ProVeg Südafrika stellt sich vor

Für Veggies in Südafrika gibt es außerhalb der großen Städte wie Kapstadt und Johannesburg kaum pflanzliche Optionen in Restaurants. ProVeg Südafrika will das ändern und entwickelt Kampagnen, welche die Vorteile einer vegetarisch-veganen Lebensweise aufzeigen. Erfahren Sie mehr über das Team und dessen Projekte.

Donovan Will ernährt sich seit 2014 vegan und wurde noch im selben Jahr Teil von Vegilicious, einer Nichtregierungsorganisation (NGO) in Kapstadt, die sich der Verbreitung der veganen Lebensweise verschrieben hat. Als Markenbotschafter arbeitete Donovan nebenbei für das Unternehmen Fry Family Food, das pflanzliche Alternativen zu Fleisch herstellt. Neben Ernährung interessiert er sich für Sport und Psychologie, was sich sehr gut mit seinem Lebensstil vereinbaren lässt.

Muriel Argent studierte Klimawandel und nachhaltige Entwicklung an der Universität Kapstadt. Schnell realisierte sie jedoch, dass sie ihre Zeit lieber mit den Dingen verbringen wollte, die sie am meisten inspirieren: dem Tanzstil Lindy Hop und der Verbreitung der veganen Lebensweise. 2012 gründete sie Vegilicious und setzt sich seitdem aktiv für die Verbreitung der Veggie-Lebensweise ein. Außerdem unterrichtet sie Lindy Hop und organisiert seit 2015 ein internationales Swingtanzfestival.

Wie verbreitet ist der vegan-vegetarische Lebensstil in Südafrika und wie wird er von der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Donovan: Der vegetarische und besonders der vegane Lebensstil sind in Südafrika nicht allzu sehr verbreitet. Es gibt aber Städte wie Kapstadt, in denen die Bewegung sehr fortgeschritten ist. In den großen Ballungszentren werden Veganismus und eine gesunde Lebensweise immer mehr Teil des Mainstreams. Als ein fleischliebendes Land ist die allgemeine Einstellung zum vegan-vegetarischen Lebensstil jedoch nicht gerade positiv.

Woran arbeitet ihr im Moment?

Donovan: Unser Hauptaugenmerk liegt momentan auf der Umwandlung von Vegilicious zu ProVeg Südafrika, wobei wir die Basisarbeit mit der Community, die Vegilicious in den letzten Jahren geleistet hat, fortsetzen. Außerdem bauen wir unsere Präsenz in den sozialen Netzwerken sowie unsere PR-Arbeit in Südafrika aus, indem wir an nationalen und internationalen Kampagnen arbeiten. Wir möchten ebenfalls unsere Zusammenarbeit mit den Freiwilligen festigen. Darüber hinaus suchen wir nach mehr Möglichkeiten, mit anderen NGOs und Unternehmen in Südafrika zusammenzuarbeiten, die in relevanten Bereichen tätig sind.

Was wollt ihr mit ProVeg in Südafrika auf lange Sicht erreichen?

Donovan: Bei unserem letzten Besuch in Berlin waren wir sehr begeistert von dem, was im dortigen ProVeg-Büro geleistet wird. Deswegen möchte ich, dass sich ProVeg Südafrika zu einer effektiveren und effizienteren Organisation entwickelt, die dabei hilft, Südafrika in eine pflanzliche Zukunft zu bringen. Ich wünsche mir, dass ProVeg Südafrika dazu beiträgt, die Menschen und Organisationen in Südafrika miteinander zu verbinden, die sich für eine nachhaltige Welt einsetzen und die konstruktive Partnerschaften mit Regierungen, Medien und Unternehmen eingehen. Langfristig ist es unsere Mission, eine Strategie zu entwickeln, um die ProVeg-Botschaft möglichst effektiv in ganz Afrika zu verbreiten.

Dieses Jahr wurde Vegilicious zu ProVeg. Was heißt das für euch?

Muriel: Für mich persönlich ist das eine sehr bedeutende Veränderung. Seit der Gründung von Vegilicious, als kleiner Studierendenverein an der Universität Kapstadt, habe ich mich dort engagiert. Für mich war es immer ein Herzensprojekt. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Während ein Teil von mir traurig ist, sich von meinem kleinen lokalen Projekt zu verabschieden, bin ich überglücklich, dass wir Teil der weltweiten Organisation ProVeg werden. Es ist eine Ehre, die Arbeit, die wir bisher geleistet haben, in ein Projekt einbringen zu können, das einen viel größeren Einfluss hat.

Was kannst du in puncto veganes Essen und vegane Restaurants in Südafrika empfehlen?

Muriel: In den letzten Jahren hat sich die kulinarische Landschaft Kapstadts extrem verändert und ist ziemlich vegan-freundlich geworden – sogar im Vergleich zu Europa, abgesehen von Berlin natürlich. Vor einigen Jahren gab es noch kein einziges komplett veganes Restaurant hier und Kellnerinnen und Kellner haben nicht einmal verstanden, wenn nach Sojamilch gefragt wurde. Im Gegensatz dazu haben wir heute 5 vegane Restaurants und so gut wie jeder Gastronomiebetrieb führt Soja- oder Mandelmilch. Die meisten Restaurants haben vegane Optionen oder sind bereit, etwas Veganes zusammenzustellen. Meine Favoriten sind Lekker Vegan und The Hungry Herbivore. Der Rest des Landes hat leider Nachholbedarf, aber ich habe viel Gutes über das Leafy Greens Café in Johannesburg und das Chilliplum in Durban gehört.

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Inwiefern unterscheidet sich der Ansatz von ProVeg von anderen NGOs, die in Südafrika tätig sind?

Muriel: Dass eine Organisation wie ProVeg nach Südafrika kommt, bringt frischen Wind mit sich. Mit einer internationalen NGO verbunden zu sein, die sich durch strategische, effiziente und transparente Arbeit in diesem Sektor auszeichnet, ist ein seltenes Privileg. ProVeg ist die einzige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Bewusstsein für die vegane Ernährung zu schaffen und eine pflanzliche Lebensweise als Multiproblemlöser in unserer Gesellschaft zu etablieren. Darüber hinaus bin ich besonders froh, dass es bei ProVeg ein Bewusstsein für Intersektionalität (Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person) und Vielfalt gibt – das ist in anderen Organisationen nicht unbedingt erkennbar. Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft für den Lebensmittelsektor in Südafrika dank dem Einfluss von ProVeg bringen wird!

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Eileen Valy