Hypertonie: Mit der richtigen Ernährung Bluthochdruck senken

Hypertonie: Mit der richtigen Ernährung Bluthochdruck senken Bildquelle: Piotr Marcinski / shutterstock.com

Hypertonie (Bluthochdruck) ist eine der häufigsten Erkrankungen in Industrieländern und ein wesentlicher Risikofaktor für Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und der Niere. Vegetarisch-vegane Kost eignet sich sowohl für die Prävention als auch die Therapie.

Häufigkeit von Hypertonie

In Deutschland sind etwa 55 % der erwachsenen Bevölkerung von Hypertonie betroffen; bei den Männern 60 % und bei den Frauen 50 %. Etwa 25 % der Betroffenen werden hierzulande medikamentös behandelt. 1 Bluthochdruck ist in Deutschland noch vor dem Rauchen der wichtigste Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit: Rund 26 % aller Todesfälle sind darauf zurückzuführen.2

Klassifizierung von Hypertonie

Hypertonie wird in drei Grade eingeteilt: leicht, mittelschwer und schwer (siehe Tabelle 1). Dabei muss berücksichtigt werden, dass der systolische Blutdruck mit zunehmendem Lebensalter ansteigt. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck besteht bei Blutdruckwerten über 140/90 mmHg, das heißt mehr als 140 mmHg systolischem und 90 mmHg diastolischem Blutdruck.

Systolischer und diastolischer Blutdruck

Die Muskelarbeit des menschlichen Herzens lässt sich in zwei Phasen einteilen: In der systolischen Phase wird das Blut aus den Herzkammern in den Körper- und Lungenkreislauf gepumpt, in der diastolischen Phase füllen sich die Herzkammern erneut mit Blut.

Tabelle 1: Definition und Klassifizierung der Blutdruckwerte3

BlutdruckkategorieBlutdruck (mmHg)
systolischdiastolisch
optimal< 120< 80
normal120-12980-84
hoch normal130-13985-89
Grad 1 Hypertonie (leicht)140-15990-99
Grad 2 Hypertonie (mittelschwer)160-179100-109
Grad 3 Hypertonie (schwer)≥ 180≥ 110
isolierte systolische Hypertonie≥ 140< 90

Ursachen von Hypertonie

Je nach Entstehung der Krankheit wird zwischen primärer und sekundärer Hypertonie unterschieden. Etwa 90 % der Betroffenen leiden an einer primären Hypertonie, deren Krankheitsentstehung noch weitgehend ungeklärt ist. Sekundäre Hypertonien treten meist infolge von Nierenerkrankungen auf. 4

Unbestritten ist der Einfluss verschiedener Ernährungs- und Umweltfaktoren auf die Entwicklung von Bluthochdruck. Neben der genetischen Veranlagung spielen eine hohe Aufnahme von Kochsalz, Nahrungsenergie und Alkohol sowie übergewicht, Diabetes mellitus Typ 2 und eine geringe Kaliumzufuhr als Risikofaktoren eine Rolle.

Symptome und Spätfolgen von Hypertonie

Typische Symptome von Hypertonie sind Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Leistungsminderung und Sehstörungen. Im fortgeschrittenen Stadium kommen Schmerzen in der Herzgegend und Atemnot bei Belastungen hinzu. Ohne angemessene Behandlung kann es zu schwerwiegenden Folgeschäden kommen, insbesondere durch das Fortschreiten atherosklerotischer Gefäßveränderungen in Herz, Gehirn, Nieren, Gliedmaßen und Augen. Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt mit zunehmendem Blutdruck kontinuierlich an.

Prävention und Therapie von Hypertonie

Zur Prävention und Therapie von Bluthochdruck wird empfohlen:

  • Vermeiden von Übergewicht bzw. Körpergewichtsreduktion
  • Ausreichende körperliche Aktivität
  • Verzehr einer Kost mit viel Obst und Gemüse sowie wenig Gesamtfett und gesättigten Fettsäuren
  • Reduktion des Konsums von Kochsalz und Alkohol

Hypertonie bei Vegetariern und Veganern

Vegetarisch-vegan lebende Menschen sind deutlich seltener von Hypertonie betroffen als Mischköstler (siehe Tabelle 2). Unter Berücksichtigung von Alter und Körpergewicht weisen Vegetarier und vor allem Veganer in den meisten Studien niedrigere Blutdruckwerte auf. 5 Der Blutdruck erhöht sich mit steigendem BMI besonders deutlich.

Tabelle 2: Altersbereinigte Häufigkeit der Hypertonie bei Teilnehmenden der EPIC-Oxford-Studie 5

GruppeHäufigkeit (%)
MännerFrauen
Fleischesser15,012,1
Fischesser9,89,6
Vegetarier9,88,9
Veganer5,87,7

Ernähren sich nicht vegetarisch lebende Menschen mit erhöhtem Blutdruck in Studien über mehrere Wochen lakto-ovo-vegetarisch oder vegan, lässt sich eine Verminderung des systolischen Blutdrucks um bis zu 5 mmHg beobachten. 6

Wichtigste Ursache für das seltenere Auftreten von Bluthochdruck bei Vegetariern und Veganern ist das geringere durchschnittliche Körpergewicht. Die Reduktion von übergewicht und das langfristige Beibehalten eines wünschenswerten Normalgewichts sind durch vegetarisch-vegane Kostformen gut umsetzbar und senken sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck.

Ernährungsfaktoren und Hypertonie

Kochsalz/Natrium

Die Höhe des Blutdrucks steht in Zusammenhang mit der aufgenommenen Menge an Kochsalz bzw. Natrium. In Bevölkerungen mit hohem Kochsalzverzehr tritt häufiger Bluthochdruck auf als bei solchen mit niedrigem Verzehr. In Deutschland wird das meiste Salz über verarbeitete Lebensmittel wie Brot, Fleisch, Wurst und Käse aufgenommen. Die durchschnittliche Natriumaufnahme übersteigt den Schätzwert für eine angemessene Zufuhr dabei um das 4-6-fache. 7

Die Auswirkungen der Salzaufnahme sind individuell sehr unterschiedlich, was mit dem Begriff der Salzsensitivität beschrieben wird. Der Blutdruck salzsensitiver Menschen mit Bluthochdruck steigt bei hoher Kochsalzzufuhr stärker an als bei nicht kochsalzempfindlichen Betroffenen.

Vegetarisch und vegan lebende Menschen nehmen nur teilweise weniger Kochsalz auf als die Allgemeinbevölkerung und überschreiten ebenfalls häufig die Zufuhrempfehlungen; ihre niedrigeren Blutdruckwerte sind jedoch unabhängig von der Salzzufuhr zu beobachten. 5, 6 Durch eine pflanzenbetonte Kost und gleichzeitige Reduktion der Natriumzufuhr lässt sich der Blutdruck zudem stärker senken als durch eine der beiden Maßnahmen allein.

Kalium, Magnesium, Kalzium

Durch eine kaliumreiche Kost, wie sie von Vegetariern und Veganern praktiziert wird, lässt sich das Risiko für Bluthochdruck senken. Von Bedeutung ist dabei vor allem das Natrium-Kalium-Verhältnis in der aufgenommenen Nahrung. Auch Magnesium und Kalzium sind für die Regulierung des Blutdrucks von Bedeutung.

Obst und Gemüse

Ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse senkt den Blutdruck. Besonders vegetarisch-vegan lebende Menschen führen über diese Lebensmittel überdurchschnittliche Mengen an Kalium und Magnesium zu. Neben der signifikanten Blutdrucksenkung führt ein gesteigerter Obst- und Gemüseverzehr zu einer Zunahme der Konzentration von Antioxidantien im Blut, was möglicherweise auch zu den günstigeren Blutdruckwerten der Vegetarier und Veganer beiträgt.

Pflanzliche und tierische Lebensmittel

Ein langjähriger Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln wie Vollgetreide, Obst und Nüssen wirkt Blutdruck senkend. Im Gegensatz dazu begünstigen tierische Lebensmittel, wie rotes Fleisch und Fleischprodukte, einen erhöhten Blutdruck. Der systolische Blutdruck, der durch den Verzehr von rotem Fleisch erhöht wird, sinkt bei der Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.

Aufgrund seiner Aminosäurenzusammensetzung wird pflanzlichem Protein ebenfalls ein Blutdruck senkendes Potential zugesprochen. Dieser Effekt wird auch in Studien zum Verzehr von Sojaprodukten diskutiert, wobei hier außerdem die antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen der in Sojabohnen vorkommenden Isoflavone eine Rolle spielen. 8

Fett

Bei der Beurteilung der Blutdruckwirkungen von Nahrungsfetten spielen die Fettqualität und die Zufuhrmenge eine Rolle. Die einfach ungesättigte Ölsäure (zum Beispiel im Olivenöl) hat im Austausch mit gesättigten Fettsäuren bis zu einer Gesamtfettaufnahme von etwa 37 % der Energie eine Blutdruck senkende Wirkung. Mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren, einschließlich der in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommenden α-Linolensäure, senken den Blutdruck ebenfalls, der Effekt ist jedoch gering.

Insgesamt trägt die im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung bei Vegetariern und Veganern geringere Aufnahme von Gesamtfett, gesättigten Fettsäuren und Cholesterin zur Blutdrucksenkung und zur Prävention von übergewicht als Risikofaktor der Hypertonie bei.

Alkohol

Regelmäßiger Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für Bluthochdruck, wobei sich der Blutdruck proportional zur verzehrten Alkoholmenge erhöht. Die bei vegetarisch-vegan lebenden Menschen beobachteten niedrigeren Blutdruckwerte treten jedoch unabhängig vom Alkoholkonsum auf. Neueren Untersuchungen zufolge trinken Vegetarier und Veganer meist nicht weniger Alkohol als Mischköstler. 9

Fazit

  • Vegetarier und Veganer haben im Durchschnitt niedrigere Blutdruckwerte und leiden seltener an Bluthochdruck als Nichtvegetarier.
  • Vegetarisch-vegane Kost eignet sich sowohl für die Prävention als auch die Therapie von Bluthochdruck.
  • Empfehlenswert sind ein reichlicher Verzehr von Obst und Gemüse und dadurch eine hohe Kalium- und Magnesiumzufuhr, eine höhere Zufuhr einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren sowie eine geringere Aufnahme von Fett, gesättigten Fettsäuren und Cholesterin.
  • Auch Vegetarier und Veganer können ihr Bluthochdruckrisiko durch Reduzierung der teilweise recht hohen Aufnahme von Kochsalz weiter senken.
  • Das meist günstigere Körpergewicht und die gesteigerte körperliche Aktivität von Vegetariern und Veganern senken das Risiko zusätzlich.

Literatur

1 Wolf-Maier K, Cooper RS, Banegas JR, Giampaoli S et al. (2003): Hypertension prevalence and blood pressure levels in 6 European countries, Canada, and the United States. JAMA 289 (18), 2363-9

2 WHO (World Health Organization) (2005): Der Europäische Gesundheitsbericht 2005: Maßnahmen für eine bessere Gesundheit der Kinder und der Bevölkerung insgesamt. Kopenhagen, S. 119

3 DHL (Deutsche Hochdruck Liga) (Hrsg) (2008): Leitlinien zur Behandlung der arte-riellen Hypertonie. Heidelberg

4 Elmadfa I, Leitzmann C (2004): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 4. Aufl., S. 558

5 Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2002): Hypertension and blood pressure among meat eaters, fish eaters, vegetarians and vegans in EPIC-Oxford. Public Health Nutr 5 (5), 645-54

6 Berkow SE, Barnard ND (2005): Blood pressure regulation and vegetarian diets. Nutr Rev 63 (1), 1-8

7 Max Rubner-Institut (Hrsg) (2008): National Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Karlsruhe, S. 127f

8 He J, Gu D, Wu X, Chen J et al. (2005): Effect of soy bean protein on blood pres-sure: a randomized, controlled trial. Ann Intern Med 143 (1), 1-9

9 Key TJ, Appleby PN, Spencer EA, Travis RC et al. (2009): Cancer incidence in vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl). 1613S-1619S