Vorbildlich: Bundesumweltministerium serviert bei Veranstaltungen vegetarisches Essen

(c) Bundesregierung/Sandra Steins

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geht mit gutem Beispiel voran und serviert bei eigenen Veranstaltungen in Zukunft nur noch Vegetarisches. Ein wichtiger erster Schritt und ein starkes Signal.

In einer E-Mail aus dem Büro von BMUB-Staatssekretär Jochen Flasbarth, ehemaliger Präsident des Umweltbundesamtes, heißt es: „Dienstleister/Caterer, die Veranstaltungen des BMUB beliefern, (…) verwenden weder Fisch oder Fischprodukte noch Fleisch oder aus Fleisch hergestellte Produkte“1. Der Grund: Bei BMUB-Veranstaltungen gehe es um Umwelt- und Klimaschutz, daher wolle man bei der Bewirtung glaubwürdig und vorbildhaft sein. Da der Konsum tierischer Produkte viele negative Folgen mit sich bringt, ist der Schritt konsequent und lobenswert.

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Beispielsweise ist ein Großteil der ernährungsbedingten Treibhausgas-Emissionen, die etwa ein Viertel der Gesamtemissionen Deutschlands ausmachen, auf tierische Produkte zurückzuführen.2 Es ist wegweisend, dass das Bundesumweltministerium dem nun Rechnung trägt. Der Staat sollte seine Vorbildfunktion nutzen. Zudem ist er als größter Beschaffer Deutschlands mit einem Volumen von über 350 Milliarden Euro jährlich selbst ein riesiger Verbraucher.3 Dieser Hebel sollte so häufig wie möglich genutzt werden.

Großes Medienecho

Die Nachricht verursachte in den letzten Tagen ein großes Medienecho. Schnell meldeten sich auch Christian Schmidt (CSU), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sowie Politiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu Wort und verurteilten mit scharfen Worten die Vorgabe des Bundesumweltministeriums. So erwartbar und argumentativ wenig stichhaltig die Reaktionen auch waren, verwunderte doch zumindest das Ausmaß der Hysterie.

Christian Schmidt kennt die Position seines eigenen Ministeriums nicht

Bundesminister Schmidt verkündete, Fleisch und Fisch gehörten „zu einer ausgewogenen Ernährung mit dazu.“4 Dieses Statement widerspricht der Position seines eigenen Hauses, das sich stets auf die Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beruft. Die DGE empfiehlt eine ausgewogene vegetarische Ernährung als Dauerkost und erkennt die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung im Vergleich zur derzeit verbreiteten an.5

Die Aussage Schmidts verwundert vor allem auch deshalb, weil sich die Entscheidung aus dem BMUB auf das Catering bei einzelnen Veranstaltungen bezieht. Den Eindruck zu vermitteln, dass es bei jeder Einzel-Mahlzeit wichtig sei, Fleisch zu sich zu nehmen, ist nicht nur faktisch falsch, sondern auch fahrlässig: Der Fleischkonsum der Deutschen übertrifft mit rund 60 Kilogramm6 jährlich die von der DGE genannte Obergrenze von etwa 30 Kilogramm7 in einem gesundheitlich bedenklichen Maß.

Zukunftsweisendes Handeln ist nicht „bevormundend“

Schmidt und seine Parteifreunde haben auch geäußert, es handele sich bei der Maßnahme um „Bevormundung“1. Dies ist jedoch an dieser Stelle ein unpassender Begriff. Niemand kann ernsthaft behaupten, durch die kostenlos auf Veranstaltungen angebotenen Speisen in seiner persönlichen Lebensführung beeinträchtigt zu werden. Vielmehr wirkt der Begriff wie eine Ablenkung davon, dass sachliche Argumente fehlen. Darüber hinaus ist der Vorwurf der Bevormundung maßlos überzogen. Wie Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) richtigerweise verkünden ließ, bestimmt bei Veranstaltungen der Gastgeber das Menü. Damit werde niemandem generell eine bestimmte Ernährungsweise verordnet. Man wolle bei eigenen Veranstaltungen ein klares Zeichen in puncto Klimaschutz setzen. Zudem speisen sich die Vorwürfe auch aus der realitätsfernen Annahme, dass alle Lebensmittel immer und überall verfügbar sein müssten – ein Wunsch, der sich angesichts der planetaren Grenzen und der Notwendigkeit einer Ernährungswende nicht halten lässt.

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Anreize und Bewusstsein schaffen

Der Staat hat die Aufgabe, Regeln aufzustellen, um auf das Leben der Menschen im positiven Sinn Einfluss zu nehmen. Bei einem durchschnittlichen Fleischverzehr, der Umwelt und Klima belastet sowie doppelt so hoch ist, wie von der DGE aus gesundheitlicher Sicht als Obergrenze empfohlen wird, ist eine staatliche Lenkung dringend notwendig. Dies empfehlen im Übrigen selbst die Wissenschaftlichen Beiräte des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft8, also Christian Schmidts eigene Berater. Mittels der Menüwahl bei Veranstaltungen auf eine positive und unkonfrontative Weise ein Bewusstsein für eine umweltfreundlichere Ernährung zu schaffen, ist ein guter und logischer Schritt.

Es bewegt sich etwas

Der VEBU bemüht sich intensiv, die Klima- und Umweltauswirkungen der Ernährung auf die politische Agenda zu setzen. Erst im Januar 2017 debattierte Felix Domke von VEBU-Politik mit Staatssekretär Flasbarth und anderen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft bei einer Podiumsdiskussion die Klimaauswirkungen tierischer Produkte. Die jüngste Meldung aus dem Bundesumweltministerium macht Hoffnung für weitere Schritte in der Zukunft. Wer Fleisch und andere tierische Produkte von seinem Speiseplan streicht, schützt Klima und Umwelt.

Quellen

[1] Spiegel Online (2017): Umweltministerium serviert nur noch vegetarische Kost. Online unter http://www.spiegel.de/politik/deutschland/umweltministerium-serviert-bei-veranstaltungen-nur-noch-vegetarische-kost-a-1135231.html [22.02.2017].

[2] Wissenschaftlicher Beirat Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlicher Verbraucherschutz und Wissenschaftlicher Beirat Waldpolitik beim BMEL (2016): Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung. Gutachten. Online unter http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Beiraete/Agrarpolitik/Klimaschutzgutachten_2016.pdf;jsessionid=42B457B7AB7F5D8581B823CBACEFF9FB.2_cid376?__blob=publicationFile [22.02.2017].

[3] Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Innern: Nachhaltige Beschaffung. Online unter http://www.nachhaltige-beschaffung.info/DE/Allgemeines/allgemeines_node.html [22.02.2017].

[4] FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) (2017): „Veggie-Day durch die Hintertür“. Online unter
http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kein-fleisch-mehr-bei-veranstaltungen-im-umweltministerium-14884565.html [18.02.2017].

[5] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (2016): 13. DGE-Ernährungsbericht. Bonn. S. 9.

[6] Statista (2017): Fleischkonsum pro Kopf in Deutschland in den Jahren 1991 bis 2015. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36573/umfrage/pro-kopf-verbrauch-von-fleisch-in-deutschland-seit-2000/ [22.02.2017].

[7] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (2017): Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. Online unter https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/ [22.02.2017].

[8] Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz und Wissenschaftlicher Beirat für Waldpolitik beim BMEL (2016): Mehr Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung ist nötig und möglich! Pressemitteilung online unter http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Beiraete/GemPM-Klimaschutzgutachten.pdf;jsessionid=ACB243AEE36FA33EFD3970EAEF441BD2.2_cid358?__blob=publicationFile [22.01.2017]