Demenz: Mit Ernährung Demenz-Risiko verringern

Demenz: Mit Ernährung Demenz-Risiko verringern Bildquelle: Barabasa / shutterstock.com

Demenz-Erkrankungen führen zu fortschreitenden degenerativen Veränderungen im Gehirn. Bei einer vegetarisch-veganen Ernährung ist das Demenz-Risiko verringert.

Demenz-Erkrankungen führen zu fortschreitenden degenerativen Veränderungen im Gehirn. In der Folge sind vor allem Gedächtnis (Kurzzeitgedächtnis), Denk- und Sprachvermögen, Orientierung und Motorik beeinträchtigt, hinzu kommen Abweichungen im Sozialverhalten sowie der emotionalen Kontrolle.

Formen und Ursachen von Demenz

Unterschieden werden die degenerative (v. a. Morbus Alzheimer) und die vaskuläre Form der Demenz. Während es bei der degenerativen Form zu Amyloid-Ablagerungen (unlösliche, veränderte Proteine) im Gehirn des Betroffenen kommt, führt bei der vaskulären Form eine verminderte Durchblutung (Ischämie) des Gehirns zu einer fehlenden Sauerstoffversorgung bestimmter Hirnareale.

Bekannter Risikofaktor für eine vaskuläre Demenz ist die Atherosklerose, die wiederum durch Hypertonie (Bluthochdruck), Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus Typ 2 und Hyperhomocysteinämie (erhöhter Homocysteinspiegel im Blut) begünstigt wird.

Bei Morbus Alzheimer sind die genauen Mechanismen der Krankheitsentwicklung bisher nicht im Detail bekannt. Jedoch spielen genetische Veranlagungen und Umweltfaktoren – einschließlich Ernährung – eine wichtige Rolle. Auch immunologische und chronisch entzündliche Vorgänge sowie eine Störung der Glukoseverwertung im Gehirn werden als Ursachen diskutiert.1,2

Häufigkeit von Demenz

Etwa 8 % der Bevölkerung über 65 Jahre entwickeln eine Demenz. Während Morbus Alzheimer in ungefähr 60 % der Fälle Ursache für die Demenz ist, sind Veränderungen des Kreislaufsystems (vaskuläre Demenz) für etwa 20 % der Fälle verantwortlich. Weitere 10 % ergeben sich aus einer Kombination von Morbus Alzheimer und der vaskulären Form.1

Ernährungsfaktoren bei Demenz

Zunehmend weisen Studien auf mögliche Ernährungseinflüsse hin. So wird die Amyloid-Bildung bei Morbus Alzheimer durch freie Radikale begünstigt, entsprechend spielen die Zufuhr von Antioxidantien (v. a. aus Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Nüssen) bzw. deren Gehalt im Blut eine wichtige Rolle. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Carotinoid- und Vitamin-E-Spiegel bei Demenzkranken signifikant verringert war, während eine steigende Zufuhr der Vitamine C und E das Risiko einer Erkrankung senkten.3

Eine Kombination erhöhter Homocystein-Spiegel mit niedrigen Plasmakonzentrationen an Folat, Vitamin B12 und Vitamin B6 wird bei Demenzerkrankten häufig beobachtet und gilt als ernährungsabhängiger Risikofaktor.4

Zusätzlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Fettzufuhr bzw. der Zusammensetzung der Nahrungsfette und Demenzerkrankungen. Während die Aufnahme von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren in epidemiologischen Studien das Demenzrisiko senkte, zeigte die Zufuhr von gesättigten bzw. trans-Fettsäuren einen negativen Einfluss.

Eine besondere Rolle spielen die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Niedrige Blutspiegel dieser langkettigen Fettsäuren wurden in Zusammenhang mit neuropsychiatrischen Krankheiten, beispielsweise Morbus Alzheimer, beobachtet.5 Zudem ist bei Alzheimerpatienten die DHA-Konzentration in bestimmten Hirnregionen signifikant erniedrigt.

Demenz bei vegetarisch-vegan lebenden Menschen

Während eine Teilstudie der Adventist Health Study ermittelt hat, dass Vegetarier und Veganer ein etwa halb so hohes Demenzrisiko aufweisen wie Fleisch- und Fischesser, zeigte eine andere Teilstudie keine signifikanten Unterschiede zwischen vegetarisch-vegan lebenden Menschen und Nicht-Vegetariern.6

In der Oxford Vegetarian Study wiesen Vegetarier ein signifikant höheres Sterberisiko an psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen auf.7 Da diese Todesfälle nur 36 von insgesamt 1.131 darstellen, sollte das Ergebnis jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Verschiedene Studien zeigen, dass mediterrane Kostformen mit einem höheren Konsum von Nüssen, Tomaten, Obst, Kohl- und dunkelgrünem Blattgemüse sowie einem niedrigeren Verzehr von fettreichen Milchprodukten, rotem Fleisch, Innereien und Butter mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden sind.8,9

  • Vegane Mittelmeerküche: gesunde mediterrane Kost

    Die mediterrane Küche rückt immer wieder in den Fokus des ernährungsphysiologischen Interesses. Untersuchungen zeigen, dass die Verzehrgewohnheiten beispielsweise in Italien gesundheitliche Vorteile bringen. Der folgende Artikel erläutert, welche Faktoren für die positiven Effekte verantwortlich sind.

Es ist davon auszugehen, dass sich bei Vegetariern und Veganern die höhere Zufuhr von Antioxidantien, Folat sowie von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren einerseits günstig auf das Demenzrisiko auswirken. Das seltenere Auftreten atherosklerotischer Risikofaktoren schützt außerdem vor der Entwicklung einer vaskulären Demenz.

Andererseits sind die vor allem bei Veganern vielfach beobachteten erhöhten Blutkonzentrationen an Homocystein sowie die schlechte Versorgung mit Vitamin B12 Risikofaktoren für Demenz-Erkrankungen. Insbesondere vegan lebende Menschen sollten daher auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 achten (über Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel oder mit Vitamin B12 angereicherte Zahncreme).

Wie sich die begrenzte Versorgung mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) auf das Demenzrisiko bei Vegetariern und Veganern auswirkt, ist aufgrund fehlender Studien weiter unklar.

Fazit

  • Eine vegetarisch-vegane Ernährung zeichnet sich durch eine höhere Zufuhr an Antioxidantien, Folat sowie einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus. Dies hat, ebenso wie mediterrane Kostformen, einen positiven Einfluss auf das Demenzrisiko.
  • Da atherosklerotische Risikofaktoren bei vegetarisch-vegan lebenden Menschen seltener vorkommen, ist auch ihr Risiko für eine vaskuläre Demenz verringert.
  • Die häufig bei Vegetariern, besonders Veganern, beobachtete erhöhte Blutkonzentration an Homocystein sowie die unzureichende Versorgung mit Vitamin B12 erhöhen das Demenzrisiko. Auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 sollte daher geachtet werden.
  • Ob die begrenzte Versorgung von Vegetariern und Veganern mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren einen Risikofaktor für Demenz darstellt, ist aufgrund der derzeitigen Studienlage noch unklar.

Literatur

1 Kasper H (2009): Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer, München, 11. Aufl. S. 446 u. 452

2 Gerlach R, Bickel A (2009): Fallbuch Neurologie. Thieme, Stuttgart, 2. Aufl. S. 109

3 Gillette Guyonnet S, Abellan Van Kan G, Andrieu S, Barberger Gateau P et al. (2007): IANA task force on nutrition and cognitive decline with aging. J Nutr Health Aging 11 (2), 132-52

4 Löffler G, Petrides PE (2003): Biochemie und Pathobiochemie. Springer, Berlin, 7. Aufl. S. 464

5 Young G, Conquer J (2005): Omega-3 fatty acids and neuropsychiatric disorders. Reprod Nutr Dev 45 (1), 1-28

6 Giem P, Beeson WL, Fraser GE (1993): The incidence of dementia and intake of animal products: preliminary findings from the Adventist Health Study. Neuroepidemiology 12 (1), 28-36

7 Appleb y PN, Key TJ, Thorogood M, Burr ML et al. (2002): Mortality in British vegetarians. Public Health Nutr 5 (1), 29-36

8 Solfrizzi V, Frisardi V, Seripa D, Logroscino G et al. (2011): Mediterranean diet in predementia and dementia syndromes. Curr Alzheimer Res 8 (5), 520-42

9 Gu Y, Nieves JW, Stern Y, Luchsinger JA et al. (2010): Food combination and Alzheimer disease risk: a protective diet. Arch Neurol 67 (6), 699-706