VEBU EU-weit aktiv: Definition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“

Politik Bildquelle: shutterstock.com / Mats

[06.03.16] Als zentraler Teil seiner politischen Arbeit setzt sich der VEBU gemeinsam mit der European Vegetarian Union (EVU) für eine verbindliche Definition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ ein, um für Verbraucher, Hersteller und Händler Klarheit und Rechtssicherheit zu erreichen.

Ist dieser Käse vegetarisch oder wurde er mit Kälberlab hergestellt? Ist dieses Brot vegan? Wurde dieser Wein mit Gelatine geklärt? Solche Fragen stellen sich nicht nur Veggies beim täglichen Einkauf im Supermarkt. Auch Lebensmittelhersteller stehen vor diesem Problem. Seit die Zahl der vegan-vegetarisch lebenden Menschen stetig wächst, immer mehr Menschen ihren Konsum tierischer Lebensmittel reduzieren und die Nachfrage nach fleisch- und tierproduktfreien Lebensmitteln steigt, wollen immer mehr Hersteller klar erkennbare vegane und vegetarische Angebote entwickeln. Doch welche Kriterien ein Produkt erfüllen muss, um als vegan oder vegetarisch bezeichnet werden zu können, ist nicht eindeutig geregelt. Bislang gibt es nämlich keine rechtlich verbindliche Definition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ – weder in Deutschland, noch auf EU-Ebene.

Bislang keine einheitliche Kennzeichnung

Diese Situation führt dazu, dass Hersteller und Händler eigene Kriterien erarbeiten, die sich durchaus voneinander unterscheiden können und möglicherweise nicht den Erwartungen der Kunden entsprechen. Entdeckt man ein „selbst gemachtes“ Veggie-Label im Laden, ist unklar, was der Anbieter genau darunter versteht. Welche Kriterien angelegt wurden, erfahren Kunden meist nur auf Nachfrage.
veganlabel1veganlabel2veganlabel3

Mehr Transparenz mit dem V-Label

Mehr Klarheit schafft das V-Label der European Vegetarian Union (EVU), das es für vegetarische und vegane Lebensmittel gibt. In Deutschland wird das V-Label vom VEBU vergeben. Die Kriterien entsprechen den Vorstellungen europäischer Veggie-Organisationen und decken sich mit den Vorschlägen des VEBU und der EVU für eine rechtsverbindliche Definition.

Vegetarisches V-LabelVeganes V-Label

Sinnvolle Definition von „vegan“ und „vegetarisch“

Ein Schweineschnitzel ist eindeutig nicht vegetarisch und ein Eier-Omelette nicht vegan, das ist klar. Aber wie verhält es sich mit Apfelsaft und Brötchen? Für die Entscheidung, ob ein Lebensmittel vegan oder vegetarisch ist, müssen wichtige Details beachtet werden, die sich auch in einer offiziellen Definition wiederfinden müssen.

Hier drei Beispiele:

Auch tierische Produktionshilfsstoffe, die unter Umständen gar nicht mehr im verkaufsfertigen Produkt enthalten sind, müssen nach Überzeugung des VEBU und der EVU von einer Definition erfasst werden. Das gilt zum Beispiel für Gelatine, hergestellt aus Häuten und Knochen geschlachteter Tiere, die zur Klärung von Säften und Weinen verwendet wird. Auch wenn die Gelatine aus dem fertigen Produkt entfernt worden ist, wurde sie doch eigens für die Herstellung eingekauft. Da die meisten Vegetarier und Veganer ihre Lebensweise auch aus ethischen Gründen gewählt haben, ist dies ein relevanter Aspekt, da die Nutzung von Gelatine zur Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Tierhaltung beiträgt.
Viele Zutaten können sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs sein. Dies trifft zum Beispiel auf Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren zu, die häufig als Emulgator in Backwaren eingesetzt werden. Ob die Fettsäuren tierisch oder pflanzlich sind, darüber gibt die Zutatenliste keine Auskunft.
Um das Angebot an veganen und vegetarischen Lebensmitteln nicht unnötig zu verknappen sowie für Hersteller ausreichend pragmatische Rahmenbedingungen zu schaffen, ist es aus Sicht des VEBU und der EVU vertretbar, diese in der gleichen Halle oder mit denselben Maschinen wie andere Lebensmittel herzustellen, was möglicherweise unbeabsichtigte Verunreinigungen durch Spuren tierischer Substanzen zur Folge haben kann. Sofern dagegen zumutbare Vorkehrungen wie gründliche Reinigung der Maschinen getroffen werden, die der guten fachlichen Praxis und dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, steht dies einer Auslobung des Produktes als vegan beziehungsweise vegetarisch nicht entgegen. Hintergrund ist, dass der Kauf von (möglicherweise) mit tierischen Substanzen verunreinigten Lebensmitteln nicht zur vermehrten Nutzung von Tieren beiträgt und somit aus vegan-vegetarischer Sicht kein ethisches Problem darstellt.
Von einer sinnvollen Definition erwartet der VEBU, dass derartige Aspekte beachtet werden.

Rechtliche und politische Situation

Der europäische Gesetzgeber hat den Mangel an Klarheit als Problem erkannt. In der Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) wurde festgelegt, dass die EU-Kommission einen Durchführungsrechtsakt zu erlassen hat, in dem Anforderungen an „Informationen über die Eignung eines Lebensmittels für Vegetarier und Veganer“ (Art. 36 Abs. 3 Ziffer b Verordnung (EU) Nr. 1169/2011) definiert werden. Dies bedeutet die Aufforderung zum Erlass einer Legaldefinition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“. Leider wurde versäumt, dafür eine Frist zu setzen. Ziel der Arbeit des VEBU auf europäischer Ebene ist daher, eine sinnvolle Definition zu erreichen und das möglichst bald.

Eine Definition muss vegan-vegetarisch lebenden Menschen helfen, selbstbestimmte Kaufentscheidungen zu treffen. Gleichzeitig muss sie Interessierten den Einstieg in eine fleisch- und tierproduktfreie Lebensweise erleichtern und ihnen ermöglichen, sich grundsätzlich oder situativ für pflanzliche Produkte zu entscheiden. Die Zahl der vegan-vegetarisch lebenden Menschen steigt ständig und der Markt für fleisch- und tierproduktfreie Produkte wächst deutlich. Diese Entwicklung verlangt nach einer schnellen Lösung.

Zögerliche EU-Kommission

Bisher ist die EU-Kommission ihrer Verpflichtung, rechtsverbindliche Definitionen zu erlassen, nicht nachgekommen und wird dies ohne Druck von außen in nächster Zeit auch nicht ändern. Der VEBU arbeitet daher mit allen relevanten Akteuren zusammen, um auf eine baldige Umsetzung hinzuwirken. Hierbei konnten deutliche Erfolge erzielt werden.

Politische Unterstützung in Deutschland

Nachdem sich der Bundesrat im Dezember 2013 für eine rasche Umsetzung ausgesprochen hatte, hat auch die Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder im Mai 2015 deutlich gemacht, dass etwas geschehen muss. Die Minister halten es für angezeigt, dass Deutschland auf eine Umsetzung hinwirkt oder eine nationale Regelung trifft, die als Vorbild für einen europäischen Rechtsakt dienen könnte.

Zurzeit erarbeitet eine Projektgruppe der Länder, an der auch der VEBU beteiligt ist, einen Definitionsvorschlag auf der Grundlage eines Entwurfs von VEBU und EVU. Es zeichnet sich eine breite inhaltliche Übereinstimmung mit der Position des VEBU ab. Die Bundesregierung, die noch im Jahr 2013 keine Notwendigkeit gesehen hatte, sich gegenüber der Kommission für eine Definition einzusetzen, hat jüngst signalisiert, dass sich diese Positionierung geändert habe. Mehrere Mitglieder des EU-Parlaments und des Bundestags unterstützen den VEBU ebenfalls in seinen Bestrebungen.

Deutsche und europäische Verbände auf Definitions-Kurs

eurogroup_animals_480
Der VEBU steht in regem Kontakt mit Verbänden des allgemeinen Verbraucherschutzes, beispielsweise der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Auf Seiten der Lebensmittelwirtschaft, die ebenfalls Interesse an einer zeitnahen rechtsverbindlichen Definition hat, konnte der VEBU sich die Unterstützung des Spitzenverbandes der deutschen Lebensmittelwirtschaft, dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), sichern. Im November 2015 war der VEBU als Experte zu Gast in Brüssel bei FoodDrinkEurope (FDE), dem europäischen Dachverband der Lebensmittelindustrie. In konstruktiven Diskussionen präsentierte er die vom VEBU vertretene Position. Auch hier deutete sich eine grundsätzliche inhaltliche Übereinstimmung an. Des Weiteren fand in Brüssel ein Treffen mit Vertretern des Lebensmittel-Einzelhandels statt.

Fazit: Der VEBU bewegt

Der VEBU bewertet es als sehr positiv, dass inzwischen auf allen Ebenen und bei den meisten Akteuren die Notwendigkeit einer schnellen Regelung gesehen wird. Dabei gibt es auch weitgehende inhaltliche Übereinstimmungen. Eine sinnvolle, rechtsverbindliche Definition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ ist somit aufgrund der beharrlichen Arbeit des VEBU deutlich wahrscheinlicher und greifbarer geworden.

Till Strecker

Autor

Till Strecker

Leitung Politik