Yoga und vegan – die perfekte Einheit

yogan-interview-yoga-veganismus © Philipp Wiebe

Dominik Grimm ist der Gründer von Yogan, einem ganzheitlichen Lebenskonzept. Mit Yogaübungen und veganer Ernährung verspricht er mehr Fitness, Gesundheit und mentale Stärke – gutes Karma inbegriffen.

Yoga und vegan, wie passt das zusammen?

Es sind Lebensstile, die sich wunderbar ergänzen und die nicht ohne Grund immer mehr Anhänger finden. Beide sind ein Resultat unseres stressigen Alltags. Die Menschen sehnen sich nach Harmonie mit der Umwelt und ihrem eigenen Körper. Wer Yoga praktiziert, erfährt mehr Ausgeglichenheit, Energie und eine innere Verbundenheit mit allen Wesen. Eine ausgewogene und vollwertige vegane Ernährung ist nicht nur gesünder als der weit verbreitete Tierkonsum im Übermaß, sondern verweigert sich auch der unerträglichen industriellen Tierhaltung. Yogan bildet somit eine perfekte Einheit.

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Kommen viele Yogis zu einer veganen Lebensweise?

Bestimmt. Geschätzt praktizieren rund 5 Millionen Menschen in Deutschland Yoga. Und das ist nicht nur Sport, es geht auch um Mitgefühl und Einfühlungsvermögen. Wer weiß und spürt, dass tierische Lebensmittel nicht wie ein Gegenstand produziert werden, sondern von fühlenden Lebewesen stammen, wird sie nicht wirklich genießen können. Schon die alten Yogaschriften empfehlen eine vegetarische Ernährung.

Vegetarisch, aber nicht vegan?

Rein vegan kommt kaum vor, aber das muss man im zeitlichen Kontext betrachten. Die Wurzeln des Yoga sind über 2.000 Jahre alt und die wichtigsten Gründer unserer heutigen Yogakultur lebten Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals war die Tierhaltung eine völlig andere. Ich bin sicher, dass keiner der großen Yogalehrer gutheißen würde, wie wir heute tierische Produkte erzeugen und konsumieren.

Hilft eine vegane Ernährung bei der Yogapraxis?

Das ist auf jeden Fall meine Erfahrung. Der Geist wird klarer, man hat mehr Energie. Einige meiner Schüler berichten auch über mehr Flexibilität bei den Asanas, den Yogastellungen. Es lebt sich einfach leichter. Ab Januar 2017 bieten wir daher das deutschlandweit erste staatlich zugelassene Fernstudium zum veganen Ernährungsberater an.

Haben Sie viele Ihrer Schüler zum veganen Leben gebracht?

„Gebracht“ wäre das falsche Wort. Ich lebe es vor, berichte von meinen Erfahrungen und versuche zu vermitteln, dass man als Mensch Teil einer großen karmischen Gesamtheit, unseres Ökosystems, ist. Mitgefühl spielt eine große Rolle und jede unserer Handlungen hat Konsequenzen. Viele Schüler kommen dann von ganz allein auf mich zu und interessieren sich für eine vegane Lebensweise.

Fällt es einem Yogaübenden leichter als anderen, auf vegan umzustellen?

Für Erfolg ist die Motivation entscheidend: Leben wir vegan, weil wir nach sozialer Akzeptanz, Selbstbestätigung oder nach einem schlankeren Körper suchen? Oder aus Mitgefühl gegenüber den Menschen, den Tieren oder dem Planeten? Wer aus eher egoistischen Gründen handelt, gibt schneller auf, wenn diese Ziele nicht erreicht werden, und wendet sich anderen Möglichkeiten zu.

Und umgekehrt, was hat ein Veganer von Yoga?

Die Kombination aus Bewegung, Meditation und Spiritualität ist generell für jeden empfehlenswert. Ich als vegan lebender Mensch habe noch einen zusätzlichen Nutzen entdeckt: Wenn man sich für die vegane Idee einsetzt, wird man unangenehmer für sein soziales Umfeld, manche Freunde ziehen sich auch zurück. Mir war es wichtig, hier Willensstärke und Selbstbewusstsein zu zeigen, um bei meiner Entscheidung zu bleiben. Das lernt man in der Meditation und vor allem bei den Yogastellungen, die nicht immer gemütlich sind. Hier heißt es, Situationen mit Gelassenheit anzunehmen. Das gilt auch für den Wunsch, andere Menschen vom Vegansein überzeugen zu wollen. Man muss ihnen die Zeit lassen, ihre Entscheidungen von innen heraus zu treffen.

Geduld ist also das Stichwort?

Im Yoga spielt Geduld eine wichtige Rolle: Sei es, um sich die Zeit für eine Meditation zu nehmen oder sich behutsam an eine Yogastellung heranzutasten. Es ist völlig okay, wenn es Jahre dauert, bis sie klappt, denn auf das „innere Spiel“ kommt es an. Diese Geduld bringt ein „Yoganer“ auch sich und anderen entgegen, wenn es um das vegane Leben geht: nicht so streng zu sich selbst zu sein – und vor allem auch nicht zu den Mitmenschen.

Gerade Letzteres fällt manchen Veganern besonders schwer.

Ich weiß und kann das auch gut verstehen. Wer vegan lebt, möchte am liebsten jeden sofort mit auf diesen Weg nehmen. Hier hilft es, behutsam vorzugehen. Menschen suchen positive Bestätigung. Yoga lehrt uns, keine Erwartungen zu haben und Dinge anzunehmen, wie sie sind. Mit dieser Haltung werden wir zu positiven, enthusiastischen Vorbildern und begeistern andere für unsere Ideen.

Wie genau lebt ein „Yoganer“?

Yogan als ganzheitlicher Lebensstil schließt auch ein karmisches Leben mit ein. Zum Beispiel beim Einkauf sollten wir bei jedem Produkt überlegen: „Tut es mir gut?“, „Schadet es jemand anderem?“ und „Brauche ich es wirklich?“. Man landet damit fast automatisch bei naturbelassenen, fair produzierten und saisonalen Waren. In diesem Zusammenhang ist vieles unnötig, was gerade im Rahmen der veganen Welle auf den Markt kommt.

Was raten Sie Yogaeinsteigern?

Zeit und Aufwand für Yoga sind völlig individuell. Schon Kleinigkeiten haben eine große Wirkung. Zum Beispiel eine tägliche kurze Achtsamkeitsmeditation. Yogakurse für Einsteiger gibt es mittlerweile fast überall. Um den passenden zu finden, sollte man sich fragen, was man sich wünscht: Möchte ich den Körper trainieren oder den Geist? Suche ich nach Spiritualität? Ich würde immer mit dem Lehrer sprechen, bevor ich mich für ihn entscheide. Man kann auch zu Hause praktizieren, dafür gibt es gute Bücher und DVDs. Ich empfehle jedoch jedem, ab und zu einen Kurs zu besuchen. Vor allem am Anfang ist es wichtig, dass Stellungen korrigiert werden. Und auch die Erfahrung in der Gruppe ist noch einmal etwas ganz anderes.

  • Atemmeditation

    Setzen Sie sich bequem hin. Atmen Sie einige Male tief ein und aus und richten Sie sich dabei gerade auf. Wandern Sie mit der Aufmerksamkeit zu Ihrem Atem und fangen Sie an, ihn zu beobachten: Beim Einatmen strömt die Luft kühl durch die Nase, beim Ausatmen warm. Wiederholen Sie für sich in der Stille: „Einatmen kühl – ausatmen warm.“ Wenn Ihre Gedanken abdriften, nehmen Sie sie einfach nur als Gedanken wahr, lassen sie vorbeiziehen und wenden sich wieder der Atmung zu. Beginnen Sie mit einer 5-Minuten-Meditation. Sie können sich im Lauf der Zeit in 5-Minuten-Takten bis hin zu 30 Minuten steigern. Idealerweise bestimmen Sie einen festen Zeitpunkt für Ihre Meditationspraxis.

Yogan
Dominik Grimm

Yogan

Veganes Leben und Yoga
Knaur 2014, 256 Seiten, 14,99 €
ISBN 978-3-426-87682-4

Bettina Paul

Autorin

Bettina Paul

Freie Beraterin