Das Wissen um die gesundheitlichen Auswirkungen einer vegan-vegetarischen Ernährungsweise beruht auf wissenschaftlichen Untersuchungen. Seit den letzten 20 Jahren steht das präventive Potential vegetarischer Kostformen im Mittelpunkt.

Arten von ernährungswissenschaftlichen Studien

Querschnittsstudien

Mit Querschnittsstudien lassen sich Ernährungs- und Gesundheitszustand einer oder mehrerer möglichst repräsentativer Untersuchungsgruppen (z. B. Vegetarier und Fleischesser) zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmen. Hier kann beispielsweise die durchschnittliche Nährstoffzufuhr, die Nährstoffversorgung im Körper oder die Häufigkeit bestimmter ernährungsabhängiger Erkrankungen untersucht werden.

Querschnittsstudien liefern eine Momentaufnahme der untersuchten Messwerte und erlauben deshalb nur sehr eingeschränkte Aussagen über kausale Zusammenhänge.

Langzeitstudien

In Langzeitstudien werden Probanden über einen bestimmten Zeitraum hinweg beobachtet und wiederholt untersucht. Hierzu zählen u. a. Kohortenstudien und Interventionsstudien.

Prospektive Kohortenstudien

Prospektive Kohortenstudien werden eingesetzt, um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Ernährungsweisen (z. B. vegan, lakto-ovo-vegetarisch und Mischkost) und dem Erkrankungsrisiko gesunder Personen zu untersuchen. Dabei werden die Teilnehmer zu Beginn der Studie entsprechend ihrer Ernährung in verschiedene Gruppen (Kohorten) eingeteilt, die sich in möglichst vielen Merkmalen gleichen (z. B. Geschlechter- und Altersverteilung, Bildungsstand, Einkommen). Die Teilnehmer werden zu Beginn der Studie (Baseline) und während des Studienzeitraums (meist mehrmals) untersucht (Follow-up). Je größer die Probandenzahl und je länger die Beobachtungsdauer, umso aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Anhand von Kohortenstudien lässt sich die Bedeutung verschiedener Ernährungsmuster für das Auftreten von Erkrankungen bzw. den Erhalt der Gesundheit beurteilen.

Interventionsstudien

Mit Interventionsstudien wird untersucht, wie sich gezielt veränderte Einflussfaktoren, z. B. eine Umstellung auf vegetarisch-vegane Ernährung, auf das Krankheitsrisiko oder den Krankheitsverlauf auswirken. Dabei wird eine Interventionsgruppe mit einer Kontrollgruppe verglichen. Noch mehr als bei Kohortenstudien müssen die beiden Gruppen möglichst ähnlich zusammengesetzt sein, um Faktoren zu minimieren, die das Studienergebnis beeinflussen könnten.

Interventionsstudien sind am besten geeignet, um kausale Zusammenhänge zu entdecken bzw. zu überprüfen.

Datenerhebung bei Studien

Neben der Ernährungsweise, dem Lebensmittelverzehr und meist auch verschiedenen Blutwerten werden in Studien weitere Daten gesammelt, die für die Interpretation der Ergebnisse wichtig sein könnten. Hierzu zählen anthropometrische und medizinische Daten (z. B. Körpergewicht, BMI, Medikamenteneinnahme), Lebensstilfaktoren (z. B. Tabak- und Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, TV-Konsum, Schlafdauer) sowie soziodemografische Daten (z. B. Bildungsstand, Einkommen, Größe des Wohnorts).

Störfaktoren müssen berücksichtigt werden

All diese Faktoren beeinflussen die ermittelten Ergebnisse. So ist beispielsweise das Herzinfarktrisiko bei Personen mit Übergewicht, niedrigem Bildungsstand und bei Rauchern größer als bei Menschen mit Normalgewicht, höherer Bildung und bei Nichtrauchern. Außerdem haben Vegetarier und Veganer ein geringeres Herzinfarktrisiko als Fleischesser. Das könnte auch daran liegen, dass der Raucheranteil bei vegetarisch-vegan lebenden Menschen deutlich geringer ist als bei Nichtvegetariern.

Um zu beurteilen, inwieweit das niedrigere Herzinfarktrisiko bei Vegetariern und Veganern auf die Ernährungsweise zurückzuführen ist, müssen möglichst viele dieser sogenannten Störfaktoren statistisch berücksichtigt bzw. herausgerechnet werden. In der Fachsprache nennt man das adjustieren. Je mehr Störfaktoren berücksichtigt wurden, umso wahrscheinlicher ist es, dass ermittelte Unterschiede zwischen Vegetariern, Veganern und Fleischessern durch die Ernährung bedingt sind. Aber selbst wenn viele Störfaktoren herausgerechnet wurden, ist nie völlig auszuschließen, dass Unterschiede zwischen den Studiengruppen auf weitere Einflussfaktoren zurückgehen, die nicht erfasst wurden.

Adventist Mortality Study untersuchte Sterblichkeit

Die weltweit erste große Vegetarierstudie war die Adventist Mortality Study, begonnen im Jahr 1960 mit etwa 15.000 Teilnehmern in den USA. Über eine Beobachtungszeit von 26 Jahren wurde in dieser prospektiven Kohortenstudie der Zusammenhang zwischen vegetarischer bzw. nichtvegetarischer Ernährung und Sterblichkeit untersucht.

Sterblichkeit

Die Sterblichkeit (auch Sterblichkeits- oder Mortalitätsrate) ist eine statistische Maßzahl aus der Bevölkerungswissenschaft. Sie bezeichnet die Anzahl der Todesfälle bezogen auf eine definierte Bevölkerung (z. B. Gesamtbevölkerung) in einem bestimmten Zeitraum. In epidemiologischen Studien wird beispielsweise erhoben, wie viele Vegetarier und wie viele Fleischesser der Untersuchungsgruppe in einem bestimmten Zeitraum (insgesamt oder an bestimmten Erkrankungen) gestorben sind. Werden die beiden Sterblichkeitsraten miteinander verglichen (unter Berücksichtigung der Gruppengröße), kann das Sterberisiko von Vegetariern im Vergleich zu Fleischessern berechnet werden.

Studien zur vegetarisch-veganen Ernährung in Deutschland

Die erste und einzige Kohortenstudie, die in Deutschland durchgeführt wurde, ist die Vegetarierstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums (Heidelberger Vegetarierstudie). Zwischen 1978 und 1999 wurde der Einfluss verschiedener Ernährungsweisen auf die Sterblichkeit untersucht.

Fast alle weiteren in Deutschland durchgeführten Studien mit vegetarisch-vegan lebenden Menschen waren Querschnittsstudien. Hierzu zählen beispielsweise die Berliner Vegetarierstudie (abgeschlossen 1985), die Gießener Vegetarierstudie (abgeschlossen 1985), die Gießener Vollwert-Ernährungsstudie (abgeschlossen 1994) und die Deutsche Vegan-Studie (abgeschlossen 1995). Diese Untersuchungen leisteten verdienstvolle Pionierarbeit und viele ihrer Ergebnisse wurden durch neuere Studien bestätigt.

Kohortenstudien mit Vegetariern und Veganern

Querschnittsstudien können nicht klären, wie sich eine vegetarisch-vegane Ernährungsweise langfristig auf den Gesundheitsstatus und das Krankheitsrisiko auswirkt. Hierzu sind prospektive Kohortenstudien erforderlich, die Teilnehmer mit unterschiedlichem Ernährungsverhalten über einen möglichst langen Zeitraum beobachten. Die wichtigsten Kohortenstudien mit Vegetariern und Veganern werden im Folgenden dargestellt (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Wissenschaftliche Untersuchungen mit vegetarisch-vegan lebenden Menschen

StudieLandBeginnLetzter Follow-upUntersuchte Gruppen (Anzahl der Teilnehmer, gerundet)(Haupt-)Untersuchungsziel
Zusammenhänge zwischen Ernährungsmuster und …
Adventist
Mortality
Study
USA19601986Lakto-Ovo-
Vegetarier (7.920), Nichtvegetarier (6.960)
Sterblichkeit
Adventist
Health
Study
USA19761988Lakto-Ovo-
Vegetarier (7.190), Nichtvegetarier (7.460)
Sterblichkeit, Häufigkeit chronischer Erkrankungen
Vegetarier-studie des
DKFZ*
Deutsch-
land
19781999Lakto-Ovo-
Vegetarier (1.170), Veganer (60), gesundheits-bewusste Nichtvegetarier (680)
Sterblichkeit
Oxford
Vegetarian
Study
Groß-
britan-
nien
19802000Vegetarier** (4.670), Nichtvegetarier (6.370)Sterblichkeit, Häufigkeit chronischer Erkrankungen
EPIC***
Oxford
Study
Groß-
britan-
nien
19932007
wird fortgeführt
Fleischesser (33.880), Fischesser (10.110), Lakto-Ovo-Vegetarier (18.840), Veganer (2.600)Sterblichkeit, Häufigkeit chronischer, Erkrankungen, Nährstoffzufuhr
UK Womens’
Cohort
Study
Groß-
britan-
nien
19952004
wird fortgeführt
Fleischesser-
innen (24.740), Fischesserinnen (4.160), Vegetarier-innen**** (6.480)
Krebshäufigkeit, Nährstoffzufuhr
Adventist
Health
Study 2
USA und Kanada2002
wird fortgeführt
Fleischesser (etwa 45.200), Fischesser (11.000), Lakto-Ovo-Vegetarier (30.500), Veganer (4.100)Sterblichkeit (insbesondere Krebs), Häufigkeit chronischer Erkrankungen

* Deutsches Krebsforschungszentrum | ** davon etwa 10 % Veganer | *** European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition | **** davon etwa 1 % Veganerinnen

Vegetarierstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums

Untersuchungsziel der Heidelberger Vegetarierstudie war der Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Sterblichkeit bei gesundheitsbewusst lebenden Menschen. Dazu wurden von 1978 bis 1999 rund 1.900 Teilnehmer (davon etwa 1.200 Vegetarier) untersucht.

Die Studiengruppe war aufgrund ihrer gesundheitsbewussten Ernährungs- und Lebensweise nicht repräsentativ für die deutsche Allgemeinbevölkerung. So hatten die Teilnehmer selten Übergewicht, rauchten weniger und die Nichtvegetarier verzehrten weniger Fleisch, aber mehr Gemüse und Obst als die Durchschnittsbevölkerung.

Nach 21 Jahren zeigte sich sowohl bei den Vegetariern als auch den Nichtvegetariern eine deutlich geringere Sterberate als in der deutschen Durchschnittsbevölkerung. Zwischen den beiden Gruppen gab es keine signifikanten Unterschiede bei der Gesamtsterblichkeit.

Die Vegetarier hatten jedoch ein etwa 30 % geringeres Risiko, an einer ischämischen Herzkrankheit (z. B. Herzinfarkt) zu sterben. Während ein häufiger Verzehr von Gemüse, Obst und Nüssen in dieser Studie keinen Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit hatte, erhöhte sich mit steigendem Konsum von Fleisch, Wurst und Fisch das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben.1

Oxford Vegetarian Study

An der von 1980 bis 2000 durchgeführten Studie nahmen rund 11.000 Probanden teil, davon etwa 4.700 Vegetarier (inklusive 10 % Veganer). Hauptuntersuchungsziel war die Sterblichkeit von Vegetariern insbesondere an kardiovaskulären Erkrankungen und ernährungsassoziierten Krebsarten (u. a. des Verdauungssystems und der Brust) im Vergleich zur nichtvegetarisch lebenden Kontrollgruppe. Beide Untersuchungsgruppen wiesen eine nur etwa halb so hohe Sterberate wie die Durchschnittsbevölkerung in England und Wales auf. Dieses Ergebnis wurde erwartet, da es sich bei den Teilnehmern um allgemein gesundheitsbewusstere Menschen handelte.

Die Daten zeigten, dass sich mit steigendem Konsum tierischer Lebensmittel die Blutspiegel an Gesamt- und LDL-Cholesterin erhöhten. Daraus wurde berechnet, dass das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, bei lebenslangen Vegetariern 24 % und bei lebenslangen Veganern 57 % niedriger liegt als bei Fleischessern. Auch das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhte sich mit zunehmendem Konsum von Fleisch, Käse, Eiern und tierischen Fetten. Teilnehmer, die kein oder seltener als einmal pro Woche Fleisch verzehrten, hatten eine um 20 % niedrigere Gesamtsterblichkeit und eine 28 % niedrigere Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Fleischesser.2

UK Women’s Cohort Study

In der Studie wurde bei mehr als 35.000 Frauen (Alter 35-69 Jahre) der Zusammenhang zwischen verschiedenen Ernährungsmustern und Krebs untersucht. Unter den Teilnehmerinnen waren etwa 24.700 Fleischesserinnen, 4.200 Fischesserinnen und 6.500 Vegetarierinnen. Die Probandinnen lebten gesundheitsbewusster als die britische Durchschnittsbevölkerung. Begonnen wurde die Untersuchung 1995, die durchschnittliche Beobachtungsdauer betrug 9 Jahre.

Insgesamt 783 Teilnehmerinnen erkrankten in dieser Zeit an Brustkrebs. Bei postmenopausalen Frauen zeigte sich ein deutlich verringertes Brustkrebsrisiko für Fischesserinnen (− 40 %) und ein leicht verringertes Risiko für Vegetarierinnen (− 15 %) – jeweils im Vergleich zu Fleischesserinnen. Bei Frauen vor der Menopause gab es hinsichtlich der Ernährungsweise keinen Unterschied beim Brustkrebsrisiko. Steigender Konsum von Fleisch und Fleischprodukten erhöhte jedoch bei Frauen aller Altersgruppen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken.3,4

EPIC Oxford Study

In der EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) wird seit 1993 der Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und dem Auftreten chronischer Krankheiten, insbesondere Krebs, sowie der Sterblichkeit untersucht. Mit über 500.000 Teilnehmern in zehn europäischen Ländern, verteilt auf 23 Untersuchungszentren, ist sie eine der weltweit größten epidemiologischen Studien. In der Oxford-Kohorte (EPIC-Oxford) werden Vegetarier und Nichtvegetarier aus ganz Großbritannien untersucht, eingeteilt in vier Gruppen (etwa 34.000 Fleischesser, 10.000 Fischesser, 19.000 Lakto-Ovo-Vegetarier und 2.600 Veganer). Die Altersspanne der Teilnehmer liegt zwischen 20 und 97 Jahren, der Frauenanteil beträgt etwa 77 %. Follow-ups fanden nach 5, 10 und 15 Jahren Beobachtungszeit statt.

Die wichtigsten Ergebnisse bisher

  • Die Studienteilnehmer haben eine um 48 % geringere Sterblichkeitsrate als die britische Durchschnittsbevölkerung.5
  • Zwischen Vegetariern und Nichtvegetariern gab es keinen Unterschied bei der Gesamtsterblichkeit; Vegetarier hatten jedoch eine um etwa 20 % niedrigere Sterblichkeitsrate durch ischämische Herzkrankheiten.5
  • Das Gesamtrisiko für ischämische Herzkrankheiten (Erkrankung und Tod) liegt bei Vegetariern etwa 30 % niedriger als bei Fleischessern.6
  • Veganer haben den niedrigsten BMI; der BMI steigt von Veganern über Lakto-Ovo-Vegetarier und Fischesser bis zu Fleischessern kontinuierlich an.7
  • Der gleiche steigende Trend zeigt sich beim Risiko für Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck.8
  • Vegetarier haben gegenüber Nichtvegetariern ein geringeres Gesamtrisiko für alle Krebsarten; es wurde jedoch ein höheres Risiko für Dickdarmkrebs beobachtet. (Die höhere Zahl an Dickdarmkrebserkrankungen bei vegetarisch lebenden Menschen ist überraschend und möglicherweise auf weitere Unterschiede innerhalb der untersuchten Gruppen zurückzuführen, da andere Studien bezüglich des Dickdarmkrebsrisikos von Vegetariern zu anderen Ergebnissen kommen.)9
  • Das Risiko für Dickdarmkrebs steigt mit zunehmendem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch und sinkt mit steigendem Ballaststoffverzehr.9
  • Veganer haben im Vergleich zu Fleischessern, Fischessern und Lakto-Ovo-Vegetariern ein 30 % höheres Risiko für Osteoporose-bedingte Knochenbrüche; dies gilt jedoch nur für Veganer mit sehr niedriger Kalziumzufuhr (< 525 mg/Tag).10
  • Vegetarier haben im Vergleich zu Fleischessern ein niedrigeres Risiko für Divertikulose (Ausstülpungen der Dickdarmwand) und Katarakt (grauer Star).11,12
  • Veganer haben die höchste Zufuhr an Kohlenhydraten, mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Ballaststoffen, an den Vitaminen B1, C und E, Folat sowie den Mineralstoffen Magnesium und Eisen (die Bioverfügbarkeit des pflanzlichen Eisens ist jedoch deutlich geringer).13
  • Gleichzeitig nehmen Veganer am wenigsten Protein, Fett und gesättigte Fettsäuren, Vitamin A, Vitamin D und Vitamin B12 sowie Kalzium und Zink auf.13
  • Blutproben (689 Teilnehmer) zeigten, dass 52 % der Veganer, 7 % der Lakto-Ovo-Vegetarier und 0,5 % der Nichtvegetarier Vitamin-B12-Serumwerte unterhalb des Normbereichs aufweisen.14

Adventist Health Study 2

Die 2002 begonnene Adventist Health Study 2 ist die weltweit größte Studie mit Vegetariern. Ziel der Untersuchung ist der Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und der Häufigkeit chronischer Erkrankungen sowie der Sterblichkeit. An der Studie nehmen über 96.000 Siebenten-Tags-Adventisten (siehe Kasten) aus den USA und Kanada teil. Die Teilnehmer sind zwischen 30 und 112 Jahre alt, etwa 65 % sind weiblich. Die Teilnehmer verteilen sich auf fünf Gruppen: Fleischesser (etwa 45.200), Selten-Fleischesser (5.900), Fischesser (11.000), Lakto-Ovo-Vegetarier (30.500) und Veganer (4.100).

Studien mit Adventisten

Einige der großen Vegetarierstudien wurden mit Adventisten durchgeführt. Siebenten-Tags-Adventisten sind Mitglieder einer protestantischen Freikirche, die sich für einen gesundheitsfördernden Lebensstil ausspricht. Die meisten Adventisten sind Nichtraucher und trinken keinen oder nur wenig Alkohol; etwa die Hälfte der Adventisten lebt vegetarisch. Aufgrund der insgesamt gesünderen Lebensweise und der homogenen Zusammensetzung eignet sich die Gruppe der Adventisten besonders dafür, die Auswirkungen verschiedener Ernährungsweisen auf die Gesundheit bzw. die Krankheitsentstehung zu untersuchen.

Die wichtigsten Ergebnisse bisher

  • Der BMI steigt von Veganern über Lakto-Ovo-Vegetarier, Fischesser und Selten-Fleischesser bis hin zu den Fleischessern kontinuierlich an.15
  • Ein ebenso steigender Trend zeigte sich für die Blut-Cholesterinwerte sowie das Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Metabolisches Syndrom.15
  • Das Diabetesrisiko von Veganern und Lakto-Ovo-Vegetariern war halb so hoch wie das der Fleischesser.15
  • Veganer hatten im Vergleich zu Fleischessern ein 50 % niedrigeres, Lakto-Ovo-Vegetarier ein etwa 15 % niedrigeres Risiko für Bluthochdruck.16
  • Bei Lakto-Ovo-Vegetariern zeigte sich ein geringfügig niedrigeres Gesamt-Krebsrisiko (− 7 %) gegenüber Nichtvegetariern, bei Tumoren des Verdauungstrakts lag das Risiko von Lakto-Ovo-Vegetariern 24 % niedriger.17
  • Veganer wiesen ein um 16 % niedrigeres Risiko für alle Krebsarten auf und ein 34 % niedrigeres Risiko für frauenspezifische Krebsarten.17
  • Veganer und Lakto-Ovo-Vegetarier nahmen weniger gesättigte Fettsäuren auf, verzehrten mehr Gemüse und Obst sowie Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index (wie Hülsenfrüchte und Nüsse)
  • Veganer und Lakto-Ovo-Vegetarier schliefen mehr Stunden pro Nacht und wiesen einen geringeren TV-Konsum auf.18

Fazit

Verschiedene groß angelegte Studien haben wertvolle Erkenntnisse geliefert, wie sich vegetarische und vegane Ernährungsformen auf die Gesundheit auswirken. Demnach weisen Vegetarier und Veganer ein deutlich geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen auf. Dies gilt v. a. für Übergewicht, Diabetes Typ 2, Osteoporose, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für bestimmte Krebsarten. Vegetarisch-vegan lebenden Menschen haben außerdem eine höhere Lebenserwartung und eine etwa halb so hohe Sterblichkeitsrate wie die Allgemeinbevölkerung.

Ausblick

Die meisten der in Deutschland durchgeführten Vegetarierstudien liegen inzwischen 20-30 Jahre zurück. Weiterentwickelte und neue labormedizinische Methoden erlauben heute genauere Aussagen. Zudem unterscheiden sich die heutigen Vegetarier und Veganer in ihrem Lebensstil in vielerlei Hinsicht von denen der 1980er- und 1990er-Jahre.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Forschungsfragen, die bisher nicht oder nur unzureichend untersucht wurden.

Insbesondere fehlen Studien zur veganen Ernährung sowie Untersuchungen mit vegetarisch-vegan lebenden Schwangeren, Stillenden, Kindern, Jugendlichen und Sportlern. Einige der Fragen, die nur in wissenschaftlichen Studien beantwortet werden können, lauten: Wie entwickeln sich Kinder und Jugendliche, die seit Geburt vegetarisch oder vegan leben? Wie wirkt sich eine vegane Ernährung über Jahrzehnte hinweg aus? Wie ist der langfristige Konsum von pflanzlichen Fleisch- und Milchalternativen aus gesundheitlicher Sicht zu beurteilen? Studien dieser Art sind aufwendig und teuer, wären aber dringend notwendig, um Wissenslücken zu schließen.

 

Literatur

1 Chang-Claude J, Hermann S, Eilber U, Steindorf K (2005): Lifestyle determinants and mortality in German vegetarians and health-consious persons: results of a 21-year follow-up. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 14 (4), 963-8

2 Appleby PN, Thorogood M, Mann JI, Key TJ (1999): The Oxford Vegetarian Study: An overview. Am J Clin Nutr 70 (3 Suppl), 525S-531S

3 Cade JE, Taylor EF, Burley VJ, Greenwood DC (2010): Common dietary patterns and risk of breast cancer: analysis from the United Kingdom Women’s Cohort Study. Nutr Cancer 62 (3), 300-6

4 Taylor EF, Burley VJ, Greenwood DC, Cade JE (2007): Meat consumption and risk of breast cancer in the UK Women’s Cohort Study. Br J Cancer 96 (7), 1139-46

5 Key TJ, Appleby PN, Spencer EA, Travis RC, Roddam AW, Allen NE (2009): Mortality in British vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5), 1613S-1619S

6 Crowe FL, Appleby PN, Travis RC, Key TJ (2013): Risk of hospitalization or death from ischemic heart disease among British vegetarians and nonvegetarians: results from the EPIC-Oxford cohort study. Am J Clin Nutr 97 (3), 597-603

7 Spencer EA, Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2003): Diet and body mass index in 38 000 EPIC-Oxford meat-eaters, fish-eaters, vegetarians and vegans. Int J Obes Relat Metab Disord 27 (6), 728-34

8 Appleby PN, Davey GK, Key TJ (2002): Hypertension and blood pressure among meat eaters, fish eaters, vegetarians and vegans in EPIC-Oxford. Public Health Nutr 5 (5), 645-54

9 Key TJ, Appleby PN, Spencer EA, Travis RC et al. (2009): Cancer incidence in vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford). Am J Clin Nutr 89 (5 Suppl), 1613S-1619S

10 Appleby P, Roddam A, Allen N, Key T (2007): Comparative fracture risk in vegetarians and nonvegetarians in EPIC-Oxford. Eur J Clin Nutr 61 (12), 1400-6

11 Crowe FL, Steur M, Allen NE, Appleby PN et al. (2010): Plasma concentrations of 25-hydroxyvitamin D in meat eaters, fish eaters, vegetarians and vegans: results from the EPIC-Oxford study. Public Health Nutr 14 (2), 340-6

12 Appleby PN, Allen NE, Key TJ (2011): Diet, vegetarianism, and cataract risk. Am J Clin Nutr 93 (5), 1128-35

13 Davey GK, Spencer EA, Appleby PN, Allen NE et al. (2003): EPIC-Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK. Public Health Nutr 6 (3), 259-69

14 Gilsing AM, Crowe FL, Lloyd-Wright Z, Sanders TA et al. (2010): Serum concentrations of vitamin B12 and folate in British male omnivores, vegetarians and vegans: results from a cross-sectional analysis of the EPIC-Oxford cohort study. Eur J Clin Nutr 64 (9), 933-9

15 Tonstad S, Butler T, Yan R, Fraser GE (2009): Type of vegetarian diet, body weight, and prevalence of type 2 diabetes. Diabetes Care 32 (5), 791-6, 2009

16 Pettersen BJ, Anousheh R, Fan J, Jaceldo-Siegl K, Fraser GE (2012): Vegetarian diets and blood pressure among white subjects: results from the Adventist Health Study-2 (AHS-2). Public Health Nutr 15 (10), 1909-16

17 Tantamango-Bartley Y, Jaceldo-Siegl K, Fan J, Fraser G (2013): Vegetarian diets and the incidence of cancer in a low-risk population. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 22 (2), 286-94

18 Rizzo NS, Sabaté J, Jaceldo-Siegl K, Fraser GE (2011): Vegetarian dietary patterns are associated with a lower risk of metabolic syndrome: the adventist health study 2. Diabetes Care 34 (5), 1225-7