Lebenserwartung von vegetarisch-vegan lebenden Menschen

Lebenserwartung von vegetarisch-vegan lebenden Menschen Bildquelle: KonstantinChristian / shutterstock.com

Aus dem Zusammenspiel von genetischen Einflüssen, der Ernährung und anderen Faktoren ergibt sich die Lebensdauer eines Menschen. Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben eine etwa halb so hohe Sterblichkeitsrate wie die Allgemeinbevölkerung.

Lebenserwartung in Deutschland

Die durchschnittliche – oder mittlere – Lebenserwartung wird für Neugeborene angegeben und beschreibt, wie viele Jahre diese bei aktuellen Sterblichkeitsverhältnissen im Durchschnitt leben würden. Für andere Altersgruppen wird die sogenannte fernere Lebenserwartung verwendet, die die im Durchschnitt noch zu erwartenden Lebensjahre angibt. Die Lebensdauer ist also kein Maß zur Vorhersage der tatsächlichen Lebensdauer, sondern eignet sich zur umfassenden Beurteilung des Gesundheitsstatus einer Bevölkerung.

Aufgrund verbesserter medizinischer und hygienischer Bedingungen sowie einer gesicherten Ernährung ist die Lebenserwartung in den Industrieländern im Laufe des letzten Jahrhunderts deutlich angestiegen. Im Jahr 2010 lag sie in Deutschland für neugeborene Mädchen bei 82,6 Jahren und für Jungen bei 77,5 Jahren.1

Chronische Erkrankungen verkürzen die Lebensdauer

In wissenschaftlichen Studien wird neben der Lebenserwartung die Sterblichkeitsrate untersucht. Sie beschreibt die Anzahl der Todesfälle bezogen auf eine definierte Bevölkerung (z. B. die Gesamtbevölkerung) in einem bestimmten Zeitraum (z. B. einem Jahr). Chronische Erkrankungen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2 und Krebs verkürzen die Lebensdauer und vermindern die Lebensqualität.

Vegetarisch-vegane Lebensweise und Lebenserwartung

Eine ausgewogene vegetarisch-vegane Lebensweise ist geeignet, das Risiko für die genannten Zivilisationskrankheiten deutlich zu verringern. Entsprechend weisen vegetarisch-vegan lebende Menschen in Studien eine teilweise nur halb so hohe Sterblichkeitsrate wie die Allgemeinbevölkerung auf.2 Sie sterben insbesondere seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was hauptsächlich mit günstigeren Blutfettwerten, wie einem niedrigeren Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegel, zusammenhängt.

Mehr Obst und Gemüse und weniger Fleisch verlängern die Lebenserwartung

Aber auch gesundheitsbewusste Fleischesser haben ähnlich niedrige Sterblichkeitsraten wie Vegetarier und Veganer. Werden Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, BMI und Bildungsstand berücksichtigt, gibt es in manchen Studien keine Unterschiede mehr in der Sterblichkeit von vegetarisch-vegan lebenden und Fleisch essenden Teilnehmern.3

Das zeigt, dass nicht allein das Meiden von Fleisch und anderen tierischen Produkten, sondern auch andere Ernährungs- und Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Nichtvegetarier in den Studien deutlich weniger Fleisch sowie deutlich mehr Obst und Gemüse verzehren als die Allgemeinbevölkerung.

Die Lebenserwartung steigt bei Ernährungsmustern mit einem hohen Verzehrsanteil an pflanzlichen Lebensmitteln. Ein hoher Fleischkonsum geht dagegen mit einem geringeren Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln und damit schützenden Inhaltsstoffen, wie sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen, einher. Dies hat ein höheres Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine geringere Lebenserwartung zur Folge. Aktuelle Studien zeigen, dass die Sterblichkeitsrate umso höher liegt, je höher der Fleischverzehr ist.4

Fazit

  • Vegetarisch-vegan lebende Menschen haben eine etwa halb so hohe Sterblichkeitsrate wie die Allgemeinbevölkerung.
  • Der vermehrte Verzehr gesundheitsfördernder pflanzlicher Lebensmittel erhöht die Lebenserwartung.
  • Ein hoher Fleischkonsum senkt die Lebenserwartung.

Literatur

1 Statistisches Bundesamt (Hrsg) (2011): Sterbetafel Deutschland 2008/10. Wiesbaden

2 Key TJ, Appleby PN, Spencer EA, Travis RC et al. (2009): Cancer incidence in vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1613S-1619S

3 Chang-Claude J, Hermann S, Eilber U, Steindorf K (2005): Lifestyle determinants and mortality in German vegetarians and health-conscious persons: results of a 21-year follow-up. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 14 (4), 963-8

4 Sinha R, Cross AJ, Graubard BI, Leitzmann MF, Schatzkin A (2009): Meat intake and mortality: a prospective study of over half a million people. Arch Intern Med 169 (6), 562-71