EU-Kommissar wirbt für mehr Fleischkonsum

Phil Hogan Fleischkonsum VEBU Bildquelle: U.S. Department of Agriculture

[19.10.16] Laut Phil Hogan, EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, will die EU-Kommission für mehr Fleischkonsum in Europa werben. Für darauf ausgerichtete Kampagnen werden 15 Millionen Euro bereitgestellt.

Dies sagte Hogan vor wenigen Tagen auf einer Agrarmesse in Frankreich. Hogans Worte erstaunen – herrscht doch allgemeine Einigkeit darüber, dass der extrem unnachhaltige Konsum tierischer Produkte moderner Gesellschaften, der Tier, Mensch und Umwelt unnötig schädigt, in Zukunft dringend sinken muss, nicht steigen. Dafür setzt sich der VEBU intensiv ein.

Fleischwirtschaft in der Krise

Hintergrund von Hogans Aussagen sind sinkende Preise – die europäische Landwirtschaft ist in einem hohen Maße von Subventionen abhängig. Etwa 40 Prozent des EU-Budgets fließt in den Agrarsektor – ohne dieses Geld könnte ein Großteil der landwirtschaftlichen Tierhaltung kaum überleben. Der Preisdruck und das zugrunde liegende Diktat der Wirtschaftlichkeit führt zu den unerträglichen Lebensbedingungen der Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung. Dazu kommen die bekannten Probleme in puncto extremer Klimaschädlichkeit, Umweltverschmutzung, Antibiotikaeinsatz und Welthunger.

Gesellschaftliche Entwicklung geht in eine andere Richtung

Darüber hinaus ignoriert Hogan auch die jüngste Entwicklung – und den Willen der Verbraucher. Denn: Der Konsum tierischer Produkte sinkt in Deutschland und anderen wohlhabenden Ländern seit Jahren. Gleichzeitig steigt der Konsum pflanzlicher Alternativprodukte rasant. Vor wenigen Tagen kommentierte der VEBU die aktuellsten Zahlen in einer Pressemitteilung.

VEBU wirbt für pflanzliche Ernährung

Der VEBU wirbt seit vielen Jahren für die Potenziale pflanzlicher Ernährung und weist auf die Probleme der landwirtschaftlichen Tierhaltung hin. Während die Landwirtschaft ihren schädlichen Beitrag zu den Treibhausgasen dringend senken muss, schlägt der Agrarkommissar den umgekehrten Weg vor und wirbt für mehr Fleischkonsum. Das Tierwohl, der Klimaschutz, Ressourcengerechtigkeit und die menschliche Gesundheit haben in Phil Hogans Weltbild offenbar keinen Platz.

Exportstrategie als Lösung…

Zusätzlich bekundete EU-Kommissar Hogan, er werde die landwirtschaftliche Tierhaltung durch eine diplomatische Offensive unterstützen. Dafür werde er besonders lukrative Exportmärkte besuchen: Nach Mexiko, Kolumbien, China und Japan stehen als nächstes Reisen in die Türkei, Vietnam und Indonesien auf dem Plan. Auch der deutsche Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Christian Schmidt (CSU), macht sich seit Jahren für eine Export-Offensive stark. Damit positioniert Schmidt sich genauso rückwärtsgewandt wie EU-Kommissar Hogan.

… die keine ist

Der Fokus auf den Export tierischer Produkte ist aus Sicht des VEBU besonders kritisch zu sehen, da damit unnachhaltige Produkte mit all ihren Problemen, die gesellschaftlich immer weniger gewünscht sind, lediglich ins Ausland verschifft werden. Pointierte Kritik an der Exportstrategie kam auch von Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament: “Statt Millionen in sinnlose Werbeaussagen zu versenken, statt die Welt mit billigen Massenprodukten aus Europa beglücken zu wollen, sollte Hogan sein Augenmerk auf die Erzeugung von Qualitätsprodukten richten. Die Welt braucht diese austauschbaren, auf dem Rücken der Umwelt produzierten Güter nicht, die im Zweifel überdies dann auch noch lokale Märkte zerstören.“

Felix Domke

Autor

Felix Domke

ProVeg-Politik