Vegan verreisen: Linda Sabin im Interview

Vegan verreisen: Linda Sabin im Interview

Linda Sabin teilt ihre Erfahrungen als vegane Touristin in ihrem Reiseblog „Veltenbummler“. Dort stellt sie nicht nur vegane Reiseziele vor, sondern hat auch hilfreiche Informationen zu veganfreundlichen Hotels und Airlines zu bieten. Wie sie dazu kam und was ihre besten Reisetipps sind, verrät sie im Gespräch.

Was war der Auslöser, keine Tiere mehr zu essen?

Das war bei mir eine schleichende Entwicklung. Angefangen hat alles mit dem Film „Ein Schweinchen namens Babe“, so naiv und verträumt das auch klingen mag. Ich hatte damals gelesen, dass von allen Tieren die Schweine am leichtesten für den Film zu trainieren waren, da Schweine schlauer sind als Hunde, sogar genauso intelligent wie ein 3-jähriges Kind. Von da an konnte ich einfach kein Schweinefleisch mehr essen. Im Erdkundeunterricht haben wir dann eine Reportage über Massentierhaltung gezeigt bekommen und ich war geschockt, diese Bilder zu sehen. Vorher hatte ich keine Vorstellung davon, wie das in der Praxis aussieht. Schuld daran ist die extrem hohe Nachfrage an Fleisch, darum habe ich erst immer weniger Fleisch gegessen und es dann ab 1998 ganz gelassen.

Seit wann lebst du vegan?

Ich habe einfach entschieden, dass für mich kein Tier mehr leiden oder sterben soll. Darum gab es für mich irgendwann keine andere Möglichkeit – ich musste die vegane Lebensweise wählen. Denn ich habe im Laufe der Zeit immer mehr über die Hintergründe erfahren, zum Beispiel dass jährlich allein in Deutschland 50 Millionen männliche Küken getötet werden, da sie keine Eier legen. Dieses System wollte ich nicht mehr unterstützen. Seit August 2011 lebe ich vegan und kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen.

Wie kamst du dazu, einen Reiseblog mit deinen Erfahrungen zu erstellen?

Als ich Veganerin wurde, bin ich kurze Zeit später nach Dubai geflogen und habe da gemerkt, dass ich in Zukunft für meine Reisen mehr Vorbereitung brauchen würde. Kurz darauf war ich dann in Paris und das war eine echte Herausforderung. Ich habe im Vorfeld viel recherchiert und fand, dass ich mir da extrem viel Spezialwissen angesammelt habe, das nach dem Urlaub für mich einfach nicht mehr wichtig war, für andere Menschen aber eventuell schon. Meine veganen Facebook-Freunde haben mich dann auf die Idee gebracht, eine Art veganen Reiseführer zu schreiben, weil ich so viele tolle Locations mit veganem Essen entdeckt habe. So war die Idee geboren und im März 2012 habe ich dann mit dem Befüllen des Blogs „Veltenbummler“ begonnen.

Hast du neben deiner Arbeit als Betriebswirtin genug Zeit, die Welt zu sehen?

Zum Glück habe ich 30 Tage Urlaub im Jahr und relativ flexible Arbeitszeiten. Das heißt, ich kann Gleitzeitguthaben ansammeln und bei Gelegenheit abfeiern. Das eigentliche Problem ist aber weniger die Zeit als das Geld. Deshalb setze ich Prioritäten: Ich wohne in einer einfachen 2-Zimmer-Wohnung und fahre nur ein kleines Auto, weil Reisen einfach mein liebstes Hobby ist.

Vegan leben in Deutschland ist einfacher denn je, aber wie sieht es im Ausland damit aus?

Wer es im Schweinebraten- und Bratwurstland Deutschland schafft, sich vegan zu ernähren, der wird auch im Ausland keine großen Probleme haben. Natürlich hängt es auch vom Reiseziel ab, aber ich bin überzeugt, dass man mit entsprechender Vorbereitung fast überall klarkommt. Ich muss aber zugeben, dass ich mir eher touristisch erschlossene Ziele aussuche, daher hatte ich bisher kaum große Hürden zu meistern, was das Essen angeht. Höchstens in Japan, weil dort alles nur auf Japanisch beschriftet ist. Aber dort hatte ich Hilfe und die meiste Zeit war ich in rein veganen Locations essen.

Was sind die größten Hindernisse für vegan lebende Menschen auf Reisen und wie meisterst du sie?

Das größte Problem dürfte die Sprachbarriere sein. Dem Personal in einer gutbürgerlichen Gaststätte in Deutschland zu erklären, welche Zutaten man nicht in seinem Essen haben will, kann schon eine Herausforderung sein. Man stelle sich dies nun in einem Land vor, dessen Sprache man nicht spricht. Aber für solche Fälle, wenn kein vegan-freundliches Lokal in Sicht und man der Sprache nicht mächtig ist, gibt es den „Vegan Passport“. Hierbei handelt es sich um ein kleines Büchlein, in dem in 73 Sprachen erklärt wird, welche Produkte man meidet und was man anstelle dessen gern essen würde. Das finde ich sehr hilfreich. Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass wenn man offen und freundlich auf Menschen zugeht, einem auch gern geholfen wird. In vielen Ländern sind die Leute sehr gastfreundlich und bestrebt, den Gast glücklich zu machen.

Welche Länder sind besonders vegan-freundlich?

In großen Städten gibt es eigentlich nie ein Problem mit veganem Essen, dort ist man recht aufgeschlossen. In den USA und in England habe ich bisher die besten Erfahrungen gemacht. In Großbritannien werden Zutaten viel genauer deklariert als bei uns. Dort ist nicht nur vegetarisch oder vegan unproblematisch, auch glutenfrei findet man immer öfter. Dann fällt mir da noch Italien ein mit den vielen tollen Gemüse-Antipasti, Nudelgerichten (italienische Pasta enthält in der Regel kein Ei) und Pizza. Im Nahen Osten gibt es ebenfalls viele tolle Gerichte ohne tierische Zutaten wie Falafel, Hummus, Bulgursalat …

Was ist bei der Vorbereitung eines veganen Trips zu beachten?

Ich plane Ausflüge gern im Voraus. Parallel schaue ich dann im Netz, wo es in der Nähe der Sehenswürdigkeiten ein Restaurant mit veganem Angebot gibt, das mich anspricht. Das Gleiche gilt auch für die Suche nach einem Hotel. Ich checke über Google Maps, wo man gut vegan frühstücken kann, und suche mir eine Übernachtungsmöglichkeit in Gehweite, die auch bezahlbar ist. Bei der Buchung einer Flugreise gebe ich direkt an, dass ich vegane Verpflegung wünsche – die meisten Fluglinien bieten das an. Trotzdem kann ich nur jedem raten, die Zutatenlisten vor dem Essen zu überprüfen.

An welches Erlebnis als Weltreisende denkst du heute noch am meisten zurück?

Da gibt es so viele. Ich finde, dass man überall auf der Welt Schönes entdecken kann. Aber ein Highlight war für mich definitiv Hawaii. Ich habe dort bisher nur Oahu besucht und will irgendwann auf alle Fälle nochmal dort hin und auch noch die anderen Inseln kennenlernen.

Welche Reiseziele möchtest du als Nächstes entdecken?

Ich war bisher noch nie in Afrika, das würde mich sehr reizen. Nach Asien zieht es mich ebenfalls, vor allem seit ich letztes Jahr mein Debüt in Japan hatte. Und da ich ein Fan der USA bin, möchte ich auch dort noch öfter hin – es gibt einfach so viel zu sehen und zu entdecken. Trotzdem will ich mir neben Fernreisen auch innerhalb von Deutschland und Europa noch einiges anschauen. Ich liebe einfach die Abwechslung und dafür muss man nicht immer in die Ferne schweifen.

Und zuletzt: Welches Rezept ist dein Favorit bei einem akuten Anfall von Fernweh?

Da gibt es kein Universalrezept. Für mich ist nach dem Urlaub immer vor dem Urlaub. Ich plane also ständig den nächsten Trip und zur Vorbereitung gehört für mich auch, in die „fremde“ Küche hineinzuschnuppern. Daher koche ich
vorher schon ein paar landestypische Gerichte nach.

Silke Bott

Ihre persönliche Ansprechpartnerin

Silke Bott

Chefredakteurin des VEBU-Magazins

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