Klimaschutzplan-Entwurf enttäuscht, Experten-Gremium fordert Änderungen im Lebensmittelkonsum

Entwurf Klimaschutzplan 2050

Am Dienstag, dem 6. September, legte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks den aktuellen Entwurf zum Klimaschutzplan 2050 vor. Leider ignoriert dieser die Klimaschutzpotenziale pflanzlicher Ernährung.

Der Klimaschutzplan 2050 stellt die langfristige, nationale Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens dar. In früheren Entwürfen waren ambitionierte und konkrete Forderungen wie ein Abbau der Wiederkäuerbestände und eine gesamtgesellschaftliche Reduzierung des Fleischkonsums enthalten, welche jetzt fehlen. Auf Drängen des Kanzleramtes und des Bundeswirtschaftsministeriums wurden viele Punkte aufgeweicht und konkrete Ziele gestrichen.

Wirksamer Klimaschutz erfordert Änderungen im Lebensmittelkonsum

Brisant: Erst vor wenigen Tagen hatten wissenschaftliche Beratungsgremien des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft in einem Gutachten deutlich gemacht, dass ein wirksamer Klimaschutz Änderungen im Lebensmittelkonsum erfordert. Besonders großes Klimaschutzpotenzial sehen die Forscher in einer Reduktion des Konsums tierischer Lebensmittel und empfehlen neben Informationskampagnen und einer Vorreiterrolle der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung auch ausdrücklich die Abschaffung des vergünstigten Mehrwertsteuersatzes für tierische Produkte. Im gesamten Bereich “Konsum von Lebensmitteln” habe eine Reduktion des Verzehrs tierischer Lebensmittel das höchste Treibhausgas-Minderungspotenzial.

Ernährung gehört zwingend in den Klimaschutzplan

Deutschland wird seine Klimaschutzziele ohne die Einbeziehung der Potenziale pflanzlicher Ernährung nicht erreichen. Der VEBU arbeitet intensiv daran, die Klimaauswirkungen der Ernährungsweise auf die politische Agenda zu bringen. Die Tierhaltung ist Hauptverursacher klimarelevanter Emissionen im landwirtschaftlichen Bereich. Global gesehen ist sie laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, für 14,5 Prozent der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit emittiert die Tierhaltung mehr Treibhausgase als der gesamte globale Transportsektor. Rund zwei Drittel der in der deutschen Landwirtschaft emittierten CO²-Äquivalente stammen – laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft – aus der Tierhaltung.

Lesen Sie hier den aktuellen Entwurf des Klimaschutzplans 2050 (BMUB) und hier das Gutachten “Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung” (WBAE/WBW) sowie die dazugehörige Pressemitteilung.

Felix Domke, VEBU-Politik