Adipositas: Mit veganer Ernährung Übergewicht vermeiden

Adipositas: Mit veganer Ernährung Übergewicht vermeiden
Bildquelle: www.BillionPhotos.com / shutterstock.com

Überernährung hat sich zu einem weltweiten Problem entwickelt. Nahrungsmittelauswahl und Körpergewicht haben einen entscheidenden Einfluss auf die Krankheitshäufigkeit und Sterberate der Bevölkerung.

Häufigkeit von Übergewicht

Laut Nationaler Verzehrsstudie II waren 2006 in Deutschland etwa 66 % der Männer und 51 % der Frauen übergewichtig oder adipös, wobei ein erhöhtes Körpergewicht mit niedrigem Bildungsniveau und niedrigem Einkommen assoziiert ist.1

Weltweit sind heute mit über 1,9 Milliarden mehr Menschen von Übergewicht betroffen als von Unterernährung (870 Millionen).2,3 Aufgrund der sich wandelnden Lebens- und Essgewohnheiten steigt gerade auch in den sogenannten Entwicklungsländern der Anteil übergewichtiger Menschen rapide an.4

Body-Mass-Index und Lebenserwartung

Der Body-Mass-Index (BMI) dient der Klassifizierung von Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas. Er berechnet sich wie folgt:

BMI= Körpergewicht (kg)/Körpergröße (m)²

Der BMI-Bereich mit der höchsten Lebenserwartung wird als Normalgewicht bezeichnet. Sowohl mit Über- als auch mit Untergewicht ist eine niedrigere Lebenserwartung verbunden (siehe Tabelle 1).

Klassifikation des BMI5

KlassifikationBMI (kg/m²)
FrauenMänner
Untergewicht< 19< 20
Normalgewicht19-23,920-24,9
Übergewicht24-29,925-29,9
Adipositas30-4030-40
massive Adipositas> 40> 40

Übergewicht begünstigt die Entwicklung zahlreicher Erkrankungen

Mit steigendem BMI erhöht sich das Risiko von Begleiterkrankungen:

  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Diabetes mellitus Typ 2 („Altersdiabetes“)
  • Dyslipidämien (Fettstoffwechselstörungen)
  • Störungen der Hämostase (Blutstillung)
  • Gicht
  • Gallensteine
  • Schlafapnoe (Atemstillstand während des Schlafes)
  • nichtalkoholische Fettleber
  • Krebs
  • Hauterkrankungen
  • Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates
  • Störungen der Fertilität (Fruchtbarkeit)
  • reduzierte Beweglichkeit und Ausdauer
  • psychosoziale Probleme

„Apfeltyp“ stärker gefährdet als „Birnentyp“

Menschen mit Fetteinlagerungen im Oberbauch („Apfeltyp“) sind besonders gefährdet für Stoffwechselerkrankungen und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Das Risiko dieser gewichtsbedingten Folgeerkrankungen lässt sich mittels Messung des Taillenumfangs einfach und aussagekräftig beurteilen.

Liegt der Taillenumfang bei Frauen über 80 cm und bei Männern über 94 cm, ist das Risiko erhöht. Ab 88 cm bzw. 104 cm besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für stoffwechselbedingte Folgeerkrankungen. Übergewichtige mit Fetteinlagerungen im Hüft- und Oberschenkelbereich („Birnentyp“) sind weniger gefährdet, Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten zu entwickeln.

Ursachen von Übergewicht

Hauptursache für die Entstehung von Übergewicht ist eine langfristig positive Energiebilanz, bedingt durch eine zu hohe Nahrungsenergieaufnahme bei unzureichender körperlicher Aktivität. Vor allem der regelmäßige Verzehr von Lebensmitteln mit hoher Energiedichte trägt zur Adipositasentstehung bei.

Die Prägung im Mutterleib sowie die frühkindliche Ernährung liefern Hinweise für das familiär gehäufte Auftreten von Adipositas. Ernährungsgewohnheiten festigen sich bereits im Kindesalter, weshalb die Weitergabe falscher Essgewohnheiten langfristig die Entstehung von Übergewicht fördern kann. Durch die Verwendung von beispielsweise Süßigkeiten und zuckerhaltigen Getränken als Trost oder Belohnung werden Kinder an diese Lebensmittel gewöhnt und können ihre natürlichen Regelmechanismen verlieren, die die Nahrungsaufnahme steuern.

Weitere wichtige Faktoren bei der Entstehung von Übergewicht

  • genetische Veranlagung
  • hoher Alkoholkonsum
  • gestörte Appetitregulation
  • Erkrankungen der Hormondrüsen
  • konstitutionelle Faktoren (Alter, Geschlecht)
  • psychosoziale Faktoren (z. B. Außenreizabhängigkeit)
  • soziale Faktoren (z. B. Umfeldbedingungen, sozioökonomischer Status)

Prävention von Übergewicht

Im Vordergrund steht die Vorbeugung von Übergewicht durch einen individuellen, präventiven Lebensstil. Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Vorbildfunktion der Eltern sowie das gesellschaftliche Umfeld im Kindesalter. Für eine breite Umsetzung wünschenswerten Ernährungs- und Bewegungsverhaltens sind daher auch gesellschaftliche Veränderungen notwendig.

Therapie von Übergewicht

Ziel der Adipositasbehandlung ist eine langfristige Gewichtsreduktion, die zur Normalisierung der Blutwerte und weiterer Krankheitsindikatoren führt. Aufgrund der vielfältigen Faktoren, die zur Entstehung von Übergewicht beitragen, vereinen die erfolgversprechendsten Programme Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie.

Um langfristige Erfolge zu gewährleisten, müssen die veränderten Ernährungsgewohnheiten auch nach Erreichen des Therapiezieles beibehalten werden. Gute Ergebnisse lassen sich vor allem durch vegetarische Kostformen auf Basis von Gemüse, Obst, Vollgetreide und Hülsenfrüchten erzielen, die bei hoher Nährstoffdichte eine geringe Energiedichte aufweisen.

Übergewicht bei Vegetariern und Veganern

Körpergewicht und BMI von vegetarisch-vegan lebenden Menschen sind im Durchschnitt niedriger als in der Gesamtbevölkerung, wobei der BMI von Veganern über Lakto-(Ovo-)Vegetariern hin zu Fleischessern ansteigt.6 Vegetarisch-vegan lebende Menschen leiden auch deutlich seltener an Übergewicht. Ursachen hierfür liegen einerseits im präventiven Effekt der vegetarisch-veganen Kost, andererseits im Lebensstil vieler Vegetarier und Veganer.

Eine vegetarisch-vegane Kost enthält meist einen höheren Anteil an komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen sowie weniger Protein und Gesamtfett und liefert damit bei gleichem Volumen weniger Energie als eine Mischkost. Durch die erhöhte Ballaststoffzufuhr wird eine schnellere und länger anhaltende Sättigung erreicht.

Die Nahrungsenergiezufuhr liegt bei den meisten Vegetariern im Bereich der Empfehlungen, bei Veganern teilweise auch darunter. Eine zu hohe Nahrungsenergiezufuhr kann besonders durch die Verwendung fettreicher Milchprodukte wie Butter, Sahne oder Käse entstehen. Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben jedoch in der Regel eine geringere Fettzufuhr als die Durchschnittsbevölkerung. In Studien korreliert ein höherer BMI mit einer gesteigerten Zufuhr an Protein und tierischen Fetten.7,8 Zudem zeigen Untersuchungen, dass vegetarische Kostformen den bestehenden Ernährungsempfehlungen entsprechen und für eine Gewichtsreduktion empfohlen werden können.9

Des Weiteren treiben Vegetarier und Veganer häufiger und regelmäßiger Sport als vergleichbare Mischköstler.10 Sie haben oft ein höheres Bildungsniveau und setzen sich bewusster mit ihrer Ernährung auseinander. Unterschiede im Alkoholkonsum von vegetarisch, vegan und nicht vegetarisch lebenden Menschen sind nach neueren Untersuchungen jedoch geringer als früher beschrieben.

Fazit

  • Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben im Durchschnitt ein niedrigeres Körpergewicht und einen niedrigeren BMI als Mischköstler.
  • Vegetarier, besonders Veganer, leiden selten an Übergewicht und Adipositas; dies senkt das Risiko für zahlreiche chronische Krankheiten.
  • Vegetarisch-vegan lebende Menschen sind körperlich aktiver als die Allgemeinbevölkerung.
  • Eine pflanzenbetonte Lebensmittelauswahl hilft, Übergewicht zu verhindern.
  • Vegetarische Kostformen können erfolgversprechend in der Therapie von Übergewicht und Adipositas eingesetzt werden.

 

Geprüft vom wissenschaftlichen Beirat des VEBU

Literatur

1 Max Rubner-Institut (Hrsg) (2008): Nationale Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 1. Karlsruhe, S. 81, 88 und 90

2 Worldwatch Institute (2013): Nearly Two Billion People Worldwide Now Overweight. www.worldwatch.org/nearly-two-billion-people-worldwide-now-overweight (abgerufen 10.09.2013)

3 FAO (Food and Agriculture Organization) (2012): Globally almost 870 million chronically undernourished – new hunger report. www.fao.org/news/story/en/item/161819/ (abgerufen 10.09.2013)

4 FAO (Food and Agriculture Organization) (2013): The State of Food and Agriculture. Rome 2013. S. 17

5 Elmadfa I, Leitzmann C (2004): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 4. Aufl., S. 519

6 Tonstad S, Butler T, Yan R, Fraser GE (2009): Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes. Diabetes Care 32 (5), 791-6

7 Spencer EA, Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2003): Diet and body mass index in 38000 EPIC-Oxford meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans. Int J Obes Re-lat Metab Disord 27 (6), 728-34

8 Sabaté J, Blix G (2001): Vegetarian diets and obesity control. p. 91-107. In: Sabaté J (ed). Vegetarian nutrition. CRC Press, Boca Raton, p. 103

9 Farmer B, Larson BT, Fulgoni VL 3rd, Rainville AJ, Liepa GU (2011): A vegetarian dietary pattern as a nutrient-dense approach to weight management: an analysis of the national health and nutrition examination survey 1999-2004. J Am Diet Assoc 111 (6), 819-27

10 Baines S, Powers J, Brown WJ (2007): How does the health and well-being of young Australian vegetarian and semi-vegetarian women compare with non-vegetarians? Public Health Nutr 10 (5), 436-42