Ernährungspolitischer Bericht 2016

(c) Deutscher Bundestag / Achim Melde

[15.07.16] Anfang Juni hat das Kabinett den „Ernährungspolitischen Bericht 2016“ beschlossen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zieht darin Bilanz über seine politischen Aktivitäten der vergangenen Jahre. VEBU-Politik kommentiert.

Leider ist der Bericht vielmehr ein Beweis für die Nicht-Aktivität von Bundesminister Christian Schmidt (CSU), der dringend notwendige Weichenstellungen in der Ernährungs- und Landwirtschaftspolitik vermeidet und stattdessen auf unverbindliche Gesprächsrunden, teure Plakatkampagnen und freiwillige Wirtschaftsinitiativen setzt.

Ein Wandel ist notwendig

Die Gründe, warum sich Ernährungsmuster verändern müssen, sind vielfältig: Die große Menge an pflanzlichen Nahrungsmitteln, die aufgrund ineffizienter Umwandlungsraten bei der Produktion tierischer Lebensmittel verloren gehen, während gleichzeitig rund 800 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung leiden und die Weltbevölkerung stetig weiter wächst. Die enormen Treibhausgasemissionen und Umweltschäden, die auf Tierprodukte zurückzuführen sind. Das millionenfache Leiden und Sterben in der industriellen Tierhaltung, qualvolle Überzüchtungen und Haltungsbedingungen, die in Umfragen von einer überwältigenden Mehrheit der Verbraucher abgelehnt werden. Ändern muss sich vieles – pflanzliche Ernährung bietet eine Chance zur nachhaltigen Lösung all dieser Probleme.

Wo bleibt die Initiative des Minsters?

Eine gesamtgesellschaftliche Veränderung hin zum Konsum pflanzlicher Produkte ist also dringend notwendig – hier wäre die Initiative von Minister Schmidt und seinem Ministerium gefragt. Selbst regierungsnahe Fachgremien wie der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik und Strategiepapiere der Bundesregierung wie das Nachhaltige Programm für Nachhaltigen Konsum weisen auf die Vorteile pflanzlicher Lebensmittel hin, Organisationen wie der VEBU schon lange.

Tatsächlich verändert sich das Essverhalten der Deutschen bereits. Die Umsätze pflanzlicher Lebensmittel, beispielsweise Fleisch- und Wurstalternativen, steigen stark an, der Konsum von Fleisch ist rückläufig. Leider greift Minister Schmidt diese Entwicklung nicht auf – sondern verlagert das Problem: Beispielsweise durch den Export der Überschüsse in andere Länder, jüngst bekräftigt in einer Pressemitteilung.

Es gibt mehr als genug Baustellen

Die Liste von ganz konkreten Baustellen, an denen gearbeitet werden könnte, um den Konsum pflanzlicher Alternativen zu fördern, ist lang: Eine europaweit rechtsverbindliche Definition der Kriterien, die „vegane“ und „vegetarische“ Lebensmittel erfüllen müssen (erst vor wenigen Tagen hat sich Christian Schmidt nach intensiver Arbeit des VEBU dazu bequemt, selber einen Brief nach Brüssel zu schicken). Die Verfügbarkeit pflanzlicher Alternativen in den Kantinen öffentlicher Einrichtungen. Unfaire Besteuerungen, beispielsweise von pflanzlichen Milchalternativen. Informationskampagnen, die auf die Vorteile pflanzlicher Lebensmittel hinweisen.

Der VEBU arbeitet an diesen und anderen Baustellen und artikuliert auf allen Ebenen die Potentiale, die pflanzliche Ernährung zur Lösung vieler Probleme bietet. Jedoch ist das mitunter ein langwieriger Kampf. Schon klare Bekenntnisse für einen dringend notwendigen Wandel wären ein erster Schritt. Leider sind Wissenschaft und Öffentlichkeit schon weiter als Bundesminister Christian Schmidt und sein Ministerium – obwohl dieses eine Vorreiterrolle einnehmen sollte.

Nach der Sommerpause wird der Bericht im Bundestag debattiert.

Lesen Sie hier den Ernährungspolitischen Bericht 2016.

Felix Domke

Autor

Felix Domke

ProVeg-Politik