Dr. Arianna Ferrari über Animal Enhancement, Alternativen zu Tierversuchen und In-vitro-Fleisch

Dr. Arianna Ferrari über Animal Enhancement, Alternativen zu Tierversuchen und In-vitro-Fleisch

Dr. Arianna Ferrari hat Philosophie an der Universität Mailand und der Universität Tübingen studiert. Ihre Dissertation, die auch als Buch erschienen ist, hat sie zum Thema „Ethische und wissenschaftstheoretische Aspekte der gentechnischen Veränderung von Tieren in der biomedizinischen Forschung“ verfasst. Seit 2010 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Ihre Forschungsinteressen umfassen neben der Ethik und Politik neuer Technologien und Technikphilosophie auch Tierphilosophie, Tierethik sowie Umweltethik.

Frau Dr. Ferrari, Sie leben seit rund zehn Jahren vegan, zuvor waren Sie elf Jahre lang Vegetarierin. Was hat Sie damals zur Umstellung bewogen?

Ich habe nie mit Tieren zusammengelebt, daher war mein Zugang am Anfang sehr rational. Schon einige Zeit bevor ich Vegetarierin wurde, habe ich im Rahmen meines Engagements für Umweltschutz Menschen kennengelernt, die vegetarisch lebten und die mit mir über ihre Ernährung gesprochen haben. Auch wenn mich das damals noch nicht umgestimmt hat, haben diese Gespräche Spuren hinterlassen. Danach reflektierte ich weiter. Meine Ernährung habe ich aber erst umgestellt, nachdem ich „Animal Liberation“ von Peter Singer gelesen habe. Im Rahmen meines Studiums erweiterte ich dann meinen tierethischen Horizont und beschloss sogar, meine Promotion zum Thema Tierethik zu schreiben.

Mir wurde zunehmend bewusst, dass Tiere um ihrer selbst willen in der Welt sind und nicht für uns. Die Infragestellung der Tiernutzung hat mich schließlich dazu bewegt, mich vegan zu ernähren, da Vegetarismus zu kurz greift. Die Umstellung der Ernährung kommt natürlich fast immer als erstes, da es etwas ist, das wir tagtäglich machen. Es ist für mich aber nur eine von mehreren Säulen einer Lebenseinstellung: Veganismus ist die notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung eines friedlichen und gewaltfreien Umgangs mit der Natur, die uns selbst auch miteinschließt.

  • Peter Singer – Alle Tiere sind gleich

    In dem Textauszug aus „Animal Liberation – Die Befreiung der Tiere“ beleuchtet Peter Singer die theoretischen Hintergründe zum Prinzip der Gleichheit.

Glauben Sie, dass sich mehr Menschen für eine vegetarisch-vegane Ernährungsweise entscheiden würden, wenn sie mehr Informationen zur heutigen Tierhaltung und -tötung hätten?

Das ist eine Eine-Million-Euro-Frage. Auf der einen Seite spielen Informationen eine wichtige Rolle und ich halte sie für eine Grundvoraussetzung. Auf der anderen Seite sind mittlerweile sehr viele Informationen über die Ausbeutung von Tieren verfügbar. Ernährung hat nicht nur mit Rationalität zu tun, sondern auch mit Gefühlen, Kultur und Sozialisierung. Gerade deswegen sollte man einen Weg finden, sowohl rationale als auch emotionale Argumente zu entwickeln, damit sich die komplette Sichtweise gegenüber Tieren ändert.

Was muss neben den rationalen Argumenten noch dazu kommen, damit eine Person tatsächlich die Umstellung wagt?

Ich denke, besonders wichtig sind Änderungen auf der gesellschaftlichen Ebene. Dazu zählt zum Beispiel ein größeres Angebot an veganen Gerichten in Kantinen, Restaurants und Gaststätten, sodass dem Konsument eine vegane Lebensweise näher gebracht und erleichtert wird. Aber vor allem brauchen wir auch eine kulturelle Änderung, einen Perspektivenwechsel. Ernährung ist nicht nur eine private, sondern auch eine politische Sache! Wenn wir nach einer gewaltfreien Gesellschaft streben, in der Lebewesen nicht unterdrückt werden, haben wir eine Pflicht, uns vegan zu ernähren sowie zu versuchen, diese Ernährung für alle Menschen zugänglich zu machen.

Für mich baut die Vorstellung von Gerechtigkeit im Ernährungsbereich auf Solidarität mit allen leidensfähigen Lebewesen sowie auf einem schonenden Umgang mit Naturressourcen auf. Dazu zählen auch die Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung und der nicht-ökologischen Intensivierung der Landwirtschaft. Phänomene, die mit Kapitalismus verbunden sind. Um all das zu verwirklichen, brauchen wir nicht nur engagierte Bürger, sondern auch Institutionen und Rahmenbedingungen, die das ermöglichen – wir brauchen einen politischen Wechsel. Ein kultureller Perspektivenwechsel würde unter anderem auch eine Änderung der Medienbotschaften implizieren. Das fängt beispielsweise schon dabei an, wie der Umgang mit Tieren in Kindersendungen dargestellt wird.

Sie bezeichnen sich selbst als Antispeziesistin. Was genau ist das?

Antispeziesismus ist das Gegenstück zu Speziesismus. Speziesismus wiederum ist ein Begriff, der in den 70er-Jahren von einem britischen Psychologen namens Richard Ryder geprägt wurde. Er bezeichnet die Diskriminierung von Lebewesen in Bezug auf ihre Speziesangehörigkeit und ist als Analogie zu Sexismus oder Rassismus gedacht. Wichtig ist hier, dass Speziesismus eine Verletzung des Gleichheitsprinzips darstellt. Das Gleichheitsprinzip besagt „gleiche Berücksichtigung von gleichen Interessen“. Leidensfähige Wesen haben ein gleiches Interesse am Leben und wollen nicht leiden, ganz egal, welcher Spezies sie angehören. Diese wäre die eher moralphilosophische Definition.

Es gibt aber auch eine soziologische beziehungsweise politische Definition, die ihre Perspektive mehr auf die Gesellschaft richtet. Diese besagt, Speziesismus sei eine Ideologie, ein Glaubenssystem oder eine gesellschaftliche Haltung, die die Unterdrückung von Tieren rechtfertigt. Meine persönliche Definition von Speziesismus umfasst beides: Ich verstehe unter Speziesismus die Zusammenhänge und die gegenseitige Beeinflussung zwischen Unterdrückung und Ausbeutung von Tieren (durch ihre Nutzung) und der Vorstellung, dass Tiere minderwertig seien gegenüber den Menschen. Unsere Sichtweise zu Tieren muss sich ändern. Nicht, weil einige Tiere uns etwas bedeuten und uns etwas geben können, sondern um ihrer selbst willen. Wir müssen erkennen, dass wir überhaupt kein Recht haben, sie für unser Vergnügen, unseren Gaumengeschmack oder zu unserem Vorteil zu nutzen. Tiere verdienen fundamentale Rechte.

  • Warum Tierrechte wichtig sind

    Für Tierschützer steht in erster Linie die „artgerechte“ Haltung von Tieren im Vordergrund. Die Tierrechtsbewegung geht einen Schritt weiter und fordert eine moralische Berücksichtigung von Tieren in allen Belangen.

Wie lässt sich begründen, dass Tiere gleichgestellt sind und wir sie nicht ausnutzen dürfen?

Die theoretische Begründung basiert auf dem Gleichheitsprinzip. Leidensfähige Wesen haben ein Grundinteresse daran, nicht zu leiden, ganz egal, ob sie Menschen oder Tiere sind. Sie möchten leben und sich entfalten. Natürlich hat jede Tierart spezifische, arteigene Interessen, weil sie eben unterschiedliche Fähigkeiten haben. Aber ihre Grundinteressen unterscheiden sich nicht von denen des Menschen. Tiere möchten leben und nicht leiden oder zumindest nicht wegen uns Menschen leiden. Es ist sogar ziemlich plausibel, dass Tiere aufgrund ihrer spezifischen kognitiven und sensorischen Fähigkeiten in der Lage sind, Leidensformen zu erfahren, die wir Menschen nicht kennen.

Sie haben viele Artikel und Bücher zum Thema Animal Enhancement verfasst. Was versteht man darunter? Wie verteidigen Befürworter die Idee des Animal Enhancements?

Wortwörtlich bedeutet Animal Enhancement die „Verbesserung von Tieren“. Hiermit sind vor allem Verbesserungen der Fähigkeiten der Tiere gemeint. In den vergangenen Jahren hat sich eine Debatte um diesen Begriff entwickelt. Dabei ist die Grundidee eigentlich gar nicht neu, sondern schon sehr alt, denn die Verbesserung der Fähigkeiten der Tiere ist sehr stark in die Tierzucht eingebettet.
Die Verwendung des Begriffes „Enhancement“ lebt weiterhin von einer stark positiven Konnotation, da „Verbesserung“ fast immer mit etwas Positivem in Verbindung gebracht wird. Einige Autoren verteidigen auch bestimmte Eingriffe bei Tieren, da sie behaupten, dass dies im Interesse der Tiere selbst wäre. Und darin liegt ja der Trick! Denn jetzt geht es nicht mehr nur noch um die Interessen des Menschen, wie bei der Zucht klar der Fall ist, sondern es wird von einigen Autoren behauptet, im Interesse der Tiere zu handeln.

Was soll zukünftig alles an Tieren „verbessert“ werden? Ich habe beispielsweise vom Enviropig gelesen. Die Grundidee ist ja gar nicht so übel. Was halten Sie davon?

Es wird beispielsweise gentechnisch versucht, weniger schmerzempfindliche Tiere „herzustellen“, damit diese weniger unter den Umständen der Intensivtierhaltung leiden. Ihre Fähigkeiten sollen modifiziert werden, damit die Tiere die Umwelt weniger verschmutzen oder die Tiere sollen intelligenter gemacht werden, damit sie besser mit dem Menschen kommunizieren können.
Nun zu den Enviropigs. Dabei handelt es sich um Schweine, deren Verdauungssystem dahingehend gentechnisch verändert wurde, dass diese Schweine Phosphate, insbesondere Phytat, aus dem Getreide besser verdauen können. Normalerweise können Schweine Phytat nicht absorbieren. Diese Substanz gelangt mit dem Kot in den Boden und schadet diesem. Dies betrifft jedoch insbesondere die Intensivtierhaltung, bei der viele Schweine auf geringem Platz gehalten werden. Würde man weniger Schweine auf demselben Raum halten, wäre das Problem auch minimiert. Es ist typisch für viele Diskurse über neue Technologien, dass eine technische Lösung für ein gesellschaftliches Problem gesucht wird. Häufig werden aber die Hintergründe unbeachtet gelassen: Warum braucht man Intensivtierhaltung? Warum braucht man Schweinehaltung überhaupt?

In der Debatte um Animal Enhancement ist es sehr wichtig, zwischen Visionen von Autoren und Philosophen, die erst einmal nur Gedankenexperimente bleiben, und tatsächlichen Arbeiten in der Forschung zu unterscheiden. Oftmals liest man hitzige Diskussionen und Debatten zu Möglichkeiten, die so gar nicht stattfinden oder nicht interessant für die Forschung sind. Das ist die Argumentationsstrategie, die von einigen Philosophen sogar im Namen von Tierrechten verfolgt wird. Wirft man aber einen genaueren Blick in die Forschung, sieht man sofort, dass Geld in die Auswahl und Modifikation derjenigen Fähigkeiten von Tieren investiert wird, die nützlich für den Menschen sind. In der sogenannten Nutztierhaltung werden beispielsweise transgene Kühe hergestellt, deren Milch eine für den Menschen verträglichere Zusammensetzung aufweist oder transgene Schweine, deren Fleisch weniger Cholesterin enthält. Meist geht es bei Animal Enhancement also um ökonomische Interessen. Bestimmte Leistungen der Tiere sollen durch ihre Verbesserung an die Wünsche der Konsumenten angepasst werden.

Nicht zuletzt wird oft der Fehler begangen, nur das tatsächlich gentechnisch veränderte Tier zu betrachten, ohne die Frage zu stellen, was diese gentechnischen Modifikationen für alle Tiere, die in den Prozess eingebunden sind, bedeuten und bedeutet haben. Bevor ein gentechnisch verändertes Schwein „hergestellt“ wird, braucht man sehr viele Versuchstiere, die im Prozess „verwendet“ und getötet werden. Darüber hinaus müssen gentechnisch veränderte Tiere immer eingesperrt gehalten werden und können kein Leben in Freiheit genießen.

Wenn man beispielsweise Schweine kreieren könnte, die keinerlei Schmerzempfinden hätten, dürfte man diese dann aus ethischer Sicht essen?

Zunächst einmal: Wir brauchen keine Tiere zu essen, um zu überleben. Das ist Fakt und das eröffnet die Frage nach dem Sinn solcher Versuche. Ich lasse mich auf die Frage ein und sage: Um auf solche Fragen zu antworten, muss sehr viel im Voraus geklärt werden. Was bedeutet, ein Tier „leidensunfähig“ zu machen? Leiden ist mehr als körperlicher Schmerz. Schmerzen könnte man betäuben und das Schmerzempfinden kann man mit bestimmten Eingriffen wesentlich einschränken. Wenn jedoch über Leidensunfähigkeit gesprochen wird, wird meist vorausgesetzt, dass man so eine hochkomplexe Fähigkeit eines Organismus genetisch komplett ausschalten kann, ohne dass andere wesentliche Wahrnehmungsfähigkeiten von diesem Wesen betroffen werden. Darüber habe ich meine Zweifel. Leiden zu spüren ist etwas Grundsätzliches für leidensfähige Wesen – also auch für uns Menschen.

Wie würde ein Leben ohne Leidensfähigkeiten sein? Bei Menschen gibt es eine seltene Krankheit namens hereditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN), bei der die betroffenen Menschen keine körperlichen Schmerzen empfinden können – und das ist für diese Menschen extrem gefährlich, denn die Leidensfunktion hat auch eine wichtige biologische Schutzfunktion. Wenn wir unsere Hand auf eine heiße Herdplatte legen, spüren wir in Sekundenschnelle den Schmerz und ziehen unsere Hand weg. Eine Person mit HSAN zieht sich unter Umständen schwere Verbrennungen zu, da sie unfähig ist, die Hitze als Schmerz wahrzunehmen. Wenn wir Tiere ohne körperliches Schmerzempfinden entwickeln, fällt auch bei ihnen diese biologische Schutzfunktion weg.
Das Problem der Tiere ist nicht, dass sie leidensfähig sind, sondern dass sie wegen uns leiden! Die Idee, Tiere so gentechnisch zu verändern, dass sie keinen körperlichen Schmerz mehr empfinden, ist für mich im besten Fall nur eine Verschiebung des Problems und im schlimmsten Fall ein Manöver, um die Aufmerksamkeit weg vom tatsächlichen Ausbeutungskomplex zu lenken.

In einem Ihrer Projekte befassen Sie sich mit In-vitro-Fleisch, einer Methode, die es ermöglicht, Fleisch im Labor zu züchten. Ist In-vitro-Fleisch eine gute Alternative zu herkömmlichem Fleisch? Worin liegen die Vorteile?

Es hängt davon ab, was man unter „Alternative“ versteht. Die Innovatoren, die In-vitro-Fleisch herstellen und produzieren wollen, sprechen von gleichwertigem Fleisch, das sich nur durch den Herstellungsprozess unterscheidet. In-vitro-Fleisch ist kein pflanzliches Produkt und lässt sich bisher nicht herstellen, ohne dass Tiere dafür ihr Leben lassen. Somit gehört es nicht auf den Speiseplan von vegan-vegetarisch lebenden Menschen. Ich kenne jedoch Veganer, die hier eine Ausnahme machen würden, weil sie davon überzeugt sind, dass In-vitro-Fleisch ohne Tierleid produziert werden kann. Die Innovation des In-vitro-Fleisches könnte einige Menschen zum Nachdenken bringen, die den Fokus nicht so sehr auf die pflanzliche Ernährung, sondern eher auf das Vermeiden von Leid legen.
Im Vergleich zu traditionell produziertem Fleisch zeigt die Herstellung von In-vitro-Fleisch einen geringeren Wasser- und Bodenverbrauch und – vor allem was die Produktion von Rindfleisch betrifft – geringere CO2-Ausstöße. Da bis jetzt keine großskalige (industrielle) Produktionsmethode für In-vitro-Fleisch existiert, basieren die Kalkulationen der Umweltauswirkungen auf hypothetischen Szenarien. Eine neue Studie hat außerdem gezeigt, dass die Vorteile von In-vitro-Fleisch unterschiedlich sein können, je nachdem mit welcher Art von Fleisch (zum Beispiel Rind-, Hühner- oder Schweinefleisch) verglichen wird.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Unter In-vitro-Fleisch versteht man Fleisch, das im Labor herangezüchtet wird. Dazu werden einem lebenden Tier (zum Beispiel einer Kuh) Muskelstammzellen entnommen, die sich dann in einer Nährlösung vermehren und zu Muskelfasern heranwachsen. Bisher besteht die Nährlösung aus dem Blut von abgetriebenen Kälberföten („Fetales Kälberserum“), Innovatoren arbeiten jedoch daran, tierfreie Seren zu entwickeln. Wäre dieses Fleisch dann vegetarisch?

Welche Alternativen zu Tierversuchen für wissenschaftliche Zwecke gibt es?

Alternative Verfahren gibt es sehr viele, beispielsweise Computermodelle wie Simulationen, außerdem gibt es nicht-invasive Verfahren oder die sogenannten In-vitro-Systeme. Leider wird immer noch zu wenig Geld in solche Forschung investiert. Darüber hinaus herrscht in der biomedizinischen Forschung immer noch die Meinung, dass Tierversuche immer unentbehrlich sind: Die wissenschaftliche Validität von Alternativmethoden muss an den Ergebnissen aus Tierversuchen geprüft werden, das heißt Tierversuche gelten als „Goldener Standard“ für die gesamte biowissenschaftliche Forschung.

  • Tierversuche und die Bekämpfung von Krankheiten

    Häufig hört man, Tierversuche seien notwendig, um Krankheiten zu heilen. Zahlreiche Fakten zeigen aber, dass diese nicht nur gegenüber den Tieren, sondern auch gegenüber den Menschen verantwortungslos sind.

Bekommen Sie manchmal Gänsehaut, wenn Sie die neuesten Forschungsvorhaben lesen? Wie gehen Sie mit solchen Information um?

Ja, bekomme ich. Es ist sehr frustrierend, was ich alles lese. Ich versuche damit umzugehen, indem ich schreibe und Kritik ausübe. Wir brauchen dringend einen Perspektivenwechsel. Wir sollten uns die Frage stellen, in welcher Gesellschaft wir überhaupt leben wollen. In einer Gesellschaft, die auf Gewalt, Unterdrückung und der Tötung Millionen leidensfähiger Wesen basiert oder in einer Gesellschaft, in der man sich von Respekt, Solidarität und Frieden jenseits der Speziesgrenzen inspirieren lässt. Wir können uns gesund und ausgewogen vegan ernähren. Wir können in Forschung investieren, die nicht auf Kosten Millionen leidensfähiger Lebewesen geht. Wir können Gerechtigkeit viel breiter konzipieren.

Es gibt nicht nur einen einzigen Weg für diesen Perspektivenwechsel, sondern wir müssen mehrere Wege ausprobieren: Es gibt Menschen, die sich für eine Vergrößerung des veganen Ernährungsangebotes stark engagieren; es gibt an Universitäten kritische Stimmen und viele Menschen, die sich privat engagieren. Wir brauchen außerdem auch Kunst, Literatur und andere kreative Ausdrucksformen, um das Herz der Menschen zu erreichen. Schließlich brauchen wir auch mehr Einsatz auf politischer Ebene, auf der Ebene der Entscheidungsträger.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Ferrari!

Ann-Christin Heim, Elena de Figueiredo Oliveira