HYDROPHIL und die Bambus-Zahnbürste

Hydrophil Team

Mit HYDROPHIL haben Christoph und Sebastian einen Online-Shop ins Leben gerufen, bei dem sich alles um das Thema Nachhaltigkeit dreht. Erfahren Sie mehr über die Jungunternehmer aus Hamburg!

Was hat euch dazu bewogen, ein Business mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit zu starten? Ist euer Unternehmen ein Nebenerwerb oder bestreitet ihr bereits euren Lebensunterhalt damit?

Christoph: Sebastian und ich kennen uns seit dem Wassermarsch von Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. 2008. Daher waren für uns von Anfang an die Themen Nachhaltigkeit und Wasser präsent. Sebastian hat dann irgendwann angefangen, seinen eigenen Blog zu schreiben und als wir auf ein Bier zusammensaßen, kamen die Fragen auf, wie eigentlich wasserneutrale, vegane und faire Produkte hergestellt werden, was dabei wichtig ist und ob das überhaupt alles möglich ist. 
Zu der Zeit habe ich nebenbei mit Freunden das Surfklamotten-Label “Lets Go Surfing clothing” betrieben und selbst Siebdruck gemacht, daher war ich eh schon im Thema nachhaltige Textilien unterwegs. Das hat sich dann alles sehr schnell und gut ergänzt. Und so entstand dann recht flott der kleine Onlineshop, der den Blog ergänzt. Mittlerweile ist HYDROPHIL mein Haupterwerb, alles andere wie z. B. das Projekt “Grüne Minna”, einem veganen Imbisswagen, aus dem Essen gegen Spende für soziale Projekte ausgegeben wird, und das genannte Surflabel haben sich in die Freizeit verschoben.

Sebastian: Ich arbeite seit Oktober 2007 als Bereichsleiter Bildung & Entwicklung für den gemeinnützigen Verein Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. in Hamburg. Der Verein setzt sich mit der Welthungerhilfe gemeinsam dafür ein, dass Menschen in Ländern des globalen Südens den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen ermöglicht wird. In den letzten Monaten ist bei uns die Idee zu HYDROPHIL entstanden. Ein zentraler Punkt unserer Arbeit ist es auch, die Menschen für die Themen Wasser im Allgemeinen sowie vegane und faire Produktion aufzuklären bzw. zu sensibilisieren. Wichtig ist uns hierbei, das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger zu tun, sondern bewusst auf einen Dialog setzten.

Ihr spendet einen Teil eurer Einnahmen direkt an die Wasserinitiative Viva Con Agua. Wie beurteilt ihr die weltweite Ressourcenknappheit von Wasser im Bezug auf die Zukunft und weshalb ist es euch wichtig, auf das Thema aufmerksam zu machen?

Sebastian: Wir spenden bewusst an Viva con Agua, da es unserer Meinung nach nicht sein kann, dass im Jahr 2014 immer noch ca. 780 Millionen Menschen auf der Welt keinen freien Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Das wollen wir ändern und dazu unseren kleinen Teil beitragen.


Christoph: Ein weiterer wichtiger Aspekt: Wasser ist die Grundlage jedes Lebens, genauso wie die Luft zum Atmen. Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, sorgsam mit der Ressource Wasser umzugehen, da es nicht selbstverständlich ist, dass sauberes Trinkwasser aus unserer Leitung kommt. Wasser muss geschützt werden, egal ob es um Verunreinigung, Wasserprivatisierung oder Virtuelles Wasser geht.

Kürzlich hat der VEBU in einem Gewinnspiel auf eure zu 100 % veganen und abbaubaren Bambus-Zahnbürsten aufmerksam gemacht. Wie seid ihr auf die Idee von plastikfreien Zahnbürsten gekommen? Seht ihr eine Notwendigkeit darin, Plastik im Alltag weitestgehend zu vermeiden und sind weitere plastikfreie Produkte in Planung?

Sebastian: Das Thema Plastik ist uns generell auch ein großes Anliegen. Plastik braucht bis zu 500 Jahre, um vollständig zu verrotten. Der Plastikanteil im Meer wird mittlerweile auf 75 % geschätzt. Mit unserer nachhaltigen Zahnbürste aus Bambus wollen wir einen kleinen Beitrag zu einem Umdenken leisten. Ein weiteres Beispiel: In Deutschland gibt der Einzelhandel jedes Jahr ca. 5 Milliarden Plastiktüten heraus. Mit dieser Menge könnte man ca. 39-mal unseren Planeten umwickeln. Wir versuchen, die Menschen dazu zu ermutigen, zum Einkaufen einen Jute-Beutel oder Rucksack mitzunehmen. Wenn das jeder machen würde, könnten wir allein in Deutschland ohne großen Aufwand oder Ausgaben den Plastikmüll stark reduzieren.

Christoph: Langfristig planen wir natürlich weitere plastikfreie Produkte. Das ist aber manchmal echt schwerer als gedacht, da wir ja kein riesiges Unternehmen haben, das eine ganze Produktionskette revolutionieren könnte. In unserem Start-up dauern alle Schritte noch verhältnismäßig lang, aber wir arbeiten stets an neuen Ideen. Als Nächstes gibt es von uns eine Seifen-Serie ohne Plastikpartikel und -verpackung – natürlich wasserneutral, vegan, palmölfrei und fair.

Hydrophil Zahnbürste

Ihr lebt beide selbst vegan bzw. vegetarisch. Welche Rolle spielt ein Nachhaltigkeitsgedanke bei diesen Entscheidungen?

Christoph: Bei mir ist die Entscheidung mittlerweile 12 Jahre her und ehrlich gesagt habe ich mich damals als Jugendlicher nicht einmal im Ansatz um Nachhaltigkeit geschert. Das waren rein ethische Gründe. Mittlerweile geht das aber für mich Hand in Hand in der Argumentation. Wobei ich sagen muss, dass ich den ethischen Fokus immer noch vordergründig sehe. Eine vegane Lebensweisen rein aus Gründen des Umweltschutzes liegt mir fern.

Sebastian: Ich bin durch meinen Zwillingsbruder auf eine vegan-vegetarische Ernährung aufmerksam geworden. Er hat sich vor knapp 15 Jahren dazu entscheiden, seine Lebensweise umzustellen. Für mich gibt es dabei zwei Gedanken : Wir leben im 21. Jahrhundert und vegane, faire und biologische Produkte sind keine Nischenprodukte mehr. In unserer globalisierten Welt ist es mittlerweile kein Problem mehr, vegane Kosmetik und Fair-Trade-Kleidung aus Bio-Baumwolle zu kaufen. Wenn ein T-Shirt nur 3 € kostet, dann ist irgendwo etwas gewaltig schief gelaufen.

Nachhaltigkeit hat unter jungen Menschen in den letzten Jahren scheinbar einen Image-Wechsel durchlebt. Nehmt ihr ein gesteigertes Interesse für nachhaltige Produkte und Geschäftskonzepte wahr? Hat das Thema eurer Meinung nach auch unter Veggies an Relevanz dazu gewonnen?

Sebastian: Das Thema “bewusster Konsum” erreicht immer mehr die Mitte der Gesellschaft; eine Sache, die wir sehr begrüßen. Das passiert, denke ich, auf der einen Seite dadurch, dass es viel, viel mehr Produkte in den einzelnen Bereichen gibt und auf der anderen Seite findet durch die verschiedensten Medien oder aber auch in der Schule eine Sensibilisierung statt.

Christoph: Begünstigt wird das sicher auch durch viele junge und innovative Unternehmen, die schöne Ideen haben, die sich weit von dem früheren “Öko-Sandalenträger”-Image abheben und einfach schöne und gleichzeitig nachhaltige Produkte anbieten. Plattformen wie z. B. der “Avocado Store” oder der “Original Unverpackt”-Laden wären früher noch als “Öko-Spinnerei” belächelt worden.
Bei den Veggies hat das Thema sicherlich auch an Relevanz gewonnen. Ich glaube ohnehin, dass sich das gegenseitig bedingt: Wer sich mit dem Thema “Nachhaltigkeit” auseinandersetzt, wird relativ schnell damit konfrontiert, dass Fleischkonsum nicht nur ethisch fragwürdig ist, sondern auch nicht ansatzweise nachhaltig sein kann. Das funktioniert dann von vorn bis hinten nicht.

Welche Tipps habt ihr, um Wasser zu sparen und Plastik im Alltag zu vermeiden?

Sebastian: Am meisten und einfachsten spart man Wasser beim alltäglichen Konsum und indem man sich mit “Virtuellem Wasser” auseinandersetzt. Virtuelles Wasser bedeutet vereinfacht ausgedrückt: Wie viel Wasser steckt in einem Produkt? Sprich – wie viel Wasser wird benötigt, um das Produkt herzustellen? Ein einfaches Beispiel hierfür sind Erdbeeren. Ich versuche Erdbeeren dann zu essen, wenn sie bei uns ohne große künstliche Bewässerung natürlich gewachsen sind. Wer sich z. B. an Weihnachten 500 g Erdbeeren im Supermarkt kauft, der bekommt welche aus Spanien. Dort werden die Erdbeeren unter künstlicher Bewässerung angebaut und dementsprechend braucht man sehr viel Wasser in der Produktion. Ich setze also auf regionale und saisonale Produkte.

Christoph: Zum Thema Wassersparen fällt mir immer wieder die Kampagne “Xixi no Banho” aus Brasilien ein, die aufforderte, beim Duschen zu Pinkeln (lacht). 
Aber es gibt auch viele konkrete Möglichkeiten: Es fängt dabei an, Plastikflaschen zu vermeiden und am besten direkt Leitungswasser zu trinken und geht bis hin zur Vermeidung von Zahnpasta und anderen Kosmetikprodukten, in denen zum großen Teil winzige Plastikpartikel als Füllstoff beinhaltet sind.

Wie geht es für euch in Zukunft weiter?

Christoph: Ich wünsche mir, dass wir weiterhin so wunderbares Feedback von vielen Menschen bekommen. Dazu zählen nicht nur die vielen Kunden, sondern auch die ganzen Blogger und anderen Menschen, die uns auf ihre Art unterstützen. Neuerdings haben wir jetzt ein eigenes kleines Büro. Dadurch ist endlich Schluss mit den ganzen Kartons, die in unseren Wohnungen stehen und alles versperren.

Sebastian: Ich persönlich hoffe, dass unsere Entwicklung genauso weitergeht und wir noch mehr Menschen mit unserem Anliegen bzw. unseren Themen erreichen und zum Nachdenken anregen. Und natürlich arbeiten wir stets an neuen Artikeln für unseren Blog. Gerade haben wir auch unseren Online-Shop überarbeitet. Alles ist jetzt ein Stück professioneller, aber mit mindestens genauso viel, wenn nicht sogar noch mehr Herzblut.Hydrophil Logo

Ihr seid ein wirklich inspirierendes junges Unternehmer-Team mit einem beispielhaften Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Wir drücken euch weiterhin die Daumen für eure Vorhaben und sind gespannt, was in Zukunft bei euch passiert. Vielen Dank für das Gespräch!

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Das Interview führte Larissa Albrecht.