Johanna Jahnke im Interview – Pflanzenpower mal drei

Johanna Jahnke im Interview - Pflanzenpower mal drei Bildquelle: Günther Bauer / SportART

Johanna Jahnke ist eine international erfahrene Rugbyspielerin. Die junge Mutter von Lasse und Mia ist mit ihrer Frauschaft von St. Pauli bereits mehrmals „Deutsche Meisterin“ geworden. Wie sieht ihr Leben als vegan erziehende Mutter aus? Wir haben nachgefragt.

In Frankreich gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, wie viel tierisches Protein (Eiweiß) eine Mahlzeit in Schulkantinen enthalten muss. Was hältst du als vegan lebende Mutter davon?

Es ist tatsächlich so, dass die französische Regierung ein Gesetz erlassen hat, das genau vorschreibt, wie das Essen in Schulkantinen zusammengesetzt sein muss. Der Fett- und Zuckeranteil einer Mahlzeit ist darin ebenso festgelegt worden wie die Menge an tierischen Proteinen, die ein Gericht enthalten soll. Diese wiederum müssen zu einem bestimmten Prozentsatz aus Fleisch bestehen. Begründet wird das Ganze damit, dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung nur durch regelmäßigen Verzehr von Tierprodukten wie Kuhmilch, Eier und Fleisch möglich ist.
Dass das totaler Humbug ist, hat unlängst sogar die Academy of Nutrition and Dietetics (A.N.D.), ehemals American Dietetic Association (ADA), bestätigt. Eine gut geplante vegetarische oder vegane Ernährung, so die größte Ernährungsorganisation der Welt, sei in jeder Lebensphase möglich – auch während der Schwangerschaft, der Stillzeit, im Säuglingsalter und in der Kindheit.

Was antwortest du, wenn du gefragt wirst, warum du mit deiner Familie vegan lebst?

Ich werde, ehrlich gesagt, selten auf mein veganes Leben angesprochen. Es scheint so, als sei es schon fast normal, vegan zu leben, wie es normal ist, vegetarisch zu leben. Das liegt sicher auch daran, dass wir in einer Großstadt leben und ich mich in fortschrittlich denkenden Kreisen bewege. Ob das so gut für die Kleinen sei, dass sie von Geburt an vegan sind, fragen sich allerdings einige. Ich stehe hundertprozentig hinter meiner Lebensweise, sowohl in ethischer wie auch gesundheitlicher Hinsicht. Da wäre es doch ehrlich gesagt ziemlich absurd, meine Kinder anders als mich selbst zu ernähren.

Wie sieht die Ernährung bei deinen Kindern ganz konkret aus?

Ich lege sehr viel Wert auf qualitativ hochwertiges Essen und, soweit möglich, kaufe ich alles aus biologischer Herstellung. Ebenso achte ich darauf, nicht alles „tot“ zu kochen, sondern versuche auch einen großen Teil roh zuzubereiten, denn je unverarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto mehr Nährstoffe bleiben erhalten. Meine Kinder entscheiden in der Regel mit, was wir essen, und helfen gerne beim Kochen. Nach meiner Erfahrung wissen Kinder meistens selbst ganz gut, was ihr Körper gerade braucht, und sie wählen das Obst oder Gemüse genau danach aus – wenn man sie lässt. Zusätzlich verwenden wir mit Kalzium angereicherte Reismilch, Lein- oder Rapsöl für die Omega-3-Versorgung sowie eine Substitution von Vitamin B12 und Vitamin D.

Was bedeutet es für dich, vegan zu leben?

Ein veganes Leben bedeutet für mich nicht nur vegan zu essen, sondern auch in anderen Bereichen Entscheidungen gegen Tierausbeutung zu treffen. Ich trage statt Leder Lederimitate oder Stoff. Statt Wolle wärmt mich Kleidung aus Fleece. Und Kosmetik ist bei mir nicht an Tieren getestet und enthält auch keinerlei tierliche Inhaltsstoffe. Gerade Kinderschuhe zum Beispiel sind so ein Thema. Vor allem die ganz kleinen Größen sind sehr schwer vegan zu bekommen. Zumindest wenn man Wert auf gute Qualität legt. In gleichem Maße lehne ich aber auch die Ausbeutung von Menschen ab und versuche deswegen beim Einkaufen, den Fairtrade-Aspekt zu beachten. Nur weil ein Produkt vegan ist, heißt das nicht gleich, dass die Bedingungen, unter denen es hergestellt wurde, auch in Ordnung waren. Ich finde, dass es wichtig ist, auch über den veganen Tellerrand hinauszuschauen und – im Rahmen der eigenen zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten – nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

Was sagen deine Kinder dazu?

Lasse und Mia sind aufgeweckte Menschen. In der Kita (Kindertagesstätte) bekommen sie veganes Essen und sind deswegen weder Außenseiter noch Sonderlinge. Ganz im Gegenteil: Es gab sogar schon Kinder, die ebenfalls vegan werden wollten!

Inwiefern mein Sohn als Kleinkind verstehen konnte, warum wir vegan sind, ist schwer zu sagen. Ich meine mal gelesen zu haben, dass Kinder erst relativ spät, also mit acht oder neun Jahren, wirklich in der Lage sind, bestimmte Zusammenhänge zu erkennen. Natürlich wusste er, dass man Tiere erst töten muss, um sie essen zu können, und das lehnte er ab. Irgendwann habe ich mitbekommen, dass er zu seiner Freundin sagte, dass Fleischesser böse Menschen seien. Das haben wir ihm nie so gesagt. Was Massentierhaltung in Tierfabriken bedeutet, das war für ihn natürlich nicht nachvollziehbar. Meine Tochter Mia verstand mit zwei Jahren eigentlich nur, dass sie bestimmte Sachen isst und andere halt nicht. Das schien sie aber nicht weiter zu stören. Sie kannte es auch nur so. Ich mache aus unserem veganen Lebensstil kein großes Tamtam. Wenn bestimmte Themen aufkommen, dann spreche ich mit den Kindern darüber und versuche, ihre Fragen zu beantworten. In unserem Regal stehen einige sehr schöne Bilderbücher, die mir dabei helfen, wie zum Beispiel „Warum wir keine Tiere essen“ von Ruby Roth. Auch sehr empfehlenswert ist „Baby Dronte“ von Peter Schössow. Das Buch ist wunderbar illustriert und handelt von einem Kapitän, der im Hamburger Hafen ein Drontenei findet. Um sein Schiff zu retten, verkauft er die geschlüpfte Dronte (der Dodo/die Dronte war ein flugunfähiger Vogel, der mittlerweile ausgestorben ist), gegen den Willen seiner Besatzung, an Wissenschaftler. Später entdeckt er sein Herz und befreit sie aus dem Zoo.

Ihr seid Stadtmenschen, wie ist da eure Beziehung zu Tieren?

Wir haben die üblichen Stadttiere um uns wie Hunde, Katzen, Enten und Tauben. Meine Kinder sind ganz verrückt danach und begegnen ihnen mit großem Respekt. Um ihnen allerdings auch die Möglichkeit zu geben, andere Tiere kennenzulernen, sind wir schon einmal auf einem Lebenshof (umgangssprachlich „Gnadenhof“) gewesen. Dieser Ort des friedlichen Miteinanders von Mensch und Tier ist genau das, was ich meinen Kindern zeigen möchte.

Inwieweit schränkst du dich und deine Kinder durch euren Lebensstil ein?

Meine Kinder sind eigentlich ganz normale Kinder, mit der Ausnahme, dass sie vegan essen. Sie sind dadurch bisher in keiner Weise eingeschränkt gewesen. Der Vorteil in einer großen Stadt wie Hamburg ist, dass es hier inzwischen ein enormes Angebot an veganen Alternativen gibt. Unsere Eisdiele führt hausgemachtes, veganes Sojaeis, das sehr köstlich schmeckt, und in 99 Prozent der Cafés in unserem Viertel gibt es Sojamilchschaum und vegane Kekse haben immer mehr im Schrank. Ich behaupte, dass es keinen Bereich gibt, in dem die beiden bisher irgendwelche Nachteile gehabt haben oder sich einschränken mussten – auch wenn wir nicht in den Zoo gehen.

Was esst ihr am liebsten?

Ich selbst esse zu jeder Mahlzeit einen großen Salat, danach bin ich richtig süchtig. Die Kinder lieben Pizza, Lasagne und Suppen. Außerdem essen sie sehr viel Obst, am liebsten Melone und Mango. Die Großeltern meiner Kinder sind gerade der Meinung, dass sie besonders proteinreiche Mahlzeiten zubereiten müssten. Da habe ich nichts dagegen einzuwenden, solange das, was sie auftischen, vegan ist.

Hast du ein bestimmtes Lebensmotto?

Ich versuche, geistig flexibel zu bleiben und die Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffe, regelmäßig zu überdenken. Wichtig ist mir dabei, Menschen und Tieren respektvoll zu begegnen und möglichst nachhaltig zu denken und zu agieren.