Fische: Zwischen Fischfang und Fischzucht in Aquafarmen

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Schmerzempfinden und Leidensfähigkeit sind bei Fischen ebenso vorhanden wie bei Säugetieren. Immer mehr Arten sind vom Aussterben bedroht. Nachhaltige Fischerei oder Fischzucht in Aquafarmen sind in der Praxis quasi unmöglich.

Fische besiedelten schon vor über 450 Millionen Jahren die Meere. Damit sind sie die älteste und artenreichste Wirbeltiergruppe unseres Planeten. Durch ihre Anpassungsfähigkeit konnten sie fast jedes Gewässer besetzen: vom sprudelnden Bergbach bis hin zu den Weltmeeren. Doch ihr Bestand verringert sich rasant. Grund dafür sind vor allem der Fischfang und die Fischzucht in Aquafarmen.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Weltweit zählt man etwa 25.000 verschiedene Fischarten. Jedes Jahr werden, durch Zufall oder auch auf Forschungsexpeditionen, neue Fischarten entdeckt.

Fische bedroht: Individuen sterben massenweise

Fische werden beim Fischfang oft aus den Tiefen des Meeres abrupt in die Höhe gezogen. Infolge der wechselnden Druckverhältnisse zerreißen ihre Schwimmblasen und die Augen treten aus den Höhlen. Hunderttausende von Individuen sterben so bei einem einzigen Holvorgang eines Fabrikschiffes. Spätestens auf dem Schiff angekommen, ersticken sie dann qualvoll. In den Netzen der Fischfangflotten sterben zudem jährlich etwa 300.000 Wale, Delfine und Tümmler als ungewollter Beifang.

Beifang sorgt für große Verschwendung von Fischen

Aufgrund umweltgefährdender Fangmethoden und Fischereigesetzen findet auf den Weltmeeren eine immense Verschwendung statt. Viele Millionen Tonnen Meereslebewesen landen pro Jahr unbeabsichtigt als sogenannter Beifang in den Netzen der Fischer. Ein EU-Gesetz schreibt vor, dass Fischer, die Fische fangen, für die sie keine Fangerlaubnis haben, diese noch auf See zurückwerfen müssen und nicht an Land bringen dürfen. Die meisten Fische überleben diese Tortur nicht. Durch diese Verschwendung ist eine nachhaltige Fischerei praktisch unmöglich.

Fischbestände gehen zurück

Mangelnde und unzureichende Fangverbote sowie viel zu hohe Fangquoten haben dazu geführt, dass beispielsweise in der Nordsee der Bestand laichfähiger Fische dramatisch gesunken ist. So ist der Schollen-Bestand seit den 60er-Jahren um 70 % zurückgegangen. Die Laichbestände von Dorsch in der Ostsee und Kabeljau in der Nordsee sind laut Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von Anfang der 80er-Jahre bis heute von etwa 700.000 Tonnen auf 60.000 Tonnen jährlich geschrumpft. Die Bestände von Seeteufel, Seehecht und Seezunge sind ebenfalls erheblich zurückgegangen. Längst schon gelten die Meere als überfischt.

Meeresökosystem gerät aus dem Gleichgewicht

Die Zusammenhänge der Überfischung und dem Meeresökosystem sind sehr komplex. Sie wirken sich auf die natürlichen Wechselwirkungen im Meer aus und indirekt auch auf die Populationen von Plankton, Quallen und Meeresvögeln. Auch der Versuch, Aquafarmen ökologisch zu betreiben, scheitert an der Tatsache, dass die beliebtesten Speisefische in Aquafarmen Raubfische sind wie zum Beispiel der Lachs oder die Forelle. So tritt das Problem der Futterbeschaffung auf, denn das Futter besteht ebenfalls aus Fischen. Für die weltweite Nachfrage nach Fischmehl werden Sardellenschwärme bis zum Rand ihrer Existenz abgefischt.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

In Aquafarmen werden für 1 Kilogramm gezüchtetes Lachsfleisch 5 Kilogramm kommerziell gefangene Fische für die Fütterung benötigt.

Fischzucht in Aquafarmen

In Aquafarmen können sich aufgrund der kleinen Becken und des aus Kostengründen minimal gehaltenen Wasserdurchflusses Bakterien und Parasiten leicht ausbreiten. Der Einsatz von Antibiotika ist in der Fischzucht gängige Praxis und führt dazu, dass Menschen, die diese Fische verzehren, immun gegen Antibiotika werden können. Die Tiere selbst sind gestresst durch das Zusammenleben auf engstem Raum und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Diese dauerhaften Stressfaktoren machen die Fische wiederum anfälliger für Infektionskrankheiten, wodurch weitere Medikamente eingesetzt werden.

Fische enthalten Quecksilber, Dioxin und Blei

Allein die Tatsache, dass Fische alle Schadstoffe im Wasser aufnehmen und in ihren Körpern anreichern, sollte den Konsumenten jedoch nachdenklich stimmen. So nimmt man mit dem Verzehr von Fischen zum Beispiel Quecksilber, PCB (Polychlorierte Biphenyle), Dioxin, Blei und Arsen auf, wodurch Gesundheitsprobleme von Nierenschäden über gestörte geistige Entwicklung und Krebs bis hin zum Tod entstehen können. Die auf Aquafarmen gezüchteten Fische sind dabei keine gesündere Alternative, da sie mit Antibiotika und Chemikalien gefüttert werden, um Parasiten, Haut- und Kiemeninfektionen zu kontrollieren.

Fische haben unterschiedliche Sozialsysteme

So wie bei Landtieren findet man auch bei Fischen sehr unterschiedliche Sozialsysteme. Manche Fischarten leben als Einzelgänger, andere in Paaren und wieder andere schließen sich zu losen Gruppen oder großen Schwärmen zusammen. So ist die Forelle in der Regel ein Einzelgänger, Thunfische hingegen leben in Schwärmen. Durch ihr Langzeitgedächtnis können Fische komplexe soziale Beziehungen aufbauen. Sie besitzen zudem ein räumliches Erinnerungsvermögen, welches ihnen ermöglicht, kognitive Landkarten zu erstellen, die sie durch die Gewässer leiten. Untereinander kommunizieren sie mit Quietsch- und Quieklauten im Niederfrequenzbereich, die Menschen nur mit Spezialinstrumenten hören können.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Fische mögen gegenseitige Berührungen. Sie reiben sich oft sanft aneinander, wie es auch Hunde oder Katzen tun.

Angeln: grausames Hobby

Während die Jagd auf Wild mittlerweile von vielen Menschen abgelehnt wird, gilt es für manche Menschen als entspannendes Hobby, mit der Angel am Wasser sitzend auf den zuschnappenden Fisch zu warten. Für den Fisch beginnt jedoch meist ein grausamer Tod, wenn sich der Angelhaken in die Mundhöhle bohrt, er selbst langsam aus seinem Lebensraum gerissen wird und in Atemnot gerät. Die Rechtfertigung vieler Angler, dass sie die Tiere wieder ins Wasser zurückwerfen würden, hilft den Opfern wenig: Das Angeln verursacht bei den Tieren erhebliche Verletzungen und Stress, sodass sie geschwächt und stark gefährdet in ihren Lebensraum zurückkehren.

Fische empfinden Schmerzen

Oft wird mit der Aussage „Fische empfinden keine Schmerzen“ jegliche Diskussion um deren Leidensfähigkeit abgebrochen. Da Fische nicht schreien, während sie tödliche Schmerzen verspüren, fehlt uns häufig das Unbehagen, das wir empfinden, wenn wir zum Beispiel Schweine, Rinder und Hühner leiden sehen. Marc Bekoff, Professor der Biologie an der Universität von Colorado, weist darauf hin, dass Fische über Nervensysteme verfügen, die bei anderen Tieren für die Fähigkeit des Schmerzempfindens verantwortlich gemacht werden. Sie müssen laut Tierschutzschlachtverordnung von 1997 vor dem Töten zwar betäubt werden – das gilt aber nicht für Massenfänge, wo eine Betäubung „nicht zumutbar“ ist. In allen anderen Fällen ist sie nicht kontrollierbar und wird oftmals auch nicht durchgeführt.

Karnismus erkennen

Karnismus erkennen

Die meisten Menschen betrachten den Verzehr von Tieren und tierischen Produkten als eine Selbstverständlichkeit und nicht als etwas, dass sie vor eine Wahl stellt. Karnismus bezeichnet das unsichtbare Glaubenssystem, das Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tierarten zu essen.

Unterschiedliche Wahrnehmung bei Fischen

In ihrem Buch „Do Fish Feel Pain?“ („Empfinden Fische Schmerzen?“) schreibt Victoria Braithwaite, Professorin für Fischerei und Biologie an der Pennsylvania State University, über das Schmerzempfinden von Fischen. Sie macht ihre Überlegung anhand eines Beispiels deutlich: „Vögel nehmen mit den Augen Reize auf und leiten diese an das Gehirn weiter. Dabei benutzen sie völlig andere Teile des Gehirns als Säugetiere. Um zu sehen, benutzen auch wir Hirnareale, die Vögel überhaupt nicht haben. Aber wir leugnen deshalb nicht, dass auch sie die Welt sehen.“

Nachfrage nach Fisch steigt

Trotz überfischter Meere und Seen wächst die weltweite Nachfrage nach Fisch. Der bundesweite Pro-Kopf-Verbrauch von Fisch und sogenannten Meeresfrüchten im Jahr lag laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 2014 bei 14 Kilogramm. Zu den beliebtesten Fischen zählen dabei Lachs, Hering, Thunfisch und Kabeljau. Weltweit sorgt vor allem die große Nachfrage nach Sushi dafür, dass der Thunfisch in seiner Existenz bedroht ist. Das als gesund geltende Fast Food ist mittlerweile an vielen Straßenecken erhältlich. Die wenigsten Konsumenten wissen allerdings, dass sich die weltweiten Thunfisch-Bestände seit den 1950er-Jahren um bis zu 80 % verringert haben.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Von der ursprünglichen Population des Blauflossen-Thunfischs sind nur noch 20 % übrig. Durch die starke Überfischung ist diese Art vom Aussterben bedroht.

Mystifizierung von Meereslebewesen

Trotz Antibiotika, Quecksilber und Co. gilt Fisch in puncto Ernährung immer noch als gesund und unverzichtbar. In einigen Ländern der Welt erfolgt eine regelrechte Mystifizierung von Meereslebewesen. So sind zum Beispiel Hai-Flossen in Asien eine begehrte Delikatesse. Den Flossen wird dort eine potenzsteigernde und entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Es gibt allerdings keine Studie, die das bestätigt. Allein der Glaube an diesen Mythos sorgt dafür, dass jährlich Millionen von Haie auf besonders grausame Art sterben müssen: Die Fischer schneiden den Haien bei lebendigem Leib die Flossen ab und werfen die Tiere anschließend zurück ins Meer. Denn nur die kostbaren Flossen sind für die Fischer von Interesse. Auf diese Weise sterben schätzungsweise bis zu 100 Millionen Haie pro Jahr. Das sogenannte Shark-Finning ist im östlichen Pazifik bereits verboten, wird in internationalen Gewässern aber praktisch nicht überwacht.

Vegane Alternativen zu Fisch und anderen Meerestieren

Wer aus gesundheitlichen, ökologischen oder ethischen Gründen keinen Fisch verzehren möchte, für den stehen zahlreiche pflanzliche Alternativen zur Verfügung.

Umdenken dringend erforderlich

Wer Fisch bisher für ein ethisch, ökologisch und gesundheitlich unbedenkliches Lebensmittel hielt, sollte überlegen, ob Fisch tatsächlich eine bessere Alternative zu Fleisch darstellt. Zur Erkenntnis, dass sich Fische gar nicht so sehr von Säugetieren unterscheiden und Schmerzen auf ihre eigene Art und Weise empfinden können, kommt der entscheidende Aspekt hinzu, dass eine nachhaltige Fischerei oder Fischzucht in Aquafarmen in der Praxis quasi unmöglich ist. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass von den weltweiten Fischbeständen bereits 52 % so stark abgefischt werden, dass sich der Bestand nicht mehr erholen kann. Das macht ein Umdenken dringender denn je.

Anna-Lena Klapp BSc. Ernährungswissenschaftlerin

Autorin

Anna-Lena Klapp BSc. Ernährungswissenschaftlerin

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