Vitamin B12: Cyanocobalamin in Nahrungsergänzungsmitteln

Vitamin B12: Cyanocobalamin in Nahrungsergänzungsmitteln

Das Vitamin B12 Cyanocobalamin ist Bestandteil von diversen Nahrungsergänzungsmitteln, um den Vitamin-B12-Bedarf zu decken. Aber wie gesund ist Cyanocobalamin wirklich?

Cyanocobalamin enthält geringe Mengen an Cyanid

Die Einstufung von Cyanocobalamin als „schädlich“ beruht vor allem auf seinem Bestandteil Cyanid, welches in der Natur (z. B. in Bittermandeln, Süßkartoffeln und Leinsamen) hauptsächlich als HCN (Blausäure) vorkommt. Blausäure ist extrem toxisch (giftig). Die tödliche Dosis beim Menschen wird auf etwa 0,5–3,5 mg/kg Körpergewicht geschätzt, welche sich bei einem erwachsenen Mann (Körpergewicht 70 kg) folglich auf mindestens 35 mg beläuft.

Laut EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) liegt die durchschnittliche tägliche Aufnahmemenge von HCN bei 95 μg pro Person und die hohe Aufnahmemenge bei 372 μg pro Person und Tag. Die Menge Cyanid, die mit 1.000 μg Cyanocobalamin aufgenommen wird, liegt lediglich bei 19,2 μg. Daher ist die Verwendung von Cyanocobalamin als Arzneimittel selbst in hohen Dosen vertretbar. 1

Cyanocobalamin wird zu Methylcobalamin umgewandelt

Cyanocobalamin hat, anders als Methyl- und Adenosylcobalamin, im menschlichen Organismus keine physiologische Funktion. Nach Absorption muss es erst in die biologisch aktive Form Methylcobalamin umgewandelt werden – dies passiert in der Darmzelle allerdings nur zum kleinen Teil. Der größere Anteil wird unverändert ins Blut abgegeben. 2

Für den weiteren intrazellulären Stoffwechsel müssen die Liganden des Cobalamins (also die Cyanid-, Methyl- oder Hydroxygruppe) abgespalten werden. In dieser Hinsicht hat Cyanocobalamin gegenüber Methylcobalamin keinen physiologischen Vorteil, denn es ist Zellen gleichgültig, welche Form von Cobalamin sie angeboten bekommen. 4 Das abgespaltene Cyanid kann anschließend vom körpereigenen Enzym Rhodanase zu Thiocyanat umgewandelt und damit entgiftet werden. 5

Halbwertszeit von Cyanocobalamin

Cyanocobalamin hat eine geringere Halbwertszeit im Körper als andere Vitamin-B12-Formen. In gewisser Hinsicht mag Cyanocobalamin also nicht die perfekte Form zur Vitamin-B12-Nahrungsergänzung darstellen, seine Wirksamkeit bei einem Vitamin-B12-Mangel ist allerdings sowohl bei intramuskulärer als auch bei oraler Verabreichung erwiesen.

Stabilität und Lichtempfindlichkeit von Cyanocobalamin

Des Weiteren ist Cyanocobalamin die stabilste Form von Vitamin B12, denn sowohl Methyl- als auch Adenosylcobalamin sind lichtempfindlich. Bei Lichteinwirkung werden sie zu Hydroxycobalamin umgewandelt, welches ebenfalls nur eine geringe Stabilität besitzt. 3

Nebenwirkungen von Cyanocobalamin

Nebenwirkungen (hauptsächlich Allergien) werden bei Cobalamin nur selten beschrieben. In den meisten Fällen sind diese nicht auf das Molekül an sich, sondern auf Begleitstoffe der Herstellung oder Zusatzstoffe zurückzuführen wie Kulturmedium, Streptomycin (Antibiotikum) und Konservierungsmittel. In Einzelfällen wurden Hautreaktionen (z. B. Akne) oder anaphylaktische Reaktionen beobachtet, die vermutlich ebenfalls durch Stoffe aus der Herstellung von Cobalamin und nicht durch das Molekül selbst auftreten.

Vitamin B12 (Cyano- und Hydroxycobalamin) kann aufgrund der vorliegenden Datenlage als atoxisch bezeichnet werden. Mutagenität (Fähigkeit, Mutationen auszulösen), Teratogenität (Fehlbildungen beim Embryo) sowie Kanzerogenität (Erzeugung von Krebs) sind auszuschließen. 4

Fazit

Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Produkte wie die Vitamin-B12-Zahncreme, die Cyanocobalamin enthalten, gelten als unbedenklich und können den Vitamin-B12-Bedarf decken.

Literatur

1 The EFSA Journal; 2004. Cyanwasserstoffsäure (Blausäure) in Aromen und anderen Lebensmittelzutaten mit aromatisierenden Eigenschaften. Gutachten des Wissenschaftlichen Gremiums für Lebensmittelzusatzstoffe, Aromastoffe, Verarbeitungshilfsstoffe und Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen (AFC), Vol. 105, 1-28

2 Hardlei Tf, Mørkbak Al, Bor Mv, Bailey Lb, Hvas Am, Nexo E.: Assessment of vitamin B12 absorption based on the accumulation of orally administered cyanocobalamin on transcobalamin. Clinical Chemistry 56 (3), 432-6, 2010

3 Herrmann W, Obeid R: Vitamins in the prevention of human diseases, 725 S. De Gruyter, Berlin, 2011

4 Pietrzik K, Golly I, Loew D: Handbuch Vitamine, 612 S. Elsevier GmbH, München, 2008

5 Aussignarques C, Giuliani MC, Infossi P, Lojou E, Guiral M, Giudici-Orticoni MT, Ilbert M: A rhodanese functions as a sulfur supplier for key enzymes in sulfur energy metabolism. The Journal Of Biological Chemistry, [Epub ahead of print], 2012, http://www.jbc.org/content/early/2012/04/10/jbc.M111.324863.full.pdf