Bundesregierung beschließt Klimaschutzplan 2050

Das Bundeskabinett einigte sich vergangene Woche auf den Klimaschutzplan 2050. Dieser stellt die langfristige, nationale Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens dar. Leider ignoriert der Plan die Klimaschutzpotenziale pflanzlicher Ernährung und zementiert den Status quo der deutschen Landwirtschaft.

Hauptproblem der Landwirtschaft wird nicht angegangen

Im Klimaschutzplan 2050 wird anerkannt, dass ein hoher Anteil der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen auf die Produktion tierischer Nahrungsmittel zurückzuführen ist. Dieser Fakt mündet aber nicht in sinnvollen Maßnahmen für eine klimafreundliche Landwirtschaft. Statt die dringend notwendige Landwirtschafts- und Ernährungswende einzuläuten, ließ Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) alle darauf abzielenden Punkte streichen. Deutschland wird seine Klimaschutzziele ohne die Einbeziehung der Potenziale einer pflanzlichen Ernährung nicht erreichen können.

Tierhaltung und Ernährung aus Klimaschutzplan gestrichen

Im ersten Entwurf des vom Bundesumweltministerium (BMUB) vorgelegten Klimaschutzplans waren ambitionierte und konkrete Forderungen wie ein Abbau der Tierbestände, eine Überprüfung der Exportstrategie tierischer Produkte und eine gesamtgesellschaftliche Reduzierung des Fleischkonsums enthalten. All diese Punkte fehlen jetzt. Die deutsche Landwirtschaft ist in hohem Maße von der klimaschädlichen Tierhaltung abhängig.

Positives nur noch mit Mühe zu finden

Begrüßenswerte Punkte wie ein konkretes, jedoch auch wenig ambitioniertes, Treibhausgas-Minderungsziel bis zum Jahr 2030 sind zwar im Klimaschutzplan enthalten, müssen aber quasi mit der Lupe gesucht werden. So steht im Klimaschutzplan immerhin, dass die Tierhaltung für einen hohen Anteil der landwirtschaftlichen Emissionen verantwortlich ist. Die notwendigen Konsequenzen werden aber nicht gezogen. Auch wird auf das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum verwiesen, welches benennt, dass pflanzliche Lebensmittel in der Regel erheblich weniger Treibhausgasemissionen verursachen. Ohne darauf abzielende Maßnahmen bleibt dies aber wirkungslos. Der VEBU hatte intensiv am Beteiligungsprozess zur Erarbeitung des Klimaschutzplans mitgearbeitet, der vom BMUB initiiert worden war.

VEBU für eine Wende in Ernährung und Landwirtschaft

Am ärgerlichsten ist, dass mehrmals im Klimaschutzplan betont wird, dass es aufgrund physiologischer Prozesse keine komplett emissionsfreie Landwirtschaft geben könne und dass bezüglich möglicher Emissionsverringerungen mehr Forschungsanstrengungen nötig seien. Dies ständig zu betonen, ist eine Strategie des Ablenkens und Zeitschindens, um die Klimaschädlichkeit der tierischen Produkte zu verschleiern. Ein Wandel ist aber dringend nötig – und möglich.

Landwirtschaftliche Tierhaltung noch schädlicher als Transportsektor

Der VEBU arbeitet weiter intensiv daran, die Klimaauswirkungen tierischer Produkte auf die politische Agenda zu bringen. Die Tierhaltung ist Hauptverursacher klimarelevanter Emissionen im landwirtschaftlichen Bereich. Global gesehen ist sie laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, für 14,5 Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit emittiert die Tierhaltung mehr als der gesamte Transportsektor.

„Klimaschutzplan der deutschen Zivilgesellschaft“

Darüber hinaus hat der VEBU im April gemeinsam mit über 50 anderen Organisationen das Forderungspapier “Klimaschutzplan der deutschen Zivilgesellschaft“ [PDF] vorgelegt, das für alle Sektoren ausführlich Maßnahmen und Transformationspfade hin zu einer ambitionierten Umsetzung des Pariser Abkommens erläutert.

Lesen Sie hier den kompletten Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung.

Felix Domke

Autor

Felix Domke

ProVeg-Politik