Diabetes mellitus Typ 2: Fleischfreie Ernährung senkt Risiko

Diabetes mellitus Typ 2: Fleischfreie Ernährung senkt Risiko Bildquelle: Piotr Marcinski / shutterstock.com

Bei Diabetes mellitus handelt es sich um verschiedene Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Kohlenhydratstoffwechsel gestört ist. Erfahren Sie, welchen Einfluss eine fleischfreie Ernährung auf diese Erkrankung hat.

Häufigkeit von Diabetes mellitus

Weltweit leiden etwa 250 Millionen Menschen an Diabetes mellitus.1 Da die Anzahl der erkrankten Personen weiter steigt, spricht die International Diabetes Federation bereits von der „Epidemie des 21. Jahrhunderts“.

In Deutschland wurden im Jahr 2007 mehr als 7 Millionen Menschen wegen Diabetes behandelt, das entspricht etwa 9 % der Bevölkerung. Ergänzt um die vermutete Dunkelziffer liegt die Zahl der tatsächlich Erkrankten vermutlich bei über 10 %.2

Etwa 80-90 % der Diabetiker leiden an Diabetes mellitus Typ 23, einer typischen Wohlstandserkrankung, die im Volksmund auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet wird. Bei Diabetes mellitus Typ 1 handelt es sich dagegen um eine Autoimmunerkrankung, deren Entstehung unabhängig von der Ernährungsweise ist.

Ursachen von Diabetes mellitus

Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und ist für die Senkung des Blutzuckerspiegels durch den Transport des Zuckers (Glukose) in die Zellen verantwortlich. Es wird ausgeschüttet, wenn der Blutzuckerspiegel nach der Nahrungsaufnahme ansteigt. Beim Typ-2-Diabetes tritt eine Insulinresistenz auf, das heißt, Insulin kann an den Zielgeweben wie beispielsweise der Skelettmuskulatur nicht ausreichend wirken.

Übergewicht und Bewegungsmangel sind entscheidende Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2; mehr als 80 % der Betroffenen sind übergewichtig. Eine Insulinresistenz wird besonders durch die Ablagerung von Fett im Oberbauch („Apfeltyp“) gefördert, da hier verstärkt freie Fettsäuren ins Blut abgegeben werden. Infolge einer erhöhten Konzentration von Glukose im Blut, die durch Überernährung und Insulinresistenz entsteht, muss die Bauchspeicheldrüse übermäßig Insulin produzieren, was langfristig zu einer Erschöpfung der Insulinausschüttung bis hin zum Versagen der Insulinbildung führt.

Glukose

Glukose wird auch als Traubenzucker bezeichnet. Sie ist Grundbaustein der Kohlenhydrate in Lebensmitteln und somit ein wichtiger Energielieferant für den Menschen.

Symptome von Diabetes mellitus

Die häufigsten Symptome des Diabetes mellitus sind gesteigerter Durst und Harndrang. Ursache der gesteigerten Harnproduktion ist, dass Glukose bei einer überhöhten Blutglukosekonzentration mit dem Urin ausgeschieden wird, weil sie nicht mehr von der Niere zurück gehalten werden kann.

Spätfolgen von Diabetes mellitus

Über eine Krankheitsdauer von 10-15 Jahren hinweg können sich diabetische Spätschäden entwickeln. Aufgrund der hohen Konzentration von Glukose im Blut entstehen Stoffwechselprodukte, die zu Veränderungen der großen Blutgefäße (Makroangiopathie) und der kleinen Blutgefäße (Mikroangiopathie) führen. Die Makroangiopathie entspricht der Atherosklerose und bedingt Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Bei der Mikroangiopathie werden vor allem die Netzhaut, die Nieren und die Nerven geschädigt.

Prävention und Therapie von Diabetes mellitus

Zur Prävention von Diabetes mellitus sowie zur Ernährung bei bereits bestehender Krankheit sollten folgende Ziele verfolgt werden:

  • Vermeidung bzw. Verringerung von Übergewicht
  • ausreichende körperliche Aktivität
  • maximal 30 % der gesamten Energiezufuhr über Fett
  • maximal 10 % der gesamten Energiezufuhr über gesättigte Fettsäuren
  • regelmäßiger Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte und niedrigem glykämischen Index, wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst
  • übermäßige Zufuhr von Proteinen meiden (0,8 g/kg Körpergewicht sind bedarfsdeckend)

Das ausschließliche Stillen von Säuglingen während der ersten Lebensmonate beugt einer späteren Diabeteserkrankung vor.

Für die Diabetesbehandlung sind die Ernährungstherapie und eine Normalisierung des Körpergewichts entscheidend. Da sich Menschen mit Diabetes in ihrem Nahrungsenergie- und Nährstoffbedarf nicht von Gesunden unterscheiden, gelten die gleichen Ernährungs- und Lebensmittelempfehlungen wie für die Allgemeinbevölkerung.

Glykämischer Index (GI)

Der glykämische Index (GI) beschreibt die Blutglukose steigernde Wirkung kohlenhydrathaltiger Lebensmittel (in Prozent) im Vergleich zur gleichen Kohlenhydratmenge in Form von Glukose. Der GI von Glukose wird mit 100 definiert. Das Maß ist unter anderem vom Verarbeitungsgrad des Lebensmittels abhängig; so haben beispielsweise Cornflakes einen GI von etwa 80, helles Weißmehlbrot und fein vermahlenes Vollkornbrot von 70 und gekochter Vollkornreis von 55. Empfehlenswert für Diabetiker sind Lebensmittel mit niedrigen GI-Werten wie Hülsenfrüchte (Linsen: 30) oder unerhitztes Getreide.

Glykämische Last (GL)

Die glykämische Last (GL) berücksichtigt zusätzlich die Menge der verzehrten Kohlenhydrate, sodass die Wirkung eines Lebensmittels oder einer Mahlzeit auf den Blutzuckerspiegel besser beurteilt werden kann. Sie berechnet sich als Produkt von GI und Kohlenhydratgehalt des Lebensmittels pro 100 g.

Diabetes mellitus bei Vegetariern und Veganern

Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben im Vergleich zu Fleischessern ein deutlich geringeres Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken (siehe Abbildung 1). Hierfür gibt es verschiedene Ursachen. Sie haben im Durchschnitt einen geringeren BMI als Mischköstler (Übergewicht und Adipositas sind wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes). Weiterhin weisen Vegetarier und Veganer niedrigere Glukose- und Insulinwerte im Nüchternblut sowie eine höhere Insulinempfindlichkeit auf.

Abbildung 1: Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 bei Teilnehmern der Adventist Health Study 25

Ballaststoffe und Gemüse senken das Risiko für Diabetes mellitus

Eine höhere Ballaststoffzufuhr durch Vollkorngetreide senkt das Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Der Effekt eines hohen Obst- und Gemüseverzehrs wird in Studien unterschiedlich bewertet; ein hoher Gemüseverzehr trägt jedoch präventiv zur Vorbeugung von Übergewicht bei.

Fleisch erhöht das Risiko für Diabetes mellitus

Ein Zusammenhang zwischen Fleischverzehr und Diabetesrisiko zeigt sich in zahlreichen Studien. So erhöht sich das Risiko für Typ-2-Diabetes im Vergleich zu Vegetariern und Veganern um etwa 30-40 %, wenn mindestens einmal wöchentlich Fleisch, Fisch und/oder daraus hergestellten Produkte gegessen werden.6,7 Je mehr Fleisch im Durchschnitt verzehrt wird, desto höher das Risiko.

Zu den möglichen Ursachen zählt die Zufuhr gesättigter Fettsäuren durch tierische Produkte, da gesättigte Fettsäuren überhöhte Insulinkonzentrationen im Blut fördern. Stickstoffverbindungen (wie Nitrit und Nitrosamine), die in verarbeiteten Fleisch- und Fischwaren enthalten sind, können die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse schädigen.

Auch überschüssiges Eisen aus Fleisch kann diese Zellen schädigen, da es die Bildung freier Sauerstoffradikale fördert. Zwar ist Eisen aus Fleisch gut verwertbar, hohe Eisenspeicher erhöhen jedoch neben dem Diabetesrisiko 8 auch das Risiko für andere chronische Krankheiten wie Atherosklerose und Krebs.

Unter Berücksichtigung zahlreicher weiterer Einflussfaktoren, insbesondere Übergewicht, zeigt sich, dass der Verzehr von Fleisch ein unabhängiger Risikofaktor für die Diabetesentstehung ist.

Beste Ergebnisse durch vegane Ernährung

In einer Studie wurde bei zwei vergleichbaren Gruppen mit übergewichtigen Typ-2-Diabetikern untersucht, welche Auswirkungen eine vegane Kost auf den Krankheitsverlauf hat. Dazu wurden eine vegane Gruppe und eine Vergleichsgruppe, die sich gemäß den Richtlinien der American Diabetes Association ernährte, gegenübergestellt. Die erzielte Gewichtsreduktion war bei beiden Versuchsgruppen vergleichbar.

Eine signifikant verbesserte Blutzuckerkontrolle und die Reduzierung von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden bei der veganen Gruppe erreicht.9 Die Dosis der medikamentösen Diabetesbehandlung konnte bei deutlich mehr Teilnehmern mit rein pflanzlicher Kost reduziert werden. Insgesamt war die vegane Kost wirkungsvoller in der Kontrolle von Blutglukose und Blutfetten als die konventionelle Ernährungstherapie.10,11

Fazit

  • Eine vegetarisch-vegane Ernährung reduziert das Diabetesrisiko. Ursache sind insbesondere die höhere Zufuhr von komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen aus pflanzlichen Lebensmitteln sowie eine geringere Zufuhr von Gesamtfett und gesättigten Fettsäuren.
  • Vegetarisch-vegane Kostformen beugen der Entstehung von Übergewicht, einem bedeutenden Risikofaktor für Diabetes mellitus, vor.
  • Mit vegetarisch-veganer Ernährung lässt sich eine Diabetestherapie leicht umsetzen und das Risiko diabetischer Spätschäden verringern.

Literatur

1 IDF (International Diabetes Federation) (2006): Diabetes epidemic out of control. Pressemitteilung vom 04.12. (2006): www.idf.org/home/index.cfm?unode=7f22 f450-B1ED-43BB-A57C-B975D16A812D (eingesehen am 08.07.2009)

2 DiabetesDE (Hrsg) (2010): Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2010, 177 S. Kirchheim Co. GmbH, Mainz, S. 8 u. 12

3 RKI (Robert Koch-Institut) (Hrsg) (2006): Gesundheit in Deutschland, 224 S. Berlin, S. 20

4 Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie, 569 S. Hippokrates, Stuttgart, 3. Aufl., S. 22

5 Tonstad S, Butler T, Yan R, Fraser GE (2009): Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes. Diabetes Care 32 (5), 791-6

6 Vang A, Singh PN, Lee JW, Haddad EH, Brinegar CH (2008): Meats, processed meats, obesity, weight gain and occurrence of diabetes among adults: findings from Adventists Health Studies. Ann Nutr Metab 52 (2), 96-104

7 Song Y, Manson JE, Buring JE, Liu S (2004): A prospective study of red meat con-sumption and type 2 diabetes in middle-aged and elderly women: the Women’s Health Study. Diabetes Care 27 (9), 2108-15

8 Jiang R, Manson JE, Meigs JB, Ma J et al. (2004): Body iron stores in relation to risk of type 2 diabetes in apparently healthy women. JAMA 291 (6), 711-7

9 Barnard ND, Cohen J, Jenkins DJ, Turner-McGrievy G et al. (2006): A low-fat vegan diet improves glycemic control and cardiovascular risk factors in a randomized clinical trial in individuals with type 2 diabetes. Diabetes Care 29 (8), 1777-83

10 Barnard ND, Cohen J, Jenkins DJ, Turner-McGrievy G et al. (2009): A low-fat vegan diet and a conventional diabetes diet in the treatment of type 2 diabetes: a randomized, controlled, 74-wk clinical trial. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1588S-1596S

11 Barnard ND, Gloede L, Cohen J, Jenkins DJ et al. (2009): A low-fat vegan diet elicits greater macronutrient changes, but is comparable in adherence and acceptability, compared with a more conventional diabetes diet among individuals with type 2 diabe-tes. J Am Diet Assoc 109 (2), 263-72