Der VEBU zur „Nutztierhaltungsstrategie” vom BMEL

Nutztierhaltungsstrategie Bildquelle: shutterstock.com / Dmitry Kalinovsky

[06.07.2017] Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt stellte Ende Juni 2017 seine lang erwartete „Nutztierhaltungsstrategie“ vor, welche die Tierhaltungsbranche zukunftsfähig und gesellschaftlich akzeptiert machen soll. Das Papier bleibt vage und unverbindlich, das Kapitel zum Konsum tierischer Produkte enttäuscht.

Im Großen und Ganzen serviert das Strategiepapier altbekannte Positionen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Das Ministerium betont, dass gesellschaftliche Wünsche, die an die Tierhaltung herangetragen werden, „mit dem ökonomisch Machbaren in Einklang gebracht werden“1 müssten. Die Erzeugung tierischer Produkte sei für die deutsche Landwirtschaft wirtschaftlich unverzichtbar, der Export in EU- und Drittstaaten eine wichtige Säule. Anzustreben sei für Vereinbarungen mit Landwirtschaft und Handel stets das Leitprinzip der „verbindlichen Freiwilligkeit“ anstelle von ordnungsrechtlichen Leitplanken seitens der Politik. Hier wird deutlich, dass es weniger um das Tierwohl als vielmehr um die wirtschaftlichen Interessen geht.

Vorgeschlagene Maßnahmen unzureichend

Deutschland wolle laut dem Papier Vorreiter im Umgang mit sogenannten Nutztieren werden. Als konkrete Maßnahmen nennt das Strategiepapier Punkte wie mehr Forschungsförderung, verbesserten Wissenstransfer, Information der Verbraucher sowie Automatisierung und Digitalisierung zur Effizienzsteigerung. Die Grundproblematik der deutschen Landwirtschaft, die in hohem Maße von der Tierhaltung abhängig ist, findet jedoch keine Erwähnung: Nämlich, dass deutlich geringere Viehbestände aus Sicht des Umwelt-, Klima- und natürlich des Tierschutzes dringend notwendig sind. Der im Papier zumindest vage angesprochene Umbau der Tierhaltung ist ohne reduzierte Tierbestände und einen geringeren gesellschaftlichen Konsum schlicht nicht vorstellbar.

Hoher Konsum tierischer Produkte wird nicht problematisiert

Die im Strategiepapier enthaltenen Ausführungen zum Konsum tierischer Produkte enttäuschen. So verkündet das BMEL, dass „tierische Erzeugnisse […] bei gesundheitsbewusster Ernährungsweise selbstverständlicher Teil des Speiseplans“2 sein sollten. Verschwiegen wird, dass das gesellschaftliche Konsumniveau tierischer Produkte zurzeit weit über den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)3 liegt, auf dessen Positionen sich das BMEL stets beruft. Die DGE empfiehlt zudem eine ausgewogene vegetarische Ernährung als Dauerkost und erkennt die gesundheitlichen Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung im Vergleich zur derzeit verbreiteten an. Den allein schon aus gesundheitlicher Sicht problematischen Konsum tierischer Lebensmittel der deutschen Bevölkerung erwähnt das BMEL allerdings nicht. Im Papier steht lediglich, dass man durch „Information der Verbraucherinnen und Verbraucher über gesundheitsfördernde Ernährung“ einem übermäßigen Konsum entgegenwirken wolle. Ohne eine kritische Bestandsaufnahme und eine klare Benennung der Problematik bleiben dies leider leere Worte.

Fazit

Leider bleibt es bei der „Nutztierhaltungsstrategie“ bei groben Ideen und vagen Konzepten, ohne verbindliche Ziele oder Zeitpläne. Konkrete Schritte, um Veränderungen zu finanzieren und umzusetzen, bleiben unklar, behandeln bereits vorhandene Maßnahmen oder wirken unambitioniert. Den viel zu hohen Tierbestand und übermäßigen Konsum tierischer Produkte blendet das Papier aus. Eine kritische Bestandsaufnahme sieht anders aus und wird auf unbestimmte Zeit, auf jeden Fall hinter die nächste Bundestagswahl, verschoben.

Lesen Sie hier die „Nutztierhaltungsstrategie“ des BMEL in voller Länge.

Quellen

[1] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2017): Nutztierhaltungsstrategie. Zukunftsfähige Nutztierhaltung in Deutschland. S. 5. Online unter: http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Nutztierhaltungsstrategie.pdf?__blob=publicationFile [06.07.2017].
[2] ebd. S. 48.
[3] M. Richter, H. Boeing et al. (2016): Vegane Ernährung. Ernährungsumschau 4/2016, S. M220-M230 Online unter https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2016/04_16/EU04_2016_M220-M230.pdf [06.07.2017].