Vegane Kosmetik ohne Tierversuche wird immer gefragter. Die meisten Menschen möchten nur noch tierleidfreie Produkte an ihre Haut lassen. Der VEBU zeigt, was beim Einkauf zu beachten ist.

Politische Entwicklung des EU-weiten Tierversuchsverbots

Tierschützer atmeten auf, als am 11.03.2003 von der EU-Kommission verkündet wurde, dass in genau zehn Jahren die Vermarktung von Tierversuchskosmetika verboten sein würde. Seit dem 11.03.2013 ist es endlich soweit.

Um der Kosmetikindustrie entgegenzukommen, wurde das Tierversuchsverbot schrittweise durchgesetzt. Seit 11.09.2004 dürfen keine kosmetischen Fertigerzeugnisse mehr an Tieren getestet werden. Tierversuche für einzelne Bestandteile waren zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt. Fünf weitere Jahre hatte die Kosmetikindustrie Zeit, in Entwicklung von Alternativmethoden zu investieren. Sobald die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) eine Alternativmethode akzeptierte, wurden Tierversuche in diesem Bereich verboten.

Mit der Ausnahme von Tests zur Toxizität (Giftigkeit) sind seit 11.09.2009 alle Tierversuche an Bestandteilen von Kosmetikprodukten und deren Vermarktung verboten. Dieses Gesetz wurde ungeachtet des Vorhandenseins von Alternativmethoden durchgesetzt.

Seit dem 11.03.2013 sind alle Tierversuche im Bereich Kosmetika und die Vermarktung solcher Produkte verboten. Das sei ein wichtiger Meilenstein im 30-jährigen Kampf gegen Tierversuche, gibt Dr. med. vet. Christiane Baumgartl-Simons, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Menschen für Tierrechte, an.

Keine Tierversuche bei Procter & Gamble

Führende Produkthersteller wie Procter & Gamble (u. a. Herbal Essences, Wella, Oil of Olaz, MaxFactor) führen in Europa nach eigener Aussage seit Jahren keine Tierversuche im Bereich Kosmetika mehr durch. „Wir stehen dem Tierversuchsverbot für Kosmetikprodukte der EU positiv gegenüber”, antwortete Gabriele Hässig, Leiterin der Unternehmenskommunikation von Procter & Gamble, auf Nachfragen des VEBU. Das Unternehmen sei führend in der Entwicklung von Alternativmethoden und habe schon über 50 davon entwickelt – insgesamt seien über 360 Millionen Dollar in dieses Projekt geflossen. „Wir führen keine Tierversuche durch, es sei denn, sie werden uns gesetzlich vorgeschrieben”, ergänzt Procter & Gamble 2016. Damit sind zum Beispiel die Kosmetikprodukte gemeint, die auch in China erhältlich sind (mehr dazu im übernächsten Abschnitt). Auch der IKW (Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel) gibt an, dass in Deutschland schon seit 1989 auf Tierversuche am Endprodukt verzichtet wird.

Tierversuche – (k)ein Ende in Sicht

Dank des Vermarktungsverbots, kann die Kosmetikindustrie auch nicht auf Tierversuche in Nicht-EU-Ländern ausweichen. Das Gesetz scheint frei von Schlupflöchern. Aber: Bis zu 90 Prozent der Bestandteile von Kosmetikprodukten werden trotzdem an Tieren getestet – das verschweigen die EU und die Kosmetikbranche.

Diese 90 Prozent müssen nach der Chemikalienverordnung (REACH) behandelt werden, welche Toxizitätstests an Tieren vorschreibt. In diesem Bereich sind noch keine Alternativmethoden vorhanden. Bestandteile solcher Art werden nämlich nicht nur für Kosmetikprodukte verwendet, sondern meistens auch für Putz- und Waschmittel.

Nur wenn Kosmetikfirmen nachweisen können, dass der Bestandteil nicht ausschließlich für Kosmetik an Tieren getestet wurde, darf er verwendet und das Produkt verkauft werden. Baumgartl-Simons geht allerdings nicht davon aus, dass diese Schlupflöcher vollkommen ausgenutzt werden. Vielmehr sieht sie eine Chance darin, dass Alternativmethoden entwickelt werden, welche auch in der Chemikalientestung Anwendung finden.

Tierversuche in China

Die Ärzte gegen Tierversuche machen darauf aufmerksam, dass in China immer noch für alle importierten, das heißt beispielsweise von europäischen Firmen produzierten, Kosmetika zwingend Tierversuche vorgeschrieben sind, auch wenn die Produkte im jeweiligen Herkunftsland ohne Tierversuche erfolgreich getestet wurden.

In der Folge haben sich einige Marken vom chinesischen Markt zurückgezogen, andere dagegen vertreiben ihre Produkte dort weiterhin, ohne dabei notwendigerweise Labels wie die Veganblume (siehe unten) in Europa zu verlieren. Wer sicher sein will, dass für das entsprechende Produkt auch in China keine Tierversuche durchgeführt werden (bisweilen geschieht dies offensichtlich ohne Kenntnisse des Unternehmens selbst), findet zum Beispiel hier eine Liste der Unternehmen, deren Produkte tierversuchsfrei und vegan sind und die nicht in China vertreiben oder sich von dort zurückgezogen haben.

Tierversuche für Kosmetika waren schon immer unnötig

Tierversuche für Kosmetika sind von vornherein weder sinnvoll noch notwendig. Ihre wissenschaftliche Tauglichkeit wurde nie grundlegend überprüft. Sie dienen vor allem zur rechtlichen Absicherung der Hersteller und gaukeln eine Sicherheit vor, die nicht gegeben ist. Dabei wäre es sehr einfach, gleichzeitig Tiere und Verbraucher zu schützen. Denn zum einen gibt es über 8.000 altbewährte Inhaltsstoffe, mit denen sich ohne Tierversuche beliebig viele Schönheitsmittel herstellen ließen. Zum anderen können tierversuchsfreie Testmethoden eingesetzt werden.

Logo V-Label

V-Label – Siegel für vegetarische und vegane Produkte

Wenn die Zutatenliste nicht eindeutig ist, sorgt das V-Label für Transparenz. Das vom VEBU vergebene Siegel kennzeichnet verlässlich, welche Produkte vegetarisch oder vegan sind.

Tierische Bestandteile in Kosmetikprodukten

Trotz des Verbots von Tierversuchen, sind Kosmetika nicht automatisch tierleidfrei. Viele Bestandteile sind nicht einmal vegetarisch, von vegan ganz zu schweigen. Die Kosmetikindustrie greift teils aus finanziellen Gründen auf tierische Bestandteile zurück. Um den Verbraucher im Dunkeln zu lassen, werden Bezeichnungen verfremdet.

Häufige Bestandteile sind Amino- und Fettsäuren, welche aus Zellgewebe gewonnen werden. Meistens tauchen sie als Amino Acid und Fatty Acid in den Inhaltsstoffen auf. Oft verwendet wird Stearinsäure (Stearic Acid), die fast ausschließlich aus Schweinemägen gewonnen wird. Eine andere versteckte Bezeichnung für Fettsäuren, die tierischen Ursprungs sein können, sind unter anderem Lineatic Acid (Linolsäure). Cysteine, welche unter anderem aus Hörnern, Haaren und Borsten gewonnen werden, sind häufig verwendete Aminosäuren in unseren Kosmetikprodukten.

Doch nicht nur Aminosäuren mischt uns die Kosmetikindustrie in unsere Cremes und Lotionen. Hinter Amniotic Fluid verbirgt sich Plazentawasser, welches normalerweise den Fötus in der Plazenta umgibt. So wie Amniotic Fluid ist auch Placenta ein Produkt aus der Gebärmutter des Muttertiers. Umgangssprachlich ist Placenta auch bekannt als Nachgeburt. Diese wird bei Tierschlachtungen gewonnen.

Andere verfremdete Bestandteile sind beispielsweise Gelee Royale, welches Honigbienen normalerweise als Futter für ihre Larven verwenden. Bekannte Bestandteile sind außerdem Bienenwachs und Lanolin (Wollfett).

Nadine Weckerle