ProVeg Spanien stellt sich vor

(von links nach rechts: Celeste Rodríguez, Cristina Rodrigo und Gero Schomaker)

ProVeg Spanien hat sich das Ziel gesetzt, die vegan-vegetarische Lebensweise dem spanischen Mainstream näherzubringen. Obwohl das Land auf einem guten Weg ist, hat das Team um Gero Schomaker noch viel Arbeit vor sich. Wie die Aufgaben unserer Aktivistinnen und Aktivisten im Detail aussehen, erfahren sie in diesem Interview.

Gero Schomaker ist Country Director bei ProVeg Spanien. Seit Anfang 2016 unterstützt er ProVeg bei der Schaffung von Strukturen in der Internationalisierung. Er ist davon überzeugt, dass es kaum Themen gibt, die so viel Potenzial für eine bessere Welt in sich tragen wie die Umstellung auf eine pflanzliche Lebensweise. Die Kommunikations- und Projektmanagerin des Teams, Cristina Rodrigo, verfolgt das Ziel, einen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten. Seit sieben Jahren ist die gebürtige Spanierin Aktivistin und Veganerin. Ihre Kollegin Celeste Rodríguez hat die letzten vier Jahre im Nahen Osten verbracht, wo sie einige der bedeutendsten Wohltätigkeitsveranstaltungen in Kuwait organisiert hat. Nun ist sie Eventmanagerin bei ProVeg Spanien.

Gero, wie groß ist die vegetarisch-vegane Bewegung in Spanien?

Fußläufig von meiner Wohnung in Madrid gibt es zehn komplett vegane Restaurants, Cafés und Geschäfte. Von „deutschen Verhältnissen“ sind wir aber derzeit noch weit entfernt. Laut einer repräsentativen Studie von 2017 leben lediglich 0,2 % der Spanierinnen und Spanier vegan. Hinzu kommen 1,3 % vegetarisch und 6,5 % flexitarisch lebende Menschen. In Deutschland liegt der Prozentsatz in jeder Kategorie etwa fünfmal höher: Allein in Berlin leben so viele Veganerinnen und Veganer wie in ganz Spanien. In Spanien glaubt noch immer ein Großteil der Bevölkerung, dass es lebensgefährlich sei, kein Fleisch zu essen. Genau da setzt ProVeg an.

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Was wollt ihr mit ProVeg Spanien auf lange Sicht erreichen?

Die größte Herausforderung in Spanien ist der Status der Veggie-Bewegung insgesamt. Pflanzlich zu leben, ist noch nicht im Mainstream angekommen. Ziel von ProVeg Spanien ist, die „Go-to-Institution“ für die vegan-vegetarische Bewegung für Verbraucherinnen und Verbraucher, Medien, Regierungsinstitutionen, andere NGOs und Unternehmen in Spanien zu werden. Durch gut recherchierte und wissenschaftlich fundierte Informationen über die pflanzliche Lebensweise wollen wir mit Vorurteilen aufräumen und die vielen positiven Aspekte einer pflanzlichen Lebensweise im Bewusstsein der Spanierinnen und Spanier verankern. Essenziell wird die Umsetzung vieler bewährter Projekte aus Deutschland sein. Natürlich haben wir dabei immer auch den lokalen Kontext im Hinterkopf und passen alle Aktivitäten an spezifische kulturelle Gegebenheiten an.

Cristina, was kannst du uns in puncto veganes Essen in Spanien empfehlen und wie hat sich dort die Veggie-Landschaft in den letzten Jahren verändert?

Glücklicherweise hat die pflanzliche Ernährung in Spanien in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, um sicherzustellen, dass die großen Supermarkt- und Restaurantketten mehr Veggie-Alternativen anbieten, sehen wir doch, dass die Nachfrage nach veganen Produkten zunimmt. Darüber hinaus werden sich vegetarisch und vegan lebende Menschen, die nach Spanien kommen, freuen, dass die landestypischen Gerichte in vielen Regionen hauptsächlich aus Gemüse bestehen: gegrilltes Gemüse, Fritada (spanisches Ratatouille), Gazpacho, Ofenkartoffeln mit Salsa …

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Was ist bislang euer größter Erfolg?

Der größte Erfolg für ProVeg Spanien war die VeggieWorld 2017 in Barcelona: Mehr als 5.500 Menschen sind gekommen. Das Gefühl, die erste professionelle Veggie-Messe Spaniens in einer ehemaligen Stierkampfarena zu veranstalten, war unbeschreiblich. Die Medienresonanz war ebenfalls großartig und wir nutzten die Gelegenheit, um der Welt zu zeigen, wie reichhaltig, gesund und schmackhaft der pflanzliche Lebensstil ist.

Celeste, wie unterscheidet sich ProVeg von anderen NGOs?

ProVeg unterscheidet sich von anderen NGOs, weil wir uns auf fünf Aspekte konzentrieren anstatt uns auf ein Thema zu beschränken. Es gibt in Spanien keine Ernährungsorganisation dieser Art. Die Events, die ich früher für andere Organisationen veranstaltet habe, erreichten nur eine kleine Gruppe von Einzelpersonen. ProVeg ist die erste Organisation, die es mir erlaubt, meine Fähigkeiten als Eventmanagerin in den Dienst einer großen Sache zu stellen: der Verringerung des weltweiten Tierkonsums. Auf diese Weise helfe ich nicht nur Menschen, sondern allen Lebewesen und unserem ganzen Planeten!

Woran arbeitest du im Moment?

Ich bereite aktuell den ersten CEVA-Workshop in Spanien für Aktive vor. Gleichzeitig arbeiten wir an der Organisation von zwei VeggieWorld-Messen für 2018 – zusätzlich zu anderen Veranstaltungen, in denen ProVeg Spanien involviert sein wird.

Julia Aumüller