Vegane Alternativen zu Wolle, Leder und Co. gibt es genug, doch wie lässt sich erkennen, ob Mantel oder Schuhe wirklich vegan sind? Alles über tierische Bestandteile in Kleidung und alternative Textilien.

Vegan leben heißt nicht nur vegan essen

Wer sich mit der vegetarisch-veganen Lebensweise beschäftigt, fängt meist bei der Ernährung an. Doch wenn diese erst einmal umgestellt ist, begegnen einem weitere Bereiche, die umgekrempelt werden können. Auch Mode, ohnehin ein stark diskutiertes Thema, gehört dazu. Und während Pelzmäntel schon länger als verpönt gelten, gibt es darüber hinaus weitere tierische Bestandteile in unserer Kleidung, von denen viele überhaupt nichts wissen.

Umso wichtiger ist es, dass sich immer mehr junge kreative Designer mit veganer Mode beschäftigen. Einige davon sind mit ihren Kollektionen heute schon sehr erfolgreich, denn eine nachhaltige und tierfreundliche Lebensweise wird immer mehr zum Trend. Shops wie DearGoods (München/Berlin), FairBleiben (Dortmund), Vegamina, Le Shop Vegan oder GREENALITY (Onlineshops) werden wohl nicht die einzigen bleiben, die in Zukunft tierleidfreie Einkaufsmöglichkeiten bieten. Bei diesen Shops erhalten VEBU-Mitglieder außerdem bis zu 10 % Rabatt.

Was „vegan“ bei Kleidung bedeutet

Generell sollte Kleidung keine tierischen Produkte oder Erzeugnisse enthalten, damit sie als vegan bezeichnet werden kann. Als Verbraucher ist es wichtig, genau hinzusehen und auf die verarbeiteten Stoffe zu achten, denn auch als „bio“ oder „öko“ angepriesene Mode ist nicht immer tierfrei. Vegane Mode besteht aus pflanzlichen Rohstoffen oder chemisch hergestellten Stoffen. Wer nicht nur Rücksicht auf Tiere, sondern auch auf die Umwelt nehmen möchte, sollte jedoch pflanzliche Alternativen bevorzugen.

Unser Tipp

Unser Tipp

Neben Tier und Umwelt kann man durch den Kauf von fair produzierter und gehandelter Ware zudem Menschen in der Textilindustrie unterstützen.

Kennzeichnung

Direkt auf Kleidungsstücken sind derzeit nur in Einzelfällen Vegan-Kennzeichnungen zu finden. Da hilft nur ein genauer Blick auf das Etikett, um herauszufinden, welche Stoffe verwendet wurden. Sollte dieses nicht eindeutig sein, fragt man am besten direkt bei den Händlern oder Herstellern nach.

Schuhe ohne Tier

Schuhe müssen laut Gesetz gekennzeichnet werden, wofür Hersteller bestimmte Piktogramme verwenden.Schuhe Material PiktogrammObermaterial, Futter/Decksohle und Laufsohle werden in die Kategorien Leder, beschichtetes Leder, Textil (auch Wolle, Seide, Pelz) oder Sonstiges (z. B. Gummi, Kunststoff) eingeteilt. Es wird jeweils das Material mit mindestens 80 % der Fläche und des Volumens angegeben.

Schuhe Material PiktogrammDie übrigen Inhaltsstoffe werden nicht als Symbole dargestellt. Auf den ersten Blick kann man tierische Bestandteile also nicht ausschließen. Vor allem Klebstoffe werden oft aus tierischen Erzeugnissen hergestellt – viele Schuhe tierfreier Marken werden daher auch vernäht statt geklebt. Es muss außerdem nicht immer Kunstleder sein: Von unterschiedlichen Baumwoll-Gemischen über veganen Filz bis hin zu Kork gibt es die verschiedensten Alternativen.

Vegane Mode erobert die Laufstege

Schon seit einigen Jahren ist zu bemerken, dass Designer zunehmend auf „fair“ oder „öko“ setzen, zudem ist jetzt auch vegane Mode auf dem Vormarsch. Das zeigt etwa der „Greenshowroom“ und die „Ethical Fashion Show“ auf der Berlin Fashion Week. Junge vegane Modelabels wie „nae“, „recolution“ und „bleed“ werden dort gefeiert und sogar die „Vogue“ befasst sich regelmäßig mit den Laufsteg-Shows und tierfreier Mode.

Vegane Modemagazine und Vegan Fashion Award

Mittlerweile wird man auch im Zeitschriftenhandel fündig: Mit „Vegan Good Life“ und „Noveaux“ sind Anfang 2015 gleich 2 Magazine für vegane Mode an den Start gegangen.

Außerdem wird seit 2013 der „Vegan Fashion Award“ in 12 Kategorien und mehreren Ländern vergeben. Nicht nur Stücke von veganen Labels wurden bis jetzt gelobt, sondern auch Produkte von Puma oder H&M zählten schon zu den Gewinnern.

Tierische Bestandteile, die in Kleidung vorkommen können

Leder

Leder ist Tierhaut, die durch Gerbung haltbar gemacht wird.
Dabei ist Leder nicht – wie immer noch viele glauben – nur ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. 40 % der Schlachtungen weltweit dienen ausschließlich der Lederindustrie!

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Patches an Hosen und Jacken sind oft aus Leder und leicht zu übersehen.

Pelz

Als Pelz bezeichnet man Kleidungsstücke, die aus dem sehr dichten Fell bestimmter Tiere (z. B. Nerze) gefertigt werden. Die Tiere werden hierfür teilweise unter unwürdigsten Bedingungen gehalten, geschlagen und nicht selten sogar lebend gehäutet.

Wolle

Ein Großteil der Wolle kommt von Merinoschafen aus Australien. Darüber hinaus werden zum Beispiel auch südamerikanische Alpakas (Lamas) speziell wegen ihrer Wolle gezüchtet. Die Wolle von deutschen Schafen hingegen ist selten fein genug für den Markt und landet meist einfach auf dem Müll.
Nicht nur bei der Schur werden die Tiere oft misshandelt und erleiden schwerste Verletzungen. Beim sogenannten Mulesing wird den Merinoschafen außerdem das Fleisch rund um den Schwanz – ganz ohne Betäubung – entfernt. Diese Prozedur soll Fliegenbefall verhindern, der überhaupt erst durch die extreme Züchtung zustande gekommen ist. Dadurch entzünden sich die großen offenen Wunden aber oft, bevor sie abheilen können.

Kaschmir

Kaschmir (auch Cashmere) stammt aus dem Unterfell der gleichnamigen Kaschmirziege und wird teilweise ohne Rücksicht auf die Tiere mit Drahtbürsten aus ihrem Fell gerissen. Kaschmirwolle ist sehr teuer und ihre Träger stellen hohe Ansprüche. Tiere, deren Fell ungeeignet ist, werden daher meist einfach getötet. 50–80 % aller Neugeburten erleiden dieses Schicksal.

Angora

Bei Angora handelt es sich um das lange, weiche Fell von Angorakaninchen.
90 % davon kommen aus China, wo es keine Gesetze und Regelungen zum Tierschutz gibt. Die Kaninchen werden festgespannt und bei vollem Bewusstsein gerupft oder mit scharfen Messern geschoren, wobei sie sich beim Fluchtversuch oft verletzen. Für die Tiere endet diese Prozedur in einer Schockstarre und beginnt alle 3 Monate erneut.

Federn

Federn stammen hauptsächlich von Enten oder Gänsen.
Die Gänse werden einige Wochen nachdem sie geschlüpft sind aufgrund ihrer Farbe getrennt. Sie werden über einen Zeitraum von 15 bis 21 Tagen dreimal täglich mittels eines langen Metallrohrs zwangsernährt. Innerhalb dieser Zeit wächst die Leber auf das 6- bis 10-fache des Normalgewichtes, dann sind die Gänse schlachtreif. Auf Speisekarten nennt sich die Leber dann „Foie gras“ oder „Stopfleber“. Weiße Gänse werden, trotz Schmerzen und Stress für die Tiere, 4- bis 7-mal gerupft, bevor sie nach dem letzten sogenannten Schlachtrupf getötet werden.

Seide

Seidenraupen weben ihre Kokons aus Seidenfasern.
Um diese Fasern für die Industrie verwenden zu können, werden die Raupen lebend mit kochendem Wasser verbrüht. Für eine einzige Bluse müssen so 2.500 Raupen getötet werden.

Horn

Horn ist ein Stoff aus stark keratinhaltigen, abgestorbenen Zellen.
Hörner, Geweihe, Hufe und Vogelschnäbel bestehen zum Beispiel aus Horn.

Perlmutt

Perlmutt wird aus den Schalen von Muscheln gewonnen.
Es kommt nicht selten vor, dass Tiere dafür getötet werden oder sogar schon während der Zucht sterben.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Immer auf Knöpfe an Kleidungsstücken achten – diese sind oft aus Horn oder Perlmutt.

Weitere tierische Bestandteile

In Textilfarben kann Karmin aus Läusen, Indigotin aus Schnecken sowie Knochenkohle oder Bindemittel aus tierischen Bestandteilen vorkommen.

Außerdem enthalten viele Klebstoffe für Schuhe und Handtaschen tierische Komponenten. So besteht zum Beispiel Glutin-Leim aus Tierknochen oder -häuten. Kasein ist ein Milchprotein, aus dem ebenfalls Klebstoffe hergestellt werden. Heute greifen jedoch viele Hersteller auf synthetische oder anorganische Klebemittel zurück, um Wasserlöslichkeit zu verhindern.

Generell gibt es für diese Stoffe keine Kennzeichnungspflicht. Direkten Kontakt mit dem Hersteller aufzunehmen und nachzufragen, ist hier also am sinnvollsten.

Alternativen zu tierischen Bestandteilen

Baumwolle

Baumwolle gilt als der bedeutendste Textil-Rohstoff weltweit. Die Samenhaare der Kapselfrucht werden von der Baumwollpflanze gepflückt und anschließend zu einem Garn versponnen, aus dem Kleidungsstücke gefertigt werden können.

Unser Tipp

Unser Tipp

Der Umwelt zuliebe greift man bei Baumwolle besser zu Bio-Baumwolle. Sie wird ohne Agrargifte (Kunstdünger und Pestizide) angebaut.

Hanf

Hanf wächst ohne Verwendung von Pestiziden oder chemischen Düngemitteln, da sich die Pflanze selbst schützen kann. Hanfkleidung ist sehr Schmutz abweisend und strapazierfähiger als Baumwolle. Zudem ist der Stoff saugfähiger und hält besser warm. Vor allem für Allergiker ist Hanf gut geeignet und dabei vollkommen biologisch abbaubar.

Leinen

Die Flachsfaser benötigt zum Anbau wenig Pestizide oder Düngemittel. Sie ist eine der ältesten angebauten Textilfasern. Als fertiger Stoff fühlt sich Leinen kühl und frisch an und ist sehr reißfest. Außerdem sind Leinenstoffe flusenfrei und nehmen Gerüche nicht so schnell an wie andere. Leinen ist vollkommen biologisch abbau- und recyclebar.

Sojaseide

Sojafasern fallen als Nebenprodukt bei der Herstellung von Sojaprodukten an. Als fertige Kleidungsstücke sind sie optisch ähnlich wie Seide und dabei genauso warm und angenehm zu tragen wie Kaschmir. Außerdem gibt Sojaseide laut einigen Herstellern feuchtigkeitsspendende Aminosäuren an die Haut ab. Sie besitzt eine relativ hohe Haltbarkeit und ist biologisch abbaubar.

Viskose

Viskose wird mithilfe eines chemischen Verfahrens auf der Basis von natürlicher Zellulose hergestellt. Dazu wird meist Bambus-, Eukalyptus- oder Buchenholz verwendet. Zu den Eigenschaften von Viskose zählt ein angenehm weiches Tragegefühl auf der Haut, ähnlich wie man es sich bei einer Mischung aus Baumwolle und Seide vorstellen würde. Der Stoff ist außerdem komplett biologisch abbaubar.

Lyocell/TENCEL®

Lyocell ist ebenfalls eine Faser auf Zellulose-Basis. Zur Herstellung wird jedoch ein anderes chemisches Verfahren verwendet als etwa bei der Viskose-Herstellung. Dieses ist vor allem umweltfreundlicher und meist kommt als Basis Holzzellstoff zum Einsatz. Häufig findet man Lyocell auch unter dem Markennamen TENCEL®. Der Stoff ist biologisch abbau- und recyclebar.

Acryl

Acrylfasern bestehen hauptsächlich aus Polyacrylnitril (PAN) und haben einen wollartigen Charakter. Sie halten warm, fühlen sich weich an und sind knitterarm. Waschen darf man sie jedoch nur bei höchstens 40 °C, da sie sehr hitzeempfindlich sind. Oft lassen sich bei Kleidungsstücken auch Gemische aus Baumwolle und Acryl vorfinden.

Polyester (PES)

Meist wird Polyethylenterephthalat (PET) in Kleidung verwendet. Die Fasern sind sehr reißfest und nehmen Flüssigkeit nur schlecht auf, was vor allem für Sportbekleidung nützlich ist. Gemische von verschiedenen Stoffen und PET sind ebenfalls weit verbreitet.

Kunstleder

Kunstleder besteht aus einem Mix verschiedener textiler Gewebe. Diese sind teils mit PVC, mittlerweile aber eher mit Polyurethan beschichtet. Kunstleder ist günstiger als Echtleder und Hersteller können eine immer gleichbleibende Qualität gewährleisten. Auch hier ist kaum ein Unterschied zu echtem Leder zu erkennen.

Kork

Kork ist besonders pflegeleicht, atmungsaktiv, spritzwasserdicht und besitzt ein ausgefallenes charakteristisches Äußeres. Jacken, Gürtel, Portemonnaies, Taschen und Schuhe werden aus Kork gefertigt

Kunstpelz

Kunstpelz wird in aufwendigen Verfahren hergestellt. Meist besteht das Grundgewebe aus Baumwolle und Polyester, darin werden Polyacrylfasern eingewebt und anschließend verklebt. Durch unterschiedliche Farben und Längen der einzelnen „Haare“ sehen die Felle täuschend echt aus.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Wer sich für Kunstpelz entscheidet, läuft trotzdem Gefahr, ein importiertes und falsch gekennzeichnetes Produkt mit Echtpelz zu kaufen. Kunstpelz sollte daher am besten vermieden werden.

Kunstfasern belasten die Umwelt

Auch Chemiefasern wie Acryl und Polyester zählen zu den veganen Alternativen. Sie sind dennoch nur bedingt zu empfehlen, da bei jedem Waschgang Mikroplastik in das Abwasser und von hier aus in offene Gewässer gelangt. Dort stellt dieses eine Gefahr für viele Tierarten und unsere Umwelt dar. Am besten entscheidet man sich also für die oben aufgelisteten Alternativen oder andere pflanzliche Stoffe.

Sina Wittig