Krebs: Krebsprävention durch pflanzliche Ernährung

Krebs: Krebsprävention durch pflanzliche Ernährung Bildquelle: love work 51 / shutterstock.com

Falsches Ernährungsverhalten ist für etwa ein Drittel der Krebserkrankungen verantwortlich. Eine Reduktion von Fleisch bei gleichzeitig höherem Obst- und Gemüsekonsum kann das Krebsrisiko entscheidend minimieren.

Was bedeutet Krebs?

Mit dem Begriff Krebs werden bösartige Neubildungen bezeichnet, die in jedem Organ oder Gewebe des Körpers entstehen können. Tumorzellen zeichnen sich durch unkontrolliertes Wachstum aus. Sie greifen auf benachbarte Gewebe über und können, wenn sie über Blut und Lymphe verteilt werden, an anderen Körperstellen Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden.

Häufigkeit von Krebs

Nach Aussage der deutschen Krebshilfe erkranken jedes Jahr fast 500.000 Personen in Deutschland neu an Krebs, über 200.000 sterben jährlich daran. Bösartige Tumore sind damit für jeden vierten Todesfall in Deutschland verantwortlich.1 Dabei waren die häufigsten Krebsarten bei den verstorbenen Männern Tumoren der Bronchien und der Lunge sowie des Dickdarms, bei den Frauen Tumoren der Brustdrüse sowie der Bronchien und der Lunge. Weltweit ist Lungenkrebs die häufigste Krebsart, was auf den steigenden Tabakkonsum zurückzuführen ist. Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern sind in gleichem Maße von Krebserkrankungen betroffen wie in den Industrienationen. 2

Ursachen von Krebs

Die Entstehung von Krebs wird durch Alter, Umweltfaktoren, individuelles Verhalten und genetische Veranlagung beeinflusst. Mit zunehmendem Alter steigt die Krebshäufigkeit. Viele der Risikofaktoren für die Krebsentstehung sind im Lebensstil begründet. Falsches Ernährungsverhalten und Rauchen sind in den Industrieländern für jeweils etwa ein Drittel der Krebserkrankungen verantwortlich. 3 Nur etwa 5-10 % aller Krebsfälle sind erblich bedingt. 4

Ernährungsbedingte Risikofaktoren für die Entstehung von Krebs sind:

  • Übergewicht
  • geringer Verzehr von Obst und Gemüse
  • häufiger Verzehr von gesalzenen Speisen
  • häufiger Verzehr von gegrillten, gepökelten und/oder geräucherten Speisen
  • häufiger Verzehr von rotem und/oder verarbeitetem Fleisch
  • ballaststoffarme Kost
  • hoher Fettverzehr (Brustkrebs)
  • Alkoholkonsum

Weitere Risikofaktoren, die die Entwicklung von Tumoren begünstigen, sind:

  • Rauchen (auch Passivrauchen)
  • Bewegungsmangel
  • Hormontherapie (Brustkrebs)
  • Viren (Gebärmutterhalskrebs)
  • chronische Infektionen
  • ionisierende Strahlung (z. B. radioaktive Strahlung, Röntgenstrahlung)
  • Umwelteinflüsse (z. B. chemische Arbeitsstoffe, UV-Strahlung, Feinstaub)

Entstehung von Krebs

Die Entstehung von Krebs lässt sich in drei Phasen unterteilen: Initiation, Promotion und Progression.

Phase 1: In der Initiation wird die DNA durch Krebs erregende Einflussfaktoren wie Substanzen in Nahrungsmitteln und Umwelt, Viren, radioaktive und UV-Strahlung geschädigt. Initiierte Zellen werden täglich in großer Zahl im Körper gebildet. Können die DNA-Schäden nicht behoben oder betroffene Zellen beseitigt werden, wird die genetische Veränderung (Mutation) weitergegeben.

Phase 2: über Jahre hinweg entwickeln sich in der Phase der Promotion weitere Zellveränderungen und es kommt zur Tumorbildung. Diese Vorgänge werden durch Substanzen gefördert, die zwar selbst nicht die DNA schädigen, aber weitere Zellveränderungen begünstigen (Kokanzerogene). Hierzu zählen beispielsweise Umweltgifte wie Dioxine, aber auch körpereigene Substanzen wie Östrogene (weibliche Geschlechtshormone).
Verschiedene Substanzen können diesen Schädigungen entgegenwirken und die Entwicklung eines Tumors hemmen oder gar stoppen (Antikanzerogene). Hierzu zählen insbesondere sekundäre Pflanzenstoffe.

Phase 3: Das schnelle Fortschreiten der Krebserkrankung durch Metastasenbildung und übergreifen auf benachbarte Gewebe wird als Progression bezeichnet.

Vegetarier und Veganer haben ein geringeres Krebsrisiko

Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein deutlich geringeres Risiko an Krebs zu erkranken und zu sterben. Vorteile ergeben sich insbesondere bei Dickdarm- und Lungenkrebs, in geringerem Maße auch bei Magen-, Brust- und Prostatakrebs. 5 Besonders bei männlichen Vegetariern ist die Krebshäufigkeit und -sterblichkeit geringer als bei nicht vegetarisch lebenden Männern.

Das Krebsrisiko kann durch eine vegetarisch-vegane Ernährung nicht ausgeschlossen, aber entscheidend reduziert werden. Prof. Dr. Claus Leitzmann, ehemaliger Leiter des Instituts für Ernährungswissenschaft in Gießen und Träger des Zabelpreises für Krebsprävention.

Ernährung und Krebsentstehung

Da Tumorerkrankungen über einen langen Zeitraum entstehen und zahlreiche individuelle Faktoren zu berücksichtigen sind, sind direkte Rückschlüsse auf die Ernährung als Krankheitsursache schwierig. Dennoch gibt es zahlreiche Hinweise für die Bedeutung der Ernährung bei der Krebsentstehung, auch wenn die genauen biochemischen Abläufe noch weitgehend unbekannt sind. Die Lebensmittelauswahl bestimmt, in welchem Maße die in der Nahrung enthaltenen Krebs fördernden bzw. hemmenden Substanzen aufgenommen werden.

Obst und Gemüse

Der Verzehr von Obst und Gemüse trägt wahrscheinlich zur Senkung des Risikos von Tumoren des Verdauungstrakts (Mund, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Magen, Dickdarm) bei. Obst senkt außerdem das Risiko für Lungenkrebs. Die günstige Wirkung eines hohen Obst- und Gemüseverzehrs konnte bisher nicht eindeutig einzelnen Substanzen zugeordnet werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die vor Krebs schützende Wirkung auf einem komplexen Zusammenwirken verschiedener Inhaltsstoffe, wie Vitamin C und E, sekundäre Pflanzenstoffe, lösliche Ballaststoffe und Folat, beruht.

Aufgrund ihres höheren Obst- und Gemüseverzehrs sind vegetarisch-vegan lebende Menschen gut mit den genannten Stoffen versorgt, wodurch das Krebsrisiko besonders im Alter sinkt.

Ballaststoffreiche Lebensmittel

Ballaststoffreiche Lebensmittel, insbesondere Getreide, tragen vermutlich zur Senkung des Dickdarmkrebsrisikos bei. Möglicherweise beugen sie auch Magen- und Mastdarmkrebs vor.

Vegetarier nehmen im Durchschnitt mehr Ballaststoffe auf als die Allgemeinbevölkerung. Dennoch erreichen auch viele Vegetarier nicht die empfohlene Zufuhrmenge von 30 g täglich. Die Ballaststoffzufuhr von Veganern ist dagegen sehr hoch und erreicht in einigen Studien bis zu 58 g pro Tag. 6 Unter anderem durch die höhere Ballaststoffzufuhr ist die Darmpassagezeit von vegetarisch-vegan lebenden Menschen kürzer als bei Fleischessern, was häufigere Darmentleerungen zur Folge hat. 7 Potentiell Krebs erregende Stoffe haben dadurch eine verkürzte Kontaktzeit mit der Darmschleimhaut.

Außerdem weisen vegetarisch-vegan lebende Menschen eine niedrigere Konzentration von potentiell Krebs erregenden sekundären Gallensäuren und eine günstigere Bakterienbesiedelung des Dickdarms auf. 8

Sekundäre Pflanzenstoffe in Lebensmitteln

Sekundäre Pflanzenstoffe haben verschiedene gesundheitsförderliche Effekte und beugen insbesondere der Krebsentstehung vor. Zu den sekundären Pflanzenstoffen zählen Carotinoide (z. B. in gelb-orange-rotem Gemüse und Obst, grünblättrigem Gemüse), Phytosterine (z. B. Weizenkeime, Nüsse, Ölsamen), Saponine (z. B. Hülsenfrüchte), Glukosinolate (z. B. Kohlgewächse), Phenolsäuren (z. B. Grünkohl, Weizen, Weißkohl, grüne Bohnen), Flavonoide (z. B. gelbes, rotes, blaues und violettes Gemüse und Obst), Proteaseinhibitoren (z. B. Hülsenfrüchte, Getreide), Terpene (verschiedene Obstarten wie Orangen, Weintrauben, Aprikosen und Gewürze), Phytoöstrogene (z. B. Sojabohnen) und Sulfide (Zwiebel- und Lauchgewächse).

Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben aufgrund ihres überdurchschnittlichen Verzehrs von Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten meist eine hohe Zufuhr an sekundären Pflanzenstoffen. Dementsprechend weisen Vegetarier und vor allem Veganer beispielsweise höhere Blutkonzentrationen an Carotinoiden und Phytoöstrogenen auf als Nichtvegetarier. 9, 10

Fleisch

Der Verzehr von rotem Fleisch erhöht mit steigender Menge das Risiko für Dickdarm- und Mastdarmkrebs. Tumoren der Speiseröhre, Lunge und Gebärmutterschleimhaut treten wahrscheinlich ebenfalls häufiger auf. Der Konsum von haltbar gemachten Fleischprodukten (geräuchert, gepökelt, gesalzen, mit chemischen Konservierungsstoffen versetzt) erhöht das Dickdarmkrebsrisiko und vermutlich auch das Risiko für Speiseröhren-, Lungen-, Magen- und Prostatakrebs. Pro 100 g rotem Fleisch pro Tag steigt das rechnerische Krebsrisiko, vor allem für Dickdarmkrebs, um etwa 20 %, pro 100 g Fleischprodukten pro Tag zwischen 30 und 200 %. 11

Verantwortlich für das erhöhte Krebsrisiko durch Fleischverzehr sind Stoffe, die bei der Zubereitung entstehen (heterozyklische aromatische Amine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sowie im Fleisch enthalten sind (Stickstoffverbindungen, Eisen). Diese Substanzen können die DNA schädigen oder fördern Krebs erregende Zellveränderungen.

Milch und Milchprodukte

Milchverzehr verringert wahrscheinlich das Dickdarmkrebsrisiko.12 Als Ursache dafür wird das in der Milch enthaltene Kalzium diskutiert, das aber auch in ausreichender Form in pflanzlichen Nahrungsmitteln schützend gegenüber Darmkrebs wirkt. Im Gegensatz dazu erhöht der Verzehr von Käse möglicherweise das Risiko für Dickdarmkrebs. Eine kalziumreiche Kost sowie der Verzehr von Milch und Milchprodukten erhöhen andererseits möglicherweise das Risiko für Prostatakrebs. Lakto-Ovo-Vegetarier konsumieren meist etwas weniger Milch und Milchprodukte als Nichtvegetarier.13

Lebensstil und Krebsentstehung

Vegetarisch-vegan lebende Menschen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Ernährungsweise, sondern auch in verschiedenen Lebensstilfaktoren von der Allgemeinbevölkerung.

Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für Tumorerkrankungen. Da vegetarisch-vegan lebende Menschen meist ein normales bis niedriges Körpergewicht aufweisen, verringert sich ihr Krebsrisiko.

Das Risiko für Brustkrebs erhöht sich, wenn Frauen jahrzehntelang hohen Östrogenspiegeln ausgesetzt sind. Vegetarierinnen weisen nach der Menopause niedrige Östrogenspiegel auf, was teilweise auf die geringere Fettzufuhr durch die Nahrung zurückzuführen ist. Eine hohe Fettzufuhr fördert die Bildung körpereigener Östrogene. Zusätzlich schützt eine mäßige Fettzufuhr vor Übergewicht und damit vor einem unabhängigen Risikofaktor für Brustkrebs und andere Krebserkrankungen.

Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Tumorerkrankungen der Brust und des Verdauungstrakts (außer Magen). Eine Mindestmenge, unterhalb der kein Anstieg an alkoholbedingten Krebserkrankungen zu verzeichnen ist, kann aufgrund der wissenschaftlichen Datenlage nicht festgelegt werden. 14

Fazit

  • Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben ein niedrigeres Krebsrisiko als die Allgemeinbevölkerung.
  • Ein hoher Verzehr pflanzlicher Lebensmittel senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken.
  • Ein niedriges Körpergewicht, eine geringe Gesamtfettaufnahme, das Meiden von Tabakrauch und ein verringerter Alkoholkonsum tragen ebenfalls zur Krebsvorsorge bei.

Weltkrebstag

Der Weltkrebstag findet jährlich am 4. Februar statt. Er zielt darauf ab, die Vorbeugung, Behandlung und Erforschung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Er wurde 2006 von diversen Gesundheitsorganisationen ins Leben gerufen.

Literatur

1 Statistisches Bundesamt (Hrsg) (2010): Todesursachen in Deutschland 2008. Wiesbaden, S. 7

2 Shibuya K, Mathers CD, Boschi-Pinto C, Lopez AD, Murrey CJ (2002): Global and regional estimates of cancer mortality and incidence by site: II. Results for the global burden of disease 2000. BMC Cancer 2 (37), 1-26

3 Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie. Hippokrates, Stuttgart, 3. Aufl., S. 385

4 WCRF, AICR (World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research) (ed) (2007): Food, nutrition, physical activity, and the prevention of cancer: a global perspective. 517 p. AICR, Washington, p. 31

5 Mills PK (2001): Vegetarian diets and cancer risk. p. 55-90. In: Sabaté J (ed). Vegetarian nutrition. CRC Press, Boca Raton, p. 78

6 Waldmann A, Koschizke JW, Leitzmann C, Hahn A (2005): German Vegan Study: diet, lifestyle factors and cardiovascular risk profile. Ann Nutr Metab 49 (6), 366-72

7 Sanjoaquin MA, Appleby PN, Spencer EA, Key TJ (2004): Nutrition and lifestyle in relation to bowel movement frequency: a cross-sectional study of 20630 men and women in EPIC-Oxford. Public Health Nutr 7 (1), 77-83

8 Haldar S, Rowland IR, Barnett YA, Bradbury I et al. (2007): Influence of habitual diet on antioxidant status: a study in a population of vegetarians and omnivores. Eur J Clin Nutr 61 (8), 1011-22

9 Peeters PH, Slimani N, van der Schouw YT, Grace PB et al (2007): Variations in plasma phytoestrogen concentrations in European adults. J Nutr 137 (5), 1294-300

10 Santarelli RL, Pierre F, Corpet DE (2008): Processed meat and colorectal cancer: a review of epidemiologic and experimental evidence. Nutr Cancer 60 (2), 131-44

11 WCRF, AICR (World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research) (ed) (2007): Food, nutrition, physical activity, and the prevention of cancer: a global perspective. AICR, Washington, p. 129

12 Haddad EH, Tanzman JS (2003): What do vegetarians in the United States eat? Am J Clin Nutr 78 (3 Suppl), 626S-632S

13 WCRF, AICR (World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research) (Hrsg) (2007): Ernährung, körperliche Aktivität und Krebsprävention: Eine globale Perspektive (Deutsche Zusammenfassung). London, S. 12