Los Veganeros: Actionkomödie über die vegane Bewegung

Los Veganeros: Aktionkomödie über die vegane Bewegung

Üblicherweise behandeln Dokumentarfilme das Thema Ernährung und Massentierhaltung auf einer sachlichen Ebene. Der Film „Los Veganeros“ wählt einen anderen Weg.

Die 94-jährige Umweltaktivistin Alma schart über Zeitungsannoncen eine Gruppe junger Gleichgesinnter um sich. Der örtliche Schweinemäster wird entführt und die Veganerin Vicky verliebt sich in einen passionierten Fleischesser.

Regisseur Lars Oppermann und sein Team haben in Rekordzeit von knapp 14 Monaten einen Spielfilm über die vegane Bewegung fertiggestellt und in die Kinos gebracht. 140 Laiendarsteller, aber auch etablierte Schauspieler wie Rosalie Wolff, Inez Bjørg David, Nils Brunkhorst oder Ulas Kilic konnte der Filmemacher für das Projekt gewinnen. Gedreht wurde in und um Hannover. Der Film feierte auf dem Green Me Filmfestival in Berlin Premiere. Seit 20. März läuft er in den Kinos.

„Los Veganeros“ klingt nach Guerilla. Ist der Film kämpferisch?

Lars Oppermann: Wir nennen es Dramödie. Der Film ist Entertainment und Kampfansage zugleich. Die witzigen Dialoge führen den Zuschauern vor Augen, wie skurril die Argumente der Fleischesser sind. Wir überspitzen die Wirklichkeit, um den realen Wahnsinn zu zeigen. Das Publikum lacht, aber die Message bleibt hängen. „Los Veganeros“ ist übrigens das Restaurant, in dem sich die Aktivisten im Film regelmäßig treffen.

Rosalie Wolff: Was die Geschichte ausmacht: Sie ist nicht nur radikal. Es gibt extrem lustige Szenen, die Figuren sind sympathisch, man ist auf ihrer Seite, auch wenn man kein Veganer ist. Wir zeigen die Menschen hinter den Aktivisten – da verzeiht man ihnen auch krasse Aktionen.

Wie kam es zu der Idee?

Lars Oppermann: Der Kameramann Andreas Barthel fragte mich, ob ich ihm ein Drehbuch für einen Action-Film schreiben könnte, und ich sagte ihm direkt ab. Daraufhin bot er mir freie Themenwahl an. Da war ich dabei, weil ich schon länger etwas über die Absurdität der Massentierhaltung machen wollte. Ich habe sofort mit dem Drehbuch angefangen, wir haben 1.000 Dinge gleichzeitig gemacht und ein gutes Jahr später war der Film fertig.

Rosalie Wolff: Ich war von meiner Rolle der „Vicky“ und der Filmidee auf Anhieb begeistert und habe zugesagt, obwohl das Drehbuch noch gar nicht fertig war.

Die Protagonistin Vicky ist eine junge vegane Tierschützerin, superengagiert und nicht zu bremsen. Konnten Sie sich mit ihr identifizieren?

Rosalie Wolff: Ich bin schon lange in der Szene aktiv, aber eher eine ruhige Kämpferin für die vegane Lebensweise, nicht ganz so radikal wie Vicky. Die Idee, mit einem Spielfilm anderen Menschen die Augen zu öffnen, hat mich sofort überzeugt.

Lars Oppermann: Genau das soll der Film machen: Die Tierschützer motivieren, für ihre Überzeugungen aufzustehen, also die Vicky in uns wecken. Und allen anderen die Augen öffnen.

Lars Oppermann

Zum Augenöffnen gibt es ja schon eine Reihe von Dokumentarfilmen.

Lars Oppermann: Natürlich – und auch sehr gute. Ich selbst wurde zum Beispiel durch die Dokumentation „Earthlings“ quasi über Nacht zum Vegetarier und später dann vegan. Aber bei vielen Menschen funktioniert die sachliche Darstellung nicht. Sie schalten nach 10 Minuten ab, weil sie es nicht ertragen können. Wir haben die Tatsachen anders verpackt, der Unterhaltungsfaktor öffnet die Herzen der Leute und sie bleiben dran.

Rosalie Wolff: Wer vegan lebt wie ich, hat bestimmt jede der Diskussionen schon hinter sich. Aber letztendlich drehen sich diese Gespräche immer im Kreis. Der Film ist da ein neuer Ansatz, in die Debatte einzusteigen. Das Thema ist für mich eine Herzensangelegenheit. Bei anderen Produktionen hat man kein Mitspracherecht – Fleisch am Tisch ist nicht zu verhindern. Immerhin schaffe ich es, dass ich es dann nicht auch noch essen muss.

Wie haben Sie das Projekt finanziert?

Lars Oppermann: Wir wollten unabhängig bleiben, das heißt, ohne Filmförderung oder Produktionsfirma auskommen. Nur so war es möglich, unser Anliegen so darzustellen, wie wir es wollten. Finanziert haben wir das Projekt über Sponsoren, 25.000 Euro sind so zusammengekommen. Das Budget ging komplett für Technik und Equipment drauf, alle Mitwirkenden haben auf Gage verzichtet.

Trotzdem ist es fast unmöglich, mit 25.000 Euro einen Kinofilm zu produzieren.

Lars Oppermann: Es sind nun mal keine Hollywood-Verhältnisse, andere Produktionen haben mehr Budget fürs Catering als wir für den ganzen Film. Das sieht man natürlich auch an der einen oder anderen Stelle.

Rosalie Wolff: Aber dafür ist er echt super geworden! Und es ist tatsächlich ein Kinofilm, was uns unfassbar stolz macht. Es war zwar von Anfang an der Plan, aber ob er tatsächlich in die Kinos kommt, war nie sicher.

Wie haben Sie das geschafft?

Lars Oppermann: Da wir wie gesagt ohne Verleih arbeiten, akquirieren wir die Kinos selbst. Wir rufen dort an und stellen den Film vor. Einige Kinobetreiber sind skeptisch und zeigen ihn nur auf Kommission, das heißt, wir müssen die Differenz zahlen, wenn das Kino nicht voll wird. Andere sind offener, weil sie von Leuten aus der Szene schon danach gefragt wurden.

Wer soll sich den Film ansehen?

Lars Oppermann: Die Message soll natürlich die klassischen Fleischesser erreichen. Ich denke aber, dass es die Veggies sein werden, die ihre fleischessenden Freunde mitnehmen. Und wenn die sich gut unterhalten fühlen, wird es vielleicht eine Welle – das wäre mein Traum. Wir haben den Film im Januar im Vorlauf der Berlinale auf dem Green Me Filmfestival gezeigt. Er kam gut an und es war toll, in so einem Umfeld vertreten zu sein. Aber jenseits der messbaren Erfolge ist es schon jetzt ein sehr schönes Gefühl, einfach mal eine Hommage an alle Veganer und Vegetarier verfilmt zu haben, die jeden Tag aufs Neue mit der Wahl ihres Essens das richtige Zeichen setzen.

Mehr Informationen und Kinotermine unter www.losveganeros.de.

Bettina Paul