ProVeg UK stellt sich vor

ProVeg UK (Jimmy Pierson und Zephie Begolo)

Im Vereinigten Königreich ist die pflanzliche Lebensweise schon relativ weitreichend etabliert. Der Anteil der Bevölkerung, der sich vegan ernährt, ist vergleichbar mit Deutschland und der Markt für pflanzliche Lebensmittel boomt. ProVeg wird sich in Großbritannien und Nordirland vor allem auf institutioneller und politischer Ebene engagieren.

Der englische Journalist und PR-Experte Jimmy Pierson entschied sich 2014 seiner Gesundheit zuliebe für eine rein pflanzliche Ernährung und ist nun Country Manager von ProVeg UK. Mittlerweile basiert seine Entscheidung, vegan zu leben, eher auf Tierrechtsgründen. Auf unsere Interviewfragen antwortet er gemeinsam mit Zephie Begolo. Sie ist Communications Managerin bei ProVeg UK und ebenfalls Journalistin. Seit ihrer Kindheit lebt sie vegetarisch und stieg im Studium komplett auf vegan um. Vor ihrer Zeit bei ProVeg war sie als Umweltkorrespondentin für eine britische Nachrichtenagentur tätig und arbeitete als Kampagnenleiterin bei der Tierrechtsorganisenation Viva.

Jimmy, wie gut sind die Menschen im Vereinigten Königreich über den vegan-vegetarischen Lebensstil informiert?

Die britische Veggie-Bewegung ist eine der am weitesten vorangeschrittenen in Europa. Wir haben über 800 vegetarische und vegane Restaurants und ein Supermarkt berichtete im vergangenen Jahr über eine Umsatzsteigerung von über 1.500 % mit veganen Produkten. Bisher ernähren sich zwar nur rund 550.000 Menschen vegan (das sind etwa 1 % der Bevölkerung), doch erfreulicherweise gab es vor Kurzem die Meldung, dass fast ein Drittel der Briten mittlerweile deutlich weniger Fleisch verzehrt als in den letzten Jahren. Die Medien berichten häufiger und positiver über den pflanzlichen Lebensstil als je zuvor und immer mehr Menschen assoziieren den Veganismus mit Gesundheit, Fitness und Wohlbefinden. Eine Herausforderung für ProVeg UK wird sein, noch mehr Menschen zu motivieren und weiterhin innovative und wirkungsorientierte Kampagnen zu entwickeln. Auch der Brexit wird unsere politische Öffentlichkeit in Zukunft beeinflussen und wir müssen die Gelegenheit ergreifen, vegan-vegetarische Themen auf die politische Agenda zu bringen.

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Was wollt ihr mit ProVeg UK auf lange Sicht erreichen?

Im Vereinigten Königreich werden sich die ProVeg-Kampagnen vor allem auf die Schaffung eines institutionellen Wandels konzentrieren: Die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Universitäten und Pflegeheimen ist noch stark von Fleisch- und Molkereiprodukten geprägt. Hier möchten wir schmackhafte, pflanzenbasierte Menüvariationen einführen. Das macht bisher noch keine Organisation, was bedeutet, dass ProVeg UK hier besonders effektiv arbeiten kann. Weiterhin werden wir uns auf die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit konzentrieren. Als Journalist plane ich, von nun an regelmäßig in der nationalen Zeitung „The Independent“ über ProVeg zu schreiben. Wir sind bestrebt, ProVeg als führende Organisation für Veggie-Themen im Vereinigten Königreich zu etablieren, indem wir uns aktiv in die öffentliche Debatte einmischen und unser starkes Netzwerk nutzen.

Zephie, was kannst du uns in puncto vegan essen im Vereinigten Königreich empfehlen?

Es gibt eine Fülle von Orten, an denen nicht nur Veggies satt und glücklich werden. Von veganem Fast Food wie „Fish and Chips“ (dem Leibgericht der Engländerinnen und Engländer) über gebratenes Veggie-Hühnchen im Temple of Seitan in London oder pflanzliche Burger und Milchshakes bei V Rev Manchester bis hin zur Gourmet-Gastronomie im außergewöhnlichen Terre à Terre in Brighton und Londons Vanilla Black bleiben keine Wünsche offen. In Schottland gilt beispielsweise Glasgow als vegane Hochburg. Wir freuen uns sehr, dass die Veggie-Bewegung im Vereinigten Königreich boomt. Es gibt immer mehr vegane Restaurants, aber auch viele der Streetfood-Ketten bieten pflanzliche Optionen. Vor Kurzem hat zum Beispiel Pizza Express seine neue vegane Käsepizza präsentiert.

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Was ist bislang euer größter Erfolg?

ProVeg UK ist erst seit ein paar Monaten aktiv, aber wir haben schon viel erreicht. Mit Dr. Melanie Joy und Tobias Leenaert organisierten wir ein fantastisches CEVA-Training, das inspirierend für alle Teilnehmenden war und Menschen aus dem ganzen Land zusammengebracht hat, um effektiver für die Veggie-Bewegung zu arbeiten. Auch die erste VeggieWorld in London verlief großartig. Unser bisher größter Erfolg war ein Treffen mit allen britischen Tierrechtsgruppen, bei dem wir unsere Zukunftspläne vorgestellt und diskutiert haben, wie wir am besten zusammenarbeiten können. Es war ein monumentales Ereignis, das noch nie zuvor im Vereinigten Königreich stattgefunden hat. Die daraufhin ins Leben gerufene gemeinsame Kampagne „United Against Dairy“ am Weltmilchtag (1. Juni) hat Hunderttausende von Menschen erreicht.

Julia Aumüller

Autorin

Julia Aumüller

Assistentin der Geschäftsführung