Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern

Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern
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Bei der Atherosklerose handelt es sich um eine krankhafte Verdickung und Verhärtung der Gefäßwände von Arterien. Vegetarisch-vegan lebende Menschen weisen seltener Risikofaktoren für Atherosklerose auf und erkranken seltener an koronarer Herzkrankheit.

Häufigstes klinisches Erscheinungsbild der Atherosklerose ist die koronare Herzkrankheit, bei der es zu Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße kommt. Typische Ausprägungen sind Angina pectoris, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und plötzlicher Herztod. Auch Gliedmaßen und Gehirn können von Durchblutungsstörungen betroffen sein, sodass es zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit bzw. zum Schlaganfall kommen kann.

Häufigkeit von Atherosklerose

Herz-Kreislauf-Erkrankungen (auch kardiovaskuläre Krankheiten genannt) sind weltweit die häufigste Todesursache. In Deutschland sind über 40 % der Todesfälle auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurückzuführen. Am häufigsten tritt dabei der akute Herzinfarkt auf.1 Insgesamt ging die Sterblichkeitsrate in Westeuropa seit 1970 um etwa die Hälfte zurück, in den sogenannten Entwicklungsländern und zum Teil in Osteuropa steigen die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die diesbezügliche Sterblichkeit jedoch weiter an.2

Entstehung der Atherosklerose

Die Entwicklung atherosklerotischer Gefäßveränderungen beginnt bereits im Kindes- und Jugendalter. Durch die Ablagerung von Cholesterin und körpereigenen Immunzellen (zusammen als Schaumzellen bezeichnet) entstehen im ersten Stadium der Atherosklerose sogenannte Fettstreifen (fatty streaks) (Abbildung 1). An dieser Stelle ist eine Rückbildung noch möglich. Durch die weitere Ansammlung von Schaumzellen und anderen Körperzellen vergrößern sich diese Ablagerungen zu atherosklerotischen Plaques, die das Blutgefäß verengen.

Bei fortschreitender Krankheit können die Ablagerungen teilweise durch Bindegewebe ersetzt werden und verkalken, wodurch es zum völligen Verschluss der Arterie kommen kann. Aufgrund der daraus resultierenden schlechteren Blutversorgung und damit eines Sauerstoff- und Nährstoffmangels der Gewebe und Organe werden diese geschädigt. Schließlich kann es zum Absterben ganzer Gewebeareale kommen, Herzinfarkt und Schlaganfall sind die Folge.

Abbildung 1: Entwicklung der Atherosklerose3

Entwicklung der Atherosklerose

Kardiovaskuläre Risikofaktoren

Das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen ist von zahlreichen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Risikofaktoren abhängig. Als nicht beeinflussbare Risikofaktoren gelten Alter, männliches Geschlecht und familiäre Veranlagung. Je mehr Risikofaktoren gleichzeitig auftreten und je länger und intensiver der Mensch ihnen ausgesetzt ist, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung von Atherosklerose und ihren Folgeerkrankungen. Für die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten ist ein präventiver Lebensstil ausschlaggebend.

Rauchen

Nichtrauchen schützt entscheidend vor der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen.4

Hypercholesterinämie (erhöhte Cholesterinwerte)

Erhöhte Cholesterinwerte zählen zu den häufigsten Fettstoffwechselstörungen und entstehen vor dem Hintergrund einer genetischen Veranlagung durch eine fett- und energiereiche Ernährungsweise. Das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird dabei durch hohe LDL-Cholesterinspiegel im Blut begünstigt. LDL-Cholesterin (auch „schlechtes“ Cholesterin genannt) transportiert Cholesterin in alle Gewebe des Körpers. Die Konzentration wird durch eine hohe Zufuhr von Nahrungsenergie, gesättigten Fettsäuren und trans-Fettsäuren erhöht.

Eine hohe Konzentration von HDL-Cholesterin senkt dagegen das kardiovaskuläre Risiko. HDL-Cholesterin (auch „gutes“ Cholesterin genannt) ist für den Rücktransport von Cholesterin zur Leber verantwortlich, wo es teilweise abgebaut wird. Abhängig vom individuellen Risikoprofil sollten die Blutwerte an Gesamtcholesterin unter 200 mg/dl und an LDL-Cholesterin unter 160 mg/dl liegen, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Bei Vorliegen einer kardiovaskulären Erkrankung sollte die LDL-Konzentration 100 mg/dl nicht übersteigen.5

Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben meist deutlich geringere Blutkonzentrationen an Gesamt- und LDL-Cholesterin als Fleischesser.6 Die HDL-Cholesterinkonzentrationen liegen sowohl höher als auch niedriger.6,7 Die günstigen Blutfettwerte von Vegetariern und Veganern sind vor allem auf die geringere Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin (aus tierischen Lebensmitteln) sowie die höhere Zufuhr von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie von Ballaststoffen (aus pflanzlichen Lebensmitteln) zurückzuführen.

Insbesondere die mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren senken das atherosklerotische und kardiovaskuläre Risiko. Eine gute Quelle für die pflanzliche Omega-3-Fettsäure α-Linolensäure sind beispielsweise Lein-, Raps- und Walnussöl. Studien zeigen, dass sich eine Ernährungsumstellung auf vegetarisch-vegane Kost positiv auf die Blutfettwerte auswirkt, was mit einer geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit und Sterberate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht.8

Hypertriglyzeridämie (erhöhte Triglyzeridwerte)

Eine erhöhte Konzentration von Triglyzeriden im Blut gilt als unabhängiger Risikofaktor der koronaren Herzkrankheit. Triglyzeride, auch Neutralfette genannt, dienen der Energiespeicherung und sind Hauptbestandteil des Fettgewebes. Frauen sind bei erhöhten Triglyzeridwerten besonders gefährdet. Das Risiko erhöht sich vor allem dann, wenn gleichzeitig niedrige HDL-Cholesterinspiegel vorliegen. Vegetarisch-vegan lebende Menschen weisen teilweise geringere Blutkonzentrationen an Triglyzeriden auf als Fleischesser.9

Hypertonie (Bluthochdruck)

Menschen mit Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko für Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ziel sollte ein Blutdruck unter 140/90 mmHg sein. Vegetarisch, insbesondere vegan lebende Menschen, weisen aufgrund ihrer Lebensmittelauswahl und ihres Lebensstils durchschnittlich niedrigere Blutdruckwerte auf.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus Typ 1 und 2 sind mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist bei männlichen Diabetikern etwa 1,5- bis 2-fach, bei Diabetikerinnen bis 4-fach höher als bei Nichtdiabetikern.5 Ausgelöst werden diese diabetischen Spätschäden durch atherosklerotische Schädigungen der Blutgefäße. Fettstoffwechselstörungen und erhöhte Blutzuckerwerte sind die wesentliche Ursache. Vegetarisch-vegan lebende Menschen sind seltener von Diabetes mellitus Typ 2 betroffen als die Allgemeinbevölkerung.

Übergewicht und Adipositas

Ein erhöhtes Körpergewicht ist ein eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und begünstigt darüber hinaus weitere Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörungen, Hypertonie und Diabetes mellitus. Das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen steigt dabei mit zunehmendem Körpergewicht, insbesondere bei Fetteinlagerungen im Oberbauch („Apfeltyp“). Vegetarier und Veganer sind deutlich seltener übergewichtig als Fleischesser und reduzieren dadurch ihr Risiko für Atherosklerose und deren Folgeerkrankungen.

Körperliche Aktivität

Bewegungsmangel erhöht das Risiko für und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Erwachsene sollten sich mindestens 30 Minuten pro Tag moderat bewegen (zum Beispiel Radfahren, zügiges Spazierengehen). Optimal sind drei Ausdauertrainingseinheiten (je 20-60 Minuten) und zwei bis drei kraft- und beweglichkeitsorientierte Trainingseinheiten pro Woche.

Hyperhomocysteinämie (erhöhte Homocysteinwerte)

Homocystein ist eine Aminosäure, die im Stoffwechsel aus der unentbehrlichen Aminosäure Methionin entsteht. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass erhöhte Blutspiegel an Homocystein einen unabhängigen Risikofaktor für Atherosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.10 Als Hauptursache für erhöhte Homocysteinwerte gilt eine unzureichende Versorgung mit Folat, Vitamin B6 und Vitamin B12, da diese Vitamine am enzymatischen Abbau von Homocystein beteiligt sind.

Aufgrund des hohen Verzehrs von Gemüse, Obst und Vollgetreide sind vegetarisch-vegan lebende Menschen meist deutlich besser mit Folat versorgt als Fleischesser. Insbesondere bei Veganern, aber auch bei Lakto-(Ovo-)Vegetariern mit sehr geringem Verzehr von Milchprodukten und Eiern, kann die Zufuhr von Vitamin B12 zu gering sein. Bei veganer Ernährung sollte eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 durch angereicherte Lebensmittel oder Supplemente sichergestellt werden.

Lebensmittelverzehr und kardiovaskuläres Risiko

Vegetarisch-vegan lebende Menschen weisen aufgrund ihrer Lebensmittelauswahl ein geringeres Risiko für Atherosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Besonders ein gesteigerter Verzehr von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Ölsamen wirkt sich positiv aus.

Pflanzliche Lebensmittel reduzieren das Herz-Kreislauf-Risiko

Ein hoher Verzehr von Gemüse und Obst verringert das Herz-Kreislauf-Risiko um etwa 15-35 % und der von Vollkornprodukten um etwa 20 %, jeweils verglichen mit einem niedrigen Verzehr.11 Besonders effektiv sind Nüsse: Werden mehr als 5 Portionen Nüsse pro Woche gegessen, sinkt das Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben, um etwa 37 %.12 Ein hoher Verzehr von Sojaprodukten senkt bei Frauen, jedoch nicht bei Männern, das kardiovaskuläre Risiko.13

Ursache für die schützende Wirkung pflanzlicher Lebensmittel ist ihr Gehalt an Vitaminen (zum Beispiel Vitamin C, Folat), Mineralstoffen (zum Beispiel Kalium, Magnesium), Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Für die Reduktion des kardiovaskulären Risikos ist jedoch das Zusammenwirken der genannten Inhaltsstoffe entscheidend. Die isolierte Aufnahme einzelner Wirkstoffe kann den Verzehr von Gemüse, Obst und anderen pflanzlichen Lebensmitteln nicht ersetzen.

Tierische Lebensmittel erhöhen das Herz-Kreislauf-Risiko

Im Gegensatz dazu ist Fleischverzehr ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Studie in den USA mit mehr als 500.000 Teilnehmern zeigte bei Männern mit dem höchsten Fleischverzehr ein um 27 % und bei Frauen ein um 50 % höheres kardiovaskuläres Sterblichkeitsrisiko, verglichen mit dem niedrigsten Verzehr.14 Je mehr rotes und verarbeitetes Fleisch verzehrt wurde, desto größer wurde das Risiko.

Auch ein hoher Verzehr von Eiern und fettreichen Milchprodukten steigert das Risiko eines Herzversagens; bereits der Konsum von einem Ei täglich hat negative Auswirkungen auf das kardiovaskuläre Risiko.15

Fazit

  • Vegetarisch-vegan lebende Menschen weisen seltener Risikofaktoren für Atherosklerose auf und erkranken bzw. sterben seltener an koronarer Herzkrankheit.
  • Eine vegetarisch-vegane Ernährungsweise fördert die arterielle Gesundheit aufgrund der geringeren Zufuhr an Nahrungsenergie und Fett, einer günstigeren Fettsäurezusammensetzung sowie durch den höheren Verzehr von Gemüse, Obst, Vollgetreide und Nüssen.
  • Andere Lebensstilfaktoren, wie Nichtrauchen und gesteigerte körperliche Aktivität, senken das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen ebenfalls.
  • Mit einem vegetarisch-veganen Lebensstil können sowohl in der Prävention als auch in der Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Erfolge erzielt werden.

Geprüft vom wissenschaftlichen Beirat des VEBU

Literatur

1 Statistisches Bundesamt (Hrsg) (2010): Todesursachen in Deutschland 2008. Wiesbaden, S. 7

2 Allender S, Scarborough P, Peto V, Rayner M et al. (2008): European cardiovascular disease statistics 2008. European Heart Networks, Brussels, p. 8

3 McGill HC Jr (1996): Overview. p. 151-61. In: Fuster V, Ross R, Topol EJ (Hrsg). Atherosclerosis and coronary artery disease. Lippincott-Raven Publishers, Philadelphia

4 White WB (2007): Smoking-related morbidity and mortality in the cardiovascular setting. Prev Cardiol 10 (2 Suppl 1), 1-4

5 Leitzmann C, Müller C, Michel P, Brehme U et al. (2009): Ernährung in Prävention und Therapie, 569 S. Hippokrates, Stuttgart, 3. Aufl., S. 333 u. 356f

6 Key TJ, Appleby PN (2001): Vegetarianism, coronary risk factors and coronary heart disease. p. 33-54. In: Sabaté J (ed). Vegetarian nutrition. CRC Press, Boca Raton, p. 35-7

7 Hoffmann I, Groeneveld MJ, Boeing H, Koebnick C et al. (2001): Giessen Wholesome Nutrition Study: relation between a health-conscious diet and blood lipids. Eur J Clin Nutr 55 (10), 887-95.

8 Brestrich M, Claus J, Blümchen G (1996): Die lactovegetabile Diät: Einfluss auf das Verhalten von Körpergewicht, Lipidstatus, das Fibrinogen und Lipoprotein (a) bei Herzkreislaufkranken während einer stationären Rehabilitationsmaßnahme. Z Kardiol 85 (6), 418-27

9 Nakamoto K, Watanabe S, Kudo H, Tanaka A (2008): Nutritional characteristics of middle-aged Japanese vegetarians. J Atheroscler Thromb 15 (3), 122-9

10 McCully KS (2007): Homocysteine, vitamins, and vascular disease prevention. Am J Clin Nutr 86 (5), 1563S-8S

11 Ströhle A, Waldmann A, Wolters M, Hahn A (2006): Vegetarische Ernährung: Präventives Potenzial und mögliche Risiken. Teil 1: Lebensmittel pflanzlicher Herkunft. Wien Klin Wochenschr 118 (19-20), 580-93

12 Sabaté J, Ang Y (2009): Nuts and health outcomes: new epidemiologic evidence. Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1643S-1648S

13 Kokubo Y, Iso H, Ishihara J, Okada K et al. (2007): Association of dietary intake of soy, beans, and isoflavones with risk of cerebral and myocardial infarctions in Japa-nese populations: the Japan Public Health Center-based (JPHC) study cohort I. Circulation 116 (22), 2553-62

14 Sinha R, Cross AJ, Graubard BI, Leitzmann MF, Schatzkin A (2009): Meat intake and mortality: a prospective study of over half a million people. Arch Intern Med 169 (6), 562-71

15 Djoussé L, Gaziano JM (2008): Egg consumption and risk of heart failure in the Physicians’ Health Study. Circulation 117 (4), 512-6