Vegan im Job: gemeinsames Essen mit den Kollegen

Vegan im Job: gemeinsames Essen mit den Kollegen Bildquelle: Pressmaster / shutterstock.com

Das Essen von Fleisch und anderen Tierprodukten ist oft eng mit dem Arbeitsalltag verknüpft. Vegan und vegetarisch lebende Menschen sind dadurch häufig ungewollten Diskussionen ausgesetzt oder werden mit verletzenden Reaktionen konfrontiert.

In Unternehmen, in denen hauptsächlich Fleischesser arbeiten, wollen viele vegan-vegetarisch lebende Menschen ihre Ernährungsweise nicht groß zum Thema machen. Anstatt anzuecken, wollen sie von den Kollegen akzeptiert werden. Doch spätestens nach ein paar gemeinsamen Mahlzeiten fällt die vegane oder vegetarische Lebensweise eines Mitarbeiters im Betrieb meist auf, was manchmal zu ungewollten Diskussionen oder verletzenden Reaktionen seitens der Arbeitskollegen führt.

Andere wiederum haben weniger Hemmungen und versuchen, ihre fleischessenden Kollegen zu belehren. Unangebrachte Verhaltensweisen jedweder Art erschweren jedoch den Arbeitsalltag und sollten vermieden werden. Wichtig ist, einen Mittelweg zu finden, denn vegan-vegetarisch lebende Menschen dürfen für ihre Überzeugung einstehen, sollten diese aber sachlich nach außen kommunizieren.

Fleischessen ist eng mit dem Arbeitsalltag verknüpft

Viele vegan-vegetarisch lebende Menschen verbringen einen Großteil des Tages mit ihren Arbeitskollegen. Fleischessen gehört hier oft zur Tagesordnung: Wurst auf dem Brot zum Frühstück, Schnitzel als Mittagsgericht und für den Snack zwischendurch geht es zur Currywurstbude um die Ecke. Beim gemeinsamen Essen mit Kollegen in der Kantine oder beim Geschäftsessen mit dem Chef sind vegan-vegetarisch lebende Menschen direkt mit dieser Ernährungsweise konfrontiert.

Dieser fleischbetonte Arbeitsalltag ist vielen vegan-vegetarisch lebenden Menschen teils unangenehm und erfordert manchmal Selbstdisziplin, um nicht mit unhöflichen Bemerkungen das Miteinander zu erschweren. Gleichzeitig sollten sie darauf vorbereitet sein, den einen oder anderen unpassenden und teils kränkenden Kommentar in Bezug auf ihre tierleidfreie Ernährung zu hören, ohne ihn persönlich zu nehmen. Hier hilft es, sich klar zu machen, dass fleischessende Menschen vom karnistischen System beeinflusst werden. Dieses konditioniert sie darauf, den Konsum tierischer Produkte nicht zu hinterfragen. Oft hängt die Akzeptanz der jeweiligen Ernährungsweise auch mit dem allgemeinen Betriebsklima zusammen: Es kann unterstützend, kooperativ und aufbauend sein oder aber auch wettbewerbs- und konkurrenzorientiert.

Keine Erholung in der Mittagspause

Pausen dienen der Erholung. Geht es um die pflanzliche Küche, kann die Mittagspause in der Firmenkantine aber leicht zur „Kampfzone“ werden. Dabei stellen vegan-vegetarisch lebende Menschen gar keine Bedrohung für Fleischesser dar, geschweige denn wollen sie das Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen stören. Die Ernährungsweise jedes Einzelnen ist eine individuelle Entscheidung.

Grund für persönliche Angriffe ist meist ein innerer, unangenehmer Spannungszustand, der bei fleischessenden Menschen ausgelöst wird, wenn diese mit einer vegan-vegetarischen Lebensweise konfrontiert werden („Kognitive Dissonanz“). Dieses Spannungsgefühl entsteht, wenn das frei gewählte Verhalten nicht mit den eigenen Werten oder Einstellungen übereinstimmt.

Jedoch sollten Arbeitskollegen oder Vorgesetzte vegan-vegetarisch lebende Menschen weder ausgrenzen noch persönlich angreifen. Diese Form der Diskriminierung schränkt die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Kann der Betroffene das Problem nicht zeitnah mit den beteiligten Personen klären, sollte der Personalverantwortliche oder Hilfe von außen hinzugezogen werden.

Rechtfertigungen vor anderen sind nicht nötig

Vegan-vegetarisch lebende Menschen müssen ihre Ernährungsweise nicht gegenüber Kollegen oder ihrem Chef rechtfertigen und dadurch eine Verteidigungshaltung einnehmen. Auch sollten sie bei der Beantwortung von Fragen nicht belehrend wirken, sondern lieber einmal einen veganen Kuchen für die Arbeitskollegen mitbringen. Besonders bei Geschäftsessen sollte sich das Gespräch nicht um die Ernährung drehen. Das würde vom eigentlichen Inhalt und Grund des Gesprächs ablenken.

Essenswünsche sachlich kommunizieren

Es ist notwendig, bei Diskussionen und Gesprächen sachlich und höflich zu bleiben. Zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen und sich dafür einzusetzen, dass Essenswünsche berücksichtigt werden, kann neutral kommuniziert werden. Das gelingt umso leichter, je sicherer mit der eigenen Überzeugung umgegangen wird. Dann kann klar und ohne Unsicherheit formuliert werden, dass man sich vegan oder vegetarisch ernährt und möchte, dass dies beispielsweise auch bei Geschäftsessen berücksichtigt wird.

Dipl.-Psych. Tamara Pfeiler

Autorin

Dipl.-Psych. Tamara Pfeiler