zu schützen. Diese Qualzüchtung von Schafen ist ethisch nicht vertretbar.

Mulesing – qualvolle Schur der Merinoschafe in Australien

In Australien gibt es hauptsächlich Merinoschafe – ihre Wolle gilt als besonders hochwertig. Diese Schafe wurden so gezüchtet, dass sie faltige Haut haben. Durch die daraus entstehende größere Hautfläche haben die Tiere viel mehr Wolle am Körper als es für sie normal wäre. Das Übermaß an Wolle führt dazu, dass viele Merinos während der heißen Monate an Überhitzung sterben. In den Hautfalten sammeln sich Urin und Feuchtigkeit, was wiederum Fliegen anzieht, die ihre Eier dort ablegen. Die geschlüpften Larven können die Schafe bei lebendigem Leib auffressen – jährlich sterben etwa 3 Millionen Tiere auf diese qualvolle Weise.

Um den Fliegenbefall zu verhindern, nehmen die Farmer einen barbarischen Eingriff an den Schafen vor: Das sogenannte Mulesing. Dabei werden den Lämmern bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung riesige Fleischstreifen hinten von den Beinen und im Bereich des Schwanzes weggeschnitten. Die offenen, blutigen Wunden werden aber oft vor dem Abheilen wieder von Fliegen befallen. Mulesing ist eine tierquälerische Methode und daher aus ethischen Gründen abzulehnen.

Ein weiteres Problem ist, dass die australischen Scherer gewöhnlich nach Menge und nicht nach Stunden bezahlt werden. Dadurch werden sie dazu angetrieben, so schnell und so viele Schafe wie möglich zu scheren. In der Eile entstehende Schnittwunden werden ohne Betäubung mit Nadel und Faden grob zugenäht. Ein australischer Augenzeuge berichtet: „Die Scherhalle muss wohl einer der schlimmsten Orte für Tierquälerei sein. Ich habe Scherer gesehen, die die Schafe solange mit ihren Schermessern oder Fäusten geschlagen haben, bis sie aus der Nase bluteten. Ich habe Schafe gesehen, denen man das halbe Gesicht mit weggeschoren hatte.“ Immer wieder sterben Schafe wegen derartiger Gewalteinwirkungen beim Schurvorgang.

Schlachtung von Schafen

Wenn die Wollproduktion im Alter von etwa 6 Jahren nachlässt, werden die Schafe an Schlachter verkauft. Dies führt alljährlich allein in Australien zu grausamen Lebendexporten von 6,5 Millionen Schafen in den Nahen Osten und nach Nordafrika. In Australien müssen die Schafe in Tiertransportern große Entfernungen über Land zurücklegen, bis sie die Sammelstellen erreichen. Viele Schafe – gestresst, krank oder durch den Transport verletzt – sterben noch an den Sammelstellen. Die überlebenden Schafe werden dicht an dicht auf Schiffe verladen. An Bord liegt die Sterblichkeitsrate bei bis zu 10 %. So starben im Jahr 2010 beispielsweise über 28.000 Schafe während der Lebendtransporte.

Doch auch aus Europa werden unzählige Schafe in Länder mit geringeren beziehungsweise gar keinen Schlachtauflagen transportiert, wo sie dann zumeist aus religiösen Gründen ohne Betäubung zerlegt werden. Häufig finden die Tötungen auf Massenschlachtplätzen statt oder werden von Privatpersonen ohne entsprechende Ausbildung durchgeführt.

Alternativen zu Lammfleisch und Schafmilch

Da die Qualität der deutschen Wolle nicht mit der australischen mithalten kann, setzt man hierzulande eher auf den Handel mit Lammfleisch. Haben die Lämmer genug Muskelmasse und Fett angesetzt, werden sie im Alter von etwa 12 Wochen getötet. Pro Jahr werden allein in Deutschland rund 900.000 Lämmer geschlachtet. Vor allem zu Ostern werden Lämmer gern als Festtagsbraten im Kreise der Familie verspeist. Dabei ist es so einfach, ein köstliches, tierfreundliches Festtagsmenü zuzubereiten. Es gibt zahlreiche Rezepte mit Fleischalternativen, die sich für ein Ostermenü oder für andere Festlichkeiten eignen.

Die Milch der Schafmütter wird für die Herstellung von Schafskäse verwendet. Sobald wie möglich nach der Geburt des jungen Schafes, werden die Schafmütter erneut geschwängert, damit sie kontinuierlich Milch produzieren. Beginnt ihre Produktivität nachzulassen, werden auch sie geschlachtet. Ihr Durchschnittsalter liegt dann gerade einmal bei 5 Jahren, wobei Schafe ein Alter von 20 Jahren erreichen könnten. Dabei gibt es heutzutage schon viele pflanzliche Alternativen zu Käseprodukten.

Lanolin – ein Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen

Weitgehend unbekannt ist auch, dass Lanolin – ein Sekret aus den Talgdrüsen von Schafen – unter anderem in zahlreichen kosmetischen Produkten Verwendung findet. Lanolin wird auch als Wollwachs oder Wollfett bezeichnet. In der Natur legt sich dieses Sekret als feuchtigkeitsabweisender Film über Haut und Fell der Schafe und schützt das Wollkleid vor Umwelteinflüssen. Es wird durch einen komplizierten Prozess beim Auswaschen der Schafwolle gewonnen und findet dann als fettende Substanz Gebrauch in pflegenden Cremes, in Salben zur Wundheilung sowie als Korrosionsschutz von Blechteilen, zum Beispiel in Fahrzeugen. Darüber hinaus dient es als Vorstufe bei der Herstellung von Vitamin D. Beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln oder mit Vitamin D angereicherten Lebensmitteln wie Margarine bietet Ihnen das V-Label des VEBU eine gute Orientierungshilfe, da es sicherstellt, dass das Vitamin D nicht mithilfe von Lanolin gewonnen wurde.

  • V-Label

    Das V-Label ist eine international anerkannte und geschützte Marke zur Kenn­zeichnung vegetarischer und veganer Produkte. Verbrauchern, die tierfreie Produkte suchen, erleichtert es die Auswahl, da sie auf den ersten Blick erkennen, ob das Produkt ihren Wünschen entspricht. Weiterlesen…

Fazit: Wolle kleidet Schafe, keine Menschen

Die verbreitete Vorstellung, ein Schaf zu scheren sei natürlich und Wolle ein tierfreundliches Produkt, hat mit der Realität nichts zu tun. Die profitorientierte Züchtung und Haltung von Schafen, die systematische Gewalt beim Scheren sowie das Schlachten im Alter von 5 Jahren verdeutlichen dies. Wolle ist wie Schafmilch, Schafskäse und Lammfleisch ein tierausbeuterisches Produkt. Dazu zählen ebenso Kaschmirwolle – auch Cashmere genannt – aus dem Unterfell der Kaschmirziege, Angorawolle aus Kaninchenhaaren, Mohairwolle aus den Haaren der Angoraziege, Wolle aus dem Fell der Tschirus (Tibet-Antilopen) und andere Arten tierischer Wolle.

Was jeder Einzelne tun kann, um Schafen zu helfen

Vermeiden Sie den Kauf jeglicher Produkte, die auf Schafhaltung basieren. Probieren Sie sich stattdessen durch die Vielfalt an veganen Milch-, Käse- und Fleischalternativen. Greifen Sie auf wollfreie Textilien zurück wie Baumwolle, Viskose oder Tencel. Die Qualität dieser Stoffe übertrifft die von Schafwolle in vielerlei Hinsicht. Prüfen Sie also immer das Etikett, bevor Sie einen Pullover, eine Jacke oder ein Paar Socken kaufen und fragen Sie bei den Herstellern konkret nach tierfreundlichen Materialien.

Jana Veit

Autorin

Jana Veit

Kinderbuchautorin