Im April 2016 brachte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein Positionspapier zu veganer Ernährung heraus.1 Auf elf Seiten wird hier neben Vorteilen und Handlungsempfehlungen auch auf die potenziellen Risiken einer veganen Ernährung eingegangen. Dass vegan lebenden Menschen diese Risiken bekannt sind und sie diese mit Nahrungsergänzungsmitteln minimieren, das hat auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) über Stichprobenbefragungen im April 2016 ermittelt.2

Gesundheitliche Vorteile einer veganen Ernährung

Die DGE macht in ihrer Stellungnahme deutlich, dass „ein hoher Anteil an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Gemüse und Obst viele Krankheitsrisiken senken (z. B. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes mellitus Typ 2, Adipositas, Bluthochdruck, verschiedene Formen von Tumoren)”. 3, 4 Darüber hinaus bestätigt sie, dass der hohe Verzehr „von rotem Fleisch und insbesondere von Fleischerzeugnissen das Risiko für viele Krankheiten erhöht“. 5, 6, 7Eine pflanzenbetonte Ernährung (mit oder ohne einem geringen Fleischanteil) geht also laut DGE mit einer Risikosenkung für ernährungsmitbedingte Krankheiten einher – im Gegensatz zu der derzeit in Deutschland üblichen fleischlastigen Kost.

Zusätzlich empfiehlt die DGE selbst die erhöhte Aufnahme von mehrfach ungesättigten Fettsäuren und die Reduktion gesättigter Fettsäuren. Hierdurch sinkt nachweislich das Risiko für koronare Herzkrankheiten und die Gesamt- und LDL-Cholesterinkonzentration. Erreicht wird dies durch die Reduktion der Aufnahme tierischer Fette und die vermehrte Aufnahme von pflanzlichen Fetten.8 Gerade eine vegane Ernährung ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Der VEBU weist außerdem auf Studien aus England hin, in denen nachgewiesen wurde, dass der BMI (Body-Mass-Index) von sich vegan ernährenden Menschen im Durchschnitt niedriger ist, als von Menschen, welche sich mit tierischen Produkten ernähren. Es wurde außerdem ein direkter Zusammenhang zwischen veganer Ernährung und einem geringeren Typ-2-Diabetes-Risiko nachgewiesen.9

Kritische Nährstoffe bei veganer Ernährung

Trotz der wissenschaftlich bestätigten positiven Aspekte einer veganen Ernährung, rät die DGE zu einer Ernährung mit allen Lebensmittelgruppen, also auch zu Fleisch und Milchprodukten. Im Gegensatz zur Academy of Nutrition and Dietetics (A.N.D.), der Amerikanischen Gesellschaft für Ernährung, oder den Ernährungsempfehlungen des National Health and Medical Research Council in Australien, welche eine gut geplante vegane Ernährung in allen Altersgruppen, einschließlich Schwangerschaft und Stillzeit sowie Kleinkindalter und Jugend für geeignet halten, 10 bezeichnet die DGE eine Ernährung, bei welcher Nährstoffe zusätzlich zugeführt werden müssen, als gesundheitlich ungünstig.

Der VEBU vertritt wie die A.N.D. die Auffassung, dass eine vegane Ernährung in allen Lebensphasen geeignet ist. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass alle essentiellen Nährstoffe zugeführt werden und regelmäßig Untersuchungen beim Hausarzt erfolgen. Das Ziel des VEBU ist es, die nötigen Informationen bereitzustellen.

  • Nährstoffe

    Auf die ausreichende Aufnahme welcher Nährstoffe bei veganer Ernährung geachtet werden sollte und wie einfach sich das gestalten lässt, hat der VEBU auf der folgenden Seite ausführlich dargestellt. Weiterlesen…

Vitamin B12 – wichtig bei veganer Ernährung

Will man sich vegan ernähren, muss auch laut DGE vor allem auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 geachtet werden. Eine gesunde vegane Ernährung sei laut DGE nur dann möglich, wenn Vitamin B12 supplementiert und regelmäßig kontrolliert wird. Der VEBU empfiehlt neben der Einnahme von Vitamin-B12-Nährstoffpräparaten auch die Verwendung der Vitamin-B12-Zahnpasta.

Bundesweit sind bis zu 11 Millionen Menschen von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen – unabhängig von der Ernährungsweise. Gerade ältere Menschen im Alter von über 65 Jahren haben oft einen Vitamin-B12-Mangel. Die optimale Versorgung von Vitamin B12 ist somit nicht nur Thema bei einer vegan-vegetarischen Ernährung.11

Auf eine regelmäßige Kontrolle des Vitamin-B12-Status ist bei allen Einnahmeformen zu achten, da Stoffwechselvorgänge individuell voneinander abweichen können. So kann es vorkommen, dass einige Menschen Vitamin B12 in ausreichender Menge über die Mundschleimhaut, andere diese Menge jedoch erst über die Darmschleimhaut aufnehmen können und deshalb ein Präparat in Tablettenform benötigen. Sogar die ausreichende Aufnahme von Vitamin B12 über die Darmschleimhaut ist nicht immer garantiert. In diesem Fall erfolgt die Substitution durch vom Arzt vorgenommene Vitamin-B12-Injektionen.

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft und bei Säuglingen

Gesonderte Aufmerksamkeit sollte, laut DGE, der veganen Ernährung von Bevölkerungsgruppen gelten, die einen besonderen Anspruch an die Nährstoffversorgung stellen. Bei sich vegan ernährenden Schwangeren und Stillenden sowie vegan ernährten Kindern, vom Säuglingsalter an über die gesamte Wachstumsphase, besteht ein erhöhtes Risiko für Nährstoffdefizite. Aus diesem Grund hat der VEBU für jede Lebensphase hilfreiche Informationen zusammengefasst.

Auch wenn die Studienlage in diesem Bereich ausbaufähig ist, so kommt eine Zusammenfassung aller Untersuchungsergebnisse zu dem Schluss, dass „eine frei gewählte vegetarische oder vegane Ernährung […] in der Schwangerschaft sicher ist, wenn die Nährstoffversorgung beobachtet wird und Nährstoffdefizite kompensiert werden“. 12 Wie der VEBU ist auch die DGE der Ansicht, dass eine gezielte Lebensmittelauswahl und -zubereitung sowie die Supplementierung von Vitamin B12 erforderlich ist, um sich auch während eines erhöhten Nährstoffbedarfs vegan zu ernähren.

  • Nährstofftests

    Der Versorgungsstatus der kritischen Nährstoffe sollte regelmäßig ärztlich überprüft werden. Was genau getestet werden sollte und worauf dabei zu achten ist, erfahren Sie hier. Weiterlesen…

Unser Fazit

Der VEBU begrüßt auf der einen Seite das Positionspapier der DGE, da die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hier zum ersten Mal offiziell die Vorteile einer veganen Ernährung nennt und Handlungsempfehlungen für Menschen gibt, die sich vegan ernähren möchten. Also dass auf eine adäquate Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen – insbesondere Vitamin B12 – zu achten ist sowie regelmäßige Blutuntersuchungen und das Aufsuchen von Ernährungsberatern empfehlenswert sind. Auf der anderen Seite sind diese Handlungsempfehlungen noch zu unkonkret. Die doch eher pauschal gehaltene Empfehlung, sich den Rat einer Ernährungsfachkraft einzuholen, ist zwar richtig, aber noch kennen sich nur wenige Ernährungsberater wirklich gut mit der Thematik aus. Wir wünschen uns außerdem, dass auf Basis dieser Arbeit die Forschung im Bereich veganer Ernährung vorangetrieben und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen allgemeingültiger und umfassender ausgesprochen werden.

  • Vegane Ernährungspyramide

    Die wissenschaftlich fundierte vegane Ernährungspyramide des VEBU hilft vegan lebenden Menschen dabei, die Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde vegane Ernährungsweise in die Praxis umzusetzen. Weiterlesen…

Eine vegane Ernährung birgt ein enormes Potenzial für Menschen, Tiere und Umwelt. Der VEBU arbeitet daran, dieses Wirkungsfeld noch sichtbarer zu machen. Das Positionspapier der DGE zeigt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht und dass auch die Wissenschaft beginnt, sich ernsthaft mit veganer Ernährung zu befassen. Ein Beispiel hierfür ist die vom VEBU mit organisierte VegMed, auf der führende Forscher und renommierte Ärzte Vorträge für Fachpublikum und die interessierte Öffentlichkeit halten. 2016 besuchten über 1.000 Teilnehmer den Kongress. Die Teilnehmerzahl der VegMed steigt mit jeder Veranstaltung kontinuierlich an und dient damit auch als Indikator für die zunehmende Beachtung, die das Thema vegane Ernährung in der Forschung findet.

Insgesamt schließt sich der VEBU den Empfehlungen der A.N.D. an, dass eine gut geplante vegane Ernährung für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet ist, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Jugend.13 Weiterhin begrüßt der VEBU den Anstoß von Forschung in puncto veganer Ernährung. Eine fortschreitende, wissenschaftlich fundierte Aufklärung zu pflanzlicher Ernährung und vegane Ernährungsempfehlungen, vermittelt durch qualifiziertes Fachpersonal, könnten dadurch in Zukunft die Regel sein.

Josefine Märtin

Autorin

Josefine Märtin

B.Sc. Ernährungswissenschaften, M.Sc. Prozess- und Qualitätsmanagement

Quellen

1 M. Richter, H. Boeing et al. (2016): Vegane Ernährung. Ernährungsumschau 4/2016, S. M220-M230 Online unter https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2016/04_16/EU04_2016_M220-M230.pdf [19.10.2016]

2 Dr. A. Epp (2016): Vegan – Risiken durch einen neuen Ernährungsstil Online unter http://www.bfr.bund.de/cm/343/vegan-risiken-durch-einen-neuen-ernaehrungsstil.pdf [19.10.2016]

3 H. Boeing, A. Bechthold et al. (2012): Critical review: vegetables and fruit in the prevention of chronic diseases. Eur J Clin Nutr 51: 637–663

4 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (2011). Kohlenhydratzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten – Evidenzbasierte Leitlinie. Bonn (2011) Online unter www.dge.de/wissenschaft/leitlinien/leitlinie-kohlenhydrate/ [11.10.2016]

5 V. Bouvard, D. Loomis et al. (2015): Carcinogenicity of consumption of red and processed meat. Lancet Oncol 16: 1599–1600

6 H. Boeing (2012): Prävention durch Ernährung. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hg). 12. Ernährungsbericht 2012, Bonn, S. 319–354

7 World Cancer Research Fund (WCRF), American Institute for Cancer Research (AICR) (2007): Food, nutrition, physical activity, and the prevention of cancer: a global perspective. Washington DC

8 DGE (2015) Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten Online unter https://www.dge.de/wissenschaft/leitlinien/leitlinie-fett/ [11.10.2016]

9 S. Tonstad, T. Butler et al. (2009): Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes. Diabetes Care 32 (5), 791–6

10 W. Craig, A. Reed Mangels, American Dietetic Association (2009): Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets. J Am Diet Assoc 109: 1266–1282

11 Herrmann, Wolfgang; Obeid, Rima; Dtsch Arztebl (2008): Ursachen und frühzeitige Diagnostik von Vitamin-B12-Mangel Online unter http://www.aerzteblatt.de/archiv/61696 [19.10.2016]

12 G. Piccoli, R. Clari et al. (2015): Vegan-vegetarian diets in pregnancy: danger or panacea? A systematic narrative review. BJOG 122: 623–633

13 W. Craig, A. Reed Mangels, American Dietetic Association (2009): Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets. J Am Diet Assoc 109: 1266–1282