Vegan auf der Überholspur: Extremsportler Ben Urbanke im Interview

Ben Urbanke

Extremradfahrer Ben Urbanke blickt auf zahlreiche sportliche Erfolge zurück. 2016 hat er sein erstes Buch mit Ernährungstipps, Rezepten und Berichten über seine Radsportkarriere veröffentlicht. Im Gespräch mit ProVeg verrät er, wie er zum Radsport kam und welche Rolle eine pflanzliche Ernährung dabei spielte.

Seit wann betreibst du Radsport und was waren bisher deine größten Erfolge?

Seit 1999. Ich habe damals mit meinem Klassenlehrer und gemeinsam mit ein paar Mitschülerinnen und Mitschülern in den Sommerferien eine zweiwöchige Radtour nach Korsika und zurück unternommen. Von dem Moment an habe ich die Leidenschaft für das Radfahren entdeckt. Zu meinen bisher größten Erfolgen zählt der Fahrradmarathon „Paris-Brest-Paris“ 2015. Dort habe ich 1.230 km in unter 50 Stunden als schnellster und jüngster Fahrer zurückgelegt. Im selben Jahr bin ich insgesamt 25.000 km mit dem Rad gefahren. Einen weiteren Erfolg konnte ich 2016 beim Rennen „Borders of Belgium“ verzeichnen, bei dem ich eine Strecke von 1.000 km in unter 2 Tagen als schnellster Fahrer bewältigt habe.

Wie hat die pflanzliche Ernährung dein Leben als Sportler verändert?

Seit 2012 lebe ich vegan. Zunächst aus sozial-ökologischen Beweggründen wie der Welthungerproblematik oder der Abholzung der Regenwälder. Aber auch wegen meiner Mutter, für die ein bewusster Konsum wichtig war. Schnell bemerkte ich nach meiner Ernährungsumstellung einen positiven Nebeneffekt, was meine Leistungsfähigkeit anbelangt: Meine Regenerationszeiten verkürzten sich deutlich und ich hatte mehr Energie.

Worauf kommt es bei den Mahlzeiten vor, während und nach dem Sport besonders an?

Allgemein kommt es bei jeder Mahlzeit darauf an, dass sie nährstoffreich ist. Der Zeitpunkt ist aber auch entscheidend. Der Körper benötigt vor, während und nach dem Sport eine andere Nährstoffzusammensetzung. So braucht man vor einer Belastung Kohlenhydrate als Energielieferant und zum Beispiel Eisen für einen besseren Sauerstofftransport. Nach dem Training sollte man möglichst zeitnah hochwertiges Eiweiß (Protein) zu sich nehmen, das eine hohe biologische Wertigkeit aufweist und basisch ist. Auf diesem Ernährungskonzept basieren auch mein Buch „Be faster go vegan“ und die von mir entwickelten Bio-Energieriegel von Goodsport.

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Wie reagieren andere Radsportlerinnen und Radsportler auf deine pflanzliche Lebensweise?

Durchweg positiv. Ich möchte durch meine Leistungen das Interesse bei anderen Sportlerinnen und Sportlern für eine pflanzliche Ernährung wecken. Immer mehr Menschen kommen von sich aus mit Fragen auf mich zu und möchten Tipps. Besonders freut mich, wenn ich nach längerer Zeit Feedback erhalte, dass ich ihnen mit meinen Ratschlägen weiterhelfen konnte.

Dem Radsport widmest du dich in deiner Freizeit. Beruflich berätst du Menschen bei Fragen hinsichtlich ethisch-ökologischer Vorsorge und Versicherungen. Welche Vorteile bietest du ProVeg-Mitgliedern bei einem Wechsel?

Ich habe BWL und VWL studiert mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsethik und Social Finance. Nachdem ich mein Studium erfolgreich abschloss, habe ich im Jahr 2010 Fibur gegründet. Hier beraten wir Privatpersonen und Unternehmen zu einer Altersvorsorge, die bezüglich der Gelder der Kundinnen und Kunden ethisch-ökologisch ausgerichtet ist. Zu den Firmenkundinnen und Firmenkunden zählen unter anderem Supermärkte wie Veganz und NGOs wie ProVeg. ProVeg-Mitgliedern bieten wir als Dankeschön außerdem einen 50-€-Einkaufsgutschein bei Veganz oder beim Onlineshop Alles-Vegetarisch.de – beide ebenfalls ProVeg-Card-Partner.

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2016 ist „Be faster go vegan“ erschienen. Was hat den Anstoß dazu gegeben, dein eigenes Buch zu veröffentlichen?

Dass ich mich bei Sport-Events immer mit eigenen Energieriegeln und -gels aus Chiasamen selbst versorgt habe, blieb bei meinen Radkolleginnen und Radkollegen nicht unbemerkt. Zumal auch meine Leistung gleichzeitig zunahm, fragten immer mehr Menschen nach meiner Ernährungsweise. Dadurch, dass sie mir von den positiven Effekten bei sich berichteten, kam schließlich von meinen Radfreundinnen und Radfreunden selbst der Vorschlag, ob ich nicht ein Buch zum Thema schreiben wolle. „Be faster go vegan“ enthält 75 schnelle und einfache Rezepte, die in 5–15 Minuten zuzubereiten sind. Ich weiß als Berufstätiger selbst, dass man lieber mehr Zeit für sein Hobby investieren als mit Kochen am Herd verbringen will. Darüber hinaus werden in dem Buch auch die ernährungsphysiologischen Zusammenhänge bei nährstoffreicher Nahrung unkompliziert und kompakt vermittelt.

Wie ernährst du dich im Alltag – außerhalb von Trainingsphasen?

Ich versuche, mich jeden Tag nährstoffreich mit frischem Obst und Gemüse zu versorgen, um meine täglichen Herausforderungen zu meistern. Außerhalb und innerhalb der Trainingsphasen variiert lediglich die Portionsmenge.

Du achtest sehr auf eine optimale Lebensmittelauswahl. Machst du auch manchmal Ausnahmen?

Wenn ich mich mit Kundinnen und Kunden in Cafés verabrede, dann gönne ich mir schon gelegentlich ein oder manchmal sogar ein Stück veganen Schokokuchen.

Was isst du am liebsten zum Frühstück, wenn ein körperlich und mental anstrengender Tag vor dir liegt?

Ob mein Tag mit einem Smoothie, einer Smoothie-Bowl oder einem Müsli beginnt – Chia- oder Leinsamen dürfen nicht fehlen. Wegen ihrer langkettigen Kohlenhydrate liefern sie dem Körper langanhaltende Energie, was zum Durchstarten morgens genau richtig ist. Außerdem enthalten die Samen auch viele Nährstoffe wie Eisen und Magnesium. Allgemein verwende ich dabei gekeimte Saaten wie Buchweizen, die nicht nur besser verdaulich sind, sondern meinem Frühstück auch eine knusprige Komponente verleihen.

Vielen Dank, Ben Urbanke, für das Gespräch.

Elena de Figueiredo Oliveira

Autorin

Elena de Figueiredo Oliveira

Ehemalige Redaktionsassistentin