Jod: Mit jodhaltigen Lebensmitteln Jodmangel vorbeugen

Jod: Mit jodhaltigen Lebensmitteln Jodmangel vorbeugen Bildquelle: Nickola_Che / shutterstock.com

Das Spurenelement Jod ist elementarer Bestandteil der Schilddrüsenhormone. Gleichzeitig zählt Jodmangel zu den größten Gesundheitsproblemen weltweit. Gute Jodlieferanten sind Algen, Champignons und Erdnüsse.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist etwa ein Drittel der Weltbevölkerung von einer unzureichenden Jodversorgung betroffen, in Europa sogar die Hälfte der Bevölkerung. 1 Auch Deutschland gilt aufgrund seiner sehr jodarmen Böden als Jodmangelgebiet.

Funktion von Jod

Das Spurenelement Jod ist elementarer Bestandteil der Schilddrüsenhormone, die im menschlichen Körper die Bildung von Proteinen steuern und somit unverzichtbar für Gewebewachstum und Zellteilung sind.

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen außerdem die Entwicklung von Knochen und Gehirn, den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten sowie den Grundumsatz (= Energieverbrauch des Menschen in völliger Ruhe für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen). Bei einer Überfunktion der Schilddrüse ist der Grundumsatz erhöht, bei einer Unterfunktion erniedrigt.

Vorkommen von Jod

Der Jodgehalt von Lebensmitteln (siehe Tabelle 1) ist durch starke regionale Schwankungen gekennzeichnet. Er ist abhängig vom natürlichen Jodgehalt in Boden und Wasser sowie den Produktionsbedingungen (u. a. Pflanzendüngung und Jodgehalt des Tierfutters).

In Deutschland stellt jodiertes Speisesalz inzwischen eine bedeutende Jodquelle dar. Seit 1989 ist es nicht nur für die Verwendung in Privathaushalten, sondern auch in der Gemeinschaftsverpflegung und der Lebensmittelverarbeitung zugelassen.

Lebensmittel mit natürlich hohem Jodgehalt sind fast ausschließlich Meerestiere und Seetang. 2 Die mengenmäßig wichtigsten pflanzlichen Jodlieferanten sind – unter Berücksichtigung von jodiertem Speisesalz – Brot (18 %) und alkoholfreie Getränke.

Tabelle 1: Jodgehalt verschiedener Lebensmittel 3, 4, 5

LebensmittelJod
sehr hoher Gehaltmg/kg
Algen (verschiedene Arten)5-11.000
Nori-Algen16
Speisesalz, jodiert15-25
mittlerer bis hoher Gehalt μg/100g
Kabeljau50-200
Schellfisch100
Seelachs (Alaska)88
Hering (Atlantik)47
niedriger Gehalt
Champignons18
Brokkoli15
Erdnüsse13
Spinat12
Kürbiskerne12
Kuhmilch (3,5 % Fett)3

Jodbedarf

Für Erwachsene wird eine tägliche Zufuhr von 200 µg Jod empfohlen. 6 Bei einem täglichen Verbrauch von 5 g Kochsalz liefert jodiertes Speisesalz 75-125 µg Jod. Wie die Jodversorgung des Körpers einzustufen ist, kann über die Ausscheidung von Jod mit dem Urin bestimmt werden: je mehr Jod ausgeschieden wird, desto höher die Jodversorgung.

Jodmangel

Ein Jodmangel aufgrund einer zu geringen Jodzufuhr über die Nahrung führt zu einer erniedrigten Blutkonzentration der Schilddrüsenhormone. Um das Defizit auszugleichen, kommt es zu einem Größenwachstum der Schilddrüse (Kropf), sodass mehr Schilddrüsenhormone gebildet werden können. Langfristig kann es dabei zu einer Schilddrüsenunterfunktion mit reduzierter Hormonbildung kommen: die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit ist erheblich beeinträchtigt, u. a. erhöht sich die Infektanfälligkeit.

Zudem können sogenannte „heiße“ Knoten entstehen, autonom arbeitende Bereiche in der Schilddrüse. Diese können bei zeitweise erhöhter Jodzufuhr aktiviert werden und zu einer Schilddrüsenüberfunktion mit lebensgefährlichen Auswirkungen auf den Stoffwechsel führen. Zudem erhöhen sie das Risiko für Schilddrüsenkrebs.

Bei einem chronischen Jodmangel in der Schwangerschaft steigt die Wahrscheinlichkeit für Tot- und Fehlgeburten. Eine Jodunterversorgung im Mutterleib, während der Stillzeit oder im Kleinkindalter, führt zu Wachstumsstörungen und irreparablen Entwicklungsstörungen des Gehirns, des Skeletts und anderer Organe. Diese schwersten Formen des Jodmangels kommen, anders als in den sogenannten Entwicklungsländern, in den Industrienationen praktisch nicht vor. Eine langfristig unbefriedigende Jodversorgung kann jedoch zu Beeinträchtigungen der motorischen sowie der geistigen Leistungsfähigkeit, wie schlechte Schulleistungen bei Kindern, führen.

Jodversorgung bei Vegetariern und Veganern

Die zu geringe Jodzufuhr mit der Nahrung ist kein spezielles Problem von vegetarisch-vegan lebenden Menschen, sondern betrifft die Gesamtbevölkerung in Deutschland. Obwohl sich die Jodversorgung in den letzten Jahren deutlich verbessert hat, v. a. durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz, liegt bei etwa 30 % der Bevölkerung ein leichter bis moderater Jodmangel vor. Übrigens zeigen die wissenschaftlichen Fakten, dass durch die Verwendung von Jodsalz – anders als von Jodkritikern behauptet – weder Schilddrüsenerkrankungen ausgelöst oder verschlimmert werden, noch es zu Folgeerkrankungen kommt. 7

In den wenigen vorliegenden Studien wurden auch bei vegetarisch und insbesondere vegan lebenden Menschen oftmals Zufuhrmengen unterhalb der Empfehlungen festgestellt. Die durchschnittliche Jodausscheidung mit dem Urin ist bei Lakto-(Ovo-)Vegetariern geringer als bei Fleischessern, jedoch deutlich höher als bei Veganern. 8 Da auch Milch und Milchprodukte zur Jodversorgung beitragen, ist davon auszugehen, dass für Lakto-(Ovo-)Vegetarier kein größeres Risiko für einen Jodmangel besteht als für Mischköstler. Da jedoch bei beiden Gruppen die durchschnittliche Jodversorgung noch nicht optimal ist, sollten sowohl Vegetarier als auch Mischköstler ihre Jodzufuhr durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz verbessern.

Veganer gelten hingegen als Risikogruppe für eine unzureichende Jodversorgung. 9 Vegan lebenden Menschen wird deshalb empfohlen, eine ausreichende Jodzufuhr durch ausschließliche Verwendung von jodiertem Speisesalz sowie von Meeresalgen mit moderatem Jodgehalt (wie Nori) sicherzustellen. Beim Verzehr sehr jodreicher Algenarten besteht die Gefahr gesundheitlich nachteiliger Effekte, daher ist bei einem Jodgehalt von über 20 mg/kg Trockenprodukt vom Verzehr abzuraten. 4

Lebensmittel wie Kohlgewächse, Sojabohnen und Süßkartoffeln enthalten Inhaltsstoffe, die im übermaß eine Kropfbildung fördern, da sie Jod aus der Nahrung binden und dadurch dessen Bioverfügbarkeit herabsetzen. Unter Bioverfügbarkeit versteht man das Maß, in dem der Körper das in der Nahrung vorliegende Jod aufnehmen und verwerten kann. Insbesondere bei sehr niedriger Jodzufuhr kann dies von Bedeutung sein. Nach ärztlicher Bestimmung des Jodstatus kann es für Veganer sinnvoll sein, ergänzend Jodtabletten zur Verbesserung der Versorgung zu verwenden.

Fazit

  • In Jodmangelgebieten wie Deutschland sind, unabhängig von der Ernährungsweise, alle Menschen gleichermaßen von Jodmangel betroffen.
  • Die Verwendung von Jodsalz führt zu einer deutlichen Verbesserung der allgemeinen Jodzufuhr.
  • Lakto-(Ovo-)Vegetarier haben gegenüber Fleischessern kein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel; dennoch ist bei beiden Gruppen die Jodversorgung noch nicht optimal.
  • Veganer gelten als Risikogruppe für einen Jodmangel und sollten besonders auf eine ausreichende Jodzufuhr achten.

Geprüft vom wissenschaftlichen Beirat des VEBU

Literatur

1 WHO (World Health Organization) (2004): Iodine status worldwide: WHO global database on iodine deficiency. Geneva, p. 1, 12

2 Max Rubner-Institut (Hrsg) (2008): National Verzehrsstudie II. Ergebnisbericht, Teil 2. Karlsruhe, S. 138f

3 Elmadfa I, Aign W, Muskat E, Fritzsche D (2012): Die große GU Nährwert Kalorien Tabelle. Neuausgabe 2012/13. Gräfe und Unzer, München

4 BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) (2007): Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 26

5 Jahreis G, Leiterer M, Fechner A: Jodmangelprophylaxe durch richtige Ernährung. Präv Gesundheitsf 2, 179-183, 2007

6 DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), ÖGE (Österreichische Gesellschaft für Ernährung), SGE (Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung), SVE (Schweizerische Vereinigung für Ernährung) (Hrsg) (2008): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt a. d. Weinstraße, 3. korr. Nachdruck, S. 179

7 BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) (2004): Nutzen und Risiken der Jodprophylaxe in Deutschland. Aktualisierte Stellungnahme

8 Krajcovicová-Kudlácková M, Bucková K, Klimes I, Seboková E (2003): Iodine deficiency in vegetarians and vegans. Ann Nutr Metab 47 (5), 183-5

9 Lightowler HJ, Davies GJ (1998): Iodine intake and iodine deficiency in vegans as assessed by the duplicate-portion technique and urinary iodine excretion. Br J Nutr 80 (6), 529-35