Zu kurz gedacht? Stiftung Warentest vernachlässigt Umweltaspekte von Veggie-Wurst

stiftung warentest vegane vegetarische wurst / VEBU Bildquelle: shutterstock.com / amenic181

Stiftung Warentest widmet ihre Oktober-Ausgabe den immer wichtiger werdenden Wurst- und Fleischalternativen. Der VEBU erklärt, warum die Veggie-Wurst das Klima schützt und die bessere Alternative zu Rindersalami und Schweinehack darstellt.

Stiftung Warentest hat vegetarische und vegane Schnitzel-, Frikadellen- und Bratwurstalternativen getestet.1 Die Ergebnisse sind zum Teil sehr erfreulich. Sechs von 20 Produkten erhalten das Gesamturteil „gut“. Manche Fleischalternativen waren aber auch zu trocken, zu salzig oder enthielten Mineralölbestandteile. Hohe Gehalte dieser Schad­stoff­e wurden ebenfalls in klassischer Salami nachgewiesen.2 Sie gelangen als Hilfsstoff bei der Produktion in die Wurst.

Das Verbesserungspotenzial für die Veggie-Produkte aufzuzeigen, ist gewiss ein Ansporn für die Lebensmittelproduzenten, ihr Angebot an vegetarischen und veganen Alternativen weiter auszubauen und die Qualität stetig zu steigern. Aus Sicht des VEBU ist es wünschenswert, bei zukünftigen Tests auch die Umwelt- und Klima-Aspekte in die Beurteilung einzubeziehen, damit man Produkte aus Pflanzen mit denen aus Tier besser vergleichen kann.

Stiftung Warentest vernachlässigt klimarelevante Aspekte

Neben den gesundheitlichen, geschmacklichen und sensorischen Bewertungskriterien, die Stiftung Warentest ansetzt, sollten noch weitere Aspekte eine Rolle für die Gesamtbeurteilung spielen. Viele Vorteile vegetarischer und veganer Produkte werden bei der Bewertung außer Acht gelassen. Diese berücksichtigt nicht in ausreichendem Maß die katastrophalen Folgen für Klima, Umwelt und Tiere beim Konsum ähnlicher Produkte aus totem Tier, wenn diese in den direkten Vergleich gesetzt würden. Meist stammen die verwendeten Sojabohnen für Veggie-Produkte aus Europa, während hierzulande die Tiere mit Soja gefüttert werden, für dessen Anbau der Regenwald immer weiter gerodet wird.

Ressourcenverbrauch im Vergleich

Die Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch verbraucht bis zu 15.500 Liter Wasser. Das entspricht dem Jahresverbrauch eines in Deutschland lebenden Menschen beim Duschen. Die Erzeugung pflanzlicher Fleisch- und Wurstalternativen benötigt sehr viel weniger Wasser.

Die Futtermittelproduktion begünstigt die ungerechte Verteilung von Nahrungsmitteln und so den Welthunger. Die meisten „Nutztiere“ werden mit großen Mengen an Getreide, Soja und Raps gefüttert. In vielen Fällen könnte dies unmittelbar für die menschliche Ernährung genutzt werden, auch für die Herstellung von pflanzlichen Fleisch- und Wurstalternativen.

Treibhausgasbelastung durch Tierhaltung

Die Tierhaltung ist Hauptverursacher klimarelevanter Emissionen im landwirtschaftlichen Bereich. Global gesehen ist sie laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für 14,5 % der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eine vom VEBU und Greenpeace Österreich in Auftrag gegebene Studie des Sustainable European Research Institute (SERI) belegt, dass die durch den Fleischkonsum ausgestoßenen Treibhausgase um 95 % reduziert werden, wenn stattdessen auf Fleischalternativen gesetzt wird.

Ernährungsempfehlung

Jede Form der Ernährung sollte ausgewogen und vielfältig sein. Diverse Studien kommen immer wieder zum selben Ergebnis: Ein hoher Fleischkonsum schadet der Gesundheit. Sojawürstchen, Seitanschnitzel und Tempehburger sind meist kalorienärmer als tierische Produkte und bieten eine gute Abwechslung auf dem Speiseplan. Dieser sollte jedoch überwiegend aus Gemüse und Obst sowie Hülsenfrüchten und Produkten aus Vollkorngetreide bestehen. Frische Lebensmittel sind meist gesünder als solche, die stark verarbeitet wurden. Die Unternehmen sind daher aufgerufen, möglichst naturnahe Produkte herzustellen, die einen guten Geschmack bieten und gesund sind wie beispielsweise Tempeh aus regionalen Bio-Sojabohnen mit Wildkräutern.

Veggie-Angebot wächst

Die Konsumenten sind zunehmend kritischer und gut informiert. Sie verlangen nach gesunden Alternativen. Die Lebensmittelwirtschaft in Deutschland reagiert auf diese Entwicklung und bietet eine immer breiter werdende vegane und vegetarische Produktpalette an. Laut dem Marktforschungsunternehmen Mintel wurden 2015 in Deutschland mehr vegane Produkte als in jedem anderen europäischen Land eingeführt. Deutschland steht nun mit 36 % aller Einführungen an der Spitze Europas.

Chancen zur Weiterentwicklung der Produkte einräumen

Viele Veggie-Produkte sind noch sehr neu am Markt. Die Hersteller sind daher in einem steten Prozess, die Produkte den Anforderungen der Konsumenten anzupassen, sie weiterzuentwickeln und zu verbessern. Besonders lobenswert ist, dass Stiftung Warentest in keinem getesteten Veggie-Produkt gentechnisch verändertes Soja gefunden hat, was wiederum für gewöhnlich in der Tiermast eingesetzt wird.

Die Vielfalt der Rohstoffe, aus denen die Wurst- und Fleischalternativen bestehen, wird in den nächsten Jahren zunehmen. Immer öfter werden auch Produkte aus Erbsenprotein, auf Lupinenbasis oder aus heimischen Sojabohnen hergestellt. Die Möglichkeiten, die sich den Produktentwicklern heute bieten, sind vielfältig.

Sina Krüger

Autorin

Sina Krüger

Online-Redaktion

 

Quellen:

1 “Soja nach Schnitzelart”, Stiftung Warentest, 10/2016, S. 22-29

2 “Lieblingswurst”, Stiftung Warentest, 11/2016, S. 22-27