VEBU bei Podiumsdiskussion zum Thema Ernährung und Klima vertreten

Michael Waltenberger/Klima-Allianz Deutschland

„Fleischerzeugung in Deutschland – Wie viele Tiere verträgt das Klima?” Bei einer Podiumsdiskussion am 18. Januar 2017 debattierte Felix Domke, Referent VEBU-Politik, mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über Klima- und Umweltauswirkungen in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft. Das Gespräch war facettenreich und mitunter turbulent.

An der Diskussion, die der VEBU zusammen mit dem NGO-Bündnis Klima-Allianz Deutschland organisiert hatte, nahmen folgende Personen teil: Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Prof. Dr. Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Norbert Schindler, Abgeordneter der CDU/CSU-Bundesfraktion sowie Reinhild Benning, Agrarexpertin von Germanwatch e. V. .

Klimaschutzpotenziale pflanzlicher Ernährung

Felix Domke machte deutlich, dass das gegenwärtige Konsumniveau tierischer Produkte viel zu hoch ist. Ein Großteil der ernährungsbedingten Emissionen, die etwa ein Viertel der Gesamtemissionen Deutschlands ausmachen, sei auf tierische Produkte zurückzuführen, wie von den wissenschaftlichen Beiräten des BMEL ausführlich erläutert wurde.

Grund dafür ist die ineffiziente Herstellung tierischer Produkte, die im Vergleich zu pflanzlichen Produkten viele Treibhausgase emittiert: So verursacht 1 kg Geflügelfleisch etwa 3,5 kg CO2-Äquivalent, bei Rindfleisch sind es über 14 kg und Butter schlägt mit 23 kg CO2-Äquivalent zu Buche. Zum Vergleich: 1 kg frischer Kartoffeln verursacht gerade einmal 200 g CO2-Äquivalent.

„Daher kann eine vegetarisch-vegane Lebensweise einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Felix Domke bei der Debatte. Die Fakten seien offensichtlich und könnten auch nicht wegdiskutiert werden. Daher sollten dringend Lösungsansätze und darauf abzielende Maßnahmen entwickelt werden. Die meisten der Podiumsteilnehmer teilten diese Meinung: Für den Klimaschutz muss viel im Konsumverhalten und in der Tierhaltung verändert werden.

CDU-Abgeordneter sieht keinen Handlungsbedarf

Gegenwind kam vom CDU-Abgeordneten Norbert Schindler, der auch im Deutschen Bauernverband tätig ist. Er distanzierte sich deutlich von einer Reduktion der Tierbestände. Zwar mache ihm der Klimawandel Sorgen, die Landwirtschaft sei aber nicht der Verursacher. Deutschland sei im internationalen Vergleich ein effizienter Produktionsort. Schindler sieht dies als Argument, die Produktion in Deutschland und den Export von tierischen Produkten zu stärken.

Germanwatch fordert Verminderung des Angebots

Die übrigen Podiumsteilnehmer widersprachen Schindlers Meinung. So sieht Reinhild Benning von Germanwatch e. V. die Notwendigkeit, die Tierbestände zu verringern, indem ein Umstieg von der konventionellen auf die ökologische Tierhaltung stattfindet. „Die Wege der Intensivtierhaltung können wir uns nicht mehr leisten“, führte sie aus. „Die externen Kosten sind zu hoch” Mit einer Reduktion der Tierbestände würden auch die Preise für tierische Produkte steigen. Dadurch sinke zum einen die Nachfrage, zum anderen werde der Preisdruck von den Landwirten genommen. „Mein Werbespruch lautet: Less meat, less heat“, so Benning.

Grethe: „Zusätzlich muss zwingend auch der Konsum sinken”

Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim BMEL und Ökonom, Harald Grethe, sieht die Lösung nicht darin, allein die Tierbestände in Deutschland zu reduzieren. Höhere Preise für tierische Produkte aus Deutschland würden die Produktion nur in andere Länder verlagern: „Es bringt für den Klimaschutz nichts Gutes, wenn wir unser Konsumverhalten nicht ändern.“ Als Maßnahme empfahl Grethe, für tierische Produkte unabhängig vom Herkunftsort den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 % an den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 % anzugleichen. Ausschlaggebend sei dabei nicht der Preiseffekt, sondern das Signal, das die Politik damit senden würde. Die unrealistisch niedrigen Preise anzupacken, sei ein notwendiger Paradigmenwechsel.

Auch Umweltministerium sieht Reduktion des Fleischkonsums als notwendig an

Jochen Flasbarth, Staatssekretär des Umweltministeriums, distanzierte sich von dem Vorschlag, die Mehrwertsteuer für tierische Produkte zu erhöhen. Zwar sei eine Minderung des Konsums tierischer Produkte dringend erforderlich, über die Mehrwertsteuer funktioniere dies aber aus politischen Gründen nicht: „Der Punkt ist, wenn man an die Mehrwertsteuer heran will, dann muss das mit einer gesamten Reform der Mehrwertsteuer passieren.“ Trotzdem sei eine Reduktion des Konsums tierischer Produkte „nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig.“ Die Kommunikation für eine klimafreundlichere Ernährungsweise und somit das Hinwirken auf eine Reduktion des gesamtgesellschaftlichen Verbrauchs von tierischen Produkten sei Aufgabe der Verbände.

Politik muss Vorreiterrolle einnehmen

Dabei ist es nicht nur Aufgabe der Verbände und der Zivilgesellschaft, sich für eine klimafreundliche Ernährung einzusetzen. Nach Ansicht des VEBU muss die Politik dringend eine Vorreiterrolle einnehmen und klare Signale an die Verbraucher senden. Die Diagnose ist in Anbetracht der Faktenlage klar, die Lösung ist folglich eine deutliche Änderung des gesellschaftlichen Nahrungsmittelkonsums.

Fokus auf Klimaschädlichkeit tierischer Produkte richten

Während der Diskussion wurden von „Digitalisierung“ bis „Benennung vegetarischer Schnitzel“ viele Themen und Ansätze teils hitzig debattiert. Deutlich wurde auch, dass in der Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft die Meinungen weit auseinandergehen und ständig die Gefahr besteht, das Grundproblem aus dem Fokus zu verlieren. Der VEBU wird sich auch weiterhin intensiv dafür einsetzen, dass eine vegetarische und vegane Ernährung als entscheidender Beitrag zum Klimaschutz wahrgenommen wird.

„Klimaschutzplan der deutschen Zivilgesellschaft“

Im April 2016 hat der VEBU gemeinsam mit über 50 anderen Organisationen das Forderungspapier „Klimaschutzplan der deutschen Zivilgesellschaft“ [PDF] vorgelegt, das für alle Sektoren ausführlich Maßnahmen und Transformationspfade hin zu einer ambitionierten Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens erläutert.

Josefine Lyda

Autorin

Josefine Lyda

Assistenz VEBU-Politik

Quellen:

1 Wissenschaftlicher Beirat Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlicher Verbraucherschutz und Wissenschaftlicher Beirat Waldpolitik beim BMEL (2016): Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung. Gutachten. S. 1 f. Online unter http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Beiraete/Agrarpolitik/Klimaschutzgutachten_2016.pdf;jsessionid=42B457B7AB7F5D8581B823CBACEFF9FB.2_cid376?__blob=publicationFile [19.01.2017]

2 Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Konsum und Ernährung. Online unter http://www.bmub.bund.de/themen/wirtschaft-produkte-ressourcen-tourismus/produkte-und-umwelt/produktbereiche/lebensmittel/ [17.01.2017]