Ist vegane Hundeernährung gesund?

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Hunde rein pflanzlich zu ernähren, geht relativ leicht. Wichtig ist, die Vierbeiner mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Entweder greift man auf veganes Fertigfutter zurück oder bereitet die veganen Hundemahlzeiten einfach selbst zu.

Hunde haben wie alle Lebewesen einen bestimmten Bedarf an Nährstoffen. Die Vierbeiner damit angemessen und ausreichend zu versorgen, ist wichtig für die Gesundheit der Tiere – eine ausgewogene Hundeernährung sollte daher ernst genommen werden.

Veganes Hundefutter

Veganes Fertigfutter für Hunde wird in der Produktion mit verschiedenen Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen versetzt, so wie es auch bei fleischhaltigem Fertigfutter der Fall ist. Bei selbst gekochtem Futter muss somit ein abgestimmtes Nahrungsergänzungsmittel hinzugegeben werden.

Veganes Hundefutter sowie Ergänzungsprodukte für hausgemachtes Hundefutter sind in vielzähligen Onlineshops erhältlich. Aber auch in speziellen Läden für Hundebedarf und veganen Supermärkten findet man mittlerweile vegane Spezialitäten für den geliebten Vierbeiner. Diese Entwicklung ist erfreulich, denn immer mehr Menschen wollen ihre „Haustiere“ vegan ernähren – ob aus gesundheitlichen Gründen oder ethischen Gründen, weil sie selbst vegan leben. Weder für sie selbst, noch für ihren Hund sollen Kühe, Schweine oder Hühner unter tierquälerischen Haltungsbedingungen leiden und sterben.

Fleischhaltiges Futter kann Krankheiten verursachen

Für konventionelles Hundefutter wird nicht nur das Fleisch von toten Tieren aus der Massentierhaltung verarbeitet, sondern auch deren Häute, Blut, Federn, Hufen, Mägen, Därme, Knochen und andere Körperteile. Außerdem wird in Untersuchungen leider immer wieder deutlich, dass konventionelles Hundefutter nicht enthält, was die Hersteller versprechen.1 Claudia Zeier Kopp vom Schweizer Verein gegen Tierfabriken weist darauf hin, dass, seit es die Tierfutter-Industrie gibt, immer mehr Hunde an krankhaftem Übergewicht leiden sowie an Krebs erkranken.

Studie bestätigt: Vegane Hundeernährung ist gesund

Im Rahmen einer Studie an der Universität Wien wurden 20 Hunde untersucht, die über einen Zeitraum von einem halben Jahr ausschließlich vegan ernährt wurden. Das verwendete Futter erfüllte größtenteils die speziellen Nährstoffbedürfnisse von Hunden. Der klinische Check ergab keine erkennbaren Veränderungen nach 6-monatiger veganer Ernährung. Bei der Untersuchung des Blutbildes der vegan lebenden Hunde konnten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu Hunden festgestellt werden, die mit herkömmlichem tierischem Futter ernährt wurden. Von den Forschern erwartete bedeutsam niedrigere Eisen- und Vitamin-B12-Werte konnten nicht bestätigt werden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass vegane Hundeernährung durchaus ohne gesundheitliche Einschränkungen möglich ist. Es besteht aber Bedarf an Langzeitstudien zur veganen Hundeernährung, um die Aussagekraft solcher Forschungsergebnisse noch weiter zu festigen. Eine Beimischung von Zusätzen ins Hundefutter wie Taurin, L-Carnitin, Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D ist auf jeden Fall angeraten. Auch Tierärzte sollten veganer Hundeernährung offen gegenüberstehen und sich mehr mit der Thematik beschäftigen, um über Zusatzstoffe und den Nährstoffbedarf von Hunden ausreichend informieren zu können.

Veganes Hundefutter selbst herstellen2

Hunde benötigen in ihrer Mahlzeit Proteine, Kohlenhydrate, Gemüse, Öl und zusätzliche Nährstoffe, die beigemischt werden müssen.

  • Der Kohlenhydratanteil einer Hundemahlzeit beträgt rund 40 %. Es stehen vielfältige Kohlenhydratquellen für vegane Hunde zur Auswahl wie Nudeln, Kartoffeln, Reis, Quinoa, Polenta und Couscous. Haferflocken als Beigabe binden das Futter, wodurch es auch besser formbar ist, zum Beispiel zu kleinen, praktischen Bällchen.
  • Ungefähr 30 % der Hundemahlzeit sollten aus Proteinen (Eiweiß) bestehen. Als Proteinquelle für den veganen Hund zählen Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen, Bohnen und Kichererbsen. Getrocknete Hülsenfrüchte müssen längere Zeit eingeweicht und gekocht werden, bevor sie verfüttert werden können. Wenn es einmal schnell gehen muss, können aber auch bereits verzehrfertige Hülsenfrüchte aus der Dose verwendet werden. Je nach Bedarf sollten die Hülsenfrüchte noch zerkleinert oder zerstampft werden, um die Verdaulichkeit zu fördern. Auch die Zugabe von Kümmel oder Bohnenkraut wirkt verdauungsfördernd.
  • Beim Gemüse kann der Kreativität ebenfalls freien Lauf gelassen werden. 27 % des Hundefutters sollten aus Gemüse bestehen. Ob Karotte, Zucchini, Wirsing, Rote Bete, Kürbis oder andere Rüben- und Kohlsorten – jeder Hund hat andere Vorlieben. Gegartes Gemüse ist besser verwertbar, weshalb neben Rohkost auch gekochtes Gemüse auf dem Speiseplan vegan ernährter Hunde stehen sollte.
  • Öl sollte etwa 3 % der Hundemahlzeit ausmachen. Als vegane Energielieferanten eignen sich viele pflanzliche Öle, idealerweise kaltgepresste wie Olivenöl, Hanföl, Leinöl, Rapsöl oder Sonnenblumenöl. Und mit Bratöl beispielsweise kann Gemüse kurz angebraten werden.

Spaghetti mit Soja-Bolognese oder Tomatensoße und Gemüsereis mit Bohnen kann man somit nicht nur Menschen, sondern auch Hunden servieren. Nur sollte man beim Kochen für den geliebten Vierbeiner auf Salz, Zucker und Gewürze verzichten.

Nahrungsergänzungsmittel als fester Bestandteil einer veganen Hundemahlzeit

Zur Abrundung und Sicherstellung einer ausgewogenen Ernährung müssen bei selbst gekochtem Hundefutter essentielle Nährstoffe hinzugefügt werden. Hier kann auf optimal zusammengestellte Nahrungsergänzungsmittel zurückgegriffen werden, die speziell für eine vegane Hundeernährung entwickelt wurden. Diese liefern Vitamin B12, Kalzium und andere wichtige Nährstoffe. Auch sollte darauf geachtet werden, dass L-Carnitin und Taurin im veganen Ergänzungsmittel enthalten sind.

Für Hunde giftige Nahrungsmittel

Der Verzehr von Schokolade oder Kakao ist aufgrund des Gehalts an Theobromin für Hunde giftig. Aber schon allein wegen des Zuckergehalts sollten Schokolade und andere Süßigkeiten nicht an die Vierbeiner verfüttert werden. Ebenso toxisch wirken Weintrauben und Rosinen bei Hunden – sie können zu gravierenden Nierenschäden führen. Auch Zwiebeln sollten niemals an Hunde verfüttert werden, da die darin enthaltenen Schwefelstoffe die roten Blutkörperchen der Tiere zerstören.

Bei Steinobst und Avocados besteht die Gefahr, dass Kerne verschluckt werden, was sehr gefährlich für die Vierbeiner werden kann – auch das Fruchtfleisch von Avocados ist für Hunde eher unbekömmlich. Beim Zerbeißen von Obstkernen wird zudem Blausäure freigesetzt, die sowohl für Hunde als auch für Menschen giftig ist. Weiterhin können der Konsum von Alkohol und auch größeren Mengen Hopfen tödlich für die Vierbeiner enden.

Aufgrund der Antibiotikarückstände und anderer gesundheitsgefährdender Inhaltsstoffe in Fleisch, sind fleischhaltige Hundefutter neben ethischen auch aus gesundheitlichen Gründen nicht für Hunde zu empfehlen.

Persönliche Erfahrungsberichte

„Unser Hund lebt, genau wie wir, vegetarisch beziehungsweise vegan. Da es bei (gesunden) Hunden problemlos möglich ist, sehe ich keinen Grund, warum unser Hund nicht auch so leben sollte. Schon unser erster Hund, der 1998 zu uns kam, wurde vegetarisch ernährt. Inzwischen wird es immer einfacher, weil die Futterauswahl immer größer wird. Außerdem bekommt unser Hund auch mal Selbstgekochtes. Ihm schmeckt es, er ist gesund – was will man mehr?! Ich könnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, dass für unseren Hund andere Tiere sterben müssen, wenn es nicht sein muss. Da man so oder so über das Futter entscheidet, kann man sich als Tierfreund auch für die tierfreundliche Variante entscheiden.“ Michaela P.

„Klar – Hunde sind Allesfresser und eine vegane Ernährung ist durchaus empfehlenswert! Die beste Quelle für Informationen und Studien diesbezüglich ist meiner Meinung nach der bekannte Arzt Dr. Ernst Walter Henrich – sein Hund wurde mit veganer Ernährung knapp 19 Jahre alt!“ Yvonne T.

Fazit: Vegane Hundeernährung ist gesund

Wer für einen Hund Sorge trägt, sollte sich um einen abwechslungsreichen Speiseplan kümmern und sicherstellen, dass er nicht an für ihn giftige Lebensmittel herankommt. Ob selbst gekochtes oder fertig gekauftes Hundefutter – vegan ernährte Hunde erfreuen sich bester Gesundheit. Darüber hinaus riechen vegane Hunde meist besser und haben oft ein schöneres Fell als Hunde, die mit Fleisch ernährt werden.

Lisa Mair, M.A.

Autorin

Lisa Mair, M.A.

Medien- und Nachhaltigkeitsmanagerin

 

Literatur

1 Stiftung Warentest (2015): Hundefutter: Jedem zweiten Feuchtfutter fehlen wichtige Nährstoffe. Online unter https://www.test.de/Hundefutter-Jedem-zweiten-Feuchtfutter-fehlen-wichtige-Naehrstoffe-4817396-0/ [18.04.2017].

2 Vegan4Dogs (2016). Der vegane Hund. Online unter https://vegan4dogs.com/der-vegane-hund/ [20.10.2016].

Pia-Gloria Semp (2014): „Vegan Nutrition of Dogs and Cats“, Diplomarbeit, Veterinärmedizinische Universität Wien Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin Institut für Tierernährung und funktionelle Pflanzenstoffe, Online verfügbar unter vetdoc.vu-wien.ac.at [11.10.2016].