Timo Hildebrand über vegane Ernährung im Spitzensport

Timo Hildebrand über vegane Ernährung im Spitzensport Bildquelle: Sven Citchowicz

Seit vielen Jahren steht Timo Hildebrand für verschiedene Fußballvereine zwischen den Pfosten. Doch was viele nicht wissen: Der Torwart ist bekennender Anhänger einer veganen Lebensweise. Wir sprachen mit ihm über die Vorteile rein pflanzlicher Ernährung im Spitzensport.

2006 war der Torwart Teil der deutschen Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land, ein Jahr später wurde er mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister und 2008 spanischer Pokalsieger mit dem FC Valencia. Timo Hildebrand ist seit einiger Zeit auch Unterstützer des VEBU. Wir sprachen mit dem Torhüter über seine Einstellung zum Veganismus, die Bedeutung der Ernährung im Spitzensport und sein ehrenamtliches Engagement.

Herr Hildebrand, Sie ernähren sich seit einigen Jahren größtenteils vegan. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Ich habe mich immer mehr mit der Materie befasst. Für mich erscheint es seitdem logisch, tierische Produkte von meinem Speiseplan zu streichen. Meine Gesundheit ist mir als Sportler natürlich sehr wichtig. Jeder sagt zwar „die Gesundheit ist das Wichtigste“, aber nur wenige Menschen beschäftigen sich auch inhaltlich und intensiv mit dem Thema. Wenn man sich aber nachhaltig damit auseinandersetzt, was eine gesunde Ernährung wirklich bedeutet und wo die Produkte herkommen, ist es für mich einfach nur „normal“, kein Fleisch etc. zu essen. Es sollte ein Ziel sein, dass es gesellschaftlich normal ist, wenn man sich vegan ernährt.

Der Boxer Mike Tyson, die Tennisspielerin Martina Navrátilová oder der Bodybuilding-Weltmeister Alexander Dargatz sind nur einige Beispiele für Spitzensportler, die sich vegan ernähren. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht: Hilft eine pflanzliche Ernährung, die Leistungsfähigkeit zu steigern?

Absolut, weil man sich einfach auch leichter fühlt. Viele Sportler essen zum Beispiel noch kurz vor dem Spiel Fleisch oder Nudeln, sodass sie müde sind, wenn das Spiel anfängt. Das liegt daran, dass der Verdauungstrakt zu viel Energie aufwendet, um die Nahrung zu verdauen, anstatt die Energie in der Muskulatur etc. zu verwenden. Während es diverse Spitzensportler gibt, die auf eine vegane Ernährung setzen, sind es im Fußball eher Ausnahmen.

Wie haben andere Fußballer auf Ihre Ernährungsumstellung reagiert?

Ich erlebe häufig – nicht nur im Fußball –, dass sofort eine Grundsatzdiskussion entsteht, wenn es um vegane Ernährung geht. Oft muss man sich rechtfertigen oder die Leute fragen: „Wo bekommst du deine Power her?“ Dabei gibt es genügend Lebensmittel und Produkte, die einen mit allem, was man braucht, versorgen. Es ist einfach nur eine Umstellung beziehungsweise ein Umdenken und gerade das scheint für die meisten noch schwer zu sein.

Bei der WM 2014 in Brasilien wurde die Nationalmannschaft überwiegend vegan bekocht und beim Bundesligisten Borussia Dortmund gab es zum Anfang der Saison 2015/16 eine öffentliche Debatte über die Ernährung der Profis. Denken Sie, dass es in den kommenden Jahren zu einem Umdenken im deutschen Profifußball kommen könnte? Welche Änderungen wünschen Sie sich?

Es muss und wird ein Umdenken stattfinden. Man sieht es schon teilweise in der Bundesliga in Dortmund oder auch Darmstadt. Ich glaube, der erste Bundesligist, der auf eine vegane oder fast vegane Ernährung setzt, wird seine Verletzungsquote im Team erheblich senken. Es heißt nicht umsonst: „Lass die Nahrung deine Medizin sein“. Die meisten Menschen sehen das noch nicht, aber in diesem Bereich sehe ich das größte Potenzial im Fußball.

Sie engagieren sich für diverse Tierschutzorganisationen und unterstützen nun auch den VEBU. Was gefällt Ihnen am VEBU?

Am VEBU gefällt mir, dass die Organisation für die vegane Sache eintritt sowie gute und wichtige Arbeit leistet. Über den VEBU komme ich zudem sehr gut an vielfältige Informationen rund um das Thema Veganismus. Auf der Internetseite findet man alles wichtige wie leckere Rezepte, gute Restaurant-Tipps oder aktuelle Veranstaltungshinweise.

Vielen Dank für das Interview, Herr Hildebrand!

Lucas Christoffer