Vegetarisch-vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen

Vegetarisch-vegane Ernährung bei Kindern und Jugendlichen Bildquelle: aboikis / shutterstock.com

Eine ausgewogene und vollwertige vegetarische oder vegane Ernährung kann schon im Kindes- und Jugendalter den Grundstein für eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise legen und das Risiko für ernährungsmitbedingte Krankheiten senken.

Vegetarisch-vegane Ernährung wirkt ernährungsmitbedingten Erkrankungen entgegen

Das individuelle Ernährungsverhalten von Erwachsenen wird maßgeblich durch die Essgewohnheiten in der frühen Kindheit geprägt. Eine ausgewogene und vollwertige vegetarische oder vegane Kost kann schon im Kindes- und Jugendalter den Grundstein für eine gesundheitsfördernde Ernährungsweise legen, die auch später im Leben beibehalten wird.

Zudem entwickeln sich die meisten ernährungsmitbedingten Erkrankungen über Jahrzehnte hinweg. So weisen in Studien bereits 30 % der 8- bis 11-Jährigen und 70 % der 12- bis 15-Jährigen Veränderungen der Blutgefäße auf, die die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.1 Eine vegetarisch-vegane Ernährung kann das spätere Risiko für Übergewicht und andere ernährungsmitbedingte Krankheiten senken und außerdem dem erhöhten Nährstoffbedarf in diesen Lebensphasen gerecht werden.2,3

Im Vergleich zu erwachsenen Vegetariern und Veganern gibt es bisher wenige Studien, die vegetarisch-vegan lebende Kinder und Jugendliche untersucht haben. Dennoch lassen sich daraus wichtige Informationen ableiten.

Vegetarisch-vegane Ernährung bei Schulkindern (6-12 Jahre)

Der Nährstoffbedarf von Schulkindern ist dem von Erwachsenen bereits stark angenähert. Mit einer abwechslungsreichen vegetarisch-veganen Ernährung ist in dieser Lebensphase eine gute Nährstoffversorgung möglich. In einer Studie mit 7- bis 11-jährigen Schulkindern wurden die Zufuhrempfehlungen für die meisten Vitamine und Mineralstoffe von deutlich mehr vegetarisch-vegan lebenden Kindern als Fleischessern erreicht.4

Eisen und Zink – wichtig für Schulkinder

Bei der Versorgung mit Eisen und Zink schnitten die vegetarisch-vegan ernährten Kinder jedoch etwas schlechter ab. Ein Drittel der Fleisch essenden, aber die Hälfte der vegetarisch-vegan lebenden Kinder hatte sehr niedrige Eisenwerte (Hämoglobin). Bei vegetarisch-vegan ernährten Kindern sollte deshalb besonders auf die Eisen- und Zinkzufuhr geachtet werden. Neben eisen- und zinkreichen Lebensmitteln kommen im Bedarfsfall auch entsprechend angereicherte Produkte wie Frühstückszerealien in Frage.

Kalzium, Vitamin B2 und Vitamin B12 – wichtig für Schulkinder

Bei vegan lebenden Kindern sollte außerdem eine ausreichende Energiezufuhr sowie die Versorgung mit Kalzium und Vitamin B2 sichergestellt werden. Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung nach derzeitigem Wissensstand nur über die Verwendung von mit Vitamin B12 angereicherten Lebensmitteln, Vitamin-B12-Zahncreme oder Nahrungsergänzungsmitteln möglich.

Vitamin D – wichtig für Schulkinder

Unabhängig von der Ernährungsweise sollten sich Schulkinder regelmäßig im Freien aufhalten, da Sonnenlicht die Haut zur Produktion von Vitamin D anregt. In den Wintermonaten ist die Eigenproduktion jedoch stark eingeschränkt oder kommt ganz zum Erliegen. Entsprechend kann die Vitamin-D-Versorgung durch angereicherte Lebensmittel oder Vitamin-D-Präparate verbessert werden.

Hohen Verzehr von tierischem Protein vermeiden

Untersuchungen haben gezeigt, dass ein hoher Verzehr von tierischem Protein (Eiweiß), besonders aus Milch und Milchprodukten, im Alter von 5-6 Jahren in den folgenden Lebensjahren zu einem höheren BMI und Körperfettanteil führen kann.5

Vegetarisch-vegane Ernährung bei Jugendlichen (13-18 Jahre)

Während der Pubertät erhöht sich der Energie- und Nährstoffbedarf von Jugendlichen deutlich. Ein ausgeprägter Wachstumsschub findet bei Mädchen zwischen dem 10. und 13. Lebensjahr und bei Jungen zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr statt.6

Kalzium – wichtig für Jugendliche

In dieser Phase steigt der Kalziumbedarf, da zusätzliche Knochensubstanz aufgebaut werden muss. Neben Milch und Milchprodukten können Hülsenfrüchte, „Sojafleisch“, grünes (Blatt-)Gemüse, Nüsse, Tofu, Mineralwasser und mit Kalzium angereicherte Soja- oder Getreidemilch als gute Kalziumquellen dienen.

Eisen – wichtig für Jugendliche

In der Wachstumsphase nehmen das Blutvolumen und damit der Eisenbedarf zu. Besonders bei Mädchen besteht mit Einsetzen der Menstruationsblutung das Risiko einer Unterversorgung mit Eisen. Pflanzliche Eisenlieferanten, wie Vollgetreide, Hülsenfrüchte, Ölsamen, Nüsse, „Sojafleisch“ und Trockenfrüchte, sollten für eine bessere Eisenaufnahme in Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln, wie Obst und Gemüse, gegessen werden.

Zink – wichtig für Jugendliche

Da Zink in der körperlichen Entwicklung und der sexuellen Reifung eine Rolle spielt, steigt auch der Zinkbedarf in der Jugend. Ebenso wie bei Eisen liegt auch die Zinkversorgung bei vegetarisch-vegan lebenden Teenagern tendenziell etwas niedriger als bei Mischköstlern.7 Dennoch gelten beide Mineralstoffe bei allen Jugendlichen als potentiell kritische Nährstoffe, die besondere Aufmerksamkeit erfordern.

Vitamin B2 und Vitamin B12 – wichtig für Jugendliche

Bei einer veganen Ernährung sollten Jugendliche außerdem auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B2 und Vitamin B12 achten.

Vegetarisch-vegan lebende Jugendliche ernähren sich meist gesünder als Fleischesser

Einige Studien zeigen, dass sich vegetarisch-vegan lebende Jugendliche meist gesünder ernähren als Fleischesser. In einer US-amerikanischen Studie erreichten mehr Vegetarier und Veganer die gesundheitsfördernden Ernährungsempfehlungen, beispielsweise mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich zu verzehren sowie maximal 30 % der täglichen Energieaufnahme aus Fett und maximal 10 % aus gesättigten Fettsäuren zu decken.8 Auch die Versorgung mit Ballaststoffen, Folat, Eisen und Vitamin A war besser als bei den Fleischessern. Die Vegetarier und Veganer nahmen jedoch weniger Vitamin B12 zu sich. Die empfohlene Kalziumzufuhr wurde von keiner Gruppe erreicht.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass eine vegetarisch-vegane Ernährung im Jugendalter nicht als Problemphase oder Modeerscheinung gesehen werden sollte, sondern als gesundheitsfördernde Alternative zur üblichen Durchschnittskost.

Fazit

  • Eine vollwertige vegetarische oder vegane Ernährung im Kindes- und Jugendalter trägt zum Schutz vor chronischen Erkrankungen im späteren Leben bei.
  • Schulkinder (6-12 Jahre), die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sind bei einer vielseitigen und vollwertigen Lebensmittelauswahl gut mit allen Nährstoffen versorgt.
  • Ein eingeschränkter Verzehr proteinreicher tierischer Lebensmittel im Kindesalter beugt der späteren Entstehung von Übergewicht vor.
  • Auch bei Jugendlichen (13-18 Jahre) kann eine vollwertige vegetarisch-vegane Ernährung den erhöhten Nährstoffbedarf leicht decken und gleichzeitig vor Übergewicht schützen.
  • Gerade bei Jugendlichen bieten vegetarisch-vegane Ernährungsweisen eine deutlich gesündere Alternative zur üblichen Durchschnittskost.
  • Bei veganer Lebensweise sollte auf die Zufuhr kritischer Nährstoffe, wie Vitamin B12 (angereicherte Lebensmittel/Supplemente), Kalzium, Zink und Eisen, besonders geachtet werden.

Geprüft vom wissenschaftlichen Beirat des VEBU

Literatur

1 Stary HC (2000): Lipid and macrophage accumulations in arteries of children and the development of atherosclerosis. Am J Clin Nutr 72 (5 Suppl), 1297S-1306S

2 Sabaté J, Wien M (2010): Vegetarian diets and childhood obesity prevention. Am J Clin Nutr 91 (5), 1525S-1529S

3 Amit M (2010): Vegetarian diets in children and adolescents. Paediatr Child Health 15 (5), 303-8

4 Nathan I, Hackett AF, Kirby S (1996): The dietary intake of a group of vegetarian children aged 7-11 years compared with matches omnivores. Br J Nutr 75 (4), 533-44

5 Günther AL, Remer T, Kroke A, Buyken AE (2007): Early protein intake and later obesity risk: which protein sources at which time points throughout infancy and childhood are important for body mass index and body fat percentage at 7 y of age? Am J Clin Nutr 86 (6), 1765-72

6 Elmadfa I, Leitzmann C (2004): Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 4. Aufl., S. 494

7 Donovan UM, Gibson RS (1995): Iron and zinc status of young women aged 14 to 19 years consuming vegetarian and omnivorous diets. J Am Coll Nutr 14 (5), 463-72

8 Perry CL, McGuire MT, Neumark-Sztainer D, Story M (2002): Adolescent vegetarians: how well do their dietary patterns meet the healthy people 2010 objectives? Arch Pediatr Adolesc Med 156 (5), 431-7