Interview mit Anna-Lena Klapp, Autorin von „Vegane Süßigkeiten“

interview-anna-lena klapp Anna-Lena Klapp / Copyright: Eva-Seidel-Fotografie

Die vegane Bloggerin Anna-Lena Klapp veröffentlicht regelmäßig Texte zum Thema pflanzenbasierte Ernährung im VEBU-Magazin und auf der Webseite des VEBU. Jetzt hat die Ernährungswissenschaftlerin ihr erstes veganes Backbuch herausgebracht.

Anna-Lena, woher kommt die Begeisterung für das Thema vegane Lebensweise?

Diese Begeisterung kommt aus einem großen Sinn für Gerechtigkeit und einer ordentlichen Portion Leidenschaft für gutes Essen. Als ich begann, mich näher mit meiner Ernährung und deren Auswirkung auf Mensch, Tier und Umwelt auseinanderzusetzen, ist mir bewusst geworden, dass hier etwas gewaltig schiefläuft. Ich begann, zu bloggen, organisierte Infostände und nahm an Demonstrationen teil. Irgendwann jedoch kam ich argumentativ an meine Grenzen und wollte mir ein fundiertes Wissen aufbauen. Ich kündigte meinen Job in einer Werbeagentur und begann, Ernährungswissenschaften zu studieren. Ein Schritt, den ich nie bereut habe. Als Bloggerin und Autorin kann ich nun mein Wissen einer breiten Masse zugänglich machen und ein größeres Bewusstsein für eine pflanzenbasierte Ernährung schaffen. Gerade mit meinem Buch „Vegane Süßigkeiten – Klassiker zum Selbermachen“ will ich zeigen, wie viel Spaß die vegane Ernährung machen kann und mit kreativen Rezepten die Leser inspirieren.

Was war für dich eine wichtige Erkenntnis aus deinem Studium?

Eine wichtige Erkenntnis war, dass unsere Ernährungsweise und auch unser Geschmack in erster Linie kulturell geprägt und etwas Anerzogenes sind. Wir denken immer, die Lebensmittelauswahl sei eine rein logische Entscheidung, in Wirklichkeit spielen aber Erziehung und Kultur eine viel größere Rolle.

Das klingt interessant, hast du ein Beispiel dafür?

In Deutschland wird hauptsächlich Rindfleisch, Schweinefleisch und Geflügelfleisch gegessen. Als 2013 allerdings Pferde- statt Rindfleisch in vielen Fertigprodukten entdeckt wurde, war die Öffentlichkeit geschockt. Ernährungsphysiologisch ist an Pferdefleisch nichts auszusetzen, dennoch empfinden es viele als abstoßend, ein Pferd zu essen. Diese sogenannten Nahrungstabus folgen keiner unmittelbaren Logik, sondern sind historisch bedingt. Mit Beginn des Ackerbaus wurden in Europa Tiere von der Speisekarte genommen, die dem Menschen besonders nützlich waren, wie zum Beispiel das Pferd. Pferde stellten ein wichtiges Arbeitsmittel dar und wurden auch zu Kriegszwecken genutzt. Diese Tabus wirken bis heute nach. Wir begründen vieles mit „Natürlichkeit“, werden aber von kulturellen Einflüssen entscheidend gesteuert. Diese Erkenntnis macht es einfacher, Menschen andere Sichtweisen wie die vegane Lebensweise näherzubringen. Die Leute beginnen, ihr eigenes Handeln infrage zu stellen, und erkennen, dass eben doch nicht alles so frei gewählt und natürlich ist wie gedacht.

Was ist deiner Meinung nach der beste Weg, Menschen eine vegane Lebensweise näherzubringen?

Den Menschen in meinem Umfeld konnte ich die vegane Lebensweise bisher immer am besten mit selbst gemachten Leckereien näherbringen. So können Vorurteile am einfachsten abgebaut und Begeisterung für etwas Neues geweckt werden. Größer gedacht ist es unglaublich wichtig, in Supermärkten, Restaurants, Mensen und Kantinen das vegane Angebot stetig zu erweitern. Daher engagiere ich mich auch für Organisationen wie den VEBU, die sich genau dafür einsetzen.

In deinem Buch geht es um vegane Süßigkeiten. Warum hast du gerade dieses Thema ausgewählt?

Im Duden könnte beim Wort „Naschkatze“ ein Bild von mir abgedruckt werden. Ich liebe Süßigkeiten in allen Varianten. Als ich Veganerin wurde, kamen für mich jedoch viele liebgewonnene Produkte bekannter Süßwarenhersteller nicht mehr infrage. Sie enthalten schließlich tierische Zutaten wie Milch, Butter, Ei oder Gelatine. Ich überlegte, wie ich diese Süßigkeiten selbst herstellen könnte, und entwickelte nach und nach die passenden Rezepte. Die Begeisterung meiner Leser war riesig, als ich die ersten Ergebnisse auf meinem Blog präsentierte. Ich hatte das Gefühl, einen Nerv getroffen zu haben, und so entstand die Idee für mein erstes Buch „Vegane Süßigkeiten – Klassiker zum Selbermachen“. Eine Sammlung veganer Rezepte, mit der man ab sofort „Hanuta“, „Kinderschokolade“, „After Eight“ oder „Mozartkugeln“ selbst machen kann.

Sollte man aus ernährungswissenschaftlicher Sicht nicht besser auf Süßigkeiten verzichten?

Dass der allgemeine Zuckerkonsum angesichts der steigenden Zahlen ernährungsmitbedingter Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes gesenkt werden muss, steht außer Frage. Viele schießen aber meiner Meinung nach über das Ziel hinaus. Es gibt die Erkenntnis, dass die Menschen nach Jahrzehnten der Ernährungsaufklärung eigentlich noch genauso wie zuvor essen, allerdings tun sie es nun mit schlechtem Gewissen. Wenn ich diese übermotivierten Ernährungsberater sehe, die predigen, komplett auf Fett, Zucker und andere Kohlenhydrate zu verzichten, kann ich nur die Augen verdrehen. Ein Leben in Askese kommt für mich nicht infrage. Ich plädiere für einen bewussten Genuss und dafür, dass sich jeder in seinem Körper wohlfühlen darf.

Welche Einkaufstipps hast du beim Thema Süßigkeiten für Neu-Veganer ?

Zunächst einmal: Selbstgemachtes schmeckt am besten. Aber zur Freude aller Naschkatzen gibt es mittlerweile auch eine breite Palette an veganen Süßigkeiten in Supermärkten, Bioläden und Drogerien. Viele Hersteller kennzeichnen ihre Produkte mit dem V-Label als vegan, das erleichtert den Einkauf ungemein. Denn auf der Zutatenliste gibt es Wörter wie „Milchsäure“, die für Verunsicherung sorgen können. Der Begriff ist zunächst sehr irreführend, denn Milchsäure ist nicht ausschließlich in Tiermilch enthalten. Sie entsteht beim sogenannten Vergärungsprozess, wenn Bakterien Zucker abbauen. Aus diesem Grund enthält zum Beispiel auch Sauerkraut von Natur aus Milchsäure. Sie kann also vegan sein, was sie in den meisten Fällen auch ist. Ein guter Tipp, den ich hier geben kann: Im Zweifelsfall einfach eine kurze Anfrage an den Hersteller senden. Ich habe bisher fast immer nette und hilfsbereite Antworten erhalten.

Verrätst du uns noch, welche Süßigkeiten aus deinem Buch besonders leicht nachzumachen sind und woran sich die Profis versuchen können?

Ich habe versucht, alle Rezepte so einfach wie möglich zu gestalten. Als besonders einfach würde ich aber die „Haselnuss-Sandwiches“ und die „Peanut-Butter-Cups“ einstufen. Beide Rezepte benötigen nur wenige Zutaten und sind schnell zubereitet. Sie orientieren sich an den Markenprodukten „Hanuta“ und „Reeses“. Etwas aufwändiger sind die „Elvis Biskuitrollen“. Sie bestehen aus einem veganen Biskuitboden, der mit einer veganen Sahnecreme gefüllt und eingerollt wird. Anschließend wird alles noch mit einer veganen Vollmilchschokolade umhüllt. Dieses Rezept orientiert sich am Klassiker „Milka Tender“. Außerdem war es mir bei den Rezepten wichtig, dass die meisten Zutaten im Supermarkt erhältlich sind.

  • Vegane Schokoküsse

    Ein zuckersüßer Schaum umhüllt von knackiger Schokolade. Vegane Schokoküsse werden auf der Basis von Aquafaba hergestellt, einer rein pflanzlichen, selbst gemachten Eischnee-Alternative.
    Zum Rezept…

  • Vegane Toffifee

    Vegane Toffifee selber machen – da werden Kindheitserinnerungen wach. Pralinen mit einer knackigen Haselnuss in Karamell, umhüllt von einer Nougatcreme und einem Klecks dunkler Schokolade.
    Zum Rezept…

Das macht große Lust, die Rezepte selbst auszuprobieren! Wie geht es jetzt bei dir weiter?

Ich beende mein Masterstudium und werde mich aller Voraussicht nach für eine Promotion im Bereich Public Health Nutrition bewerben. Parallel werde ich weiterhin als Autorin arbeiten. Ich habe noch viele Ideen, die umgesetzt werden wollen, und das erste Buch war sicherlich nicht das letzte.

  • Anna-Lena Klapp

    Vegane Süßigkeiten

    Klassiker zum Selbermachen
    NeunZehn Verlag 2016,
    64 Seiten, 6,90 €, ISBN 978-3-942491-87-7

Bettina Paul

Autorin

Bettina Paul

Freie Beraterin