Haustierhaltung sollte nicht leichtfertig erfolgen, da Tiere empfindsame Lebewesen sind, deren Bedürfnisse sehr ernst zu nehmen sind. Wer diese erfüllen kann, sollte ein Haustier aus dem Tierheim adoptieren.

Zwischen Mensch und Tier herrschen oft tiefe emotionale Verbindungen, dennoch geschieht in der Haustierhaltung sehr vieles, was nicht den Grundbedürfnissen der Tiere entspricht. Unter falsch verstandener Tierliebe leiden „Haustiere“ wie Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Vögel, Fische und Co. sehr. Da eine „artgerechte“ Haltung ohnehin kaum möglich ist, ist Haustierhaltung nur in seltenen Fällen empfehlenswert.

Ein „Haustier“ aufzunehmen, das von Tierschutzvereinen vermittelt wird, könnte eine Verbesserung der Lebensumstände für das Tier bedeuten, wenn es dadurch mehr Auslauf und Zuwendung bekommt, als das im Tierheim der Fall ist. Es gibt hier leider keinen perfekten Weg, denn die gewöhnlichen „Haustiere“ sind bereits so stark domestiziert, dass sie ohne menschliche Versorgung wohl kaum eine Chance hätten, in freier Natur zu überleben. Grundsätzlich gilt aber, keine Tiere von Züchtern zu erwerben, denn dies fördert die weitere Zucht von immer mehr „Haustieren“, die letztlich im Tierheim landen oder getötet werden.

Sicherstellung des Tierwohls hat oberste Priorität

Wer sich der Haustierproblematik bewusst ist und ein Tier aus dem Tierheim aufnehmen möchte, sollte seine Wohnung oder sein Haus so tiergerecht wie möglich gestalten. Meerschweinchen zum Beispiel sind sehr aktive Tiere, die sich gern viel bewegen. Daher sind große Gehege wichtig, die viel Platz zum Herumtoben bieten und gut strukturiert sind. Kleine Käfige, in denen die Schweinchen täglich dicht gedrängt sitzen müssen, haben nichts mit tiergerechter Haltung zu tun. Auch Zugang zu einem Freigehege im Sommer ist wichtig für das Wohlbefinden von Kleintieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen, damit sie je nach Bedarf ein Sonnenbad nehmen, an frischen Gräsern schnuppern und knabbern oder im Boden wühlen können.

Genauso verhält es sich mit Katzen, denen, sofern möglich, immer Freigang gewährt werden sollte. Katzen sind freiheitsliebende Tiere und können ihr Erkundungsverhalten draußen viel besser ausleben. Allein schon die Geruchswelt in freier Natur ist viel spannender für Katzen als das geringe Repertoire an Gerüchen in der Wohnung. Außerdem können Katzen draußen Artgenossen treffen. Kann einer Katze kein Zugang ins Freie gewährt werden, braucht sie sehr viel menschliche Zuwendung und mindestens einen Artgenossen, mit dem sie spielen und sich austoben kann.

Hunde brauchen ebenso aktive Beschäftigung und viel Auslauf, mindestens 3-mal am Tag. Auch unangeleinter Auslauf ist wichtig – nicht nur im Garten! Da Hunde in freier Wildbahn im Rudel leben, sollten sie bestenfalls nicht allein in der Wohnung gelassen werden. Regelmäßiger Kontakt zu anderen Hunden muss also möglich sein. In geeigneten Hundeschulen lernt man außerdem, wie man seinen Vierbeiner bestmöglich fördern kann, um Verhaltensauffälligkeiten und Depressionen zu vermeiden.

Hamster, Vögel und Co. leiden in kleinen Käfigen

Auch wenn man seine Hamster, Mäuse oder Meerschweinchen liebt, ihnen aber nicht einmal ein Mindestmaß an tiergerechten Haltungsbedingungen gewährt, ist das Tierquälerei. Kaninchen, Ratten, Vögel, Fische und Co. in kleinen Käfigen zu halten, ohne dass sie die Möglichkeit haben, ihr natürliches Verhalten auszuleben, bedeutet großes Leid für die Tiere. Schließlich möchte niemand ein Leben lang auf engstem Raum und ohne Zuwendung eingesperrt sein.

Um herauszufinden, was „artgerecht“ für das eigene „Haustier“ bedeutet, orientiert man sich am besten an der freien Wildbahn: Kaninchen beispielsweise leben in Gruppen und sind den ganzen Tag über mit dem Graben von Höhlensystemen sowie der Futtersuche beschäftigt. Der Organismus der Vögel wiederum ist darauf ausgelegt, mehrere Stunden am Tag in Bewegung zu sein. Meist leben sie auch in einer lebenslangen Partnerschaft in großen Schwärmen. „Haustiere“ wie Wellensittiche und Nymphensittiche brauchen daher einen Partner und ihnen muss täglich mehrstündiger Freiflug gewährt werden, besser noch: Man lässt sie den ganzen Tag frei fliegen.

Rassezucht in der Haustierhaltung

Abgesehen davon, dass Haustierhaltung nicht wirklich „artgerecht“ sein kann, ist die Zucht von Tieren schon allein deshalb abzulehnen, weil es bereits genug Hunde, Katzen und Co. in Tierheimen gibt, die aufgenommen werden können – sofern man ihnen eine tiergerechte Umgebung bieten kann. Eine kontinuierliche „Reproduktion“, wie bei Zuchtbetrieben üblich, vermehrt die Anzahl an „Haustieren“ und so auch derjenigen Tiere, die im Tierheim oder unter schlechten Bedingungen leben müssen oder getötet werden. Ziel sollte es daher sein, die Vermehrung der Tiere einzudämmen, um wenigstens diejenigen, die schon da sind, tiergerecht versorgen zu können. Kastration oder Sterilisation von Hunden und vor allem Katzen ist hier ein wichtiger Schritt. An dieser Stelle sollte auch die Taubenzucht erwähnt werden, die die unkontrollierte Vermehrung von Tauben in Städten noch begünstigt.

Ein weiterer negativer Punkt bei der Tierzucht ist, dass die gnadenlos überzüchteten Rassetiere viel anfälliger für Krankheiten sind als „normale“ Mischlingstiere. Hunde wie Möpse oder Bulldoggen leiden oft an Atemwegserkrankungen aufgrund ihrer herangezüchteten kurzen Nasen. Katzen, die extra ohne Schwanz gezüchtet werden, sind in ihren artspezifischen Bewegungsabläufen eingeschränkt und können den Schwanz nicht mehr als Kommunikationsmittel einsetzen. Den sogenannten Nacktkatzen wiederum fehlen die wichtigen Tasthaare, ohne die sie sich in der Dunkelheit verletzten können, da sie wichtig für die Orientierung und die Kommunikation der Katzen sind.

Zudem ist der Gedanke, bestimmte Rassen zu züchten, um damit Geld zu verdienen, und Tiere zu töten, die nicht dem Schönheitsideal entsprechen, mit den ethischen Vorstellungen vieler Menschen gar nicht vereinbar.

Kein Erwerb von exotischen Tieren

Von der Haltung exotischer Tiere wie Schildkröten, Schlangen, Leguanen oder Spinnen ist gänzlich abzuraten. Wildtiere werden aus ihren Ursprungsländern importiert – viele sterben bereits beim Transport – und können ihr arttypisches Verhalten in kleinen Terrarien nicht ausleben. Außerdem sind sie an die klimatischen Bedingungen hierzulande nicht angepasst. Häufig werden die Tiere vernachlässigt und sterben einen langsamen, qualvollen Tod. Mit dem Erwerb von Wildtieren gefährdet man zudem die globale Artenvielfalt und unterstützt damit den oft illegalen Handel mit exotischen Tieren. Ein gesetzliches Verbot für die Haltung solcher Tierarten ist daher aus diversen Gründen erstrebenswert.

Ernährung der Haustiere – ein Gewissenskonflikt

Hunde und Katzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Haustieren, die auch Fleisch essen. Viele Menschen kommen in einen Gewissenskonflikt, wenn sie sich selbst vegan-vegetarisch ernähren, ihre Katzen oder Hunde aber mit Fleisch und tierischen Produkten füttern. Immer mehr Menschen möchten ihre Haustiere jedoch aus ethischen oder auch gesundheitlichen Gründen vegan-vegetarisch ernähren. Forschung und Praxis zeigen, dass dies bei Hunden durchaus möglich ist.

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    Hunde rein pflanzlich zu ernähren, geht relativ leicht. Wichtig ist, die Vierbeiner mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Entweder greift man auf veganes Fertigfutter zurück oder bereitet die veganen Hundemahlzeiten einfach selbst zu. Weiterlesen…

Doppelmoral: Manche Tiere werden geliebt, andere werden gegessen

In Bezug auf die Behandlung von Tieren existiert eine Art Doppelmoral. Einerseits behandeln Menschen „Haustiere“ wie Hunde und Katzen sehr liebevoll, andererseits wird das Leid von Millionen anderer Tiere, der sogenannten Nutztiere, geduldet und gar befürwortet. In Anbetracht dieses diskrepanten Gedankenguts und der willkürlichen Grenzziehung, sollte die Unterscheidung zwischen „Haustier“ und „Nutztier“ überdacht werden. Alle Tiere sollten als leidensfähige und sensible Lebewesen betrachtet werden, die nicht der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse nach Nahrung, Kleidung oder Unterhaltung dienen, sondern ein Recht auf ein tiergerechtes Leben und körperliche Unversehrtheit haben.

Karnismus erkennen

Karnismus erkennen

Die meisten Menschen betrachten den Verzehr von Tieren und tierischen Produkten als eine Selbstverständlichkeit und nicht als etwas, dass sie vor eine Wahl stellt. Karnismus bezeichnet das unsichtbare Glaubenssystem, das Menschen darauf konditioniert, bestimmte Tierarten zu essen.

Lisa Mair, M.A.

Autorin

Lisa Mair, M.A.

Medien- und Nachhaltigkeitsmanagerin